Wissenschaft ist Magie

»22. August 1893
Ich hab’s geschafft. Er funk­tio­niert. Nach­dem ich den Buch­sta­ben­be­schleu­ni­ger noch­mal von den Dampf­roh­ren iso­liert habe, die eine Stö­rung des Teil­chen­ma­gne­tis­mus bewirkt haben, läuft der Lite­ra­tur-Tele­por­ta­ti­ons-Gene­ra­tor …«

Der Literaur-Teleportations-Generator, Fanfiction von Toni A. Scott

So beginnt mei­ne klei­ne Steam­punk-Geschich­te. Ich schrei­be. Über rea­le Din­ge, Wer­be­tex­te, Arti­kel und eben Geschich­ten. Wir Geschich­ten­schrei­ber und Erzäh­ler nut­zen das Wis­sen, wie unse­re Welt funk­tio­niert, wel­chen Geset­zen sie unter­liegt, um unse­re Geschich­ten zu erzäh­len. Um Fra­gen auf­zu­wer­fen und Ant­wor­ten zu fin­den. Und wir fin­den die Magie, die Geschich­ten leben­dig macht.

Wissenschaftliche Forschung entspringt der Philosophie und der Frage nach dem »Warum«.

War­um sind die Din­ge so, wie sie sind? Und war­um sind wir auf der Welt, so wie wir sind? Sind wir über­haupt so? Und was zur Höl­le ist »so«?
Mit die­sen Fra­ge haben sich Men­schen gequält, seit­dem der Front­al­lap­pen mehr Raum als das Stamm­hirn bean­spruch­te. Ganz pfif­fig die »ollen« Grie­chen: Pytha­go­ras, Sokra­tes, Aris­to­te­les… sie alle such­ten Ant­wor­ten auf phi­lo­so­phi­sche Fra­gen in den Natur­wis­sen­schaf­ten. Und ent­deck­ten erstaun­li­che Din­ge. Nicht immer zur Freu­de reli­giö­ser Obrig­kei­ten. Ein paar Jah­re spä­ter (also schlap­pe 1800 Jah­re spä­ter, um das Gan­ze in Rela­ti­on zu set­zen) erdreis­te­ten sich erst ein Pole (nach heu­ti­gem Län­der­ver­ständ­nis) und dann ein Ita­lie­ner – sehr zum Ver­druss eben­die­ser Kir­che – das bestehen­de Welt­bild als Schei­be ad absur­dum zu füh­ren. Die Erde ist ab jetzt rund. Koper­ni­kus mach­te sich kei­ne Freun­de mit der Idee und Gali­leo Gali­lei hat sich mit dem mehr zum Reich der Mythen und Legen­den zäh­len­den Spruch »Und sie dreht sich doch« ähn­lich wie Cae­sars »Auch Du, Bru­tus!« wer­be­wirk­sam in die Unsterb­lich­keit gebeamt. Mal abge­se­hen davon, bin ich bin sehr dank­bar für die wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis, denn wenn ich mit einem Autoren­kol­le­gen in Mel­bourne twit­te­re, muß ich kei­ne Angst haben, daß er aus einer glo­ba­len Nach­läs­sig­keit her­aus samt sei­nem Kon­ti­nent über den Rand kip­pen könn­te.

Leonardo da Vinci als Synonym für den Renaissance-Menschen.

Der Bil­dungs- und Aus­bil­dungs­ge­dan­ke, der umfas­sen­des, fast schon abso­lu­tes Wis­sen als Idee beinhal­te­te, wur­de durch die sich immer wei­ter ent­wi­ckeln­den Fach­dis­zi­pli­nen mit immer detail­lier­te­rem Fach­wis­sen kon­se­quen­ter­wei­se durch die inter­dis­zi­pli­nä­re For­schung der moder­nen Wis­sen­schaft abge­löst. Der Vor­teil liegt auf der Hand, ein brei­tes Wis­sen ermög­licht neue Denk­we­ge durch Über­tra­gung von Erkennt­nis­sen aus dem eine Fach­ge­biet in das ande­re. Auch das macht Krea­ti­vi­tät aus. Ohne Krea­ti­vi­tät, ohne expe­ri­men­tel­les Den­ken sind kei­ne neu­en Erkennt­nis­se, kei­ne Hypo­the­sen, kei­ne neue Ide­en mög­lich.

Kreativität entsteht also durch das Verknüpfen neuronaler Strukturen zu neuen Verbindungen im Gehirn.

Ich muß die graue Mas­se aber schon her­aus­for­dern. In unse­rer moder­nen Zeit beschäf­tigt sich sowohl die Krea­ti­vi­täts­psy­cho­lo­gie als auch der brei­te Kom­plex der Neu­ro­wis­sen­schaf­ten mit die­sem The­ma. Was liegt da näher, als inter­dis­zi­pli­när zu for­schen, zu arbei­ten, zu den­ken? Auf die Lite­ra­tur über­tra­gen ent­spricht die Inter­tex­tua­li­tät am ehes­ten die­sem Prin­zip. Inhal­te wer­den nicht iso­liert, son­dern in ihrer kul­tur­his­to­ri­schen Gesamt­heit betrach­tet, was sich eigent­lich nach der Kon­zep­ti­ons­ge­schich­te aus der Kunst­ge­schich­te anhört. (Das mal so salopp dahin gewor­fen und ich fürch­te, ich wer­de mäch­tig Klop­pe von Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­lern, als auch Kunst­his­to­ri­kern bekom­men, weil das zu unge­nau und voll nicht kor­rekt ist.) Auf einer tri­via­len Ebe­ne kann man sich das so vor­stel­len: Wer die Bond-Par­odie »John­ny Eng­lish« mit Roan Atkin­son sieht, aber noch nie von James Bond gehört hat, dem wird sich der eigent­li­che Witz (der inter­tex­tu­el­le Zusam­men­hang) ver­schlie­ßen. Ohne James Bond hät­te »John­ny Eng­lish« als sol­ches nie ent­ste­hen kön­nen.

Und wo liegt der nun all­tags­taug­li­che Nut­zen inter­dis­zi­pli­nä­rer For­schung? Zum Bei­spiel in der Ver­knüp­fung von Bio­lo­gen und Inge­nieu­ren. Spin­nen­fä­den, See­ro­sen­blät­terober­flä­chen – Mecha­nis­men, Struk­tu­ren oder che­mi­sche Pro­zes­se erken­nen und die­se künst­lich nach­ah­men, um einen Mehr­wert zu schaf­fen. Mehr­wert durch effi­zi­en­te­re Nut­zung von Res­sour­cen, Erhal­tung und Schutz unse­rer Umwelt, Ent­wick­lung inno­va­ti­ver Pro­duk­te. Dass jede Medail­le zwei Sei­ten hat, natür­lich. Von der Natur abge­guck­ter Mehr­wert bedeu­tet eine bes­se­re Anpas­sung an die Umwelt. Je ange­pass­ter, des­to grö­ßer die Über­le­bens­chan­ce. Das ist Evo­lu­ti­on. Das ist Dar­win. For­schung und Wis­sen­schaft sucht Ant­wor­ten auf die Fra­ge, wie wir als Men­schen am bes­ten über­le­ben. Und wie wir das viel­leicht so hin­krie­gen, dass die Welt um uns her­um dabei auch über­lebt.

Wissenschaft wird von Menschen betrieben.

Men­schen, wie Du und ich. Mit der Aus­nah­me, daß deren Syn­ap­sen an eini­gen Stel­len effek­ti­ver schnack­seln als es mei­ne tun. Wenn es um Quan­ten­theo­ri­en geht. Dafür kann ich Socken stri­cken, was bei unse­ren Brei­ten­gra­den auch einen nicht zu unter­schät­zen­den Vor­teil hat. Aber es sind die­se Men­schen, die ihr Poten­ti­al nut­zen, um Ant­wor­ten auf Fra­gen zu fin­den, die wir uns alle stel­len. Und war­um sol­len wir als Nor­mal­sterb­li­che nicht dar­an teil­ha­ben? Es wür­de sicher­lich jeden Rah­men spren­gen, wenn ein Ste­phen Haw­king jedes mal wie­der bei Adam und Eva anfan­gen müss­te um einem Nicht-Quan­ten­phy­si­ker die Gra­vi­ta­ti­ons­theo­rie näher zu brin­gen. Aber das tut er auch gar nicht. Er ver­packt sein Wis­sen in Gedan­ken, die man auch ohne Albert Ein­stein zu sein, ver­ste­hen oder zumin­dest nach­voll­zie­hen kann.

Die popu­lär­wis­sen­schaft­li­che Lite­ra­tur geht zurück bis in das 18. Jahr­hun­dert: Bücher von klu­gen Men­schen über ihre wis­sen­schaft­li­chen Dis­zi­pli­nen, die auch der Otto-Nor­mal­ver­brau­cher lesen kann, ohne Kno­ten in den Den­dri­ten zu bekom­men. Auch hier ver­knüp­fen sich die ver­schie­de­nen wis­sen­schaft­li­chen Dis­zi­pli­nen, denn mit pro­spe­rie­ren­dem Buch­han­dels­trans­fer erblüh­te eben­falls das Inter­es­se an wis­sen­schaft­li­chen Publi­ka­tio­nen und der inter­na­tio­na­le Aus­tausch, der sonst nur einer klei­nen Grup­pe Gelehr­ter vor­be­hal­ten war. Wis­sen­schaft für alle. Zumin­dest im Bil­dungs­bür­ger­tum. Der Gedan­ke, Wis­sen­schaft popu­lär zu machen, Wis­sen­schaft­ler in Sci­ence-Chal­len­ges her­aus­zu­for­dern, über ihr Fach­ge­biet zu schrei­ben, sich gene­rell mit Wis­sen­schaf­ten aus­ein­an­der­zu­set­zen, war eine schö­ne Rück­be­sin­nung auf die Renais­sance.

»What mad pursuit.« Ohne Tee geht nix.

Eines der ers­ten popu­lär­wis­sen­schaft­li­chen Bücher in mei­ner Lese­his­to­rie war von James D. Wat­son über die Ent­de­ckung der Dop­pel­he­lix-Struk­tur. Es las sich ein wenig wie: reni­ten­ter Ame­ri­ka­ner wir­belt das beschau­li­che Cam­bridge durch­ein­an­der, trinkt Tee, ärgert ein paar Kol­le­gen, wan­dert in der Schweiz rum und peng! Da isse. Eine Lei­ter mit Ami­no­säu­re­spros­sen. Sein bri­ti­scher Kol­le­ge Fan­cis Crick schrieb eben­falls: »What mad pur­su­it«, nahm sich der Sache eher dis­kurs­ana­ly­tisch an und hielt sich ver­mehrt mit den vier Ami­no­säu­ren auf. Ob Crick jetzt mehr durch wis­sen­schaft­li­che oder bri­ti­sche Humor­lo­sig­keit gezeich­net ist, mag ich nicht beur­tei­len. In sei­ner spä­te­ren Publi­ka­ti­on »Was die See­le wirk­lich ist« ver­bit­tet er sich ermü­den­de Leser­brie­fe, die ihn vom For­schen abhal­ten wür­den. Das kann man mal so ste­hen las­sen. Ich möch­te noch die Bio­gra­fie über Rosa­lind Fran­k­lin  erwäh­nen, deren For­schung über die Beu­gung von Rönt­gen­strah­len emi­nent am Erfolg von Wat­son, Crick und am Ende auch Mau­rice Wil­kins betei­ligt war, jedoch bei der Ver­tei­lung des Nobel­prei­ses 1963 unbe­rück­sich­tigt blieb.

Ste­phen Haw­king habe ich bereits erwähnt. Sein Sci­ence-Bud­dy Kip Thor­ne schrieb – soweit ich das ver­stan­den habe – über die Kon­se­quen­zen der Quan­ten­me­cha­nik auf die Rela­ti­vi­täts­theo­rie. Ich muss­te nach drei Kapi­teln pau­sie­ren – die Syn­ap­sen waren bei mir heiß gelau­fen – und eine Bio­gra­fie über Albert Ein­stein lesen. Net­ter Typ, der Albert! Das mit der Rela­ti­vi­tät ver­lief bei mir rela­tiv unspek­ta­ku­lär, also erkennt­nis­theo­re­tisch in Varia­blen und damit nicht mess­bar. Ich habe mir die Ver­fil­mung von Haw­kings Leben ange­schaut. Als er sich den Play­boy an c/o Kip Thor­ne hat schi­cken las­sen, habe ich immer­hin gewusst, daß das eben der Sci­ence-Bud­dy ist, für den Ste­phen Haw­king das Vor­wort in dem Buch geschrie­ben hat, wel­ches ich visu­ell erfasst hat­te. Was ich aber von Kip Thor­ne gelernt habe: falls es mich mal ins Uni­ver­sum ver­schlägt und ich in der Nähe des Hori­zon­tes einer Sin­gu­la­ri­tät rum­kur­ve, dann soll­te ich beten, daß ich noch genug Sprit im Tank habe, bevor ich den Point-of-no-return errei­che. Denn dann bin ich für kur­ze Zeit groß genug, um als Model über den Lauf­steg zu stol­zie­ren. Die­ser Moment ist aber wirk­lich so uner­freu­lich kurz und schnell vor­bei, dass ich bereits einen Augen­blick spä­ter Ähn­lich­keit mit dem Käse­fa­den auf einer Piz­za haben wer­de. Und dann ist es das auch mit mir gewe­sen.

Esst mehr Grapefruits, dann klappt‹s auch mit der Mathematik!

Ein herr­li­ches Lese­ver­gnü­gen war die Bio­gra­fie über den unga­ri­schen Mathe­ma­ti­ker Paul Erd­ös. Prim­zah­len, voll­kom­me­ne Zah­len, nichts, was man mit einem her­kömm­li­chen Gehirn nicht bewäl­ti­gen könn­te. Viel span­nen­der aber war sein Leben. Etwas, was ich begrei­fen kann. Paul Erd­ös, sprich­wört­lich wie er leibt und lebt. Mit Bedürf­nis­sen, mit Wün­schen, getrie­ben von sei­ner Lei­den­schaft für die Mathe­ma­tik. Er nann­te den lie­ben Gott einen »SF« (Spit­zen­fa­schis­ten) und Kin­der Epsi­lons. Noch fas­zi­nie­ren­der fin­de ich das Bestehen von Erdös‹schen Zah­len, die ange­ben, wie direkt jemand mit Erd­ös publi­ziert hat. Also mit ihm direkt, mit jemand, der mit ihm pul­bi­ziert hat, mit jemand, der mit jemand, der mit jemand… Er war ein Zah­len­no­ma­de, ein ech­ter Mathen­erd und zog von Freund zu Kol­le­ge und reiz­te nicht sel­ten die Gast­freund­schaft der jewei­li­gen Fami­lie aus. In Tei­len mag das der Zeit und den poli­ti­schen Gege­ben­hei­ten geschul­det sein, aber Erd­ös exis­tier­te ganz sicher in sei­ner eige­nen mathe­ma­ti­schen Rea­li­täts­bla­se. Und er lieb­te Grape­fruits, die er sich von Paul Hoff­man auf­schnei­den ließ. Um Paul Erd­ös als Mensch zu ver­ste­hen, um Mit­ge­fühl, Ach­tung und Respekt und Sym­pa­thie für die­sen Men­schen zu emp­fin­den, muß ich nicht Fer­mats letz­ten Satz wider­le­gen kön­nen. Aber ich kann beim Lesen mit­fie­bern, mit­lei­den, mit­la­chen, wie Paul Erd­ös stell­ver­tre­tend für vie­le ande­re Wis­sen­schaft­ler sein Leben der Suche nach Ant­wor­ten gewid­met hat.

Lucy – der Schrecken der Straße

Die­se Wis­sen­schaft­ler sind sowie­so und über­haupt ein komi­sches Völk­chen. Bei aller eli­tä­ren Kon­zen­tra­ti­on von Fach­wis­sen so herr­lich mensch­lich. Vol­ler skur­ri­ler Eigen­hei­ten, nicht sel­ten Ego­ma­nen und auf­merk­sam­keits­süch­tig, tap­sig, ver­schro­ben und in kin­di­sche Zän­ke­rei­en ver­strickt. Ein For­schungs­feld, was mich dazu beweg­te, fach­fremd eine Vor­le­sung über Palä­on­to­lo­ge zu infil­trie­ren, ist der Bereich der Paläo­an­thro­po­lo­gie. Wo ich wie­der bei mei­nem Front­al­lap­pen wäre, der in der Kon­se­quenz des auf­rech­ten Gan­ges ganz gut zupass kommt. Ich rei­se gedank­lich nach Äthio­pi­en und pin­se­le zu den Klän­gen der Beat­les Wüs­ten­staub von Kno­chen, im Geis­te Lou­is Lea­key zupros­tend. Wie immer hat die Wis­sen­schaft auch einen real mess­ba­ren Nut­zen im tri­via­len Leben. Es ergibt sich, daß Flirt­ver­su­che von Geo­lo­gen mit der Erwäh­nung des Wis­sens um die Radio­kar­bon­me­tho­de im Keim erstickt wer­den kön­nen. Dazu brau­che ich nicht ein­mal den keu­len­schwin­gen­den Ehe­gat­ten, ich ver­tei­di­ge die Höh­le höchst selbst.

Einstein und der Mückenstich

Das Glanz­stück an his­to­ri­scher Abhand­lung, gepaart mit necki­schen nice-to-know-Geschich­ten bil­det das gera­de­zu epo­cha­le »Eine kur­ze Geschich­te von fast allem« von Bill Bry­son. Mei­ner Mei­nung nach pie­sackt ihn die gleich Neu­gier und das Ver­lan­gen, ein­fach ein wenig dabei zu sein. Die Ent­de­ckung der Welt mit all ihren Kaprio­len, his­to­ri­schen Her­aus­for­de­run­gen, den Anek­do­ten rund um Tat­sa­chen, die in Geschichts­bü­chern selt­sam leb­los und distan­ziert als Fak­tum notiert sind. Nun ist es der Gra­vi­ta­ti­on und auch Ein­steins fach­li­chen Erben ziem­lich schnup­pe, ob Ein­stein von einer Mücke gesto­chen wur­de, bevor ihm der ent­schei­den­de Gedan­ke kam (Und das habe ich hier völ­lig frei erfun­den. Ich habe kei­ne Ahnung, wie die Bezie­hung von Ein­stein zu Mücken, Brem­sen und sons­ti­gen Insek­ten war.). Es macht die Sache ein­fach leben­dig und unter­halt­sam.

Und wir wol­len doch leben­di­ge Geschich­te. Wir wol­len Teil davon sein. War­um sonst lan­den Bücher wie »Der Medi­cus«, »Sakri­leg« oder »Der Schwarm« auf Best­sel­ler­lis­ten? Wie sonst könn­ten Fil­me wie »Der Mar­sia­ner«, »Tron«,«Die Liga der außer­ge­wöhn­li­chen Gen­tle­man«, Seri­en wie »The Big Bang Theo­rie«, »Alphas« oder »Zoo« geschaf­fen wer­den, wenn wir die Wis­sen­schaft nicht als Teil von uns selbst begrei­fen wür­den? Aus wel­chem ande­ren Grund nut­zen Men­schen alle ver­füg­ba­ren Medi­en, um sich über wis­sen­schaft­li­che The­men zu infor­mie­ren, gibt es bar­camps und Sci­ence-Slams, Con­ven­ti­ons, Fern­seh­pro­duk­tio­nen und Doku­men­ta­tio­nen, in denen wis­sen­schaft­li­che Pro­jek­te und Erkennt­nis­se vor­ge­stellt und erklärt wer­den?

»Ich seh‹ den Sternenhimmel…«

Es ist drei Uhr mor­gens. Ich fah­re in einem durch Brenn­stoff betrie­be­nen Metall­ve­hi­kel der Sor­te Dol­ce Vita über die Auto­bahn. Um halb vier bil­det sich ein hel­ler Strei­fen am Hori­zont. Die Luft strömt als die­se unwirk­li­che Mischung aus Nacht­küh­le und Som­mer­ver­spre­chen des neu­en Tages durch das offe­ne Fens­ter. Sel­ten über­holt mich ein ande­res Auto. Ich bin allein in die­ser schla­fen­den Welt. Über mir, wenn ich den Kopf etwas dre­he, blin­ken Ster­ne. Über den USB-Stick höre ich den pod­cast eines Astro­no­men, der mir erklärt, in wel­chem Win­kel das Licht der Son­ne – gestrahlt, nicht gewellt… – auf die mole­ku­la­re Struk­tur von Was­ser tref­fen muß, damit ich einen Regen­bo­gen sehe. Und was das damit zu tun hat, daß ich nie­mals den Topf vol­ler Gold­mün­zen am Ende des Regen­bo­gen fin­den wer­de. Viel­leicht auch ein Grund, war­um Dou­glas Adams sich im beson­de­ren Maße für das Mit­füh­ren von Hand­tü­chern aus­sprach?

Wis­sen­schaft ist über­all. In Expo­na­ten und Mit-Mach-Aus­stel­lun­gen, wie die Phä­no­me­n­ta in Flens­burg. Sie umgibt uns wie Staub­par­ti­kel in einem Kos­mos aus Infor­ma­ti­ons­teil­chen, die ich je nach Sicht­wei­se wahr­neh­me oder aus­blen­de. Ich für mei­nen Teil gucke ger­ne hin. Ich schrei­be Geschich­ten. Und Wis­sen­schaft ist die Magie, die mei­ne Geschich­ten zum Leben erweckt.


  • [Stüt­zer, Her­bert, Alex­an­der: Die ita­lie­ni­sche Renais­sance. DuMont. Köln. 1977]
  • [Brai­ten­berg, Valen­tin; Hosp,Inga(Hg.):Evolution. Ent­wick­lung und Orga­ni­sa­ti­on in der Natur. Rowohlt. Hamburg.1994
    Cal­vin, Wil­liam H.: Der Strom, der berg­auf fließt. Eine Rei­se durch die Evo­lu­ti­on. 3.Auflg. dtv. Mün­chen. 1997]
  • [Haw­king, Ste­phen: Eine kur­ze Geschich­te der Zeit. Die Suche nach der Urkraft des Uni­ver­sums. Rowohlt. Ham­burg. 1991]
  • [Wil­len­berg, Jen­ni­fer: Dis­tri­bu­ti­on und Über­set­zung eng­li­schen Schrift­tums im Deutsch­land des 18. Jahr­hun­derts (Archiv für Geschich­te des Buch­we­sens – Stu­di­en, Band 6). De Gru­y­ter. Ber­lin. 2008][Watson, James D.: Die Dop­pel­he­lix. Neu­aus­ga­be. Rowohlt. Ham­burg. 1993]
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    Föl­sing, Albrecht: Albert Ein­stein. Biographie.Suhrkamp. Frank­furt 1999.
    Her­mann, Armin: Ein­stein. Der Welt­wei­se und sein Jahr­hun­dert. Eine Bio­gra­phie. Piper Serie. Mün­chen. 1996
    Hoff­mann, Banesh: Ein­steins Ide­en. Das Rela­ti­vi­täts­prin­zip und sei­ne his­to­ru­schen Wurzeln.Spektrum Aka­de­mi­scher Ver­lag. Hei­del­berg. 1997]
  • [Hoff­man, Paul: Der Mann, der die Zah­len lieb­te. Die erstaun­li­che Geschich­te des Paul Erd­ös und die Suche nach der Schön­heit in der Mathe­ma­tik. Ull­stein Buch­ver­la­ge GmbH & Co. KG, Ber­lin. 1997]
  • [Johan­son, Donald; Edey, Maitland: Lucy. Die Anfän­ger der Mensch­heit. 5. Auf­lg. Srie piper. Mün­chen. 1992
    Johan­son, Donald;Shreeve, James: Lucys Kind. Auf der Suche nach dem ers­ten Men­schen. 2. Auf­lg. Serie Piper. Mün­chen. 1992]
  • [Bry­son, Bill: Eine kur­ze Geschich­te von fast allem. 4. Auf­lg. Gold­mann. München.2004]
  • [Gor­don, Noah: Der Medi­cus. Voll­stän­di­ge Son­der­aus­ga­be. Knaur. Mün­chen 1994]
  • [Brown, Dan: Sakri­leg. The Da Vin­ci Code. Bas­tei Lüb­be. 2006]
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