Alle Artikel mit dem Schlagwort: Leseprobe

Klein | Stark | Tödlich

An der Mosel begann die Ostersaison bei schönstem Sonnenschein. Dr. Gernot Acker zerrte an seiner Krawatte, trank einen Schluck Wasser. Kein Wunder, dass er sich verkühlt hatte. In Daun regnete es seit Tagen, inklusive Nachtfrost. Er legte einen Arm um die junge Frau, lächelte in das Handy. Klick. Die nächste. Kalter Schweiß lief ihm den Rücken herunter. Gernot Acker setzte sich und begann aus seinem Buch »Kreativ mit Hypnose« zu lesen. Seine Brust schmerzte. Er hustete. Peinlich berührt sah er den blutigen Auswurf, der auf den aufgeschlagenen Seiten klebte. Bevor er den eitrigen Klumpen mit einem Taschentuch entsorgen oder in Erwägung ziehen konnte, die Lesung ganz abzubrechen, wurde ihm schwarz vor Augen. „Kommst Du mit einen Döner holen? In der Kantine gibt es heute Prummewärmp.“ „Zuckersuppe? Wie sind die denn drauf! Klar komme ich mit.“ Uwe Glanz zog seine Jacke vom Stuhl, als das Telefon klingelte. Er nahm das Gespräch an und grinste Hauptkommissarin Claudia Werner zu, die bereits an der Tür wartete. Dann grinste er nicht mehr. »Die von der Seuche – Verdacht auf …

Eve – Das Tattoo

Leseprobe Ich dachte, dass dies der verrückteste Tag in meinem Leben war. Und ich dachte eine Menge über diesen Tag. Aber von der Wahrheit war ich damals so weit entfernt, wie ich jetzt von meinem alten Ich entfernt bin. Ich bin ich, und ich bin es wiederum nicht. Mein altes Ich war … ja, was war ich eigentlich? Wer war ich überhaupt? Ich hatte studiert, einen mies bezahlten Job in einem Steuerbüro, und zuhause wartete nur mein Taschenrechner auf mich. Als ich an jenem Dienstag auf dem Weg in meine kleine Wohnung war, sah ich mein Spiegelbild in den Schaufenstern von Boutiquen, deren Kleider ich nie gewagt hätte zu tragen. Ich sah meine braunen Haare, die streng zu einem Knoten gebunden waren und den grauen Hosenanzug, den ich immer dann trug, wenn der Blaue in der Reinigung war. Ich sah meine Hände, die die schwarze Handtasche umklammerten und die flachen Schuhe, die nicht mal ein Geräusch auf dem Pflaster verursachten. Ich fühlte mich selbst derart unscheinbar, dass es mich nicht wunderte, dass kaum jemand Notiz …