Ein Plädoyer für die Schrulligkeit

little editionKleine Alltagsphilosophie – ein Plädoyer für die Schrulligkeit.

Unlängst stolperte ich über ein Zitat von David Ogilvy (Texterpapst) :

Develop your eccentricities while you are young. That way, when you get old, people won’t think you’re going gaga.

Dazu fiel mir spontan ein: „Aber …“

Es beinhaltet ja auch eine gewisse Freiheit, wenn man ab einer nicht näher definierten Altersgrenze offiziell schrullig werden darf. Und es einem dann auch noch total egal ist, was die anderen darüber denken. Wörtlich übersetzt geht es um Exzentrik und wollte man eine zwanghaft korrekte Diskussion in Gang bringen, müßte man zuerst die Unterschiede von Exzentrik und Schrulle/Marotte definieren (Quirk, Idiocracy). Darum geht es mir hier gar nicht. Ich nehme eine Idee auf, spüle sie durch die Hirnwindungen und schaue, wo sie mich hinbringt. Ich nenne das frei flottierendes Philosophieren.

Profil hat jeder. Natürlich schärft sich das persönliche Profil mit dem Alter und der damit einhergehenden Lebenserfahrung. Der Weg ist das Ziel, sich entwickeln, ausprobieren, verwerfen, verifizieren, falsifizieren, leben. Sich künstliche Ecken und Kanten zuzulegen, damit man „anders“ ist, ist eine andere Form der Anpassung.

Vermutlich hat David Ogilvy das in einem ganz spezifischen Kontext gesagt und auch ganz anders gemeint?

Vielleicht geht es auch darum, schon mal vorbeugend komisch zu sein, damit es nicht so auffällt, wenn sich die Charakterstreu vom Weizen getrennt hat?? Aber warum? Charakter ist doch kein Add-on, das fertig konfektioniert der Lieferung beiliegt.

Der Fachterminus könnte so heißen : Profil(-ierungs)schrulligkeit.

Künstliches Getue um ein Bild zu erzeugen. Auf die eine oder andere Weise tun wir das alle, wenn wir in den verschiedenen Lebensbereichen unterwegs sind. Wie gebe ich mich im Beruf, als Freund …

Ich meine hier dick aufgetragenes Charakter-Make-up.

Bin ich ein Text-Nerd? Muß ich diesem Etikett entsprechen? Und wie sieht ein Textnerd aus? Muß ich als Kreativer unbedingt dieses oder jenes … und lande dann im pupswarmen Klischee. Oder erfülle ich absichtlich ein Klischee, um mit einem bestimmten Profil wahrgenommen zu werden, auch wenn es nicht zwangsläufig der Füllung entspricht?

An diesem Punkt meiner Gedanken bin ich spontan dafür, authentisch zu sein. Das kostet mehr Mut, als sich hinter einer Fassade zu verstecken. Authentizität birgt die Chance, Ecken und Kanten abzurunden, wo es Sinn macht, und das eigene Charakterprofil zu schärfen. Und dazu gehört eine endogene Schrulligkeit dazu. Der Schlüssel ist die Kommunikation mit der Außenwelt. Aber ist dann nicht jede Entwicklung a priori exogen?

Authentisch zu agieren, ist eine Frage der Kommunikation und inwieweit sich die Egos der kommunizierenden Teilnehmer gegenseitig und sich selbst im Wege stehen.

Kommunikation ist kein Duell, bei dem nur einer gewinnen darf.

Wenn die Voraussetzung für Kommunikation Respekt, Anerkennung und Wertschätzung ist, brauche ich vielleicht gar keine Fassade mehr. Dann ist Authentizität die Kommunikationsgrundlage, auf der Ideen, Gedanken und ein Miteinander keimen können.

Schrulligkeit als Merkmal authentischen Handelns – ist doch ehrlich sympathisch!

 

  1. Liebe Alexandra,
    DAS hast du SO wundervoll geschrieben!
    JA – es kostet so viel mehr Mut, authentisch zu sein.
    Ich erlebe das jeden Tag, wenn es darum geht mich für die Rechte meines Kindes einzusetzen.
    Nur weil er „anders“ ist, heißt das noch lange nicht, dass man ihn auch „anders“ behandeln muss!
    Er ist SO, wie er ist, da kann ich nicht mit einer Make-Up Quaste drüber gehen und ICH WILL ES AUCH GAR NICHT!!!

    So viele andere Mütter „lügen“ ….
    Ja- sie lügen das blaue vom Himmel,
    wie toll ihre Kinder sind und was sie alles können ………
    Bla.bla.bla. – wenn ich dann sehe, wie die Realität aussieht, dann könnten mir die Tränen kommen.

    Nein, eine Fassade braucht man nicht, wenn man sich selbst treu bliebe und vor ALLEM, wenn man den Gegenüber mit dem Respekt entgegen tritt, den man sich selbst auch wünscht zu bekommen.
    Leider haben manche ein solch gedoptes Ego, dass sie die Art, respektvoll zu kommunizieren, gänzlich verloren haben.

    Bei manchen geht es nicht mehr ohne Fassade.
    Sie benötigen künstliche Zusätze und „Geschmacks“verstärker.
    Der Drang, dazu gehören zu wollen, obwohl ihnen bewusst ist, dass sie DA nicht rein passen, ist einfach zu groß.

    Jetzt noch ein wenig was zum Lachen….
    …..aus der Metall-Zeitung meines Mannes:
    Da treffen sich verschiedene Gewerkschaften und begrüßen sich:
    Der eine sagt, „IG-Metall“, der nächste sagt „IG-Bau“
    und der Bauer sagt „ I geh pissen“ …..

    Ich wünsche dir einen kommunikationsreichen Tag
    und ganz viel Schrulligkeit.
    Katja

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