Roland Barthes veröffentlicht 1973 „Die Lust am Text“. Wie lese ich Barthes? Wie schreibe ich? Die Lust lebt im Text, die Fragmente sind weder das eine noch das andere. Weder Lust. Weder Text. Die Begriffe sind ineinander aufgehoben… verwoben, wie das Saussure’sche Signifikat und Signifikant. Lesen heißt fühlen im Denken, fühlend zum Denken, denkend ins Fühlen und es erfordert ein sich Hingeben an den Text. Gute Texte verlangen danach, nach dem kompromisslosen Verlangen im Text aufzugehen.
Unsere Lust trifft sich in der Sprache
Das Raunen der Töne und Betörungen, der Laute, die sich aneinanderschmiegen, wie es unsere Körper nie könnten. Bedeutungen, die sich reiben, winden, aufeinanderstoßen und wieder voneinander ablassen. Wellen aus Ungesagtem, das Beanspruchen der Hingabe an das Wort, verliert sich im Genommen werden, entgleitet den Lippen, atmet.
Der einzelne Laut liebkost die Haut, der Satz in seiner vollen Struktur verwandelt sich in einen festen Abdruck auf dem Körper, wie zärtlich gesprochen, wie sanft und fordernd und in der Stille zwischen den Wörtern, das reine Fühlen der Begierde, der Hunger nach dem nächsten Satz, das Erzittern unter dem ersten Wort, der Auftakt für eine neue Lust, die die alte Lust in sich aufnimmt, erneuert, erhebt.