little blog.shop 11. Kapitel 15. August 2013

    
 little blog.shop SchreibworkshopWie schreibe ich ein Media-Kit?

Das Wichtigste zuerst: auch Blogger, die kein Media-Kit auf ihrem Blog anbieten wollen, profitieren von diesem Kapitel und der ergänzenden Übung.

Das Media-Kit ist eine zusammengefasste Vorstellung des Blogs, ergänzt durch statistische Daten, die Aufschluss über die werberelevante Reichweite des Blog geben und natürlich Preise für zu buchende Werbefläche. Das Media-Kit dient dazu, potentiellen Sponsoren zu zeigen, wo sie ihr Geld lassen, warum sie das tun sollten und warum es sich für sie lohnt.

Blogger, die Werbung als Einnahmequelle nutzen, brauchen Informationen über ihr Blog, die sie potentiellen Werbekunden zur Verfügung stellen. Dies kann eine PDF sein, die man runterladen kann, ein gedruckter Flyer und auch einfach eine Seite oder Unterseite auf dem Blog, die als solche gekennzeichnet ist. Man kann diese zum Beispiel „Media-Daten“, „Werbung“ oder „Sponsoren“ nennen.

Für das Media-Kit gibt es keine formalen Richtwerte, um aber ernst genommen zu werden und einigermaßen professionell zu erscheinen, Punkte, die man beachten sollte. Bevor wir uns den Aufbau anschauen, gehe ich noch einmal aus einer anderen Perspektive an das Thema heran.

In der Literatur und Wissenschaft gibt es nämlich etwas ganz Ähnliches, allerdings ohne Preise: das Exposé. Auch das Exposé zeigt kurz und knackig auf, worum es geht, was die Kernpunkte sind und welcher Nutzen (Lesespaß) zu erwarten ist.

Der Aufbau des Exposés ist klar strukturiert und variiert nur abhängig davon, ob es um einen Roman oder ein Sachbuch/Projekt/wissenschaftliche Arbeit geht. Nehmen wir das Blog als Projekt. Dann können wir damit beginnen, daß wir die grundlegende Idee hinter dem Blog beschreiben. Darauf folgt eine Übersicht der angebotenen Inhalte und eine kurze Analyse der Zielgruppe/Leser. Auch beim Exposé gilt, es sollte sich leicht und angenehm lesen lassen. Im Gegensatz zum Krimi soll der Leser allerdings an jedem Punkt des Textes genau wissen, woran er ist. Also kein Geschwafel, keine prosaischen Ausführungen, keine Andeutungen … Fakten! Kurze, klar definierte Sätze dominieren den Text. Trotzdem soll Eure Begeisterung, Eure Liebe, Hingabe und Leidenschaft, die Ihr in das Blog steckt, für den Leser erkennbar sein. Denn das Blog ist immer noch eine sehr persönliche Sache. Wo die Grenze ist, das muß dann jeder für sich selber entscheiden.
Also, Text schreiben, liegen lassen, lesen lassen. Vielleicht von einem Kollegen oder jemandem, der sich traut, Euch zu kritisieren. Familie und enge Freunde sehen Euch verklärt und Honig ums Maul bringt uns keinen Schritt weiter. Natürlich sollte die Kritik sachbezogen sein. „Mit Deinem komischen Blog-Dings verdienst Du doch nie Geld!“ ist nichts, was uns hilft. Sätze wie „Der Teil war zu lang“, „Das habe ich nicht verstanden“, „Warum ist das wichtig?“ sind Rückfragen, die wir ernst nehmen und unseren Text daraufhin untersuchen sollten.

Jetzt wird es technisch: Analysetools wie Google Analytics, Piwik, Jetpack (für WordPress), als Beispiel, bieten Statistiken an. Schwarz auf weiß kann man für jeden Tag/Woche/Monat ablesen, wie viele Besucher man hatte, welche Posts besonders oft gelesen wurden, wie lange die durchschnittliche Verweildauer des Besuchers war, die Absprungrate in Prozent …. Diese Zahlen kann man zu seinem Vorteil nutzen. Deswegen rate ich dazu, vor dem eigentlichen Online gehen mit dem Media-Kit, die Zahlen über einen längeren Zeitraum zu beobachten, Entwicklungen zu dokumentieren und dann zu überlegen, welche Werte nützlich sind. Dabei gilt wie in der beruflichen Bewerbung, den Fokus auf die Stärken zu setzen.
Dann kommt der Werbe-Teil. Welche Werbung biete ich an: Werbefläche, bezahlte Posts … verschiedene Größen, Rabatte, Zahlungsmodalitäten. Dann noch – ganz wichtig – Kontaktmöglichkeiten und eine Kurzbiografie.

Soweit die Fakten. Jetzt geht es um die grafische Gestaltung, denn das Auge liest mit. Und da kommt die Inspiration aus der klassischen Bewerbung. Im Internet und z. B. auf Pinterest findet man Lebensläufe, die das starre Tabellenmodell aufbrechen und Informationen grafisch ansprechend und übersichtlich präsentieren. Solche Lösungen muß man innerhalb einer Bewerbung natürlich an den Leser (Personaler) und die Berufssparte anpassen. Beim Media-Kit haben wir mehr Möglichkeiten. Einzige Voraussetzung: alle relevanten Informationen werden übersichtlich dargestellt. Natürlich kann man ein Media-Kit ganz schnörkellos gestalten, denn der Inhalt zählt. Auch die Media-Kits von anderen Blogs können eine wertvolle Hilfe sein, so man sie denn zu sehen bekommt.

Ergänzt wird das Media-Kit mit einem Screen-Shot und einem Beispielartikel und/oder Bildern. Es ist unwahrscheinlich, daß Werbekunden sind den ganzen Blog anschauen werden. Also picken wir uns ein paar Highlights raus, die unser Blog besonders gut repräsentieren.

Hört sich alles noch ganz gut an, bis … das Exposé sollte maximal 2 Seiten beinhalten und das gilt auch für den Text im Media-Kit. Und gemeint sind Normseiten. Normseiten werden für Manuskripte benutzt, weil sie einheitliche Zeichenwerte für den späteren Druck generieren.

Die klassische Normseite hat 60 Zeichen pro Zeile und 30 Zeilen. Geschrieben wird mit Courier New, 12p und 1,5 Zeilenabstand. Courier New übrigens, weil jeder Buchstabe die gleiche Breite einnimmt. Diese Angaben beziehen sich noch auf die gute alte Schreibmaschine (analoges Schreibgerät) und sind mit dem Computer nicht ganz genau zu wiederholen. Um die genannten Wert zu gewährleisten, muß man die Seitenränder in der Formatvorlage anpassen. Und wenn man schon dabei ist, „Absatzkontrolle“ und „Silbentrennung“ auch gleich deaktivieren (Format, Absatz, Häkchen entfernen bei Absatzkontrolle). Geschrieben wird als Fließtext und linksbündig.

Schreiben wir unsere Media-Texte und vielleicht auch gleich alle Blogtexte als Manuskript vor, haben wir sofort einen guten Überblick, wie groß die Textmenge ist und sehen schnell: es muß gekürzt werden! Erst dann und nach einer mehrfachen intensiven Korrektur auf Schreibfehler und Zeichensetzung wird der Text mit den grafischen Elementen verbunden und endgültig zusammengebaut. Dann in jedem Fall als PDF speichern und fertig.

Jetzt willst Du aber gar kein Media-Kit anbieten. Das ist völlig okay! Der Nutzen liegt in den Überlegungen. In der Literatur ist das Exposé der TÜV für den Roman. Immer dann, wenn die Beschreibungen schwammig werden, wenn gefaselt wird, verbergen sich Schwachstellen im Plot (Handlungsaufbau). Immer dann, wenn auch Show, don’t tell-Alarm im Exposé auftaucht, dann fehlt es an Struktur und Tiefe; sind Handlung, Konflikte und Figuren zu blass und nachlässig konstruiert.

Du hast Spaß an Deinem Blog uns Du liest das, weil Du Dich und Dein Blog weiter entwickeln willst, weil Du etwas lernen möchtest. Ein Exposé über dein Blog zu schreiben ist eine gute Übung um zu prüfen, inwieweit das Konzept stimmt. Innerhalb vom blogshop haben wir schon ganz viel vorgearbeitet. Die vielen Fragen zur Wahrnehmung, die ich gestellt habe, sollten dich dazu bringen, ziemlich genau zu wissen, was Du da eigentlich tust und warum. Und was für das komplette Blog gilt, gilt erst recht für einen Beitrag. Das Exposé fungiert wie ein Detektor für inhaltliche Brüche. Wenn du zum Beispiel Artikel planst, eine ganze Reihe zu einem bestimmten Thema, dann hilft Dir das Exposé, Dein Konzept zu entwickeln, zu überprüfen.

Die Sprache im Exposé, und damit auch im Media-Kit, weicht von der Sprache unserer Beiträge ab. Sie ist zuerst informativ und dann leicht lesbar. Sie ist NICHT verschnörkelt, sie ist NICHT gefühlsduselig und NICHT episch. Es geht hier tatsächlich ums Business. Das Media-Kit ist eine Behind-the-Scenes-Situation. Wie die Unterhaltung zwischen Regisseur und Team. Das Blog ist wie der fertige Film, die Theateraufführung für den Leser. Und genau das erwartet der Leser des Media-Kit. Dein potentieller Werbekunde.

Check-Liste Media-Kit:

I. Blogseite/Unterseite für Werbung einrichten
optional einen Link in die Sidebar setzen

II. Kurzer Einführungstext für Werbekunden
Inhalt: Hier finden Sie Informationen über mein Blog. Ich biete xy an. Ich freue mich auf Ihre Anfrage. Kontaktmöglichkeiten anbieten a) Telefonnummer, b) E-Mailadresse c) Kontaktformular oder Link dahin

III. Mediakit als Download (PDF)anbieten oder per Mail anfordern lassen
1. Blog Vorstellung
(Name des Blog, Themen, Inhalte, seit wann wird gebloggt)

2. Blog-Inhalte
(Besonderes wie Mit-Mach-Aktionen, regelmäßige Aktionen, Themen)

3. Zielgruppe
(wer liest Dein Blog)

4. Kurzbio
(Name, Alter, Beruf, Motivation zum Bloggen, Parallelen zu Beruf oder Hobby, optional Portraitphoto, KEINE Party- / Strandbilder)

5. Statistiken
(Sinnvolle Werte aus Google Analytics und Jetpack nutzen:
a) Gesamtzahl Leser insgesamt
b) Anzahl neuer Besuche in Prozent
c) Durchschnittliche Verweildauer (wie lange bleibt der Besucher auf dem Blog)
d) Bounce-Rate (wie schnell verlässt der Leser die Seite wieder, der durchschnittliche Wert liegt bei 68%, ist aber relativ, denn Leser, die alte Beiträge kennen und nur gezielt neue Beiträge lesen, verweilen kürzer, als neue Besucher, die durch das Blog stöbern)
e) Diagramm Entwicklung

6. Werbeangebote
Welche Werbemöglichkeiten bietest du an?
a) Werbebanner (Beispielgrafik)
b) Gesponsorte Artikel
c) Kooperationen mit Unternehmen

7. Preise
a) Was kostet welche Werbeaktion für welchen Zeitraum? (z. B. Werbebanner 35€/Monat)
b) Rabatte (z. B. Werbebanner 90€ pro gebuchtem Quartal)
c) Zahlungsmodalitäten (Vorauszahlung, per Überweisung, per Paypal)

8. Kontaktmöglichkeiten
a) Adressen
b) E-Mail Adresse

9. Screen-Shot der Startseite

10. Beispiel-Artikel
11. Beispielphotos
Übung: 1. Stelle ein Media-Kit für Dein Blog zusammen. 2. Schreibe ein Exposé über dein Blog (max. 2 Manuskript-Seiten)

Viel Erfolg!

Und für die Kapitelübersicht klickst Du HIER

 

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    1. Danke liebe Alex für den Artikel!
      Liebe Grüße
      Elodie

    2. Hallo, wie geht es Dir ? Ich bin dabei am Media Kit zu arbeiten und habe zwei Fragen zur Plazierung: würdest Du den Footer empfehlen? Mein Thema bietet die Möglichkeit. Und das andere wäre die Art der Anforderung durch Interessent: was ist deiner meinung nach besser: pdf als dl oder anforderung per email ? Vielen Dank Kerstin

      • Liebe Kerstin, ich bin schon sehr gespannt auf Dein Media-Kit. Der Footer ist ja auch ein grafisches Element, wo er passt und abhängig, welche Informationen Du dort anbieten möchtest, kann er die Seite strukturieren und übersichtlicher gestalten. Tipps gibt es hier: http://www.elmastudio.de/wordpress/tipps-und-plugins-zur-footer-gestaltung-in-wordpress/
        Auch bei Deiner zweiten Frage kann ich Dir die Entscheidung nicht abnehmen. Viele mögen ihre Preise und Angebote nicht öffentlich machen und bevorzugen daher die Anforderung per Mail. Die Hemmschwelle ist natürlicher beim Download geringer, weil ich mich vorab informieren kann, ohne bereits Kontakt aufzunehmen. Auf der anderen Seite denken Unternehmen, wenn der Kunde anrufen muß, um Preise zu erfahren (ohne eine Vorauswahl treffen zu können), habe das Unternehmen ihn schon halb im Sack. Ich persönlich finde das sehr unsympathisch. Die Frage ist also, möchtest Du Dein Media-Kit jedem Leser zugänglich machen oder es nur tatsächlich potentiellen Kunden zur Verfügung stellen? Und das kannst nur Du beantworten. Beste Grüße, Alexandra

    3. Hallo Alexandra,
      nachdem ich nun ein paar Tage Probleme mit dem Internet hatte ….
      kommt mein vorletzter Beitrag so eben gerade noch rechtzeitig bei dir an.
      Ich habe mich sehr schwer getan mit dieser Aufgabe und habe sie bestimmt ganz anders „gelöst“ als du es erwartet hast …
      aber ich kann nicht anders…. besser gesagt, ich kann das gar nicht … aber lies selbst:
      http://hoetuspoetus.wordpress.com/2013/09/14/au-backe-wie-sag-ichs-nur/

      Mit einem Seitenblick lunse ich auf das letzte Kapitel und weiß schon jetzt…. DA kommt Einiges von mir!
      Ganz zauberhafte Grüße… Katja

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