little blogshop | Blogartikel schreiben, wie fange ich an?

Jeder kann Geschich­ten erzäh­len, lus­ti­ge Anek­do­ten zum bes­ten geben oder über einen Sach­ver­halt berich­ten. Des­we­gen gibt es Blogs. Weil Men­schen ihre Geschich­ten erzäh­len wol­len, ihre Erfah­run­gen tei­len und sich über die­ses Medi­um mit ande­ren, Gleich­ge­sinn­ten, aus­tau­schen möch­ten. Inso­fern ist die Moti­va­ti­on, ein Blog zu star­ten, eigent­lich bei allen die­sel­be. Je nach Schwer­punkt der eige­nen Inter­es­sen gibt es rein infor­ma­ti­ve und sehr sach­lich gehal­te­ne Blogs, gera­de­zu pro­fes­sio­nell gestal­te­te Maga­zi­ne, inter­ak­ti­ve Blogs…
Egal, unter wel­cher Sor­te Dein Blog ein­ge­ord­net wer­den könn­te, wir wol­len uns aus­schließ­lich mit dem Text beschäf­ti­gen. Ein schi­ckes Lay­out ist der Rah­men, in dem wir unse­re Inhal­te prä­sen­tie­ren. Pho­tos und Zeich­nun­gen ergän­zen und ver­voll­stän­di­gen das, was wir erzäh­len, beschrei­ben und berich­ten. Sie sind schmü­cken­des Bei­werk. Das Top­ping oder Icing, also der Schlag Sah­ne oben­drauf. Denn das Blog begann ein­mal als online Tage­buch, bestehend aus: Text. Wenn wir nun einen Arti­kel schrei­ben, dann wol­len wir eine Geschich­te erzäh­len.
Wir wol­len dem Leser Infor­ma­tio­nen anbie­ten, wir neh­men ihn mit auf eine emo­tio­na­le Rei­se und wir unter­hal­ten den Leser. Fas­sen wir die­se Kern­punk­te noch ein­mal zusam­men: Infor­ma­ti­on, Gefühl, Unter­hal­tung. Die­se drei Fak­to­ren fin­den sich in abso­lut jedem Text, aller­dings mit unter­schied­li­cher Gewich­tung. Die­ser Ana­ly­se­an­satz fin­det sich auch der von Hans-Peter Förs­ter ent­wi­ckel­ten Metho­de der „4-Far­ben-Spra­che“ aus dem Kon­zept Cor­po­ra­te Word­ing® wie­der*. Dort geht es aller­dings um pro­fes­sio­nel­le Wer­be-/Tex­te, und wir unter­schei­den vier Kate­go­ri­en: Infor­ma­ti­on, Garan­tie, Gefühl, Erleb­nis, auf die wir Tex­te hin ana­ly­sie­ren kön­nen. Sein Kon­zept ist auf­schluss­reich und hilf­reich, auch wenn es eigent­lich auf ganz basa­len Inter­pre­ta­ti­ons­an­sät­zen fußt. Er hat dem Kind nur einen Namen gege­ben und es als Mar­ke schüt­zen las­sen. Manch­mal brau­chen wir jeman­den, der das Offen­sicht­li­che offen­sicht­lich macht. Obwohl ich zuge­be, daß ich den Titel „Tex­ten wie ein Pro­fi“ etwas unglück­lich fin­de. Er erin­nert mich doch sehr an Zei­tungs­an­non­cen mit Wei­ter­bil­dun­gen wie „Schrei­ben Sie einen Best­sel­ler in vier Wochen“. Ansons­ten spre­che ich hier ganz offen (und unbe­zahlt) eine Emp­feh­lung für H.-P. Förs­ter und das Cor­po­ra­te Word­ing® aus.
Machen wir aber mit unse­rem Text wei­ter. Wir haben etwas erlebt, ent­wi­ckelt, gebaut, genäht, gekocht, her­aus­ge­fun­den, und wir möch­ten dies dem Leser mit­tei­len.
Pha­se 1: Das The­ma steht. Und der Leser soll das dann ja auch mit Genuss lesen. Als Autor stel­le ich mir also im Lau­fe der Arti­kel­ent­wick­lung ein paar Fra­gen:

  1. Was will ich mit mei­nem Arti­kel errei­chen?
    Das kann man in 2 Sekun­den beant­wor­ten oder in zwei Stun­den. Nimm Dir zu Beginn etwas Zeit.
    Pha­se 2: Nun kann ich in Stich­punk­ten sam­meln: Gab es einen beson­de­ren Anlass, der mich zum Schrei­ben die­ses The­mas gebracht hat. In wel­cher Stim­mung war ich dabei, wel­che Gefüh­le möch­te ich mit dem Leser tei­len? Wel­che Fak­ten muß ich in dem Arti­kel unter­brin­gen. Rezep­te, Zuta­ten, Anga­ben von Orten, Per­so­nen, Mate­ria­li­en, Gedan­ken, Gefüh­le, die mit dem The­ma zusam­men­hän­gen, Links, Bil­der, Ver­wei­se, Anga­ben zu Urhe­bern,…
    Nun schnau­fen wir ein­mal durch, trin­ken eine Tas­se Tee und dann beginnt…
    Pha­se 3: Wir schrei­ben den Arti­kel.
    Dabei müs­sen wir unse­re Stich­punk­te nicht chro­no­lo­gisch abar­bei­ten, son­dern erst ein­mal frei Schnau­ze los tip­pen oder (das soll es auch geben) mit dem Stift in der Hand auf Papier. Wenn ich den­ke, ich habe den Text fer­tig, kommt…
    Pha­se 4: ich lese mei­nen „Roh­text“ für mich sel­ber ein­mal durch und habe dabei die nächs­ten bei­den Fra­gen im Hin­ter­kopf:
  2. Ent­hält mein Text alle rele­van­ten Infor­ma­tio­nen?
    Jetzt kön­nen wir doch mal einen Blick auf unse­re Stich­punkt­lis­te wer­fen.
  3. Wo steht der Leser gefühls­mä­ßig am Ende mei­nes Arti­kels?
    (Dies ist eine Über­prü­fung von Fra­ge 1.) Will er das, was ich gemacht habe, nach­ma­chen; kann er das mit Hil­fe mei­nes Arti­kels auch, hat­te er einen schö­nen Zeit­ver­treib beim Lesen, hat er die für ihn wich­ti­gen Infor­ma­tio­nen bekom­men, die ihm wei­ter­hel­fen?

Manch­mal sind die Gren­zen flie­ßend, manch­mal las­sen sie sich klar von­ein­an­der abgren­zen. Eigent­lich hört sich das alles schon sehr nach fort­ge­schrit­te­ner Text­ar­beit an. Und dabei ist das doch unse­re ers­te „Stun­de“. Das macht gar nichts. Denn es geht heu­te dar­um, zu über­le­gen, was ich als Autor mit mei­nem Text über­haupt errei­chen will, wo ich den Leser hin­füh­ren möch­te und (sehr wer­be­re­le­vant!!!) wel­chen Nut­zen er davon hat. Wir erin­nern uns: Infor­ma­ti­on, Unter­hal­tung, Gefühl. Je höher mei­ne Text­qua­li­tät, umso höher und wahr­schein­li­cher ist das erfolg­rei­che Beant­wor­ten der Fra­gen, die wir uns eben gestellt haben.

Und wenn unse­rem Leser der eine Arti­kel gefal­len hat, dann gefällt ihm ver­mut­lich auch ein nächs­ter und er kommt wie­der. Das sind die Wei­chen für unse­ren gene­rel­len Anspruch an unser Blog: Leser fin­den und auch hal­ten! Der ein oder ande­re möch­te mit sei­nem Blog viel­leicht sogar Geld ver­die­nen oder wäre die­ser Idee grund­sätz­lich nicht abge­neigt. Es wäre aber sehr naiv zu glau­ben, daß wir mit einem Blog über das auf­re­gen­de und span­nen­de Leben einer Mit­tel­schichts­fa­mi­lie in einer Neu­bau­sied­lung, mit dem Hams­ter Fer­di­nand als Höhe­punkt, dem­nächst Pra­da als Spon­sor anlo­cken. Das mag her­ab­las­send klin­gen, aber für den Erfolg eines Blogs, wie auch immer wir die­sen Erfolg defi­nie­ren (Leser haben, Prei­se gewin­nen, in einer Zeit­schrift erschei­nen, Geld ver­die­nen) ist die Basis eine rea­lis­ti­sche Ein­schät­zung unse­rer Fähig­kei­ten, die sich natür­lich wei­ter ent­wi­ckeln und ver­bes­sern. Und so wächst und gedeiht ein Blog und Zie­le und Mög­lich­kei­ten kön­nen ange­passt wer­den.

In dem Moment aber, wo wir Spon­so­ren als „Kun­den“ haben und deren Wer­be­ban­ner schal­ten, möch­ten unse­re Kun­den natür­lich ger­ne, prä­zi­se und vor­her wis­sen, wel­chen Nut­zen sie davon haben, uns ihr Geld zu geben. Und der Nut­zen besteht nun ein­mal ganz schlicht in vie­len Lesern, die sich dau­ernd auf dem Blog tum­meln und dann natür­lich Zeit haben, Wer­be­ban­ner anzu­kli­cken und Pro­duk­te des Spon­sors zu kau­fen. Aber Wer­be­ban­ner für Nagel­lack auf einem Angel­sport­blog??? Funk­tio­niert nicht. Wer­be­ban­ner für einen Flo­ris­ten, falls das Angeln mal wie­der län­ger gedau­ert hat – ja, das klappt schon eher. Spon­so­ring und haupt­be­ruf­li­ches Blog­gen ist ein The­ma für sich, aber nicht hier und jetzt und heu­te. Wir möch­ten erst ein­mal, und für den Anfang reicht das auch völ­lig, ler­nen, wie wir unse­re Leser durch den Text anspre­chen, neue Leser durch anspre­chen­de Tex­te auf uns auf­merk­sam machen und sie der­ma­ßen von uns, unse­rem Blog und den dar­in ent­hal­te­nen Tex­ten begeis­tern, daß sie alle ger­ne und regel­mä­ßig wie­der­kom­men.

Es lohnt sich also, sich als Blogger mit der eigenen Textqualität zu beschäftigen!

Unser Roh­text ist bis­her noch so jung­fräu­lich wie feuch­te Tin­te auf dem Papier oder wie ein Whis­ky, ein Cham­pa­gner oder auch ein Käse. Er muß erst zu vol­lem Aro­ma rei­fen. Das braucht Zeit. Abhän­gig davon, um wel­ches The­ma es geht und wie zeit­kri­tisch gebloggt wer­den soll, kön­nen das ein paar Tage sein (auch Wochen) oder auch nur eine Nacht. Letz­te­re soll­te aber grund­sätz­lich obli­gat sein. Indem ich mei­nem Roh­text Zeit gebe und zum Bei­spiel am nächs­ten Mor­gen mit einem fri­schen Kaf­fee erneut drauf schaue – upps,schon Pha­se 5! – sehe ich den Text mit mehr Abstand. Ich kann noch ein­mal die drei Fra­gen durch­ge­hen und eine Qua­li­täts­prü­fung aus­füh­ren. Ist die Anek­do­te auch heu­te Mor­gen noch lus­tig, will ich einen Gedan­ken oder ein Gefühl immer noch mit dem Leser tei­len, habe ich alle rele­van­ten Infor­ma­tio­nen zusam­men getra­gen, habe ich viel­leicht etwas ver­ges­sen…

Dann erst wird offi­zi­ell gepos­tet und der Text dem World­Wi­de­Web aus­ge­setzt. Und damit unse­ren Lesern. Und die Rück­mel­dung gibt es prompt, Besu­cher­zah­len und Kom­men­ta­re, geteil­te Links und Likes sind Aner­ken­nung und Bestä­ti­gung, daß das, was wir da geschrie­ben haben, für jeman­den wert­voll ist. So wert­voll, daß er uns sei­ne Zeit schenkt. Dar­aus wird im Umkehr­schluss auch eine Ver­pflich­tung: als Blog­ger habe ich mei­ne Leser gefäl­ligst nicht zu lang­wei­len, son­dern zu ver­füh­ren, inspi­rie­ren, moti­vie­ren, unter­hal­ten, unter­stüt­zen, zum Lachen zu brin­gen, zu Trä­nen zu rüh­ren, in Auf­re­gung zu ver­set­zen, neu­gie­rig zu machen, zu ent­span­nen, zum Träu­men zu ver­lei­ten, hung­rig zu machen, zum Stau­nen zu brin­gen, durch den Tag zu beglei­ten, mit Lie­be zu ver­wöh­nen, zu über­ra­schen, zum Inne­hal­ten zu bewe­gen, wert­zu­schät­zen, anzu­lo­cken, zu begeis­tern, auf mei­ne Rei­se mit­zu­neh­men, wie einen Freund zu behan­deln…

Wir haben nun ein klei­nes Gerüst, an dem wir unse­ren Text ent­wi­ckeln kön­nen. Mit den fünf Pha­sen und den drei Fra­gen läßt sich arbei­ten, damit wir am Ende eines sehr genau wis­sen: was wir da eigent­lich geschrie­ben haben und war­um! Und jetzt wird es für Euch span­nend.

Jetzt sollt Ihr nämlich loslegen. Die Übung für diesen Monat sieht so aus: Schreibe zu einem der drei Themen „Whisky“, „Champagner“, „Käse“ einen Text. Keine Photos, Bilder, kein Tüddelü oder Chi-chi…!


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