Vom Werben und bewerben und dem tragischen Text-Tod

little editionIch hatte nach langer Zeit wieder Lust auf eine Kolumne. Von 2006 bis 2008 erschien „women only …“, eine Sammlung der Texte geistert noch bis Ende des Jahres bei BOD rum. Aber ich bin bereit für Neues. Als „Schreibse“ probiere und experimentiere ich ja gerne. Das übt und schult das Texterauge. Und irgendwie liegt es in der Luft, da brummt und summt eine Idee, die Muse räuspert sich. Offen gestanden: ich habe keinen Plan. Ich schreibe einfach und schaue mal, wo mich die Geschichte hinführt.

Wie ich auf den Namen kam: Die Verbindung zwischen Minne und Werbung habe ich schon 1998 gesehen, nur ergab sich keine  Gelegenheit, etwas daraus zu machen.

Aber jetzt!

Eine kleine Populationsnische für Werbetexte, das Schreiben und Intertextualität. Der Minnesang, das Loblied edler Ritter über anmutige Damen, war die erste Form der Werbung. Wenngleich diese höfische Form der Ehrerbietung eher intellektuelles Kräftemessen unter Adligen war. Der Vortrag mit dem kritischen Hofstaat als Publikum war eine ernste und ernstzunehmende Angelegenheit.

Da sich Geschichte gerne wiederholt, passierte bereits im 13. Jh. das, was wir in der Werbehistorie ebenfalls erleben: Sex sells. Die Minne wurde drastisch auf das Wesentliche reduziert (aus E wurde U) und ging gepflegt den einstmals anspruchsvollen Bach runter. Die Hohe Minne war nunmehr Synonym für den Austausch von Körperflüssigkeiten und damit völlig inakzeptabel für die ursprüngliche Zielgruppe. Die Geburtsstunde der Niederen Minne – mit einer komplett anderen Thematik. Dazu gehörten die nun alltags-/volkstauglichen  Dichtungen von Walter von der Vogelweide, Neidhart von Reuental, Wolfram von Eschenbach … Für das moderne Ohr etwas gewöhnungsbedürftig, ist der Ravel’sche Bolero zu heutigen Zeiten doch zielführender.

Was mir besonders gefällt: die Jungs aus dem 13. Jh. hatten Humor. Augenzwinkernd, ambivalent und die ursprüngliche Minne auf den Kopf stellend, haben sie eine neue Gattung der Musik, der Unterhaltung hervorgebracht. Und ich wette, schon die damaligen Altvordern waren darob ziemlich angepisst.

Werbung kommt vom Werben und wo Licht und Hoffnung, da auch Schatten. WortMord. Das grausige Ende von Wörten, Sätzen, Ideen, Vorstellungen, Phantastereien … when shall we (three) meet again …  also, ich bin dabei, Du auch?

 

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  1. Minnesang…. auf seine Art schön, so ganz anders eben! Wir haben ja bei uns einige Burgen in der Nähe… drei davon, Altena, Bilstein und Schnellenberg, veranstalten ab und an so schöne Events! In DIESER Atmosphäre kommt der Minne und sein Gesang wirklich gut! Bis auf die „Strumpfhosen“ …. das geht gar nicht …. Und wenn ich jetzt so an die Strumpfhosen denke, kommt mir der Quergedanke zu einem Film mit (hach wie hieß ER doch gleich…) Mel Gibson …. ein Macho, wie er im Buche steht … und WAS ist er von Beruf? Na? Ein Werbefuzzie!
    Da schließt sich der Kreis wieder! …..
    Also…. ich bin dabei … wo geht die Reise hin…?
    Zauberhafte Grüße, Katja

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