Alle Artikel in: Autoren

Der Autor in Zeiten der Cólera

Ich möchte ein Plädoyer für Literatur als systemrelevantes Kulturgut halten. Und ich möchte dies mit der Frage nach der Verantwortung des Autors, der Autorin untersuchen und in Beziehung zum Werk setzen.
Der Vortrag gliedert sich in drei Teile. Im ersten Abschnitt werde ich den Begriff Autor im literaturtheoretischen Diskurs vorstellen. Damit schaffe ich eine Voraussetzung dafür, im zweiten Abschnitt zu klären, was mit Verantwortung bezogen auf Literatur und den Autor gemeint sein kann. Dabei werde ich mich besonders auf Jean Paul Sartre und seine Überlegungen in „Was ist Literatur“ beziehen.
Im dritten Abschnitt möchte ich anhand literaturphilosophischer Überlegungen, gespeist aus den Arbeiten Martha Nussbaums zeigen, dass Literatur als Kulturgut aus sich heraus bereits eine Verantwortung darstellt, die sich in unterschiedlichen Qualitäten expliziert.

Der Werbe-Tölt oder Der Druck, medial omnipräsent sein zu müssen.

Beim Tölt handelt es sich um eine Gangart des Pferdes. Diese kommt ohne Schwebephase aus und variiert in der Geschwindigkeit zwischen Schritt und Galopp. Das Pferd ist ein hohes Tier, welches ich aufgrund meiner Höhenangst nur aus der Ferne und mit gering ausgeprägtem Interesse in meine Wahrnehmung einbeziehe. Anders verhält es sich mit dem Tölt. Der Tölt als Gangart begegnete mir beim Hören der NDR Comedy “Wir sind die Freeses”. In der Folge vom 02.11.2015 ging es nun um den Tölt als Bewegungsform, wenn man zum Beispiel den letzten Platz auf einer Parkbank entdeckt, jemand anderes offensichtlich auch und man fängt ganz unauffällig an seinen Schritt zu beschleunigen, damit man diesen Platz erwischt. Darf aber keiner merken, das mit dem Beschleunigen. Was hat der Tölt nun mit Autorenvermarktung zu tun? Werbung, Marketing und das liebe Internet leben von total neuen Ideen, innovativen Werbestrategien und die passende Floskel dazu heißt: aufmerksamkeitsstark. In der Masse an Werbung, in der noch größeren Masse an Informationen – und wenn man sich das Internet und da speziell das Social Media …

Selbstvermarktung als Autor oder Würde ich verkaufen wollen, wäre ich Vertreter geworden

Neulich stolperte ich über mehrere Artikel, in denen es um Selbstvermarktung ging und um Inbound als die Zukunfts- und Contentstrategie. Ich hatte bereits die Idee im Kopf, die Eigenwahrnehmung bezogen auf Selbstvermarktungsdruck und -notwendigkeit aus meiner Perspektive zu erzählen. Also, wenn nicht jetzt, wann dann? Im Marketing beschreibt Inbound den Weg, durch Inhalte zu überzeugen und so aus Besuchern Kunden und Fans zu machen, frei nach dem Motto “gefunden, für gut erachtet und weiterempfohlen”. Outbound ist die gute alte One-Way-Werbeansprache an den Kunden mittels Anzeigen, Spots … also “wenn ich mich dem Kunden in den Weg schmeiße, muß er mich auch sehen”. Das ist jetzt so grob, worum es dabei geht. Ob nun als Fotograf, Autor oder Steuerberater, ich bin Unternehmen und Produkt in einer Person. Als Texter und Freiberufler vermarkte ich mich selbst. Weder als Texterin, noch als Autorin betreibe ich Outbound, ich schmeiße mich dem potentiellen Kunden also nicht an den Hals. Im Gegenteil, ich sitze wie eine Spinne geduldig am Rande meines Netzes und spinne meine Fäden. Ja … die Assoziationskette funktioniert …

Die Autorenstimme

Meine Autorenstimme, wortwörtlich. Wie finde ich sie und warum sollte ich sie suchen? Im letzten Sommer habe ich eine Leseprobe zu “Eve” veröffentlicht und da war der Gedanke: Ich könnte die Geschichte als Hörbuch anbieten. Selbstgelesen. Ein befreundeter Musiker attestierte mir eine jodelnde Stimme mit vielen Kieksern. Da war sie hin, meine zart keimende Podcasthoffnung. Mit der Stimme kann ich mich unmöglich unters Volk wagen. Vielleicht sollte ich generell über ein Stimmdouble nachdenken? Singen kann ich nämlich auch nicht. Als ich – noch durchaus optimistisch – bei den Podcasthelden mit Gordon Schönwälder recherchiert habe, der außerordentlich profunde und unterhaltsame Informationen zum Thema zur Verfügung stellt, muss mich der Weihnachtsmann beobachtet haben. Denn unter meinen Geschenken war … ein Mikrofon. Passend dazu schrieb Marcus Johanus von Lern- , Komfort- und Panikzonen. Fühlte ich mich vor einem Jahr noch kurz vor einer aufregenden Lernzone, so fully equipped ist das eindeutig die Panikzone. Ich? Reden? Laut? Vor Leuten? Dazu eine kleine Anekdote: Es war von der ersten Stunde Grundschuluntericht klar, dass Deutsch mein Ding ist. Und weil mein …

Das Erdbeer-Interview mit Ricarda Howe (Autorin)

Essen ist ein Grundbedürfnis. Bei Autoren kann man dasselbe über das Schreiben sagen. Schreiben und Essen. Das läßt sich nicht trennen, beides ist Lebensgrundlage und sinnliches Vergnügen zugleich. Je nachdem, was man so isst oder schreibt. Und was hat das jetzt mit Erdbeeren zu tun? Die Früchte meines Schreibens fanden – als spontane Assoziationskette – ihren Ursprung in einem flüchtigen Tweet, der durch meine Timeline huschte und zu einer entzückenden Bekanntschaft mit seiner Autorin führte. Essen als Überbegriff für Nahrungsmittel, Getränke und deren Konsum taucht in Filmen, Romanen, Biografien und Bildern auf. Essen ist die romantische Beilage in einer Geschichte, der roten Faden, der entscheidende Hinweis, die Inspiration, ein Lebensgefühl, der Lifestyle, ein Event. Schreiben über das Essen kann alles sein. Nur, daß man sich dabei nicht Überschreiben kann. Oder doch? Orgiastische Schreibanfälle, Schreibsucht, Schreibwahn, künstlerisch dosiertes Schreiben in appetitlichen Häppchen, das Schreiben ist voller Ess-Bilder. Die Muse ersäuft im Weinglas Hemingway ist vielleicht das Synonym, wenn es um Schreiben im Alkoholrausch geht. Paris in den frühen Zwanzigern – Hemingway schrieb, feierte, liebte und lebte …