Vortrag | Essay

Das ist sie.

Das ist sie.
Über dufte Implikationen und die Frage nach Identität

Düfte können eine Herausforderung sein: zu süßlich, zu blumig, zu schwer. Und dann soll der Name ja auch noch die passende Attitüde zum Charakter ausdrücken.
Auf den ersten Blick wirkt das trivial, semiotisch ist es interessant, weil der Duft seine zugedachte Bedeutung erst in der sprachlichen Rahmung erhält.

Mit anderen Worten, Düfte riechen nicht einfach. Sie erzählen. Sie treten mit dem Verkaufsanspruch auf, eine Identität zu konstituieren, die aber eigentlich eine Rolle zu sein scheint. Wäre ich bereits die Femme fatal, würde ich vielleicht nicht zum schweren samtigen Duft greifen oder vielleicht möchte ich mir den Anschein geben und die Rolle beanspruchen und der Duft soll das dann verifizieren. Darin steckt eine grundlegende Frage nach verkörperter Identität und Abgrenzung zur Rolle. Der Rollenbegriff an sich ist schon schwierig, denn wann ist es nur Rolle und wann verkörperte Identität und was definiert verkörperte Identität? Für den Moment lasse ich das als Frage offen.

Ich bin über ein Parfum gestolpert, das zu meinem persönlichen Duftprofil passt und das auch über den Namen transportiert. Keine elegischen Versprechen griechischer Verführungskünste, sondern eine klare Aussage: „This is her“ – von „Zadig&Voltaire“. Auch aus dem Markennamen entsteht ein spezifisches Narrativ, abgeleitet von dem französischen Philosophen der Aufklärung, François-Marie Arouet Voltaire und seiner Figur Zadig. Das klingt, als ob sich die Produkte in einem Spannungsfeld bewegen, in dem sich französische Kultur mit Noblesse, ohne sprachliche Theatralik und vor allem mit Haltung entfalten darf. Und diese Haltung überträgt sich auf die Trägerin, wird von ihr reproduziert, wodurch sich die Marke etabliert.

 Im konkreten Fall wird „This is her“ mit dem Narrativ einer kompromisslosen Frau beworben, die zugleich rebellisch sei und trotzdem in ihrer Weiblichkeit sicher verankert. Dies zeige sich in einer Komposition aus herbem Sandelholz, Kastanie, Jasmin und Vanille. Der Duft passt mit dieser Komposition, weil die einzelnen Bestandteile bereits in ihren assoziierten Eigenschaftszuschreibungen etabliert sind. Anders formuliert: Das ist sie. Sie muss es nicht erst beweisen und sie braucht den Duft nicht, um sich zu erzählen, erzählbar zu machen. Dass das ausgerechnet die Botschaft des Duftes ist, die sich erst durch das Tragen manifestiert, ist eine feine Ironie.

Und dann kam der zweite Duft. Deutlich blumiger und süßer. Also eine andere Eigenschaftsassoziation, die aus der lebensweltlichen Einbettung heraus gelesen wird. Neben einer etablierten Vorstellung, in welchem Kontext Vanille zu erwarten ist, hat Vanille auch eine individuelle Duftbedeutung. Diese Rahmung macht aus der Erzählung einen kulturellen Mythos; etwas, was sich etabliert hat, reproduziert und herausgefordert wird. Ein Duft ist demnach nicht beliebig. Er übersetzt Dufterfahrungen in narrative Identität. Das kann bedeuten, dass meine Identität heute nach einem leichten Duft verlangt und morgen vielleicht etwas Schweres braucht. Aus der Frage nach Rolle und Identität ergibt sich eine Frage nach der Haltung. Folgt der Duft identitärer Narration oder umgekehrt? Die Frage stellt sich konkret mit Zadig&Voltaire’s Namensgebung: „This is really her“.

„This is really her“

Ich war irritiert und habe mich gefragt, warum. Die erste Setzung ist: Es gibt eine „sie/her“. „This is her“ liest sich dementsprechend wie ein: Das ist sie – in ihrer Komplexität, in ihrer Wandlungsfähigkeit und Einzigartigkeit. Und es ist eine deiktische Aussage. Das ist sie. Duft und Identität scheinen hier zu verschmelzen. „This is her“ ist zudem dialogisch angelegt und adressiert jemand anderen. Der Name spricht. Die Entscheidung für die dritte Person kommuniziert, dass in diesem Flakon die Essenz der Besitzerin enthalten ist und wenn diese andere an ihm rieche, habe ich alles, was ich über sie wissen muss, als Duft eingeatmet. Hieße der Duft „This is me“ wäre es immer noch dialogisch, im Ricoeur’schen Sinne, da das Ich zum erzählten Ich wird. Der Duft adressiert also aus sich heraus bereits den/diejenige, der/die den Duft riecht, einschließlich des den Duft tragenden Subjekts. Das ist insofern spannend, da Duftnamen per se metaphorisch angelegt sind und hier nicht mit einem Bild wie „Poison“ oder „Explorer“ gearbeitet wird, sondern Identität über eine Sprachhandlung erzeugt wird.

„This is her“ ist eine Aussage und diese trägt einen Wahrheitsanspruch. Es gibt eine „Sie“. Und jetzt „This is really her“. Der zweite Duft behandelt das „Sie/Her“ anaphorisch, denn es ist dieselbe „Sie/Her“, auf die verwiesen wird. Was macht das „really“ nun mit ihr? Mit dem neuen Duft erfolgt auch eine neue Identitätszuschreibung. Der erste Duft wird infrage gestellt, das „really“ wirkt korrigierend und damit auch den vorherigen Zustand negierend – sie wird dadurch in ihrem Identitätswert herabgesetzt.

Wie kann sie es mit dem ersten Duft noch sein, wenn der zweite Duft den Raum und die Setzung beansprucht, sie jetzt aber wirklich zu sein? Die Deixis verschiebt sich vom Ort zur Zeit. „Really“ markiert ein vorher und nachher und es verschiebt die Narration und damit Identität zu einem Zuschreibungsprozess, der Identität nachträglich von außen auflösen kann. Ich würde das funktional als eine Form von Zuschreibungsmacht benennen. In der Verschiebung konstituiert das „really“ einen Wert, der vorher nicht zur Disposition stand und der offenbar beliebig zugeteilt und entzogen werden kann.

Der Duft folgt der Identität … was bleibt vom Subjekt übrig, von der Frau, wenn der kulturelle Mythos jederzeit überschrieben werden kann? Naheliegender wäre für mich gewesen, den zweiten Duft „This is her II“ zu nennen. Weil dann die römische Zwei im Englischen phonetisch wie ein „auch“ geklungen hätte. This is her two/too. Das wäre so eine schöne Narration gewesen. Der zweite Duft hätte elegant Zahlen und gesprochene Sprache verbunden und die Aussage wäre gewesen, das ist sie und das hier, das ist sie auch. Weil Frauen nicht nur eine Identität haben und eine schöne Ansicht, sondern wie Skulpturen unendlich viele schöne Ansichten und entsprechend unterschiedliche Düfte tragen dürfen.

Inzwischen gibt es sie auch „undressed“ und mit „Vibes of freedom“. Welche Narrative sich daraus lesen lassen und aus welcher Perspektive sie erzählen und wen sie adressieren, ist eine andere Diskussion.

Nun gibt es nicht nur eine „Sie/Her“, sondern auch einen „Er/him“ und konsequenterweise ist er ebenso betroffen. Ich bin geneigt, Shakespeare zu zitieren: „Ist es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode“ – in der hier verfolgten Marketinglogik zeigt sich eine instabile Narration, die suggeriert, eine Aufwertung zu sein, jedoch als nachträgliche Verschiebung und Reorganisation identitärer Narrationen operiert. Mir bleibt also nichts anderes übrig, als „This is really her“ kategorisch zurückzuweisen.

„This is really her/him“ empfinde ich als verschenktes Potenzial, eine durchgängige Markenbotschaft zu entwickeln, die identitäre Komplexität explizit wertschätzt, sich der semiotischen Dimension von Marketing bewusst ist und damit eine tatsächlich identitätsstiftende Corporate Identity verkörpert – eine, die dann auch meinem persönlichen Anspruch an narrative Selbstsetzungen durch Duft entspräche.

Schreiben

Schreiben III

Roland Barthes veröffentlicht 1973 „Die Lust am Text“. Wie lese ich Barthes? Wie schreibe ich? Die Lust lebt im Text, die Fragmente sind weder das eine noch das andere. Weder Lust. Weder Text. Die Begriffe sind ineinander aufgehoben… verwoben, wie das Saussure’sche Signifikat und Signifikant. Lesen heißt fühlen im Denken, fühlend zum Denken, denkend ins Fühlen und es erfordert ein sich Hingeben an den Text. Gute Texte verlangen danach, nach dem kompromisslosen Verlangen im Text aufzugehen.

Unsere Lust trifft sich in der Sprache

Das Raunen der Töne und Betörungen, der Laute, die sich aneinanderschmiegen, wie es unsere Körper nie könnten. Bedeutungen, die sich reiben, winden, aufeinanderstoßen und wieder voneinander ablassen. Wellen aus Ungesagtem, das Beanspruchen der Hingabe an das Wort, verliert sich im Genommen werden, entgleitet den Lippen, atmet.

Der einzelne Laut liebkost die Haut, der Satz in seiner vollen Struktur verwandelt sich in einen festen Abdruck auf dem Körper, wie zärtlich gesprochen, wie sanft und fordernd und in der Stille zwischen den Wörtern, das reine Fühlen der Begierde, der Hunger nach dem nächsten Satz, das Erzittern unter dem ersten Wort, der Auftakt für eine neue Lust, die die alte Lust in sich aufnimmt, erneuert, erhebt.

In der Sprache trifft sich unsere Lust.

Lyrik

fischen

wenn elke heidenreich
mich nicht lesen würde wollen
dann ist das ihre sache
ich schreibe trotzdem
aus den tiefen meiner selbst
und wenn das dann an der oberfläche
schwimmt, dann kann man´s fischen
oder eben lassen

Vortrag | Essay

Werbung und Kreativität – Blenden und Blending.

Warum sich die Kreativitätspsychologie mit Metapherntheorie beschäftigen sollte.

„Creativity is intelligence having fun.“

Albert Einstein

Dieses Zitat wird Albert Einstein zugeschrieben und ist allein schon deshalb kreativ, weil es als Formel angelegt ist und formal eine gewisse Nähe zu Einsteins Relativitätstheorie aufweist. Aber – was genau ist Kreativität und worin besteht der Spaß, den Intelligenz haben könnte? Mal ganz abgesehen von der Frage wer oder welche kortikale Strukturen mit Intelligenz gemeint sind.
Ich begrüße Sie zu meinem Vortrag. Werbung und Kreativität – Blenden und Blending. Warum sich die Kreativitätspsychologie mit Metapherntheorie befassen sollte.
Ich möchte in diesem Impulsvortrag im ersten Teil Kreativität als Forschungsobjekt darstellen, um dann im zweiten Teil die Metapherntheorie nach Lakoff in Verbindung mit dem Conceptual Blending nach Fauconnier und Turner vorzustellen. Diese werde ich dann an einem Beispiel aus der Werbung illustrieren.

Kreativität


Der Begriff kommt aus dem Lateinischen „Creare“ – Erschaffen, Erzeugen, Gestalten. Der Psychologe Holm-Hadulla sieht zudem noch eine Nähe zum Begriff „Cresecere“ – werden, gedeihen, wachsen lassen.
Kreativität ist also auf den ersten Blick etwas, was irgendwie geschaffen wird und eine Phase des Gedeihens voraussetzt.
Über die Voraussetzungen für Kreativität gibt es einen weitestgehenden Konsens, der sich durch das Akronym FASZINATION auf den Punkt bringen lässt:
Flexibilität – assoziatives Denken – Selbstvertrauen – Zielorientierung – Intelligenz – Nonkonformismus – Authentizität – Transzendenz – Interesse.

Für meine Überlegungen liegt der Schwerpunkt nun auf den Denkprozessen, also assoziatives Denken und Flexibilität. Damit ist ganz allgemein die Fähigkeit gemeint, neue Informationen mit bekannten zu vergleichen und zu verknüpfen und offen für neue Erfahrungen zu sein, also neue oder unerwartete Gedankenverbindungen überhaupt zuzulassen.
Der kreative Prozess als solcher wird in fünf Phasen unterschieden: Vorbereitung – Inkubation – Illumination – Realisierung – Verifikation.
Auch hier sollen zwei Begriffe herausgehoben und fokussiert werden: nämlich die der Inkubation und Illumination. Die Inkubation deutete sich bereits zu Anfang im „Gedeihen“ an, also das aktive Assoziieren. Illumination ist die sprichwörtliche Erleuchtung, die neue Erkenntnis. Vollmer schreibt dazu: Als Wurzel der Kreativität sähe Robinson die Imagination. Sie sei die Fähigkeit, etwas zu erkennen, das noch nicht bewusst ist. An anderer Stelle zitiert Vollmer Kant: dieser definiere „Einbildungskraft als das Vermögen, einen Gegenstand auch ohne dessen Gegenwart in der Anschauung vorzustellen.
Kreativität ist demnach die Fähigkeit, eine Vorstellung von etwas bewusst zu machen, das vorher noch nicht da war. Sehr anschaulich ist in diesem Zusammenhang ein Ausspruch Michelangelos, der gesagt haben soll, die Skulptur befände sich bereits im Stein, er müsse nur noch das Überflüssige entfernen. Selbst in der Beschreibung dieser Vorgänge bewege ich mich sprachlich bereits in Bildvergleichen.

Um diese Fähigkeit zur Vorstellung und Bewusstmachung weiter zu untersuchen, gehe ich nun auf die Ebene des Denkprozesses, und zwar in der Unterscheidung von konvergentem und divergentem Denken nach Guilford.
Konvergentes Denken beschreibt kurz und knapp die rational-analytische, zielgerichtete lösungsorientierte Denkrichtung, salopp gesagt: straight ahead, stur geradeaus. Im Gegensatz dazu ist divergentes Denken breit angelegt und berücksichtigt Aspekte wie Problemsensitivität – Ideenflüssigkeit – Flexibilität – Originalität und Elaboration. Konvergentes Denken ist somit analytisch und selektiv. Divergentes Denken scheint auf den ersten Blick ziellos zu sein, eröffnet aber einen Denkraum, der eine Auswahl an Gedanken, Ideen oder Vorstellungen beinhaltet. Bildhaft ausgedrückt ist konvergentes Denken das Denken auf der Autobahn und divergentes Denken ein mit der Machete freigeschlagener Trampelpfad.
Kreativität ist nur dann Kreativität, wenn am Ende ein brauchbarer Output dabei herauskommt: Eine Idee oder eine Erkenntnis, die mir bei der Lösung eines Problems hilft. Daraus lässt sich ableiten, dass erst in einem Mix aus divergentem und konvergentem Denken so ein Output entstehen kann. Kreativität wäre also eine Denkschleife aus abwechselnden Phasen des Sammelns und Selektierens.

Gehen wir noch einen Schritt weiter auf die neuronale Ebene. Lehmann beschreibt kreative Denkprozesse als Oszillieren zwischen Flow-Zuständen und Muße, also cerebraler Entspannung. Die Entspannung wäre demnach der Zustand des Inkubierens. Also unbewusstes Gedeihen, was sich wieder in der Metapher des Ausbrütens verbildlichen lässt. Der Flow ist maximale Fokussierung bei gleichzeitiger Ausblendung aller anderen Faktoren wie Zeit, Raum, der eigene Körper und dessen Befindlichkeiten. Weiterhin stellt Lehmann heraus, dass der Neurotransmitter Dopamin unter anderem dafür verantwortlich ist, bestimmte Areale im Gehirn zu aktivieren oder deaktivieren und damit bestimmte neuronale Verbindungen zu priorisieren oder eben nicht.
Dopamin wird sowohl im Mittelhirn, und zwar dort in der Substantia Nigra, als auch in der Nebennierenrinde gebildet, wirkt primär neuronal erregend und steuert Antrieb und Motivation, aber auch Bewegungen innerhalb der Basalganglienschleife. Patho-neurologisch spielt Dopamin deswegen eine Rolle bei der Parkinson-Erkrankung mit einem Dopaminmangel und bei einem Zuviel im Zusammenhang mit Schizophrenie. Dies erklärt die Nähe zum Themenfeld Genie und Wahnsinn, was aber eine andere Geschichte ist, wie im Falle des Mathematikers John Nash.
Nun können wir nicht willentlich den Ausstoß von Dopamin ankurbeln oder unterdrücken, er steht aber trotzdem in Zusammenhang mit dem limbischen System im Temporallappen hinter den Ohren, welches für unsere Emotionen zuständig ist. Diese Strukturen sind im okzipitalen Bereich (etwas weiter hinten oben) mit den Spracharealen (Broca und Wernicke) verschaltet. Überdies findet auch Erinnern und Gedächtnis in temporalen Strukturen statt, die wiederum eng an visuelle kortikale Strukturen gebunden sind. Darauf verweist bereits Francis Crick in seiner Publikation „Was die Seele wirklich ist“ Über visuelles Bewusstsein. Auch das scheint mir eine wichtige Spur zu sein, die die Argumentation für bildliches Denken stützt.
Kreativität ist in der Sammelphase also ein dopaminabhängiges Erschließen neuer oder wenig genutzter Nervenverbindungen und Verknüpfen von gespeicherten Daten. Diese wiederum haben sich aus Erfahrung und Vorstellung durch Erinnerungs- und Gedächtnisleistungen gebildet.

Zu Beginn hatten wir die kreativen Phasen Inkubation und Illumination fokussiert. Das Verlassen ausgetretener Pfade scheint zu diesem Zeitpunkt eher der Inkubation zuzuordnen zu sein, die mit der Illumination, der Bewusstmachung bereits zu einigermaßen gangbaren Fußwegen geworden sind.
Und so stellt sich Vollmer in ihrem Buch über Kreativität auch zu Recht die Frage: Inwiefern vorsprachliches und bildhaftes Denken im Unterschied zu sprachlichem Denken die Ideenfindung beeinflusst.
Erinnern wir uns an die Zitate von Robinsons und Kant: die Kernbegriffe sind Imagination und Einbildungskraft. Vollmer zieht hier die sprachliche Verbindung zum lateinischen Ursprung „imaginatio“ und dem reflexiven „sich ein Bild machen“.
Aber ganz offensichtlich unterscheidet sie zwischen unbewusstem Bilddenken und bewusstem Sprachdenken als voneinander getrennte Systeme und ich frage mich, ob das Sinn macht.

Und damit wäre ich beim zweiten Teil, der Metapherntheorie nach Lakoff und Johnson.

Metapherntheorie


Die Metapher als rhetorisches Stilmittel löst keine große Aufregung aus. Man kennt sie, man nutzt sie und gut ist. Deutlich aufregender ist dagegen das Konzept von Lakoff und Johnson, die die Metapher zum zentralen Denkprozess erklären. Dabei formulieren sie folgende Grundannahme: „Unser alltägliches Konzeptsystem, nachdem wir sowohl denken, als auch handeln, ist im Kern und grundsätzlich metaphorisch. Zitatende. Was heißt jetzt aber Konzept? Ich verstehe den Begriff Konzept als eine Menge x an zusammengehörigen Daten hinter einem sprachlich codierten Begriff, die aus Erfahrung entstanden sind und die uns in der Welt einordnen und sinnvoll verorten.

Weiterhin definiert Lakoff den Begriff Metapher wie folgt: „Das Wesen der Metapher besteht darin, daß wir durch sie eine Sache oder einen Vorgang in Begriffen einer anderen Sache bezw. eines Vorgang verstehen und erfahren können.“ Bei dieser Aussage erinnere ich mich spontan an meinen Politikunterricht in der Mittelstufe, in der der Begriff „Erklären“ dadurch definiert wurde, dass eine unbekannte Sache mit einer bekannten verglichen wird. Mit anderen Worten: mittels Metaphern erklären wir uns die Welt.
Bei der Metapher gibt es jedoch zwei Seiten der Medaille: bei der Verwendung einer Metapher liegt der Fokus auf einem bestimmten Aspekt innerhalb eines Konzeptes und lenkt von anderen Aspekten ab. Die Metapher beleuchtet und verschleiert zugleich.
Hier zeigt sich eine erste Verbindung zur Kreativität: Ich greife erneut auf Vollmer zurück: „Sowohl Baudelaire als auch Adorno stellen dagegen den Rätselcharakter kreativer Werke heraus, die etwas sichtbar machen und zugleich verstecken. Mit seiner Überlegung, dass Kunst als Versuch, neue Ordnungen zu erstellen, zu verstehen ist, knüpft Arnheim an dieser Argumentation an.“

Lakoff unterscheidet vier Metaphern-Arten: Zuerst die Struktur Metapher, die darin besteht, dass das Konzept X durch Konzept Y metaphorisch strukturiert wird. Zweitens die Orientierungsmetapher: diese ist abhängig von physischen und kulturellen Erfahrungen und bezieht sich auf die Verortung im Raum. Die dritte Metaphernstruktur ist die ontologische Metapher, sie steht für Sichtweisen von Ereignissen, Aktivitäten aber auch Emotionen oder Ideen. Die letzte Unterscheidung ist die Gefäß-Metapher: hier geht es primär um Land und Territorien, also Räume als Grenze und die Blickfelder darauf. Das Land selber wird metaphorisch als Gefäß verwirklicht, in dem man sich entweder befinden kann oder zu dem man sich in irgendeiner Position befindet, abhängig eben vom Blickwinkel auf dieses spezielle Land. Darüber hinaus kann ich durch die Metapher personalisieren oder metonymisieren, also Eigenschaften übertragen. Ich kann sagen, „das Buch bei Dussmann hat mich so freundlich angelächelt, da konnte ich nicht widerstehen“ oder „der Goethe hat mich heute aber geärgert“ und es ist klar, was damit gemeint ist.

Innerhalb der Metapher findet eine Bewegung von der Ausgangsdomäne zur Zieldomäne statt. Um diese Bewegung vollziehen zu können, dass heißt, konkret, die Aspekte eines Konzeptes auszuwählen, die ich für die Metapher benötige, muss ich aber bereits eine Vorstellung davon haben, auf welche Aspekte ich den Fokus legen will, worauf ich die Aufmerksamkeit lenken will.
Dieser Prozess scheint sich innerhalb einer Schleife zu vollziehen, die sich gut mit der Basalganglienschleife vergleichen lässt, mittels derer Bewegung im Gehirn geplant und ausgelöst wird. Das wird mit folgendem Beispiel gut illustriert: Ich sehe eine Tasse mit Kaffee und möchte den Kaffee trinken. Diese Idee wird vom Frontallappen via Basalganglienschleife zum Kleinhirn geschickt, wo die Stellung meines Körpers im Raum und zur Tasse überprüft wird, von dort geht es zurück zum Frontallappen, guckt unterwegs im limbischen System, wie lecker der Kaffee ist und wie durstig ich bin und nach einigem Hin und Her greife ich dann endlich nach der Tasse, führe sie zum Mund und trinke. Wobei das Hin und Her extrem schnell und unbewusst passiert.


Genau dieser Vorgang muss sich auch bei der Bildung der Metapher vollziehen, nur dass hier Aspekte einer Information, Aufmerksamkeit, Kontext und Situation sowie Kommunikationspartner die entscheidenden Variablen sind.

Lakoff führt aus, dass die Metapher unentbehrlich für die wissenschaftliche Innovation sei. Einerseits als Forschungsobjekt, um Sprache und Denken zu verstehen, also das, was die kognitive Linguistik untersucht. Aber auch als Denkstrategie und Prozess, wie ich mit wissenschaftlichen Problemen umgehe, um Erkenntnisse zu gewinnen und Lösungen zu finden.
Um den Prozess der Metaphernbildung besser zu verstehen, komme ich nun zum Conceptual Blending nach Fauconnier und Turner.
Blending ist ein kognitiver Prozess, der in der Auswahl und Anordnung von Konzeptelementen besteht, die in neue Bedeutungskonzepte überführt werden und die von einer gemeinsamen Kultur und Sprachgemeinschaft verstanden werden können. In der Rekonstruktion dieser Prozesse besteht eine Möglichkeit, sprachliche Phänomene zu analysieren und diese für wissenschaftliche Fragen nutzbar zu machen.
Die Fähigkeit des Blending setzt Erfahrung und Wissen über diese Erfahrung voraus. Erfahrung und Wissen werden in Sprache codiert und das Sprachsystem selber besteht wiederum aus Syntax und Semantik. Conceptual Blending verknüpft nun semantische Teilmengen zu einer neuen Vorstellung: der Metapher.
Innerhalb des Spracherwerbs hat Michael Tomasello die Verbinsel-Konstruktion als Grundlage für sprachliche Realisation herausgearbeitet. Das Verb übernimmt eine Kernstellung, welche durch variable Mitspieler ergänzt wird. Als Vergleich bietet sich hier die Silbenstruktur an, mit ihrem Kern, Kopf und Reim. Salopp ausgedrückt lässt sich das so auf den Punkt bringen: Was der Silbe ihr Vokal, ist der Metapher ihr Verb. Um eine Metapher zu verstehen, muss man demnach das Verb in seiner Beziehung zu den Mitspielern untersuchen.

„Hinter dem Deich, aber nicht hinter dem Mond“


Ich möchte dies nun an einem Beispiel aus der Werbung illustrieren. Die Werbung erschien mir dabei aus zwei Gründen sinnvoll. Erstens, weil Werbetexte Funktionstexte sind. Ihre Funktion besteht darin, zu verkaufen. Zuerst wird beim Rezipienten ein Bedürfnis geweckt und darauf aufbauend einen Kaufwunsch auszulösen, um das Bedürfnis zu befriedigen. Kurz AIDA: Attention – Interest – Desire – Action. Mehr muss Werbung nicht leisten und genau das ist aber auch die Herausforderung.

Weiterhin wird Werbung mit kreativem Tun assoziiert. Werbetexter und Graphikdesigner werden als „Kreative“ bezeichnet. Damit ist wiederum eine Erwartungshaltung an das Werbe-Medium verbunden. Der Rezipient erwartet eine kreative, überraschende und innovative Lösung der Kauf-MICH-und-nicht-die-anderen-Problematik, die diese gleichzeitig verschleiert. Es scheint also naheliegend, das Werbung und Werbende offensichtlich in besonderem Maße mit Metaphern und damit Conceptual Blending operieren (müssen).
Werbung besteht für mich aus drei Ebenen: einer ästhetischen Ebene, einer funktionalen und einer sprachpragmatische Ebene. All diese Ebenen vereinen sich im kreativen Output.

Das Beispiel entstammt der Imagebroschüre der Druckerei Clausen& Bosse in Leck, die zur CPI Gruppe gehörend eine der sechs größten Druckereien in Europa ist. Kurz zur Funktion: eine Imagebroschüre richtet sich an den Kunden, der sowohl Endkunde, als auch Business-to-Business sein kann. Endkunde ist zum Beispiel Onkel Heiner, der die Einladungen zu seinem 50sten Geburtstag drucken lässt. Business-to-Business sind Firmen, die wiederum eigene Produkte für Endkunden produzieren, in diesem Fall also Verlage, an die sich diese Broschüre auch wendet. Bei der Imagebroschüre geht es, wie der Name bereits vermuten lässt, mehr um die Darstellung des Unternehmens, seiner Corporate Identity und der kommunizierten Unternehmensphilosophie und weniger um das eigentliche Produkt, das Drucken von Druckerzeugnissen.


Die Frage, die eine Imagebroschüre beantwortet, ist diese: Wie sehen wir uns als Unternehmen selbst und wie möchten wir gesehen, vom Kunden wahrgenommen werden?

Die Seite der Imagebroschüre, auf die ich mich beziehe, zeigt im Hintergrund das Foto eines Schafes auf einer Wiese, welches in die Kamera schaut. Auf der davorliegenden Ebene befindet sich ein weiß unterlegter Textblock, darüber eine frei gesetzte Überschrift.
Daraus wird bereits deutlich, dass es eine Bild- und eine Textebene gibt, die sich in ihren Aussagen ergänzen, verstärken oder auch widersprechen können. Text und Bild sind damit immer zusammengehörige Aspekte, die die Werbeaussage transportieren.
Die frei gesetzte Überschrift besteht aus dem Wort „grotesk“. Das können wir recht zügig als ästhetische Spielerei einordnen. „Grotesk“ wird hier einmal als Homonym verwendet, um a) einen Bezug zu Bild und Text herzustellen, der auf der Erzählebene eine Kommentarfunktion darstellt, wobei offenbleibt, wer kommentiert und b) als Referenz auf die Schriftart „Grotesk“, die eine serifenlose Schrift aus der Antiqua benennt. ( Der Vortrag in der Leseversion ist zum Beispiel mit der Times New Roman geschrieben, eine ebenfalls aus der Antiqua abgeleitete serifen-betonten Schrift. Serifen sind Querlinien – total wissenschaftlich ausgedrückt: die kleinen Nupsis – an den Enden der Buchstaben.) Mit der Verwendung des Schriftnamens wird also der Produktbezug in den Vordergrund gestellt, da Bücher aus Schriften gesetzt werden und die Art der Schrift einen wesentlichen Beitrag zum ästhetischen Gesamterscheinen, der Lesbarkeit und der Referenz auf den Leseinhalt hat.
Beide Bedeutungen zusammen erfüllen die Funktion der „Aufmerksamkeit“, die dann zum Text gelenkt wird.
Der Textblock besteht aus einer Überschrift in einem vom Textblock abgesetzten eigenen Block. Darunter befindet sich der mittig im Bild ausgerichtete schmale Textblock. Im Verbund mit dem sogenannten Teaser „Grotesk“ ergibt sich ein auf dem Kopf stehendes Ausrufungszeichen, welches inhaltlich wieder zum Kommentar „grotesk“ in Beziehung gesetzt werden kann.
Ich möchte mich jedoch hier auf die Überschrift des Fließtextes konzentrieren. Diese lautet: „Hinter dem Deich, aber nicht hinter dem Mond“.
Die drei Fragen, die sich stellen, sind diese: Ist das kreativ? Wie und wo wird hier mit Metaphern und Conceptual Blending gearbeitet und welche kreativen Prozesse hat der Texter durchlaufen, um darauf zu kommen?

Die Tatsache, dass der Kunde, also die Druckerei, diese Überschrift freigegeben hat, ist bereits der Beweis, dass zumindest das Unternehmen hier einen kreativen Akt mit Überraschungseffekt erkennt, der mit der Selbstdarstellung des Unternehmens im Einklang steht.
Aber nun zur Metapher: Ausgangspunkt ist die bereits etablierte Metapher „Hinter dem Mond“ die einen Seins-Zustand beschreibt, den man als uninformiert, dumm, „hinterwäldlerisch“, ahnungslos, nicht auf dem neuesten Stand sein, etwas verpassen, nicht mitbekommen, beschreiben kann. Der Seins-Zustand wird durch die Position und Entfernung zu einem Gegenpol, in dem Fall der Erde zum Mond beschrieben. Damit werden der Erde eben jene Attribute zugesprochen, die für die Position hinter dem Mond negativiert werden. Es sind demnach zwei entgegengesetzte Positionen und Pole, an denen sich zwei Sprecher befinden. Der Verweis auf die geografischen Orte Erde und Mond ist eine rhetorische Übertreibung, um das Ausmaß des Nichtwissens zu illustrieren, und in sich schon wieder eine Metapher, da niemand real hinter oder auf dem Mond leben kann.
Die Überschrift beginnt jedoch mit der Aussage „Hinter dem Deich“… die auf etwas verweist, was dort ist oder passiert. Auch hier findet eine Verortung mit den Positionen vor und hinter statt, wobei an dieser Stelle nicht klar wird, wo sich Sender und Adressat befinden, ob sie sich auf der gleichen oder gegenteiligen Position befinden. Narratologisch findet ein Spannungsaufbau statt, da es offensichtlich hinter dem Deich etwas gibt, was entdeckt werden kann, was sich dem Leser aber noch nicht zeigt. Mit dem zweiten Teil der Überschrift wird die Spannung aufgelöst: aber nicht hinter dem Mond. Die Dekodierung erfolgt mittels des „aber“, als Konjunktion, die auf die Schnittmenge der Aspekte verweist, die hier gemischt werden. Der Seins-Zustand hinter dem Mond wird auf den Seins-Zustand hinter dem Deich übertragen und negiert. Dies funktioniert jedoch nur über bereits etablierte Assoziationen und Wissen über die geografischen Lage und spezifische Eigenschaften, die der dort ansässigen Bevölkerung zugeschrieben werden. Das Unternehmen ist in Leck, einem sehr kleinen Ort im Norden Deutschlands, nahe der dänischen Grenze, mit anderen Worten: auf dem platten Land. Dieser Teil des Landes lebt primär vom Tourismus und Landwirtschaft. Industriezentren sind weit entfernt und Lieferwege damit lang, was man auch auf die Kommunikationswege übertragen könnte. Den dort lebenden Menschen wird ein norddeutsches Gemüt zugeschrieben, was sich stereotyp durch Wortkargheit, Kauzigkeit, Ehrlichkeit und Direktheit, aber auch Distanz und Emotionslosigkeit beschreiben lässt. Auch Entfernungen werden „norddeutsch“ wahrgenommen, von einem international verbundenen Europa im Sinne eines „die Welt ist ein Dorf“ ist der Norddeutsche meilenweit entfernt, da er eine Reise von Friedrichstadt nach Husum, einer Strecke von fünfzehn Kilometern, bereits als Weltreise und große Fahrt einordnet. Das passt nun so gar nicht zu einem international operierenden Unternehmen, welches sich weltoffen, kreativ und künstlerisch, kommunikationsfreudig und kundenorientiert versteht. Diese Stereotype werden vom Unternehmen humorvoll aufgegriffen, um sich selbst dazu im Gegensatz zu verorten und auch die Metapher ins Gegenteil zu verkehren. Gerade die geografische Lage am Rande, geschützt durch den Deich führt zu einem besonders guten und ablenkungsfreien Überblick. Humor zu zeigen bedeutet für ein Unternehmen ein gewisses Maß an Mut, welches hier für Selbstvertrauen und Kompetenz steht. Nur wer seinen Wert kennt, kann sich diesen Humor leisten und damit Souveränität ausdrücken.

Obwohl in der Überschrift die Verben elliptisch herausgekürzt wurden, sind sie die zentrale Schnittstelle zum Verständnis: Das Sein im Raum; und zwar in Relation von „wo bin ich“ und „wo bist Du“. Den Orten werden dabei bestimmte positive und negative Eigenschaften zugeschrieben, die sich auf die dort seiende Person übertragen. Erst durch die Übertragung von Aspekten der Metapher „Hinter dem Mond“ wird „Hinter dem Deich“ selbst zur Metapher, und zwar in diesem Kontext.

Das kreative Moment ist dieser Übertragungsaspekt auf die geografische Verortung und die analoge Positionierung „hinter dem Deich“, denn vom Land aus gesehen, liegen Unternehmen und Ort ja vor dem Deich. Kehrt man die Blickrichtung um, und blickt von der Seeseite aus aufs Land, dann befindet sich das Unternehmen hinter dem Deich, betrachtet sich selbst aus einer gedachten Distanz und nimmt so zwei Positionen ein. Eine geografische, reale Position und eine gedachte, die zu der Erkenntnis führt, dass man hinter dem Deich eben doch den besseren Überblick hat, was die normative Einschätzung des Ausgangsblickes von der, wie auch immer definierten – Mitte zur Landesgrenze als bessere oder qualitativ höher bewertete kritisiert.
Der kreative Output besteht in der Bildung einer Metapher durch eine andere, die ein Stereotyp aufgreift und dieses negiert. Narratologisch spricht das Unternehmen (Metonymie) zum Leser und beweist Souveränität durch Humor, in dem es sich selbst zur Metapher „hinterm Mond“ in Beziehung setzt.

Fazit


Ich habe versucht zu zeigen, dass Kreativität die Ausprägung der Fähigkeit ist, konvergentes und divergentes Denken lösungsorientiert zu kombinieren. Das dabei auf Conceptual Blending als Grundlage metaphorischen Denkens zurückgegriffen wird und das Bilddenken nicht von der sprachlichen Ebene zu trennen ist.
Jede Benutzung von Metaphern stellt insofern bereits einen kreativen Akt dar. Was wir bewusst als kreativ empfinden, ist die subjektiv wahrgenommene Ausprägung der Originalität, d.h. die Unerwartbarkeit oder der situations- und kontextbedingte Überraschungseffekt ebendieser.
In einem Ausblick führt das weiter zu der Frage, wie Kreativität in der Wissenschaft genutzt werden kann. Denken wir an „Design Thinking“ oder die schlichte Aufforderung von Dozenten: seien Sie kreativ bei der Ausarbeitung der Präsentation. In diesen Überlegungen steckt die Frage, wie wir mit Sprache in der Wissenschaft umgehen. Wie definieren wir wissenschaftliche Sprache? Denn wenn wir jedes sprachkreative Potential und damit auch Offenheit und Mehrdeutigkeit in der Sprache als unwissenschaftlich diskreditieren, dann reduzieren wir Sprache auf Zeichen, die nichts mehr mit unserer Lebenswirklichkeit zu tun haben.
Jeder Weg beginnt mit einem ersten Schritt. Denken wir auf neuen Wegen. Denken wir kreativ.


Der Vortrag war Teil eines Workshops im Rahmen des Forschungskolloquiums Sprachwissenschaft und Literatur an der Europa Universität Flensburg im März 2021.


Literatur

Fauconnier, Gilles; Turner, Mark (2002): The way we think. Conceptual Blending and the mind’s hidden complexities. Basic Books. New York.
Holm-Hadulla, Rainer (2007): Kreativität. Konzept und Lebensstil. Vandenhoeck & Ruprecht. Göttingen.
Jacob, Nora-Corina (2016): Kreativität und Innovation. Springer. Wiesbaden.
Lacoff, George (1998): Leben in Metaphern Konstruktion und Gebrauch von Sprachbildern. Carl Auer. Heidelberg.
Lehmann, Konrad (2018): Das schöpferische Gehirn. Springer. Berlin. https://doi.org/10.1007/978-3-662-54662-8_6 (e-book)
Nöth, Winfried (2000):In: Handbuch der Semiotik. 2. vollständig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Metzler. Stuttgart.
Vollmer, Barbara (2020): Kreativität – Handeln in Ungewissheit. Springer. Wiesbaden.

Vortrag | Essay

Der Autor in Zeiten der Cólera

Der Autor in Zeiten der Cólera
Die Frage nach der Verantwortung des Autors und der Literatur

Wie die letzten Jahre auch war ich als Fachbesucher für die Leipziger Buchmesse akkreditiert, die eine ganz besondere Atmosphäre vermittelt. Dieses Jahr war ich nicht dort. Aufgrund der Pandemie musste die Buchmesse abgesagt werden, ebenso Lesungen, Autorenfort- und Weiterbildungen, Literaturcamps – also Literatur- und Kulturveranstaltungen jeglicher Art.

Die Literaturbranche hat reagiert und kreative Alternativen und Kompensationsstrategien entwickelt, die vor allem über Social Media Kanäle transportiert wurden und einen intensiven Austausch ermöglichten. Dabei ging es auch um die finanzielle Situation von AutorInnen, von Künstlern und der Frage, ob Kultur, ob Kunst und damit auch Literatur systemrelevant sei.

In diesem Zusammenhang möchte ich ein Plädoyer für Literatur als systemrelevantes Kulturgut halten. Und ich möchte dies mit der Frage nach der Verantwortung des Autors, der Autorin untersuchen und in Beziehung zum Werk setzen.

Der Vortrag gliedert sich in drei Teile. Im ersten Abschnitt werde ich den Begriff Autor im literaturtheoretischen Diskurs vorstellen. Damit schaffe ich eine Voraussetzung dafür, im zweiten Abschnitt zu klären, was mit Verantwortung bezogen auf Literatur und den Autor gemeint sein kann. Dabei werde ich mich besonders auf Jean Paul Sartre und seine Überlegungen in „Was ist Literatur“ beziehen.

Im dritten Abschnitt möchte ich anhand literaturphilosophischer Überlegungen, gespeist aus den Arbeiten Martha Nussbaums zeigen, dass Literatur als Kulturgut aus sich heraus bereits eine Verantwortung darstellt, die sich in unterschiedlichen Qualitäten expliziert.

AutorIn … welche AutorIn?

Kein Text ohne Autor. Ich beginne also mit der Frage, was ist ein Autor?
Roland Barthes poststrukturalistische Proklamation des „Tod des Autors“ wurde durch Fotis Jannidis mit „Die Rückkehr des Autors“ in einem neuen Diskurs wiederbelebt. Allerdings ist auch das schon wieder 21 Jahre her. Kernproblematik ist dabei der scheinbar fehlende common ground von Hermeneutik und Diskursanalyse, der die Geister scheidet.

Die Frage nach der Autorschaft bleibt aktuell. Gerade durch die Erweiterung von Betätigungsfeldern im Bereich Medien und so ist es nicht verwunderlich, dass eine neue Generation von Literaturwissenschaftlern und Literaturtheoretikern die ganze Sache kreativ, frisch und ohne akademische Altlasten angeht, wie es der Band „Literaturtheorie nach 2001“ aus dem Matthes&Seitz Verlag zeigt.

Trotzdem müssen wir uns für die Frage nach der Verantwortung zuvor auf eine grobe Verortung des Begriffs Autor einigen, wenngleich diese nur zu Hilfszwecken dienlich sein kann.

Die Rolle des Autors definiert sich über die Funktion seines Werkes. Innerhalb der mündlichen Überlieferung gab es gar keinen Autor, mit der Entdeckung des Menschen in seiner emotionalen Verfasstheit in der Renaissance kam dem Autor ein Bildungsauftrag zu, Werther berührte, Frau Bovarie empörte, „Das obszöne Werk“ verstörte und Anna, Du Geliebte meiner 27 Sinne, würdest Du auf 140 Zeichen reduziert Autorenrechte besitzen?

Wenn „Autor sein“ eine funktionsgebundene Rolle ist, dann muss die Frage also lauten: Wer ist der Autor? Der Autor ist eine reale Person mit einer realen Biografie. Der Autor ist ein Produzent, der sowohl in eigenem, als auch fremden Auftrag Text produziert. Innerhalb seines Schaffensprozesses muss der Autor nach Harold Bloom seine schreibsozilisatorische Herkunft überwinden, um zur eigenen Sprache zu finden. Er ist also vorläufiges Endglied eines literarischen Stammbaums, der – wenn man so will – bis in die Antike zurückreicht.

Er ist ein fiktiver Autor, ein Bild, welches der Leser konstruiert, welches der Autor als Selbstinszenierung konstruiert. Der Autor ist real und künstlich. Er ist der Autor, der am Tisch sitzt und mit den Fingern auf Tasten tippt, um Sätze auf einem Bildschirm entstehen zu lassen. Er ist das Photo auf der Rückseite des Buches und er ist der Typ auf dem Sofa mit Elke Heidenreich. Das bedeutet, dass Autor sein eine Form ist, die unterschiedliche Bedeutungen haben kann. Und das bedeutet auch, dass die Sprache des Werkes, Haltungen und Meinungen nicht zwangsläufig identisch mit Haltungen und Meinungen und der Sprache des Privatmenschen sind. Er ist Erzähler und erzählendes Subjekt im Werk, so er denn so schreibt. Kann er sich aus seiner Zeit herausschälen, das heißt, ist er frei zu schreiben, was und wie es ihm gefällt oder bewegt er sich innerhalb eines literarischen Resonanzfeldes, welches er bestätigt, indem er es negiert?

Ist der Autor ein anderer Autor, als die AutorIn. Das heißt, schreiben beide in derselben literarischen Sprache, bewegen sie sich im selben Literaturresonanzfeld? Können sie das überhaupt oder muss die AutoIn bereits einen Assimilationsprozess durchmachen, um schreiben zu können, um gelesen zu werden? Kann sie frei schreiben und woher weiß sie, dass sie frei ist in ihrem Schreiben. Die Frage nach dem Autor wirft mehr neue Fragen auf, als dass sie Antworten bereit hält.

Einigen wir uns für die Zeit dieses Vortrages auf folgende Position:

Wir haben eine AutoIn, die nach einem erfolgreichen Prozess der eigenen Sprachfindung ein Werk produziert, in dem sie reale und/oder fiktionale Geschichten erzählt, die wiederum auf einer Metaebene Werte, Normen, Haltungen und Meinungen transportieren. Diese können bewusst und intentional sein, aber auch unbewusst in den Text eingeschrieben, in seine Sprache eingeprägt sein. Die Unbewussten sind der realen Person zuzuordnen, da sie keine Kontrolle über diese hat. Die im Werk verhandelten Konflikte und Prozesse, die Werte und Haltungen bedingen, spiegeln und auslösen, müssen nicht zwangsläufig der realen Person als Privatmensch zugeordnet werden, da sie intentional und bewusst sind und somit der Kontrolle des Autors unterliegen.

Die Tatsache, dass jedes Werk, jede Geschichte eine Metaebene hat, in Form von Diskurs und Histoire und auf der Schreibebene ganz praktisch in Form von Plot, Handlung, Motiv und Konflikt ausgedrückt, gibt dem Autor ein Machtinstrument in die Hand. Macht über den Leser.

Und dies führt zum zweiten Abschnitt und der Frage der Verantwortung.

Macht bedeutet Verantwortung

Was macht der Autor nun mit dieser Macht? Die erste Pflicht und Verantwortung der AutorIn, die sich aus der Macht über den Leser heraus ergibt, so scheint mir, ist die, die Zeit ihrer Leser nicht zu verschwenden.

Das macht die Frage der Verantwortung komplizierter. Denn nun hängt das Gelingen der Einhaltung der Verantwortung des Autors vom Leser ab. Der Autor schreibt jedoch für einen ideellen und damit fiktiven Leser, dessen Leseerwartung mit dem Werk korreliert. In diesem Kontext lässt sich Verantwortung als die Treue des Autors zu seinem Werk, resp. seiner Epoche, seines Genres begreifen, wie es Foucault und andere erarbeitet haben.

Man kann die AutorIn als einen semiotisch geladenen Code verstehen, der fortlaufend mit dem Werk bestätigt wird. Als Leser muss ich mich auf den Code verlassen, um den Text zu verstehen. Codebrüche können neue Diskurse anstoßen, auf alte verweisen, sie können angenommen werden oder unterdrückt werden, wo sie Tabus brechen.
Das Tabu ist übrigens eine Schnittstelle, an der George Bataille ansetzt, der von der Literatur fordert, das Tabu zu brechen, wo die Gesellschaft in diesem gefangen ist. Literatur befreit somit von sozialen Praxen der Unterdrückung.

Freiheit und Befreiung finden wir als zentrales Motiv bei Sartre in „Was ist Literatur“.
Und die Literatur, die ihn befreit, ist eine abstrakte Funktion und ein apriorisches Vermögen der Menschenatur, sie ist die Bewegung, durch die der Mensch sich in jedem Augenblick von der Geschichte freimacht; mit einen Wort, es ist die Ausübung der Freiheit.“

J.P. Sartre

Sartre bezeichnet das „Sujet der Literatur“ als den Menschen in seiner Welt. Daraus ergibt sich für ihn Aufgabe und Verantwortung: Die AutorIn schreibt für den Menschen über den Menschen und würde damit, so Sartre, im Gelingen die Antinomie zwischen lyrischer Subjektivität und objektivem Zeugnis überwinden.

Ich habe von Macht über den Leser gesprochen und genau diese Macht verortet Sartre im Vermögen des Textes seinen Leser zu berühren. Darin besteht die Verantwortung: im Bruch mit der Geschichte, in der Befreiung aus der Geschichte durch die Wahrheit. Den Wahrheitsanspruch lese ich aus Sartres Begriff der „totalen Literatur“, den Sartre aus einer Synthese aus „Tun, Haben und Sein“, aus „Negativität und Konstruktion“ in der Literatur ableitet.

Literatur soll wahr und berührend sein und damit befreiend. Schreiben ist gelebte Freiheit. An anderer Stelle sagt Satre, dass ein freier Autor nicht ohne freien Leser sein kann, da der ja erst den Text im Lesen befreit. Das scheint mir eine Frage nach der Sprache zu berühren. Der russische Strukturalist alter Schule Jurij Lotman spricht vom Autor, der dem Leser via Sprache sein eigenes Denken aufzwängt. Das kann aber nur gelingen, wenn die Sprache der AutorIn vom Leser übersetzt werden kann oder sie direkt genügend Gemeinsamkeiten aufweist.
Die von der AutorIn gewählte Sprache muss also passend zum Leser ausgewählt werden oder sich ihm gegenüber zumindest offen gestalten. Sie muss sich, im Falle des Tabubruches gegen eine Zensur behaupten, will die AutorIn nicht ihre physische und schreibende Freiheit aufs Spiel setzen. Oder aber, die AutorIn opfert die reale Person für die Freiheit der AutorIn, die Wahrheit schreiben zu dürfen und liefert sich damit dem politischen System aus, wo Freiheit keine echte Freiheit ist.

Daraus leite ich drei Ebenen der Verantwortung der AutorIn ab: eine sprachliche Ebene, eine inhaltlichen Ebene und eine Verantwortung sich selbst gegenüber, die zusammen erst die Verantwortung gegenüber dem Leser beantworten können.

Literatur und Gefühl

Das Verständnis darüber, wie wir mit Sprache umgehen, wie wir sie benutzen und mit ihr spielen führt zur ästhetischen Erfahrung – ihrer Poezität – von Sprache und Literatur, die sich in Form von Poetik und Rhetorik untersuchen lässt.

Um nun zu untersuchen, inwieweit Literatur systemrelevant sei, bieten sich zwei Ansätze an. Einmal der philosophische Ansatz mit Überlegungen von Martha Nussbaum zur Empathie und deren Rolle in der Literatur, um ein ethisches Selbstverständnis zu befördern, was Voraussetzung für ihr Modell des guten Lebens darstellt.
Der zweite Ansatz ist ein literaturpädagogischer, der sich organisch aus den philosophischen Überlegungen ableitet.

Ich beginne mit der Philosophie und den Überlegungen Martha Nussbaums.

Ethik als zentrales Moment der Konstitution einer Gesellschaft erfordert Haltungen, die die jeweiligen Bedürfnisse der Menschen innerhalb dieser Gesellschaft berücksichtigt. Diese Haltungen werden und wurden schon in der Antike in der Literatur verhandelt, in der von den Ängsten und Hoffnungen des Menschen erzählt wird. Literatur verhandelt Emotionen intra- und extradiegetisch. Der Leser liest also über Gefühle, erlebt Gefühle in der Geschichte und fühlt selbst durch die Geschichte.

Die Identifikation mit den Charakteren, Mitgefühl, Mitleiden, aber auch Ablehnung zwingen den Leser in eine aktive Rolle.

Er wird Teil der Geschichte und ebenso, wie der Autor als Richter über seine Figuren zeugt, wird der Leser zum Richter und positioniert sich über sein moralisches Verständnis. Das dies herausgefordert werden kann und muss, zeigt sich in jeder Epoche auf andere Art und Weise. Während der Naturalismus den Finger auf die Wunde der gesellschaftlichen Ordnung legt, verlegt der Surrealismus den Blick gänzlich in ein transzendentales Innere in der Auflösung konventioneller semantischer Strukturen in der Kunst. Ethik und darin eingebunden Moral sind also die entscheidenden Elemente, durch die Autor, Geschichte und Leser in einen Diskurs eintreten und durch sie verbunden sind.

Diesen Gedanken greift die Literaturpädagogik auf, wenn sie in ihren Zielen formuliert, dass Literatur einen Lebensbezug, ein Probe-Handeln beim Leser evozieren soll, in der der Leser in unterschiedlichen imaginären Rollen Haltungen und Entscheidungsmöglichkeiten erproben kann.
Auch die ästhetische Erfahrung findet so auf drei Ebenen statt: der sprachlichen Ebene mit einer gelungenen Poetik, einer inhaltlichen Ästhetik, die einen Lebensbezug zum Leser herstellt und einer emotionalen Ästhetik, in der die Literatur auf den Leser einwirkt und somit in ihm wirkt.

Die Aufgabe der AutorIn

Die Zeit des Lesers nicht zu verschwenden, das war mein erster Gedanke, als es um die Pflicht und die Verantwortung der AutorIn ging. Wenn es der AutorIn gelingt, ein Werk zu schaffen, welches seine Leser berührt, in dessen Sprache er sich wiederfindet, welches zu einer Haltung herausfordert, dann ist das Unterfangen geglückt. In den Worten von James Baldwin:

An Artist is a sort of emotional or spiritual historian. His role is to make you realize the doom and glory of knowing who you are and what your are.

James Baldwin

Und in diesem Herausfordern liegt ein Bildungsgedanke zugrunde, wie ihn Aristoteles in seiner Poetik formulierte, wie ihn der Humanismus neu interpretierte. Ein reflektorischer Prozess, aber auch eine Verantwortung als Erwartung an den Leser, sich zu bilden, sich dem Erfahrungsprozess Literatur hinzugeben, Haltung zu beziehen.

Und vor allem – sich als Mensch zu erfahren. Und das macht Literatur systemrelevant.


Der Vortrag wurde im Juni 2020 am Philosophischen Institut der Europa Universität Flensburg gehalten.

Literatur

Bataille, Georges (2011): Die Literatur und das Böse.
Ebd. (2017): Die innere Erfahrung. Matthes & Seitz. Berlin.
Bloom, Harold (1997): The Anxiety of Influence. A Theory of Poetry. Oxford University Press. Oxford. New York.
Lotman, Jurij (2015): Die Struktur des künstlerischen Textes. Suhrkamp. Frankfurt am Main.
Nussbaum, Martha (1990): Love’s Knowledge. Essays on Philosophy and Literature. Oxford University Press. Oxford. New York.
Ebd. (1995): Poetic Justice. The literary Imagination and Public Life. Bacon Press. Boston.
Sartre, Jean Paul (2018): Was ist Literatur? Rowohlt. Reinbeck. Hamburg
Zitat James Baldwin: https://www.brainpickings.org/2017/05/24/james-baldwin-life-magazine-1963/ (aufg. am 25.05.2020)

Prosa Schreiben

Über Schreibräume

little edition

„Das Haus ist in besonderer Weise ein sinnliches Ding, das Haus ist sinnliches Haus“, schreibt Ute Guzzoni in Wohnen und Wandern.[1] Natürlich, ist mein erster Gedanke. Was sollte es sonst sein? Das Haus, der Raum ist eine Erweiterung meiner selbst, belebt und ausgedrückt durch die Dinge, mit denen ich den Raum fülle. Auch das schreibt Guzzoni an anderer Stelle. Da sind wir uns einig.

Ich möchte im Folgenden Guzzonis Referenz auf Marguerite Duras aufgreifen und ein paar Gedanken zu Schreibräumen entwickeln.

Guzzoni zitiert Marguerite Duras mit folgenden Worten, hier fragmentarisch, auf das Wesentliche beschränkt, wiedergegeben: „Frauen seien in den Raum inkrustiert […] nur eine Frau kann sich im Haus so wohl fühlen, kann vollständig mit ihm verwachsen sein […] Ich gehe nie durch das Haus – denke ich – ohne es anzuschauen. … es ist eine Art ekstatischer Blick, der Blick der Frau an sich auf das Haus, auf ihre Wohnstätte und auf die Dinge, die offensichtlich den Inhalt ihres Lebens ausmachen.“[2] Guzzoni interpretiert dies nun als „das Bild der Frau als Hüterin des Herdes“.[3] Das mag zu Teilen seine Berechtigung haben, ich denke allerdings, das hier und gerade in Bezug auf Duras viel zu kurz gegriffen wird.

Marguerite Duras schreibt. Und in dem ich es genauso sage, drücke ich das beherrschende Moment der Tätigkeit aus. Sie ist Autorin, Schriftstellerin, wie auch immer man das Label bezeichnen möchte. Sie schreibt. Das Schreiben als Seinsform, als Raum, um überhaupt überleben zu können, spielt bei Marguerite Duras die zentrale Rolle. Sie ist das Schreiben selbst. Natürlich lebt, wohnt sie physisch an einem Ort, Sa-Dec, Saigon, Paris, Trouville, Neauphle. Sie bewohnt Räume, die eine äußere Grenze bilden, die der innere Schreibraum der Duras nicht hat. Daran lässt sich vielleicht schon erahnen, welche opiate Wirkung das Schreiben hat. Rauschhaft, wie die Opiumhöhlen, in denen der Chinese in L’Amant sich dem väterlichen Raum entzieht, nebelhaft und in diesem Nebel den Raum verschleiernd, der vom inneren Raum nur ablenkt. Das Schreiben als Sucht, als Suche, als sicherer Hafen in einer äußeren, verstörenden, brutalen Welt.

Ich glaube, ihr Schreiben selbst war brutal, in seiner Hingabe an das Wort, in Duras rücksichtsloser Entschlossenheit, sich ihrem Schreiben hinzugeben. Zuviel Brutalität, wenn es innen wie außen so aussieht. In Schreiben nimmt Marguerite Duras Stellung zum äußeren Schreibraum

. „Was ich sagen kann, ist, daß die Einsamkeit von Neauphle von mir gemacht worden ist. Für mich. Und daß ich nur in diesem Haus allein bin. Um zu schreiben.“ [4]

Das Haus ist die Grenze gegen die Welt, erweiterter physischer Schreibraum, um dem physischen Schreibkörper einen Ort zu geben, wo er geschützt am Leben gehalten wird, um Worte zu erzeugen und diese Worte zu Sätzen zu reihen und zu Geschichten.

Der äußere Schreibraum ist ein funktionales Konstrukt, er ist an Bedingungen gebunden, die das Schreiben ermöglichen. Der äußere Schreibraum bedingt die Schreibhandlung, nicht den inneren Schreibraum.

„Mein Zimmer, das ist nicht ein Bett, weder hier, noch in Paris, noch in Trouville. Das ist ein bestimmtes Fenster, ein bestimmter Tisch, Gewohnheiten mit schwarzer Tinte, nicht aufzutreibenden Sorten schwarzer Tinte, das ist ein bestimmter Stuhl. Und bestimmte Gewohnheiten, die ich immer wiederfinde, wohin ich auch gehe, wo ich auch bin, selbst an Orten, wo ich nicht schreibe …“[5]

Der äußere Schreibraum ist nicht zwangsläufig an das Konzept Raum gebunden, sondern manifestiert sich in Dingen, die in Räumen sind. Der innere Schreibraum wird hier durch Gewohnheiten markiert, die auch dann existieren, wenn das Schreiben nicht als Handlung ausgeführt wird. Der innere Schreibraum ist immer da, nicht zwangsläufig immer zugänglich und ich glaube, dass das Schreiben immer stattfindet, unabhängig von einer beobachtbaren Tätigkeit. Das Schreiben ist immer da, so wie der innere Schreibraum immer da ist. Man kann sich dem nicht mehr verschließen oder verwehren. Man ist dem Schreiben ausgeliefert.

„[…] in Neauphle ist sie angeekelt vom Geruch der Hunderte von Rosen im Garten, übersättigt von ihren schweren Düften, und sie hat ein Verlangen: Schreiben, ständig. Immer nur das. Die ganze Zeit.“[6]

Könnte man die Third-Space Theory darauf anwenden? Da ist der äußere Schreibraum. Und der innere Schreibraum. Der Autor existiert in beiden und bildet im Schreiben selbst, in der Handlung einen Third Space, in dem er beide Räume zu einem neuen Raum verbindet. Dieser Third Space ist der Autor selbst im Schreiben. Der Schreibprozess als Handlung ist an den Körper gebunden. Hat das Konsequenzen für den Text, für den Leser? Gilt der Third Space auch für den Leser, wenn er äußere und innere Leseräume aufmacht? Treffen sich Autor und Leser in diesem Third Space ohne direkt und unmittelbar zu kommunizieren? Barthes sagt nein. Der Text braucht keinen Autoren. Nach Genette wäre der reale Autor identisch mit dem impliziten Autor, den der Leser sich denkt und in seinem Third Space kreiert. Es ist nicht mehr als eine Spur. Dieser Third Space … vielleicht eine Sackgasse, die nirgendwohin führt.

Im Schreiben selbst lösen sich die Grenzen der Räume auf, das Innen fließt auf dem Papier in das Außen. Das Schreiben wird bezeugbar. Das innere Schreiben ist eine sichere Sache, erst in der äußeren Manifestation wird es verletzlich, wenn es den schützenden Körper verlässt.

Wenn Marguerite Duras von einem ekstatischen Blick schreibt, dann denke ich nicht, dass sie dabei Assoziationen eines weiblichen Rollenverständnisses im Blick hatte. Das mag für andere Frauen gelten. Für Duras nicht.  Vielmehr sieht sie den äußeren Schreibraum, der ihr sinnliche Schreiberfahrungen ermöglichte, der sie an die Momente von Schreiblust, Schmerz, Wahnsinn und Einsamkeit erinnert. Sie sieht sich selbst im Außen.


[1] Guzzoni, Ute (2017): Wohnen und Wandern. Karl Alber. Freiburg. München. S.36.
[2] Ebd. S. 40.
[3] Ebd. S. 40.
[4] Duras, Marguerite (1994): Schreiben. Suhrkamp. Stuttgart. S. 7.
[5 ] Ebd. S. 10.
[6] Vircondelet, Alain (1992/1994): Marguerite Duras. Genehmigte Taschenbuchausgabe. Goldmann. München. S. 400.

Prosa

Muscheln in meiner Hand

Vielleicht suche ich das, was Sokrates in seinem Gebet in PHAIDROS erflehte, wenn er sagt: „Laß den äußeren und den inneren Menschen eins werden.

Anne Morrow Lindbergh

Die Salzkruste, die zurückbleibt, lange nachdem das Meer die Muschel an die Küste gespült hat. Die Kruste auf der schiefermatten Oberfläche mit den Rillen und Furchen und dem scharfen Rand. Und darin verborgen das Perlmutt. Bleiben wir für einen Moment bei der nachweislich falschen, aber romantischen Idee, dass die Perle in der Muschel ein Schutz vor dem reibenden Sandkorn ist, das sich den Weg hinein gebahnt hatte, reingespült wurde. Das Sandkorn gehört da nicht hin, ist ein Fremdkörper und die Muschel bildet Schicht um Schicht Perlmutt um diesen Eindringling und am Ende entsteht etwas Wunderbares, Kostbares.

Die Taktik erinnert mich an die Japaner, die Risse in Gefäßen mit Blattgold schlossen und den Makel zur Einzigartigkeit formten. Kintsugi. So scheint es mir mit der Muschel und ihrer Perle zu sein. Das Meer schleift das Sandkorn in Äonen von Wellen und Strömen und es reibt und zerrt an dem zarten Muschelfleisch, gräbt sich ein und schmerzt. Unaufhörlich. Ich kann nicht sagen, woher die Muschel die Kraft nimmt sich dem Schmerz entgegenzustellen, aber sie tut es. Und vorsichtig beginnt sie eine hauchdünne Schicht um das Sandkorn zu legen. Zu zart, zu fragil ist diese erste dünne Schicht und es nimmt dem Schmerz nicht die Intensität.

Die zweite Schicht – und das Perlmutt schließt sich porzellangleich um den Fremdkörper, der hinter dem Silber nur noch erahnbar ist. Und langsam wird der Schmerz weniger und mit jeder Schicht Perlmutt der Panzer dichter und fester und stärker … der das Sandkorn umschließt und dem Schmerz seine Grenzen weist, bis der Ursprung nicht mehr erkennbar ist und das dunkle Geheimnis hinter dem Glatt verbogen ist und der Schmerz vergangen und die Perle nun Teil der Muschel, so wie das Sandkorn Teil der Muschel bleibt, zu ihr gehört wie das Perlmutt und das Silber und die salzige Kruste auf den Rillen und Furchen und den scharfen Kanten.


Textfragmente … Anne Morrow Lindbergh schrieb ein Buch mit demselben Titel. Über das Dasein und das Frausein. Und den Strand. Ich liebe den Strand. Ich kann dort denken und schreiben, auch, wenn Lindbergh meint, das ginge nicht. Vielleicht ist mein Strand ein anderer Strand? Vielleicht denke oder schreibe ich anders? Vielleicht bin ich eine andere Sorte Frau aufgrund meiner eigenen Zeit?

Anne Morrow Lindbergh: Muscheln in meiner Hand. JubiläumsEdition. Piper. München. 2004. S. 21.

Schreiben

Schreiben II

Ich habe meinen Meister gefunden. Ich lese wieder Roland Barthes. Die Lust am Text. Das ist der Titel. Als ich das Buch als Photo auf Instagram postete, schrieb ich dazu, dass ich einen auf dicke Hose machen könnte, weil mein Text Die Lust am „E scheinbar darauf zu rekurrieren scheint. Da wäre ich nicht die Erste und es wäre trotzdem eine schöne rhetorische Geschmeidigkeit. Nun gut, belassen wir es dabei. Weiter schrieb ich, dass ich tatsächlich nicht wusste, dass es dieses Buch gibt und so nahm ich es als Zeichen, dass wir schwingen, der Roland und ich und uns im gleichen Literaturresonanzfeld befinden.

Ein Kompositum, das ich dann gerne für mich reklamieren möchte. Hat das schon jemand mal gesagt, geschrieben oder gedacht? Literaturresonanzfeld. Ich mag das Wort. Wie nun auch immer, das Lesen in „Die Lust am Text“ ist eine ernste Angelegenheit und ich verliere mich zwischen den wenigen Seiten des Buches. Ich hatte mich bereits Murakami hingegeben, also seinem Buch Südlich der Grenze, westlich der Sonne und ganz generell scheine ich mich Literatur einfacher hingeben zu können.

Ich bin auch ein bißchen stinkig. Ich hatte über das Schreiben geschrieben, über den Wahnsinn und die Lust und das Geräusch, wenn der Stift über das Papier kratzt und ich glaubte, meine Lust am Schreiben würde in meinen Texten durchscheinen. Es war das Gefühl, was mich ausfüllte, diese Lust im Schreiben, durch das Schreiben. Und das ist es jetzt auch noch. Ich will dieses Gefühl erforschen, ausloten, analysieren und auskosten. Ich will das Schreiben schmecken. Und jetzt kommt dieser Roland Barthes und schreibt einfach so Sätze, die ich gefühlt habe, die in mir darauf warteten, geschrieben zu werden.

Der Text, den ihr schreibt, muß mir beweisen, daß er mich begehrt. Dieser Beweis existiert: es ist das Schreiben. Das Schreiben ist dies: die Wissenschaft von der Wollust der Sprache, ihr Kamasutra (für diese Wissenschaft gibt es nur ein Lehrbuch: das Schreiben selbst).

Roland Barthes, Die Lust am Text. S. 12.

Oh Gott, wie ich ihn hasse, dafür, dass er diesen Satz geschrieben hat (na gut, eher aus dramaturgischen Gründen). Ich hätte ihn gerne selbst geschrieben. Und das ist wahr. Ich lese in diesem Buch und ich fühle diese Lust am Text … körperlich. Ich habe diese Erregung des Geistes durch die Sprache bei Walter Benjamin gefühlt und bei Waldenfels und auch bei Umberto Eco und eben bei Barthes. Schon in Am Nullpunkt der Literatur. Haben Sie schon einmal miterlebt, wie es ist, wenn jemand zum Beispiel über Benjamin spricht und Benjamins Worte Gedanken in diesem Menschen formen und die Schönheit dieser Gedanken aus dem Menschen, aus dem Körper strahlt. Das ist die poetische Magie des Textes, das Lusterleben im Text. Als wenn die Gedanken und die Wörter wie eine Aura aus kleinen Lichtpartikeln aus dem denkenden Körper nach außen fließen. Und das ist wunderbar.

Ich sitze in meinem Schreibzimmer und lese Roland Barthes (und denke ihn französisch) und ich will schreiben und die Lust am Schreiben ist wie der der Hunger nach der ersten Berührung eines Kusses. Dieses sehnsüchtige Warten auf den Satz, wie er sich auf dem Papier ergießt und die fiebrige Erregung im Schreiben, die meinen Körper befällt. Und da kommt er einfach daher und schreibt über Wahnsinn und Wollust und Lust und ich bin fassungslos.

Das Ineinandergreifen von Sexualität und Sprache begleitet unser ganzes Leben. […] Wenn man den Koitus analog zum Zwiegespräch auffasst, liegt es nahe, daß Masturbation dem Monolog oder dem Selbstgespräch gleichzusetzen ist.

George Steiner, Nach Babel. S. 36.

Ich gehe zurück zu dem Gedanken, dass ich den Namen – Roland Barthes – auf französisch denke. Und da muss ich an den alten Schlingel George Steiner denken. Ich denke in der Sprache, die letztlich meine Wahrnehmung bestimmt, wenn ich nach der Sapier-Whorf-Theorie gehe. Das bedeutet, jemand denkt in einer Sprache, seiner Sprache. Und das ist in meinem Fall Deutsch. Das ist fragmentarisch auch Englisch, weil mir die Sprache entrissen wurde, bevor ich sie mir ganz zu eigen machen konnte. Das bedeutet aber auch, dass ich nie Selbstgespräche auf Französisch führen könnte… Honi soit qui mal y pense.

Was macht das mit der Lust am Text? Ist Literatur ein Zwiegespräch des Autors mit sich selbst oder ein über die Zeit und den Raum gestreckter Dialog mit dem Leser? Ist Literatur eine offene Einladung an den Leser … seine Verführung? Sartre sagt, es brauche den Leser, um den Text erst zum Text zu machen. Und dann sagt er noch ein bisschen was über Freiheit.

Die Lust am Text wäre nicht reduzierbar auf sein grammatisches (phäno-textuelles) Funktionieren, so wie die Lust des Körpers nicht reduzierbar ist auf das physiologische Bedürfnis.

Roland Barthes, Die Lust am Text. S. 26.

Es geht nicht um Körper. Es geht um die Geheimnisse im Text, um das kunstvolle Verstecken und das lustvolle Suchen und Finden von Sinn und Ordnung und Bedeutung und Chaos, die die Wörter zwingen, eine Form einzunehmen und die durch die Wörter erst nach außen lebendig werden.

Ich muss nicht über Körper schreiben. Ich muss über das schreiben, was im Fühlen und Wollen passiert. Es ist das Denken. Es ist immer das Denken. Er hat es gefühlt und ich fühle es jetzt. Aber die Sätze sind geschrieben und so sind meine Worte kein allererster Kuss mehr. Immerhin oder vielleicht doch auch Schicksal, Roland Barthes schrieb Die Lust am Text in dem Jahr, in dem ich geboren wurde. Darf ich das bitte als Zeichen werten? Darf ich ihn als Lehrer nehmen, der mir die Lust am Schreiben erklärt, der sie für mich sinnlich wahrnehmbar und denkbar macht. Darf ich mich an seinen Worten berauschen, um meine eigenen zu finden?

Das ist eine andere Ebene des Schreibenlernens. Ich lerne das Handwerk und das sehr gründlich. Stephen King schreibt sehr schön über den Werkzeugkasten. Und auch etwas zur Lust, die klingt durch. Aber das hier, mit Roland Barthes, das ist was anderes. Das ist Schreiben an der Quelle des Triebes, an seinem Ursprung, das ist lernen, den Schreibdämon zu erkennen und zu beherrschen , anstatt sich von ihm beherrschen zu lassen und sich im Schreiben zu verlieren. In Büchern darf man sich verlieren, im Schreiben selber auch, aber den Schreibtrieb, der will kontrolliert werden. Aber warum? Weil der Schreibdämon einen in den Wahnsinn treiben würde? Weil dann kein Schreiben passieren würde? Weil das Schreiben im Wahnsinn nie aus der Ebene der Gedanken ausbrechen könnte, um lesbar zu werden …

Know thyself, erkenne den Schreibdämon. Das ist es, die Suche nach den eigenen Worten, nach der eigenen Geschichte, die nur von mir erzählt werden kann. Meine Geschichte. Mein Schreiben.

Schreiben

Die Lust am „e“

Der Schriftsteller wird nicht durch den Gebrauch spezialisierter Werkzeuge definiert, an denen man erkennt, daß es sich um Literatur handelt […] – es sei denn, man hält die Literatur für ein Objekt der Hygiene – , sondern durch seine Macht, auf dem Umweg über eine Form, welche es auch sein, eine besondere Form der Kollusion von Mensch und Natur überraschend aufzudecken, das heißt eine Bedeutung. […] Sie [die Literatur] ist ein Code, den zu entschlüsseln man akzeptieren muß.

Roland Barthes (Am Nullpunkt der Literatur, Suhrkamp 2016)

Mit der Sprache ist das schon eine seltsame Angelegenheit. Buchstaben formen sich zu Wörtern und Wörter zu Sätzen und erst durch die Bedeutung entsteht die Lust an der Sprache. Und es ist unabstreitbar, dass Sprache etwas Lustvolles ist, denn Sprache ist Gedanke und Gedanke ist präzisiertes Gefühl und Gefühle, nun – Gefühle kann man nicht in Sprache ausdrücken. Man kann sich ihnen nur annähern. Wenn Sprache nun also präzisiertes Gefühl ist, eine Anäherung an ihr Wesen und oft ein jämmerlicher Versuch, dann ist jede Sprache auf ihre eigene Weise schön, ob wir sie nun verstehen oder nicht.

Nehmen wir einmal einen Namen. Namen bezeichnen Dinge und stehen für ihre Einzigartigkeit, auch wenn sich viele Menschen einen Namen teilen müssen und erst in der Beziehung zu diesem einen Menschen wird sein Name zur Bezeichnung und damit zu etwas Wahrem und Schönen und Einzigartigem.

Nehmen wir einmal Roland Barthes. In der französischen Sprache gibt es keinen Raum für das “e” am Ende und erst recht nicht für das “s”. Aber wenn ich den Namen ausspeche, “Barthes”, dann denke ich das “E” und es schwingt in dem Gefühl mit, mit dem ich den Namen in die Welt entlasse und das “E” ist wie ein Versprechen, das im Raum steht. Das Versprechen löst Lust aus, denn die Sprache formt sich in mir und ist das Gefühl und ohne Roland Barthes zu kennen und so auch keine Beziehung zu diesem Namen zu haben, so löst es doch Lust aus, an der Sprache und dem Gedanken und der Name ist in mir und damit wahr und schön in seinem Klang und seinem Nachhall in mir selbst.

Lyrik

Kaffeekränzchen

Kaffeekränzchen

Von der kunst im regen kaffee zu trinken

Wenn der brüllaffe gegenüber seine zigarre pafft

Und das geschirr auf dem tresen ungeduldig klappert

Dem kellner die milchdüse geht

Und die cocktails noch nicht geschüttelt sind

Obwohl auf dem buffet schon die butter auf dem croissant verdampft

Die kunst, in all dem treiben und wirken

Das ticken der uhren mit den herabstürzenden regentropfen

zu verschmelzen

zu einem rhythmischen kosen meiner ohren zu komponieren

die zarten aromen zu schnuppern

wie ein dackel im „hab acht“ und die augen zu schließen

weil so allein mit dem milchschaum

ja auch ganz poetisch sein kann


Lyrik

Gartenstrolch

Du Gartenstrolch meiner brachen Hirnäcker

mit behutsamen Händen pflügst Du meine Gedanken

um neue Träume zu säen.

Hab Dich nicht eingeladen, Du Vogelscheuche mit leuchtendem Herz

den Weg gebahnt

Durch Kraut und Kruste, wüstes Wurzeltreiben

Liebevoll jede Krume bekümmert, die durstig nach dem Regen lechzte

Strahlst mich mit erdigem Blick an, gewissenhaft

und zarte Regungen ihre Knospen treiben

im Jahreszeitenreigen Hand in Hand

laufen uns die Krähen davon

und übrig bleibt ein kleines Schaf, das stetig durch das Grüne grast

Lyrik

Les Bavardes

Les Bavardes – Die Schwätzerinnen

Wenn´s denn dann – ach, ja, und wann?
Was ist bloß – natürlich, war doch klar!
Da grub und forschte, es ewig währte
Grund und gütig, das Entsetzen ist echt.

Was auch passiert – ist schon geschehen.
Gesehen? Nein, kein Anschluß unter diesem Anblick!
Fürweil und mit reinem Gewissen
Die Schuld trägt schwer an sich selbst.

Ach, Hoffnung, karger Wüstenboden!
Dein Traum ist nicht ganz ausgeschlafen.
Ach, Hoffnung, lebloser Geist!
Dein Hauch mit langem Atem.

Wie man auch fühlte – die Herzen anrührte.
Schaurig war´s mit anzusehen!
Die Einsamkeit ein treuer Pfand.
Gerührt, verschüttet auf der Seele Totenhemd!

Redaktion

Edle Tischkultur oder “Fines de Claires” an Butterstulle

Bretonische Austern kann man vom Pappteller essen, technisch ist das möglich. Aber ob der Genuss dann noch derselbe wäre? Hingegen selbst das profanste Butterbrot ließe sich durch einen edlen Teller in den Adelstand erheben. Na, gut, vielleicht braucht es auch noch etwas mehr dazu…

…aber was wäre das köstlichste Gericht ohne den passenden Rahmen, gebildet durch schöne Tischwäsche, edles Porzellan und feines Besteck.

Die Tischkultur ist seit jeher Ausdruck einer Philosophie, die weit über die Nahrungsaufnahme hinausgeht. Ob es um den besonderen Moment zu zweit geht, den Respekt gegenüber dem Gast bei einer feierlichen Einladung oder die Krönung mit Hingabe zubereiteter Köstlichkeiten ganz generell: das Erlebnis als Ritual, gespeist von Traditionen, der Kultur und auch modernen Einflüssen versinnbildlicht den Anspruch an Schöngeistigkeit.

Essen befriedigt den Magen, zu speisen den Geist.

Werfen wir also einen Blick auf das, was das Herz erfreut und sinnliche Momente beschert, ohne dass der Bauch zu kurz käme und tauschen den Pappteller gegen „Indisch-Blau“.

Die Ursprünge des Porzellans lassen sich bis zur chinesischen Hochkultur 1122 – 770 v. Ch. zurückverfolgen. Durch Kaufleute und Reisende gelangte es schließlich auch nach Europa, wo das Geheimnis seiner Herstellung unter der Leitung von Johann Friedrich Böttger mühsam entschlüsselt und weiterentwickelt wurde.

Seine Besonderheit liegt in der seit jeher streng gehüteten Rezeptur aus Kaolin, Quarz und Feldspat, dessen Kristalle nach dem Sintern im Gegensatz zu anderen Steingutwaren verglasen und so dem Porzellan seinen besonderen Charakter verleihen.

Beeindruckt von den Erfolgen Böttgers und seiner Kollegen beauftragte„August der Starke“ 1710 den Alchimisten und Apotheker mit der Gründung der ersten europäischen Porzellanmanufaktur auf der Albrechtsburg bei Dresden, die noch heute als „Meißener Porzellan“ mit den seit damals bestehenden gekreuzten Säbeln als Symbol für feinstes Porzellanhandwerk einen internationalen Ruf genießt.

Das „weiße Gold“ durchläuft klassisch zwei Brennvorgänge und ist nach dem ersten Schrühbrand bei ca. 900° – 1000°C noch ein empfindlicher, poröser Scherben, auf dem dann die Glasur aufgetragen und im Glattbrand bei etwa 850°C mit dem Scherben verbunden wird. In der Herstellung unterscheidet man Hartporzellan, zu dem Meißen zählt und sich, durch einen höheren Kaolinanteil bedingt, durch sehr hohe Brenntemperaturen bis 1460 °C auszeichnet und Weichporzellan, dessen Brennwerte deutlich darunter liegen. Eine Besonderheit stellt das von Thomas Frye 1748 in England entwickelte „Bone China“ dar, welches durch seine Anteile von feiner Rinderknochenasche eine zart durchscheinende Transparenz erhält und das filigrane Erscheinungsbild betont, eines der edelsten und wertvollsten Porzellane der Welt.

Hatte Meißen in seinen Anfängen noch das Monopol in Deutschland, gab es im 19. Jh. einen erneuten Aufschwung in der Porzellanindustrie, der durch Kaolinvorkommen in der Gegend um Franken zu Neugründungen von Firmen führte. Unternehmen wie „Arzberg“, „Seltmann Weiden“ oder auch „Villeroy & Boch“, gehören heute neben der „Königlichen Porzellan Manufaktur“ in Berlin, der Friedrich der Große im Jahr 1763 Namen und Zeichen gab, zu den namhaften Traditionsunternehmen und stehen für elegante Porzellankunst.

Ebenfalls königliches Porzellan findet sich bei der 1775 gegründeten Manufaktur „Royal Copenhagen“, die ihre Rohstoffe aus Frankreich bezog. Das Zeichen mit den drei Wellen symbolisiert die drei beherrschenden Meeresarme von Dänemark; den kleinen und großen Belt und den Sund vor Kopenhagen. Aber auch in England hatte man schon früh einen Sinn und ein Händchen für kostbare Tafelkunst, wie es die 1759 gegründete englische Manufaktur „Wedgwood“ beweist, die auf Nachfrage von Theodor Roosevelt sogar das „Weiße Haus“ belieferte. Es lohnt sich also, auch mal einen Blick über Deutschland hinaus zu werfen.

Eine Verbindung der besonderen Art geht das Oberfrankener Unternehmen „Rosenthal“ ein, in dem sie mit Gianni Versace außergewöhnliches Design mit perfekter Handwerkskunst zu überraschenden und begeisternden Kreationen verbinden. Versace führt an italienische  Fresken erinnernde leuchtende Farben und barocke ornamentale Formen zu zeitlosen Kompositionen zusammen, die Kunst und Kultur verbinden. Ein Anspruch, dem sich das Haus „Rosenthal“ von Beginn an verpflichtet fühlte und bereits 1903 mit seinem Jugendstil – Service „Botticelli“ innovative Akzente gesetzt hatte.

Aber auch aktuelle Stilelemente werden von den klassischen Traditionsunternehmen gerne aufgegriffen, die dann behutsam in ihre Kollektionen einfließen und eine Symbiose aus Tradition und Moderne bilden.

Gleiches gilt für die Silbermanufakturen, die in ihren Bestecken sowohl den kulturhistorischen Wandel, als auch den modernen Anspruch an Qualität und Funktionalität vereinen und dokumentieren. Ob nun mehr „Bauhaus“ oder „Art Deco“, die passende Wahl des Besteckes rundet nicht nur ein stimmiges Tafelbild ab, sondern zeugt auch von einem sicheren Gespür für Stil, mit dem Sie als Gastgeber Ihren Gästen eine besondere Ehre zuteil werden lassen.

Historisch betrachtet ist die westliche Tischkultur noch sehr jung und der stilvoll gedeckte und durch passendes Essbesteck ergänzte Tisch etablierte sich erst im 19. Jahrhundert. Weltweit gesehen essen weitaus mehr Menschen mit Stäbchen und der größte Teil mit den Händen, wobei es auch dort eine Esskultur und Regeln gibt.

Das älteste Essbesteck ist sicherlich der Löffel, der der schöpfenden Hand nachempfunden ist und sich schon in steinzeitlichen Funden nachweisen lässt. In der Renaissance entstand die Löffelmacherei als Zweig der beginnenden, Metall verarbeitenden Industrie. So entstand der einfache und aus einem Stück geschmiedete Löffel, der im späten Barock von Kunsthandwerkern stilisiert, nun aus edlen Metallen hergestellt und aufwendig mit Edelsteinen verziert und mit Sinnsprüchen und persönlichen Daten graviert wurde. Diese Kunstwerke wurden traditionell als Geschenke und kostbare Erbstücke aufbewahrt und dienten weniger dem täglichen Gebrauch. Der Ausspruch „den Löffel abgeben“ findet hier seinen ebenso makaberen wie schlicht pragmatischen Ursprung.

Das Messer ist genau so alt wie der Löffel, diente aber neben dem mundgerechten Zerkleinern der Speisen auch anderen Aufgaben und wurde mit dem Löffel im so genannten „Besteck“ am Gürtel getragen. Zuerst aus Stein, wurde es schließlich aus Metall geschmiedet und aus der Waffe wurde eine zahme Tischvariante mit abgerundeter Spitze und verschiedensten Klingen mit mehr oder weniger ausgeprägten Sägen.

Einen weitaus hürdenreicheren Weg hat die Gabel hinter sich bringen müssen, die schon als kleiner Handspieß im römischen Reich und als zweizinkige Gabel im Mittelalter vom italienischen Adel benutzt wurde. Verschmäht, ignoriert, verboten und sogar als teuflisches Symbol diffamiert, war die Gabel in den unterschiedlichsten Epochen, Königshäusern und Klöstern gleichzeitig etabliert, verpönt oder schlicht unbekannt, wurde allerdings seit dem 17. Jahrhundert in der endgültigen, vierzinkigen Form hergestellt.

Bis ins 19. Jahrhundert wurde Besteck fast ausschließlich aus Silber verwendet. Durch seine Anfälligkeit gegenüber Schwefel kamen schon früh Horn- oder Perlmuttlöffel in Mode und auch Fischbesteck, dass zusätzlich eine stumpfe Schneide erhielt, um das feine Filet gefahrlos von den Gräten abzuheben, wurde vergoldet, um den Geschmack nicht zu beeinträchtigen. Seit den 30gern etablierte sich zunehmend Edelstahl, der schon damals in einem Atemzug mit dem Markt führenden Unternehmen „Württembergische Metallwarenfabrik“ (WMF) genannt wurde und entgegen dem pflegeintensiveren Silber dem modernen Haushalt und dem gesellschaftlichen Wandel Rechnung trug.

Inzwischen ist es nur eine Frage des persönlichen Geschmacks, ob man sich für ein Silber- oder Edelstahlbesteck entscheidet oder welchen Anlass man mit welchem Besteck würdigen möchte. Selbst traditionelle Silbermanufakturen wie „Robbe & Berking“ führen neben ihren weltweit beachteten Silberbestecken exquisite Edelstahlkollektionen, die in Form und Design in keinster Weise hinten anstehen müssen. Das Traditionshaus „Koch und Bergfeld“ besticht seit 1829 durch sorgfältige Handarbeit und fertigte im Auftrag von Fabergé bereits für den russischen Zarenhof. Aber auch individuelle Wünsche der Kunden werden berücksichtigt und weiterhin mit einzigartiger Präzision in der Bremer Silbermanufaktur gefertigt.

Die französische Antwort auf erlesene Tischkultur ist mit Sicherheit der klangvolle Name „Christofles`“. Das seit 1830 bestehende Traditionshaus in Saint-Denis bietet alles, um Tischkultur zur Kunst zu erheben. Neben ausgesuchten Besteckkollektionen findet man hier ebenso feines Porzellan und eleganten Schmuck wie auch Interessantes zur Historie, denn  bereits im Jahre 625 wurde die erste königliche Goldschmiedewerkstatt in dem schon damals für seine Abtei berühmten Ort nördlich von Paris gegründet.

Wenn auch die Auswahl an Dekoren und Formen so facettenreich ist, wie ihre späteren Besitzer, was wäre eine Tischkultur ohne einen traditionsreichen Rahmen, der neben Sicherheit im Umgang auch einen Leitfaden für jeden Anlass bietet.

Wurde am Hofe und in der „besseren“ Gesellschaft nur auf Tellern serviert, kann sich inzwischen das „russische“ Eindecken mit Schüsseln zu einem besonderen Augenschmaus entwickeln. Es wäre doch einfach zu schade, die herrlichen und prunkvoll aus Porzellan gefertigten Suppenterrinen zu verstecken.

Erlaubt ist, was gefällt. Trotzdem sollte man ein paar einfache Regeln beachten, die auch den Gast vor unangenehmen Situationen bewahren. So liegt das Messer immer mit der Schneide zum Teller rechts davon, daneben der Löffel. Gabeln werden links platziert und Dessertbesteck oberhalb des Tellers. Der Griff einer Dessertgabel zeigt nach links, der Dessertlöffel hingegen liegt darüber mit dem Griff nach rechts. Das Besteck wird in umgekehrter Menüreihenfolge eingedeckt, daraus ergibt sich die einfache Reihenfolge: „Von außen nach innen“. Es sollten allerdings nie mehr als 3 Besteckteile links und vier rechts vom Teller gedeckt werden.

Bei der Getränkewahl hilft ebenfalls eine einfache Regel: „Von rechts nach links“. Dem leichten Weißwein folgt ein kräftigerer Rotwein zum Hauptgang und ein Sekt oder Champagner zum Dessert. Dabei wird das Rotweinglas als Richtglas oberhalb des Messers ausgerichtet, an dem sich alle weiteren Gläser orientieren.

Wer es etwas unkomplizierter mag, dem sei ein höfischer Etikette durchaus gerecht werdendes Picknick empfohlen. Kleine Leckereien und Spezialitäten dürfen mit den Fingern gekostet werden und neben den appetitlich duftenden Köstlichkeiten ist sicherlich noch Platz für ein paar stilgerechte Teller und fein geschliffene Gläser.

Und ob Sie nun Ihre Austern geräuschvoll schlürfen oder in lautloser Verzückung vernaschen, überlasse ich ganz Ihnen und verweise gerne auf Goethes Worte:

„Aber kein Genuss ist vorübergehend, denn der Eindruck, den er hinterlässt, ist bleibend.“


Erschienen in Das Beste genießen, Ausg. 3/4 2008

Redaktion

Wein, Winzer, Wunder und der Geist der Traube

Der Wein als Elementarteilchen einer Weltkultur hat im Laufe der Jahrhunderte die verschiedensten Wandlungen durchlaufen. Seinen Wert hat er jedoch nie eingebüßt. Und entgegen von Meinungen der letzten Jahre ist gerade der deutsche Wein vielseitig, überraschend und geschmacklich auf höchstem Niveau.

Seinen Anfang nahm der Wein jedoch im antiken Persien. Der Sage nach begann die Weinkultur unter der Herrschaft des legendären Königs Dschamschid, der rund 2.500 Jahre vor Christi lebte. Die in einem Keller lagernden Trauben vergoren und wurden erst als von bösen Geistern besessen und vergiftet erachtet. Die Königin nahm das durchaus wohlschmeckende Getränk, um durch Kopfschmerzen geplagt dem Leben zu entsagen. Zu ihrer Überraschung verschwanden die Schmerzen und sie erlebte einen glückseligen Rauschzustand, so dass von nun an Wein ausdrücklich empfohlen wurde. Der Anbau und Genuss von Wein wurde so zu einer Besonderheit in seinem wie die gleichnamige Rebsorte heißendem Ursprungsort Shiraz, und erreichte schließlich in seinem Siegeszug Ägypten, Byzanz, das antike Griechenland und auch das römische Reich, von wo er auch Eingang in das heutige nördliche Europa fand.

Jedes Land hatte seine eigenen Regeln, wie der Wein zu trinken war und so war es in vielen Ländern nicht unüblich, das edle Getränk nur mit Wasser vermischt zu genießen oder es auch mit Kräutern zu würzen. Wein wurde aber nicht nur als Getränk, sondern auch als Heilmittel, ritueller und religiöser Bestandteil und als wichtige Unterstützung zur Entscheidungsfindung eingesetzt. Wenngleich die getroffenen Entscheidungen nach dem Rausch erneut bestätigt werden mussten.

Auch zu rein praktischen Zwecken wurde Wein konsumiert, als man die desinfizierende Wirkung des Weines, im Gegensatz zu dem meist unreinen Wasser entdeckte. Und so war der Wein auch gerade im Mittelalter, welches ja doch das ein oder andere Hygieneproblem quälte, als Getränk oder als reinigende Zugabe im Wasser Mittel der Wahl.

Weithin bekannt ist die Weinkultur der Klöster, für die Wein als liturgischer Bestandteil unverzichtbar war und die ihn auch zu Heilzwecken als höherprozentige Branntweinessenzen herstellten. Viele, der heute noch erhaltenen Abteien, verfügen über eigene Weinberge oder Weingute, die auch heute noch Erträge erwirtschaften.

Im heutigen Deutschland ist der Weinbau nach wie vor eng mit der Geschichte der Klöster verbunden. Bis ins 14. Jahrhundert waren die klimatischen Wärmebedingungen, man spricht hier auch von einer Mittelalterlichen Warmzeit, sehr günstig, so dass der Weinbau eine Blütezeit erlebte und sich im 16.Jh. auch bis in die östlichen Regionen verbreiterte. Durch die enge Nähe der meisten Anbaugebiete zum Rhein wurde auch reger Handel betrieben und Skandinavien, England und Holland beliefert. Einige der wichtigsten Handelszentren waren zu dieser Zeit Speyer, Mainz, Frankfurt am Main, Straßburg, und allen voran Köln.

Auch wenn Deutschland jeher als Weißweinland bekannt ist, nimmt die Nachfrage nach deutschem Rotwein seit den 80ger Jahren stetig zu und damit auch die Anbaufläche roter Rebsorten. Weit über 100 verschiedene Trauben werden in Deutschland angebaut, zu denen klanghafte Namen wie Riesling und Müller-Thurgau gehören, die auch die größten Anteile für sich beanspruchen. Aber auch Sorten wie die Scheurebe oder der Gelber Muskateller stehen für einen exzellenten Weißwein. Bei den Rotweinen dominieren Spätburgunder und Dornfelder, aber auch hier sollte man sich Namen wie Cabernet Sauvignon und Regent merken.

Nun ist Wein nicht gleich Wein und schon früh haben sich Qualitätsauszeichnungen durchgesetzt, die den verschiedenen Ansprüchen Rechnung tragen. Die höchste Stufe, der Prädikatswein, unterteilt sich noch einmal in Kabinett, Spätlese, Auslese und Beeren- und Trockenbeerenauslese. Interessant an dieser Stelle ist sicherlich, dass das Prädikat Kabinett auf die Zeit um 1500 zurückgeht. Damals wurde im Kloster Eberbach die ehemalige Fraternei in einen Weinkeller umfunktioniert und beherbergte besonders wertvolle Weine. Diese Schatzkammer wurde als „Cabinet“ bezeichnet, von dem sich die heutige Auszeichnung ableitet.

Die Qualität eines Weines lässt sich auf verschiedene Weise nachvollziehen. Die Qualität der Trauben, der Reifeprozess, schließlich die Farbe und der Geschmack. Professionell tun dies Önologen und Sommeliere, die mit einem feinen Gespür für den richtigen Wein jedes Menu adeln. Erstere haben sich ganz offiziell mit der Wissenschaft der Kelterei auseinander gesetzt und entwickeln neue Standards für noch bessere Reifebedingungen und neue Techniken zur Kelterei. Am Ende steht immer der Wunsch nach dem besten Produkt.

Beste Weine für jeden Geschmack bietet das deutsche Angebot. Seine Vielfältigkeit rührt von den unterschiedlichen Anbaugebieten mit ganz individuellen klimatischen Bedingungen her. Eines der kleinsten und nordöstlichsten Weingebiete in ganz Europa liegt an der Elbe. Auf der 55km langen Weinstraße rund um Dresden werden seit über 800 Jahren in langer Tradition edle Weine gekeltert, die sich mit den kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten zu einem unvergesslichen Ganzen verbinden. Neben Sorten wie dem anteilsmäßig dominanten Müller-Thurgau finden aber auch Sorten wie die Scheurebe und der Traminer Einzug und laden zu fruchtig aromatischen, leichten und bouquetreichen Genüssen ein.

Ein für seinen Riesling bekanntes Anbaugebiet ist die Mosel, wo sich auf über 9000 ha die Weinberge an den Lauf des Flusses schmiegen. Trier als älteste Stadt ist dort ebenso zu finden, wie malerische Dörfer, die mit ihren familienbetriebenen Weinguten wie zum Beispiel in Cochem wahre Kleinode herstellen. Der für den Riesling so wertvolle Schieferboden zieht sich von der Untermosel über Bernkastel bis zur Saar und im Süden findet man Muschelkalkböden, die einen wunderbaren Elbling und Weißburgunder hervorbringen.

Ganz im Süden am Kaiserstuhl befindet sich mit Baden das drittgrößte und südlichste Weinbaugebiet Deutschlands. Auf rund 15.900 ha Rebfläche werden neben Grauburgunder und Müller-Thurgau auch rote Rebsorten wie Spätburgunder, Regent und Dornfelder angebaut. Als einziges Weingebiet in Deutschland ist es zusammen mit den französischen Gebieten um Elsass, Loire und der Champagne und Österreich der Weinbauzone B, einem von der EU eingeführten klimatischen Kriterium, zugeteilt. Daraus ergeben sich die für wärmere Bereiche bestimmten Auflagen zum Mindestanteil an Alkohol, Säuerung oder Entsäuerung der Moste. Diese Kriterien stellen ein weiteres Qualitätsmerkmal dar, was es so nur in ähnlicher Form für kalifornische Weine gibt.

So vielfältig die Lagen, so variationsreich der Geschmack. Leicht und frisch, süffig und süß, blumig-beschwingt oder erdig-würzig, nach Rosen duftende Bouquets und beerige Aromen. Das Geschmackserlebnis ist immer wieder neu und überraschend. Mit geschlossenen Augen den Duft einatmen und langsam die feinen Noten des Weines auf der Zunge ertasten. Man muss kein professioneller Weinkenner sein, einzig der Geschmack und der Wille zum Genuss führen in die geheimnisvolle Welt der Weine.

Und so ist mittlerweile erlaubt, was gefällt und schmeckt. Weißwein zu hellem Fleisch, Roter zu kräftigem Käse, werfen Sie alte Regeln über Bord und probieren sie selbst. Lassen Sie sich von den Bouquets leiten und erspüren sie neue Kompositionen und finden Sie selbst heraus, wie Sie Ihren Wein am liebsten genießen. Wichtig bleibt nur, dass der Wein genügend Zeit zum Atmen hat, um sein wahres Aroma zu entfalten.

Dazu das passende Glas, für Weißwein etwas schlankere Gläser, für Rotwein bauchigere oder gar hochgeschlossen, um den Duft zu betonen. Den Zusammenhang zwischen dem richtigen Glas und dem optimalen Geschmackserlebnis erkannte als erster der österreichische Glasdesigner Prof. Claus Josef Riedel (1925-2004) und setzte seine Erkenntnisse in der revolutionären Glasserie „Sommeliers“ um. Die unterschiedlichen Glasformen leiten den Wein auf die für die jeweilige Rebsorte richtige Geschmackszone der Zunge, wo der erste Geschmackseindruck entsteht, der den individuellen Charakter des Weines angibt.

Einen besonderen Vorteil bieten Bleikristallgläser, die durch ihre offenporigere Materialbeschaffenheit dem Wein eine größere Benetzungsoberfläche bieten und den Wein stärker als bei Kristallgläsern an der Glaswand haften lassen. Durch die intensivere Verdampfung an der Glaswand wird die Wahrnehmung durch die Nase in den Vordergrund gerückt. Für Weinliebhaber ein nicht unerheblicher Genuss. Die Temperatur des Glases sollte ähnlich der Weintemperatur sein. Für Weißweine gilt etwa 8 – 10 °C und für Rotweine 15 – 17°C. Ebenfalls sollte es nur halb befüllt werden, damit der Wein genügend Raum zum Atmen und beim Schwenken ausreichend Benetzungsfläche am Rand des Glases erhält. So entfaltet sich erst das Bouquet und die feinen Duftnoten umspielen die Sinne.

Lässt sich auch aus dem Keltern, der Wahl der richtigen Traube und der Präsentation eine Wissenschaft machen, der es auch bedarf, um einen besonderen Wein zu erhalten, so bleibt am Ende der Genuss eines guten Weines aber ganz unwissenschaftlich, dafür hingegen mit Leidenschaft, Hingabe und den Worten Friedrich Hebbels:

„Der Wein ist die edelste Verkörperungdes Naturgeistes“


Erschienen in Das Beste genießen, Ausg. 3/4 2008

Redaktion

Die Perlen der Champagne

Sinnlich und verführerisch – was als Geschmeide jeden Blick fesselt, umwirbt als Champagner mit jedem Schluck mehr. Seine feinen Perlen sind nicht nur das Merkmal des Schaumweins, sondern auch ein Kriterium seiner Qualität. Waren die ersten Weine der Champagne, deren Weinkultur bis in das 1. Jahrhundert zurückreicht, noch „Stille Weine“, ist seit dem 17. Jh. die Stadt Reims neben ihrer Funktion als Krönungsort der französischen Oberhäupter wie auch die gesamte Champagne untrennbar mit der besonderen Kunst der Schaumweinkelterei verbunden. Der Champagner aus der kleinen Region östlich von Paris ist nicht nur in Versailles, sondern über die Grenzen hinaus bekannt, berühmt und zum Synonym für höchsten Genuss und außergewöhnlichen Luxus auf der ganzen Welt geworden.

Die Landschaft im Norden Frankreichs teilt sich in die Gebiete Montagne de Reims, Valle de la Marne, Cole de Blancs und Aube auf. Dort werden auf 34.000 ha die für den Champagner benötigten Rebsorten Pinot Meunier, Pinot Noir und Chardonnay angebaut, deren Wurzeln tief durch den humus- und kalkreichen Boden wurzeln. Geschützt durch die Wälder entstehen so trotz des rauen Klimas ideale Bedingungen, in denen die Trauben zu höchster Vollendung reifen, um so dem Champagner seinen faszinierenden Geschmack und auch seinen Namen zu verleihen.

Ein Kunstwerk, das seines Gleichen sucht. Das Geheimnis liegt in der Komposition der Cuvées, bei der der Chef de Cache bis zu fünfzig Weine vermählt. Schon Dom Pierre Pérignon und auch Frère Jean Oudart, Kellermeister der Abtei Saint-Pierre aux Monts de Châlons, nutzten und perfektionierten diese Technik zur Verfeinerung der Weine. Den Ritterschlag erhält der fast fertig gereifte Champagner später mit der Dorsage. Durch Hinzufügen von erlesenen Weinen der Cuvée, alten Champagnern und Rohrzucker wird über die Geschmacksrichtung von Brut nature bis Semi und Doux entschieden.

Besonderes Augenmerk richtet jeder Champagnerhersteller nicht nur auf die Assemblage, sondern auch auf den Vorgang des Degorgierens. Durch die „Methodé champenoise“, der zweiten Gärung in der Flasche, müssen vor Auslieferung die Gärungsrückstände vorsichtig entfernt werden. Dazu benutzt man selbst in unseren modernen Zeiten noch Holzkonstruktionen, die auf die Erfindung von Mme. Veuve Cliquot zurückgehen. Die Flaschen werden in diesen speziellen Vorrichtungen gelagert und täglich leicht gedreht und angehoben. Nach etwa 40 Tagen haben sich die Aromen der Hefen mit dem Wein vermischt und der nun in den Flaschenhals gewanderte Hefepropf kann entnommen werden. Und auch, wenn dieser Vorgang maschinell nur eine Woche beansprucht, lassen es sich die Stammhäuser nicht nehmen, besondere Jahrgangschampagner von Hand zu rütteln.

Ein mit so viel Liebe, Hingabe und Akkuratesse entstandener Schaumwein verdient zu Recht seine Auszeichnung, als „Champagner“ betitelt zu werden. Den hohen Anspruch an die eigene Leistung bringt Victor Lanson so auf den Punkt: „Ich bereite Wein für mich selbst. Was ich nicht selbst trinken kann, verkaufe ich!“. Das seit 1828 durch die Familie Lanson vergesellschaftete Traditionshaus ist eine der ersten Champagnerkeltereien, 1760 von François Delamotte in Reims gegründet und im 19. Jh. zum offiziellen Hoflieferanten des englischen, schwedischen und spanischen Königshauses avanciert. In der „Haute Cuisine“ ist es Alain Ducasse, der eine solche Empfehlung ausspricht.

Welchen Champagner man auch wählen mag, entscheidet letztlich der Gaumen. Und über Geschmack läßt sich bekanntlich nicht streiten – ob „Moët & Chandon“, „Roederer“, „Ruinart“ oder „Lanson“, jede der traditionellen Marken hat ihre eigene unverwechselbare Besonderheit, die den Genuss in jeder Situation zur Kunst erhebt.

Das kühle Prickeln der Champagnerperlen ist zu jeder Gelegenheit der passende Begleiter und sollte am besten gut gekühlt bei 8 °C genossen werden. Die aufsteigenden Bläschen und die Kranzbildung im Glas entfalten sich ebenso wie leichte Bouquetnoten inhohen Flöten oder Tulpengläsern besonders eindrucksvoll. Über die Lagerung gibt es ganze Abhandlungen, dunkel, bei gleich bleibenden, kühlen Temperaturen sind Grundvoraussetzungen, damit das sensible Aroma erhalten bleibt.

Auch die Größe der Flasche spielt eine nicht unerhebliche Rolle. Die „Magnum“ mit 1,5 l Inhalt gilt als bevorzugte Wahl, während Flaschen mit den klangvollen Namen Methusalem (6l), Balthasar (12l), oder Nebukadnezar (15l) an prachtvolle, historische Empfänge erinnern, während die „Filette“ (0,35l) eher an einen romantischen Sonnuntergang am Strand denken lässt.

Das Besondere zu genießen, sich seiner Exklusivität bewusst zu sein, dadurch gewinnt der Augenblick an Bedeutung. Ob zum Empfang, für sinnliche Momente oder für ein exquisites Essen, auch wenn man mit einem „Brut“ nicht viel falsch machen kann, der Kenner weiß doch feine Unterschiede zu treffen.

So empfiehlt sich zum Aperitif ein Blanc de Blancs, dessen blumiges Bouquet zuweilen an Veilchen und Rosen erinnert. Schon die verwöhnten Gäste des „Maxims“ inspirierte dieser nur aus den Auslesen der weißen Trauben hergestellte Champagner, den Eugene-Aimé Salon erstmals vorstellte.

Mit schweren und herzhaften Gerichten verträgt sich ein Blanc de Noir, dessen fruchtiges Bouquet durch die ausschließliche Verwendung der Pinot-Trauben seinen gehaltvolleren Geschmack erhält. Zum Dessert wählt der Gourmet einen Sec oder Demi-Sec aus, der mit seinem süßen Aroma den perfekten Ausklang bildet.Und für ganz besondere Anlässe darf es gerne ein Millésimé sein.

Denn mit einem edlen Champagner befindet man sich immer in guter Gesellschaft. Halten wir es also frei nach Bette Davis in „Old Aquaintances“…

„Irgendwann kommt der Moment im Leben eines jeden, wo das Einzige, das hilft,
ein Glas Champagner ist.“


Erschienen in: Das Beste genießen, Ausg. 2007 S. 35 ff

Schreiben

Schreiben

Die Einsamkeit des Schreibens, das ist die Einsamkeit, ohne die Geschriebenes nicht entsteht oder zerbrökelt, blutleer von der Suche, was man noch schreiben könnte.
Marguerite Duras

Es war immer da. Das Schreiben. Manchmal schreibe ich über das Schreiben. Von innen heraus. Keine analytische Betrachtung oder wegweisende Richtlinien, die anderen als Vorgabe dienen könnten. Es ist mehr so, als ob das Schreiben aus sich selbst heraus erzählt. Es ist da. Das Schreiben bricht aus mir heraus. Ergießt sich auf dem Papier. In modernen Zeiten ist es ein Bildschirm. Das ist egal. Es bricht aus.
Das Schreiben hatte eine eigene, eigenständige Persönlichkeit, lange bevor ich Stimmen fand, die den gleichen Klang hatten. Das scheint mir vermessen, denn es beinhaltet einen Vergleich. Wer bin ich schon. Also lange, bevor ich Stimmen fand, denen ich mich nah fühlte, von denen ich glaube, zu verstehen, was sie sagen.
Es ist 1994. Der 17. Oktober. Ich kann mich nicht mehr an diesen Tag erinnern. Da ist nichts mehr. Ich war an diesem Tag in einem Buchladen und habe ein Buch von Marguerite Duras gekauft. »Schreiben«. Es ist die erste Stimme, der ich mich nah fühlte, die ich in mir selbst höre. Ich bin so klein, so winzig, so bedeutungslos.

Es ist das Schreiben. Ich kenne den Wahn. Nein, ich kenne den Schmerz. Die Umkehr von Proportionen, die alles verschlingend groß und riesig erscheinen lassen und einen selbst so winzig. Verloren. Wo? Im Schmerz? Im Schreiben? Der Schmerz ist da. Das Schreiben lacht kalt. Den Schmerz kennen wir. Der macht uns keine Angst. Er ist immer da, wie ein Versprechen. Das Schreiben ist die Dimension, in der ich dem Schmerz entkomme. Für den Augenblick. So lange die Worte in Bewegung sind, so lange die Sätze fließen, hat der Schmerz keinen Platz in diesem Raum. Ohne Worte, ohne das Schreiben ist dort Leere, die durch den Schmerz gefüllt wird. Ich schreibe. Das Schreiben brüllt in mir. Will gehört werden. Von mir, der ich es niedergekämpft, verbannt hatte. Ich hatte mich dem Schmerz hingegeben.

Im betäubenden Rausch des Schmerzes der Wirklichkeit nicht mehr zugänglich. Was ist schon Wirklichkeit. Ist der Schmerz nicht wahrhaftiger als alle Lügen, die gesponnen werden, nur um ihn nicht fühlen zu müssen? Schreiben ist Schmerz und Schmerz ist im Schreiben. Das Schreiben lacht kalt. Das Schreiben hat kein Mitleid mit mir. Ich bin ihm ausgeliefert, wie dem tosenden Schmerz. Wenn ich aufhöre – wenn ich mich nicht mehr dagegen wehre, wenn ich mich dem Schreiben ergebe – fließen die Worte und die Finger eilen über die Tasten und der Schmerz fließt in die Buchstaben und bildet Sätze und Sinn und Ordnung.

Mit dem Schreiben kommt die Ordnung. Die Dinge sind nie in Ordnung. Die Gedanken, die Gefühle sind reines Chaos. Es ist nicht in Ordnung. Das Schreiben sortiert den Wahnsinn, schreiben. Nicht aufhören und nicht fähig, den Worten ihren Schmerz zu entziehen. Schreiben. Sich im Schreiben verlieren und wiederfinden. Ohne das Schreiben bin ich verloren.


Duras, Marguerite: Schreiben. 1. Aufl. Suhrkamp. Frankfurt am Main 1994. S. 8

Uncategorized

Mit Murakami in der Badewanne

Mein erster Murakami. Südlich der Grenze, westlich der Sonne. Der Titel, den ich mir ausgesucht habe. Ob es eine gute Wahl war, mit diesem Buch einzusteigen? Ich weiß es nicht und es ist zu spät. Und so, wie Hajime schon als Kind begreift, dass es sinnlos ist, über Dinge nachzudenken, die man nicht beeinflussen kann, deren Verlauf unabänderlich ist, so verhält es sich mit mir und meinem ersten Murakami.
Er ist gelesen und er wird immer mein erster Murakami sein.

Ich wusste nicht wirklich, was mich mit diesem Buch erwartet und ich hatte auch keine Vorstellung, was mich mit Murakami ganz generell erwartet. Aus einer Laune heraus, und sonst mache ich das nicht, legte ich mich zum Lesen in die Badewanne.

In der ersten Übersetzung ( und es muss wohl eine literarisch deprimierende Übersetzung einer noch viel deprimierenderen US-Englischen Übersetzung des Orginals gewesen sein, so las ich zumindest) hieß das Buch noch „Gefährliche Geliebte“. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll.

Ich liege nackt in der Badewanne, was an sich schon obszön ist, es zu denken, geschweige denn, es laut auszusprechen. Das mag daran liegen, dass ich dem Körper nicht so viel Bedeutung beimesse. Oder dem Bewusstsein mehr als der Hülle. Ich bin Genussleser. Ich konsumiere Bücher wie, wenn ich es mögen würde, man einen kostbaren Wein trinkt. In Schlucken. (Zwei Spechte … da mopst mich der Hafer und der Harry Rowohlt).

Ein Buch ist eine eigene Persönlichkeit, die sich durch mein Lesen entfaltet und in meinem Lesen Gestalt annimmt.

Das erfordert ein gewisses Maß an Respekt und Leidenschaft. Also gebe ich mich wie eine Geliebte dem Buch hin und trete seiner Geschichte hüllenlos entgegen. Es fühlt sich in der Tat befremdlich an, diese Nacktheit vor dem Buche. Als ob die Seele des Buches aus den Seiten heraus auf mich schauen könnte. Auf den nackten Körper im milchtrüben Wasser in der Badewanne, aus der vanilliger Dampf empor steigt und das Fenster beschlagen lässt.

Der Anfang gefällt mir gut und das murakamische Schreiben kommt meiner Art in Prosa zu denken entgegen. Sex interessiert mich nicht. Und mit dem alten Titel hätte ich die Sache vermutlich erst gar nicht in die Hand genommen. Südlich der Grenze, westlich der Sonne impliziert, dass da mehr ist, als das Problem, was eine Geliebte handelsüblich eben so mit sich bringt. Der Sex in diesem Buch hält sich in Grenzen. Ich empfinde ihn als steril, als teils erstaunte Beobachtung von Reaktionen von Körpern. Und das lässt sich gut aushalten. Im Gegensatz dazu ist das Empfinden von Hajime ganz und gar nicht steril. Ich glaube, ich verstehe ihn ganz gut. Also schlage ich mich auf seine Seite. Trotz Izumi. Oder vielleicht auch gerade weil ich mich nicht in sie hineinfühlen muss.

Der Schmerz ist greifbar.

Und Schmerz ist mein Thema. Es ist mir egal, ob es um das schmerzhafte Lieben von Shimamoto geht, um das schmerzhafte innere Sterben von Izumi. Ich lese den Schmerz aus den Seiten heraus. Und er trifft mich schutzlos. Die Geschichte umfließt mich und ich vergesse den Raum und den nackten Körper und das kalte Wasser und das beschlagene Fenster.

Ich hadere mit Murakami wegen Yukiko. Der Schmerz ist da, aber sie ist wie eine Randfigur, ein nicht richtig passen wollendes Teilchen in diesem Dreigestirn aus Schmerz, den Hajime mit Izumi und Shimamoto teilt. Und ich verstehe Hajime nicht. Er liebt und liebt nicht und dann wieder doch und mit Yukiko ist es ja auch alles sehr praktisch und überschaubar und berechenbar.
Es gibt Liebe, die nicht dazu gedacht ist, gelebt zu werden, weil sie zerstört.

Und es gibt Liebe, die gelebt werden kann, die nicht diese zerstörerische Kraft hat und die grundsolide ist und wunderbar und alles, was man sich nur wünschen kann. Die zerstörerische Liebe ist wie eine Droge, und einmal gekostet, gibt es kein Zurück, genauso wenig wie es kein Entrinnen gibt vom Schmerz und keine Heilung.

Der Schmerz aus dem Buch perlt wie Wassertropfen vom Knie den Schenkel herunter, der aus dem trüben Wasser ragt. Der Schmerz ist das Wasser und das Leben. Fluch und Segen zugleich wie das Fruchtwasser, in dem das Ungeborene gedeiht, lässt es mich mit der letzten Seite zurück.
Das nackte Lesen. Murakami und ich. In einer Badewanne.


Haruki Murakami; Südlich der Grenze, westlich der Sonne. 1.Aufl. 2015. btb Verlag, Gruppe Randomhouse. München. 224 S.

Schreiben

Mit Hemingway am Strand

Das Einzige, was Dir den Tag verderben konnte, waren Menschen, und wenn Du Verabredungen aus dem Weg gehen konntest, waren die Tage grenzenlos.
Ernest Hemingway

Ich war zum Schreiben gekommen und jetzt sind meine Beine sandig und ich kann das Notizheft nicht ablegen. Ich kann auch nicht schreiben, denn der Wind hat meine Finger kalt und steif gepustet. Ich sitze im Sand, der kühl und leicht feucht ist, in Erwartung der kommenden Flut. Das Rauschen der Wellen geht im Wind unter, vermischt sich zu einem Strom von Wasser und Wind, der überall ist, ohne Grenze, ohne Anfang, ohne Ende … ohne Bestimmung.

Also lese ich.

Meine klammen Finger halten das Buch und der salzige Wind frisst sich in die Buchseiten. Ich könnte mir vorstellen, dass ein Herr, wohlgemerkt ein Gentleman, am Strand entlang spaziert. Er würde einen hellen Leinenanzug tragen und einen Hut und vielleicht würde der Gentleman sogar Phantasie und Wagemut zu seinen Charaktereigenschaften zählen, was er natürlich gut verstecken könnte, und wegen der Phantasie würde er seine Budapester ausziehen und mit nackten Füßen durch den Sand gehen.
Er würde grüßen, denn sowas tut ein Gentleman und sich höflich nach meiner Lektüre erkundigen. Ich könnte also antworten:« Hemingway. Ich lese Hemingway.« Und damit wäre alles gesagt. Dann könnte ich gedankenverloren auf das Meer schauen und mich fragen, ob ich ein guter Schreiber bin. Ob ich Hemingway als Vorbild nacheifern sollte, ob das überhaupt möglich ist oder von vorne herein zum Scheitern verurteilt. Der Gentleman würde seinen Hut ziehen und mir noch einen schönen Tag wünschen und seinen Spaziergang fortsetzen und ich wäre wieder allein. Mit mir und dem Schreiben und dem Buch und Hemingway.


Es ist nur ein Gedanke. Alles ist Gedanke.

Ich sitze am Strand und ich will gar nicht, dass dieser Moment, dieses Sein im salzigen Strom aufhört. Mir ist absolut klar, dass ich später aufbrechen muss, zurück gehen, bevor mich die Flut verschluckt, bevor der Tag der Dunkelheit weicht. In diesem Moment ist das Sein aufgelöst und Teil des Meeres … der Luft. In diesem Moment bin ich und bin nicht. Es gibt keine Grenze zwischen den Gedanken und dem Schreiben, so wie es keine Grenze zwischen den Wassertropfen im Meer gibt und keine Grenze zwischen dem Meer und dem Horizont. Ich bin grenzenlos, im Sein … im Schreiben.
Ich weiß, dass ich zurück muss und das macht mich traurig. Die Traurigkeit zerstört das Sein und den Moment und das Eins. Und so weiß ich nicht, ob ich jetzt schon gehen soll, damit ich beim Gehen die Traurigkeit überwinde oder ob ich verweile. Aber jetzt bin ich traurig, weil der Abschied vom Strand naht und das hat das Glück über den Tag am Strand genommen. Warum also das Unglück noch länger hinauszögern und sich dem Unvermeidlichen fügen?

Ich könnte zurück gehen und einen Kaffee trinken. Das wäre ein neues Glück und da es auch ein alltägliches Glück ist, wäre ich nicht so traurig, wenn auch dieses Glück wieder endet. Alles Glück endet und verrinnt wie das Meer in den Furchen, die sich mit den Wellen in den Sand graben. Das Glück endet in dem kurzen Moment, im Innehalten und der Erkenntnis dessen Endlichkeit. Es ist wie ein kurzer Tod im größten Empfinden der Freude.
Man darf sich von der Traurigkeit aber auch nicht überrumpeln lassen, denn sonst dürfte man erst gar nicht an den Strand gehen und würde sich von vornherein des größten Glücks berauben. Man muss den Schmerz einkalkulieren und den richtigen Moment zum Abschied finden, bevor die Traurigkeit zu groß wird und das Glück verschlingt wie die Wellen den Sand mit den aufkommenen Gezeiten und man leblos und starr vor Traurigkeit liegen bleibt, unfähig, durch den Schmerz einem neuen Glück entgegen zu gehen.

So ist das. Im Leben und am Strand.


Hemingway, Ernest: Paris, Ein Fest fürs Leben. 10. Auflg. Rowohlt Taschenbuch Verlag. Reinbeck bei Hamburg 2016. S. 41.

Krimi

Klein | Stark | Tödlich

An der Mosel begann die Ostersaison bei schönstem Sonnenschein. Dr. Gernot Acker zerrte an seiner Krawatte, trank einen Schluck Wasser. Kein Wunder, dass er sich verkühlt hatte. In Daun regnete es seit Tagen, inklusive Nachtfrost. Er legte einen Arm um die junge Frau, lächelte in das Handy. Klick. Die nächste. Kalter Schweiß lief ihm den Rücken herunter. Gernot Acker setzte sich und begann aus seinem Buch »Kreativ mit Hypnose« zu lesen. Seine Brust schmerzte. Er hustete. Peinlich berührt sah er den blutigen Auswurf, der auf den aufgeschlagenen Seiten klebte. Bevor er den eitrigen Klumpen mit einem Taschentuch entsorgen oder in Erwägung ziehen konnte, die Lesung ganz abzubrechen, wurde ihm schwarz vor Augen.

„Kommst Du mit einen Döner holen? In der Kantine gibt es heute Prummewärmp.“
„Zuckersuppe? Wie sind die denn drauf! Klar komme ich mit.“
Uwe Glanz zog seine Jacke vom Stuhl, als das Telefon klingelte.
Er nahm das Gespräch an und grinste Hauptkommissarin Claudia Werner zu, die bereits an der Tür wartete. Dann grinste er nicht mehr.
»Die von der Seuche – Verdacht auf Lungenpest.«
»So’n Quatsch. Das ist Grippe. Meine Nachbarin ist auch krank, geht gerade im Kindergarten um.“
„Steck mich bloß nicht an, ob Pest oder Grippe, am Wochenende spielt Eintracht Trier.“
»Seh‘ ich aus, als ob ich die Pest … schon gut, ich kümmere mich.«
»Und immer schön Abstand halten!«

Krankenhäuser riechen alle gleich. Kommissarin Werner atmete flach. Sie war mit Dr. Dr. Dörte Messner verabredet, die die eilends eingerichtete Isolierstation betreute.
»Kripo Daun, Werner.« Sie zeigte ihren Dienstausweis.
Die Ärztin trug unter ihrem Kittel ein Batikshirt mit dem Aufdruck ‚Nerd goes viral‘. Neben ihr auf dem Schreibtisch dampfte ein Thermobecher Kaffee mit dem Werbeaufdruck einer lokalen Kaffeerösterei. Kommissarin Werner sog den Geruch frisch gemahlenen Kaffees ein.
»Wie sieht die Lage aus?«
»Ein Toter, elf Infizierte. Mit Yersinia pestis ist nicht zu spaßen. Drei Tage Inkubationszeit und wenn nicht innerhalb von 24 Stunden therapiert wird, war’s das.«
»Der Tote …?«
»Gernot Acker, 53 Jahre, Psychologe. Ist auf einer Lesung kollabiert.«
»Kreativ durch Hypnose.«
»Sie waren dort?«
»Nur kurz … ich hatte Rufbereitschaft … ich wusste nicht …«
Dr. Dr. Messner griff zum Telefon und nach einem Moment betrat ein Mann im Schutzanzug den Raum, der wie ein Astronaut wirkte.
»PCR, Blutbild und Thorax. Und ich brauche mehr Streptomycin.«
»Ich sterbe?«
»Frau Werner, versuchen Sie ruhig zu bleiben. Wir testen Sie jetzt und in 15 Minuten haben wir das Ergebnis. Mit dem Antibiotikum können wir das Virus gut therapieren.«
»Ich bin doch nur zu der Lesung gegangen, weil meine Nachbarin Grippe hat und mir die Karte geschenkt hat.«
»Wir haben hier soweit alles unter Kontrolle. Und Sie bleiben erst einmal auf der Quarantänestation unter Beobachtung.«

Kommissarin Werner fühlte Übelkeit in sich aufsteigen. Lungenpest. Sie sah die Masken aus düsteren Mittelalterfilmen vor sich, Ratten, Dreck und der Gestank nach Kot und Pisse. Ihr Mund war trocken. Sie dachte an den Vortrag. Dieser Gernot Acker hätte bei den Guldenburgs mitspielen können. Wie Sigmar Solbach, in den sie als kleines Mädchen unsterblich verliebt gewesen war. Dr. Acker hatte auch so schlanke Hände. Bestimmt war sie nicht die einzige, der das aufgefallen war. Wo hätte sich ein Mann, der offensichtlich zur Maniküre ging, mit dem schwarzen Tod anstecken sollen? Sie rieb sich die Hände an der Jeans.

In dem kleinen Aufenthaltsraum, der zur Quarantänestation dazu gehörte, gab es Kaffee, der in einer Thermoskanne zusammen mit trockenen Keksen auf einem Servierwagen stand.
»Haben Sie nicht gestern neben mir gesessen?«, fragte Kommissarin Werner eine junge Frau.
»Ich weiß nicht … ich fühle mich wie in einem Alptraum. Wer kriegt denn heute noch die Pest?«
»Wird schon. Die Ärztin sah aus, als wenn sie alles im Griff hätte.«
»Und was, wenn das Antibiotikum nicht wirkt. Das hört man doch immer, dass die resistent sind und so.«
»Waren Sie eigentlich vorher schon mal auf einer Lesung von Dr. Acker?«
»Ja, ich habe auch ein Coaching gebucht. Erst dachte ich, Hypnose, das klappt doch eh nicht, aber dann war ich ganz tief weg. Das war unglaublich. Gernot hatte total recht mit dem Zustand der schöpferischen Fülle.“
„Sie haben sich geduzt?“
»Gernot ist sehr einfühlsam. Für ihn ist ein enger Kontakt zu seinen Patientinnen ganz wichtig, um den Zustand der schöpferischen Fülle zu erreichen.«

Das Robert-Koch-Institut hatte ein Team aus Frankfurt losgeschickt. Der lokale Seuchenschutz war alarmiert, die Kollegen unterstützten vor Ort. Kommissarin Werner trommelte mit den Fingern auf die Tischplatte. Ihr war übel, aber herum zu sitzen machte die Sache nur noch schlimmer. Und außerdem war Karfreitag. Sie war doch mit ihrer Schwester verabredet. Sie rieb sich die Stirn. Wie zur Hölle war Dr. Acker an die Pest gekommen? Und wieso hatte es überhaupt nicht nach Pest ausgesehen? Die hatten doch immer diese Eiterbeulen oder war das Lepra?

Sie stand auf und wanderte durch das kleine Krankenzimmer der Isolierstation. Madagaskar kämpfte mit Pestepidemien, der Kongo. Aber mitten in Deutschland? Da musste doch mehr dahinter stecken. Kommissarin Werner schaffte es, unbemerkt die Station zu verlassen und schlich weiter zum Labor. Auf dem Tisch standen Plastikröhrchen mit Blutproben in einer quadratischen Halterung. Daneben lagen mehrere Listen mit Namen. Das mussten die Teilnehmer der Lesung sein. Sie überflog die Daten, blieb bei ihrem Namen hängen, las weiter, stutzte, überlegte kurz und nahm einen Schutzanzug aus Plastik, Einmalhandschuhe und einen Mundschutz, stopfte die Sachen in ihre Tasche. Auf dem Weg zum Parkplatz tippte sie eine Nachricht in ihr Handy, dann erbrach sie sich in einen Busch.

Kommissarin Werner parkte in einiger Entfernung des Bungalows von Dr. Acker, zog sich den weißen Overall und die Handschuhe an und stülpte sich den Mundschutz über.
»Kripo Gerolstein«, nuschelte sie auf den fragenden Blick eines Beamten hin und hielt den Dienstausweis so, dass er weder ihren Namen, noch ihr Foto richtig erkennen konnte und betrat den Bungalow. Das Haus war modern und teuer eingerichtet. Mit Hypnose ließ sich offensichtlich Geld verdienen. Sie öffnete eine Zimmertür und schaute sich überrascht um. Traumfänger, Zimmerbrunnen, eine Liege mit Kissen, Buddhastatuen. Nach so esoterischem Zeug hatte Dr. Acker gar nicht ausgesehen. Sie blätterte durch ein paar Bücher. Medizinische Fachliteratur. Dazwischen ein speckiger Lederfoliant. Beiläufig schlug sie den Deckel auf. »Sch…, das darf nicht wahr sein!“ Kommissarin Werner starrte auf eine Tube Gleitcreme und K.O.-Tropfen, die in dem ausgehöhlten Buch versteckt lagen. Schöpferische Fülle … er war so einfühlsam, die Worte der jungen Frau klangen in ihr nach.

»Was kann ich für Sie tun?“
Dr. Dr. Dörte Messner saß an ihrem Schreibtisch. Hinter ihr hing ein Diplom des Friedrich Loeffler-Instituts an der Wand.
»Ich wollte mehr über das Bakterium erfahren. Mmmh, das riecht aber gut.“
»Mein Lieblingskaffee. Möchten Sie eine Tasse?“
»Gerne. Der Krankenhauskaffee ist ungenießbar.« Kommissarin Werners Blick fiel auf eine Aquarellzeichnung auf dem Schreibtisch. »Sie malen?“
»Kreativer Ausgleich zur Arbeit.«
»Ist es richtig, dass die Pest via Tröpfcheninfektion übertragen wird?«
»Das kommt auf den Wirt an, meistens sind es Flöhe. In Amerika sind Fälle durch Hauskatzen dokumentiert.«
»Ich habe gelesen, dass es trotz Impfung zur Erkrankung kommen kann. Bei der abrasiven Pest ist das aber anders?«
Dr. Dr. Messner zog die Augenbrauen hoch und korrigierte den falschen Begriff: »Die abortive Pest … verläuft von den Symptomen ähnlich einer Grippe und hinterlässt durch Bildung von Antikörpern eine lebenslange Immunität.«
»Sie waren auch erst kürzlich wegen eines grippalen Infektes krank gemeldet, Frau Dr. Messner?«, Claudia nippte einen Schluck Kaffee, »Wow, der ist ja stark. Wie heißt noch mal die Sorte?«
Dr. Dr. Dörte Messner sah auf einmal müde aus.
»Schwarzer Tod.«


Wer keine Angst vor dem „Schwarzen Tod“ hat und auf den Geschmack kommen möchte, dem empfehle ich die Dauner Kaffeerösterei. Ich habe den Kaffee dort während mehrerer privater Besuche kennengelernt. Zwischen der Kaffeerösterei und mir besteht keine kommerzielle Verbindung.