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Schreiben II

Ich habe meinen Meister gefunden. Ich lese wieder Roland Barthes. Die Lust am Text. Das ist der Titel. Als ich das Buch als Photo auf Instagram postete, schrieb ich dazu, dass ich einen auf dicke Hose machen könnte, weil mein Text Die Lust am “E scheinbar darauf zu rekurrieren scheint. Da wäre ich nicht die Erste und es wäre trotzdem eine schöne rhetorische Geschmeidigkeit. Nun gut, belassen wir es dabei. Weiter schrieb ich, dass ich tatsächlich nicht wusste, dass es dieses Buch gibt und so nahm ich es als Zeichen, dass wir schwingen, der Roland und ich und uns im gleichen Literaturresonanzfeld befinden. Ein Kompositum, das ich dann gerne für mich reklamieren möchte. Hat das schon jemand mal gesagt, geschrieben oder gedacht? Literaturresonanzfeld. Ich mag das Wort. Wie nun auch immer, das Lesen in “Die Lust am Text” ist eine ernste Angelegenheit und ich verliere mich zwischen den wenigen Seiten des Buches. Ich hatte mich bereits Murakami hingegeben, also seinem Buch Südlich der Grenze, westlich der Sonne und ganz generell scheine ich mich Literatur einfacher …

Die Lust am “e”

Der Schriftsteller wird nicht durch den Gebrauch spezialisierter Werkzeuge definiert, an denen man erkennt, daß es sich um Literatur handelt […] – es sei denn, man hält die Literatur für ein Objekt der Hygiene – , sondern durch seine Macht, auf dem Umweg über eine Form, welche es auch sein, eine besondere Form der Kollusion von Mensch und Natur überraschend aufzudecken, das heißt eine Bedeutung. […] Sie [die Literatur] ist ein Code, den zu entschlüsseln man akzeptieren muß. Roland Barthes (Am Nullpunkt der Literatur, Suhrkamp 2016) Mit der Sprache ist das schon eine seltsame Angelegenheit. Buchstaben formen sich zu Wörtern und Wörter zu Sätzen und erst durch die Bedeutung entsteht die Lust an der Sprache. Und es ist unabstreitbar, dass Sprache etwas Lustvolles ist, denn Sprache ist Gedanke und Gedanke ist präzisiertes Gefühl und Gefühle, nun – Gefühle kann man nicht in Sprache ausdrücken. Man kann sich ihnen nur annähern. Wenn Sprache nun also präzisiertes Gefühl ist, eine Anäherung an ihr Wesen und oft ein jämmerlicher Versuch, dann ist jede Sprache auf ihre eigene Weise …