Autor: Toni Scott

Das Schreibzimmer

In diesem Beitrag geht es mal nicht um die Frage “Wie schreib ich’s?”, sondern wo. “Das Schreibzimmer” ist Thema der Blogparade von Ricarda von schreibsuechtig.de, die vom 16. Juni bis 31. Juli 2017 läuft. Wie alles begann Als Studentin spielte sich mein Leben und Schreiben auf 24 Quadratmetern ab. Das war meine Winzwohnung, die zugleich Küche, Wohnzimmer, Schlafzimmer, Arbeitszimmer war. Ein Kokon, aus dem ich nicht raus musste. Das gefällt mir. Eine Schreibblase. Meine ersten offiziellen Texte habe ich in einem kleinen Büro geschrieben, die Tür stand auf und im Hintergrund wuselten Kollegen herum, kamen rein, kramten in Regalen und Ordnern, klingelte das Telefon. Das hat mich nicht weiter gestört. Ich habe auf den Bildschirm gestarrt, war ganz bei mir und meinem Text. Ein Schreibzimmer ist trotzdem etwas anderes. Später habe ich in einer Agentur gearbeitet, die die Philosophie vertrat, wahre Kreativität käme nur durch Ausblenden aller, also wirklich aller Ablenkungen. Ein weißes Zimmer mit klinischen Möbeln, reduziert auf Tisch und Stuhl. So generell ist der Ansatz gut, denn zu viel Ablenkung lenkt wirklich ab. …

Klein | Stark | Tödlich

An der Mosel begann die Ostersaison bei schönstem Sonnenschein. Dr. Gernot Acker zerrte an seiner Krawatte, trank einen Schluck Wasser. Kein Wunder, dass er sich verkühlt hatte. In Daun regnete es seit Tagen, inklusive Nachtfrost. Er legte einen Arm um die junge Frau, lächelte in das Handy. Klick. Die nächste. Kalter Schweiß lief ihm den Rücken herunter. Gernot Acker setzte sich und begann aus seinem Buch »Kreativ mit Hypnose« zu lesen. Seine Brust schmerzte. Er hustete. Peinlich berührt sah er den blutigen Auswurf, der auf den aufgeschlagenen Seiten klebte. Bevor er den eitrigen Klumpen mit einem Taschentuch entsorgen oder in Erwägung ziehen konnte, die Lesung ganz abzubrechen, wurde ihm schwarz vor Augen. „Kommst Du mit einen Döner holen? In der Kantine gibt es heute Prummewärmp.“ „Zuckersuppe? Wie sind die denn drauf! Klar komme ich mit.“ Uwe Glanz zog seine Jacke vom Stuhl, als das Telefon klingelte. Er nahm das Gespräch an und grinste Hauptkommissarin Claudia Werner zu, die bereits an der Tür wartete. Dann grinste er nicht mehr. »Die von der Seuche – Verdacht auf …

Die Autorenstimme

Meine Autorenstimme, wortwörtlich. Wie finde ich sie und warum sollte ich sie suchen? Im letzten Sommer habe ich eine Leseprobe zu “Eve” veröffentlicht und da war der Gedanke: Ich könnte die Geschichte als Hörbuch anbieten. Selbstgelesen. Ein befreundeter Musiker attestierte mir eine jodelnde Stimme mit vielen Kieksern. Da war sie hin, meine zart keimende Podcasthoffnung. Mit der Stimme kann ich mich unmöglich unters Volk wagen. Vielleicht sollte ich generell über ein Stimmdouble nachdenken? Singen kann ich nämlich auch nicht. Als ich – noch durchaus optimistisch – bei den Podcasthelden mit Gordon Schönwälder recherchiert habe, der außerordentlich profunde und unterhaltsame Informationen zum Thema zur Verfügung stellt, muss mich der Weihnachtsmann beobachtet haben. Denn unter meinen Geschenken war … ein Mikrofon. Passend dazu schrieb Marcus Johanus von Lern- , Komfort- und Panikzonen. Fühlte ich mich vor einem Jahr noch kurz vor einer aufregenden Lernzone, so fully equipped ist das eindeutig die Panikzone. Ich? Reden? Laut? Vor Leuten? Dazu eine kleine Anekdote: Es war von der ersten Stunde Grundschuluntericht klar, dass Deutsch mein Ding ist. Und weil mein …

Wissenschaft ist Magie

»22. August 1893Ich hab’s geschafft. Er funktioniert. Nachdem ich den Buchstabenbeschleuniger nochmal von den Dampfrohren isoliert habe, die eine Störung des Teilchenmagnetismus bewirkt haben, läuft der Literatur-Teleportations-Generator …« So beginnt meine kleine Steampunk-Geschichte. Ich schreibe. Über reale Dinge, Werbetexte, Artikel und eben Geschichten. Wir Geschichtenschreiber und Erzähler nutzen das Wissen, wie unsere Welt funktioniert, welchen Gesetzen sie unterliegt, um unsere Geschichten zu erzählen. Um Fragen aufzuwerfen und Antworten zu finden. Und wir finden die Magie, die Geschichten lebendig macht. Wissenschaftliche Forschung entspringt der Philosophie und der Frage nach dem »Warum«. Warum sind die Dinge so, wie sie sind? Und warum sind wir auf der Welt, so wie wir sind? Sind wir überhaupt so? Und was zur Hölle ist »so«? Mit diesen Frage haben sich Menschen gequält, seitdem der Frontallappen mehr Raum als das Stammhirn beanspruchte. Ganz pfiffig die »ollen« Griechen: Pythagoras, Sokrates, Aristoteles… sie alle suchten Antworten auf philosophische Fragen in den Naturwissenschaften. Und entdeckten erstaunliche Dinge. Nicht immer zur Freude religiöser Obrigkeiten. Ein paar Jahre später (also schlappe 1800 Jahre später, um das Ganze …

Toni A. Scott

Der Literatur-Teleportations-Generator

Eine kleine Fanfiction-Geschichte zum Steampunkkrimi “Ersticktes Matt” von Nina C. Hasse August 1893 Ich hab’s geschafft. Er funktioniert. Nachdem ich den Buchstabenbeschleuniger nochmal von den Dampfrohren isoliert habe, die eine Störung des Teilchenmagnetismus bewirkt haben, läuft der LTG (Literatur-Teleportations-Generator). Ich habe das erste Buch aus der Zukunft auf dem Wort-Kommunikator sichtbar gemacht. Es ist eine historische Abhandlung über Kriminalfälle in den Floodlands: Ersticktes Matt. Der Wissenschaftler, der das Buch geschrieben hat, ist eine Frau, Nina C. Hasse, der offensichtlich Unterlagen zu genau den Fällen vorliegen, die gerade unsere Stadt auf den Kopf stellen und für Angst, Chaos und Schrecken sorgen. In der Zukunft schreibt man Fachbücher ganz anders und es liest sich weitaus spannender als die langatmigen Vorträge von Professor Amadeus Windebank über luzide Teilchentransformation. Wie sie wohl ist? Nina. Schöner und seltsamer Name. Arbeitet sie für das Police Department? Ist sie vielleicht eine Spionin im Auftrag der Königin? Ich frage mich, ob sie noch mehr Informationen in dem Buch gesammelt hat, die dem Police Department hier weiterhelfen könnten. Der Dampfdruck ist nach wie vor …

Buchspaß mit Statistik

In einem anderen Leben habe ich einen großen Bibliotheksraum mit Kamin und Ohrensesseln, einem schweren Holztisch, einer Galerie mit eiserner Wendeltreppe, Buchleiter, raumhohe Fenster mit Blick auf eine Parklandschaft, Lesepult und einer Chaiselongue.In der Realität bietet das heimische Anwesen einen überschaubaren Platz für Bücher, die sich deswegen auf fast jeden Raum ausdehnen. Das zwingt mich periodisch dazu, Bücher auszusortieren oder neue Nischen zu finden, in denen sie wohlbehalten vom Lesen und Gelesen werden zeugen. Alle meine Buchfreunde sind nach Sachgebiet und Autor sortiert unterteilt. Manchmal ist das auch eine subjektive Interpretation. Ob das mit Ordnungsliebe oder zwanghaften Tendenzen zu tun hat, vermag ich nicht zu sagen. Die Taschentuchschublade ist ebenfalls akribisch sortiert und ausgerichtet, das spricht für Letzteres. Ich kann auch einfach nur so dasitzen und meine Buchfreunde betrachten. Ein Buch aus dem Regal nehmen, aufschlagen und den Eintrag lesen. Noch so eine Macke. Datum, Ort und Gelegenheit werden auf die Titelseite notiert. Diese Einträge sind wie Baumringe, also “Buchringe”, eine Erinnerung an Ausflüge, Begebenheiten, Lebensphasen und liebe Geschenke. Beim Betrachten der Buchrücken fielen mir …

Eve – Das Tattoo

Leseprobe Ich dachte, dass dies der verrückteste Tag in meinem Leben war. Und ich dachte eine Menge über diesen Tag. Aber von der Wahrheit war ich damals so weit entfernt, wie ich jetzt von meinem alten Ich entfernt bin. Ich bin ich, und ich bin es wiederum nicht. Mein altes Ich war … ja, was war ich eigentlich? Wer war ich überhaupt? Ich hatte studiert, einen mies bezahlten Job in einem Steuerbüro, und zuhause wartete nur mein Taschenrechner auf mich. Als ich an jenem Dienstag auf dem Weg in meine kleine Wohnung war, sah ich mein Spiegelbild in den Schaufenstern von Boutiquen, deren Kleider ich nie gewagt hätte zu tragen. Ich sah meine braunen Haare, die streng zu einem Knoten gebunden waren und den grauen Hosenanzug, den ich immer dann trug, wenn der Blaue in der Reinigung war. Ich sah meine Hände, die die schwarze Handtasche umklammerten und die flachen Schuhe, die nicht mal ein Geräusch auf dem Pflaster verursachten. Ich fühlte mich selbst derart unscheinbar, dass es mich nicht wunderte, dass kaum jemand Notiz …

Das Erdbeer-Interview mit Ricarda Howe (Autorin)

Essen ist ein Grundbedürfnis. Bei Autoren kann man dasselbe über das Schreiben sagen. Schreiben und Essen. Das läßt sich nicht trennen, beides ist Lebensgrundlage und sinnliches Vergnügen zugleich. Je nachdem, was man so isst oder schreibt. Und was hat das jetzt mit Erdbeeren zu tun? Die Früchte meines Schreibens fanden – als spontane Assoziationskette – ihren Ursprung in einem flüchtigen Tweet, der durch meine Timeline huschte und zu einer entzückenden Bekanntschaft mit seiner Autorin führte. Essen als Überbegriff für Nahrungsmittel, Getränke und deren Konsum taucht in Filmen, Romanen, Biografien und Bildern auf. Essen ist die romantische Beilage in einer Geschichte, der roten Faden, der entscheidende Hinweis, die Inspiration, ein Lebensgefühl, der Lifestyle, ein Event. Schreiben über das Essen kann alles sein. Nur, daß man sich dabei nicht Überschreiben kann. Oder doch? Orgiastische Schreibanfälle, Schreibsucht, Schreibwahn, künstlerisch dosiertes Schreiben in appetitlichen Häppchen, das Schreiben ist voller Ess-Bilder. Die Muse ersäuft im Weinglas Hemingway ist vielleicht das Synonym, wenn es um Schreiben im Alkoholrausch geht. Paris in den frühen Zwanzigern – Hemingway schrieb, feierte, liebte und lebte …

Schreibworkshop | little blogshop

Von September 2012 bis August 2013 habe ich hier auf little edition einen Schreibworkshop angeboten, der sich primär an Blogger richtete. Mir war aufgefallen, dass viele Blogger ganz tolle Blogs anboten, dass das Schreibhandwerk aber stiefmütterlich behandelt wurde oder auch eine Attitüde des “Hauptsache, die Bilder sind schön” mitschwang. Schreiben kann man lernen, genauso, wie man Photographieren lernen kann und Websiten aufsetzen. Nicht jeder hat Lust dazu oder auch die Einsicht, dass der eigene Text noch Entwicklungspotential hat. Aber die, die damals mitgemacht haben oder auch nur passiv mitgelesen, haben mir über ihr Feedback gezeigt, dass Schreiben lernen keine Quälerei sein muss, sondern spannend, lustig, unterhaltsam und auch einen persönlichen Entwicklungsprozess anstoßen kann. Seit 2012 ist nun viel Zeit vergangen und Blogs und Blogger haben sich verändert, weiterentwickelt, umstrukturiert. Trotzdem denke ich, dass dieser Workshop nach wie vor seine Daseinsberechtigung hat und Neueinsteigern, wie auch alten Bloggerhasen als Anregung dienen kann. Denn zu allererst sollte Schreiben Spaß machen und das möchte ich vermitteln! Die elf Kapitel des Schreibworkshop möchte ich hier auch weiterhin zum Lesen …

little blogshop | Blogartikel schreiben, wie fange ich an?

Jeder kann Geschichten erzählen, lustige Anekdoten zum besten geben oder über einen Sachverhalt berichten. Deswegen gibt es Blogs. Weil Menschen ihre Geschichten erzählen wollen, ihre Erfahrungen teilen und sich über dieses Medium mit anderen, Gleichgesinnten, austauschen möchten. Insofern ist die Motivation, ein Blog zu starten, eigentlich bei allen dieselbe. Je nach Schwerpunkt der eigenen Interessen gibt es rein informative und sehr sachlich gehaltene Blogs, geradezu professionell gestaltete Magazine, interaktive Blogs…Egal, unter welcher Sorte Dein Blog eingeordnet werden könnte, wir wollen uns ausschließlich mit dem Text beschäftigen. Ein schickes Layout ist der Rahmen, in dem wir unsere Inhalte präsentieren. Photos und Zeichnungen ergänzen und vervollständigen das, was wir erzählen, beschreiben und berichten. Sie sind schmückendes Beiwerk. Das Topping oder Icing, also der Schlag Sahne obendrauf. Denn das Blog begann einmal als online Tagebuch, bestehend aus: Text. Wenn wir nun einen Artikel schreiben, dann wollen wir eine Geschichte erzählen.Wir wollen dem Leser Informationen anbieten, wir nehmen ihn mit auf eine emotionale Reise und wir unterhalten den Leser. Fassen wir diese Kernpunkte noch einmal zusammen: Information, Gefühl, Unterhaltung. …

little blogshop | Das Blogger-ICH

Ich besitze ein Blogger-Ich. Du auch. Ach, das wußtest Du noch nicht? Gut, dann darf ich Euch vorstellen. „Blogger-Ich“ – Du, Du – „Blogger-Ich“. Aber wer oder was ist denn nun dieses Blogger-Ich? (Ich schreibe hier vom Blogger-ICH, weil sich der Workshop zuerst an Blogger richtete. Ich selbst habe mich nie als Blogger gesehen und habe an anderer Stelle über das Schreib-ICH oder Autoren-ICH im Bereich Selbstvermarktung für Autoren geschrieben. Der Gedanke dahinter ist derselbe.) Es ist – wie fast immer im Leben – eigentlich ganz einfach. Du, ich, die Menschen sind individuelle Persönlichkeiten mit Charaktereigenschaften. Und unser Leben besteht aus verschiedenen, unterschiedlichen Bereichen, die sich mal mehr, mal weniger überschneiden. Beruf, Familie, privates Umfeld … und so haben wir eine unglaubliche Anzahl an Persönlichkeitsanteilen, die an den jeweiligen Bereich angepasst sind. Wir sind also Frauen und Männer, Mütter, Väter, Töchter, Söhne, Enkel, Nichten, Onkel, Schwester, Schwager, Nachbar, Kollegin, Freundin, Kumpel, Chef, Mitarbeiter, Angestellter, Patient, Gast, Kunde, die nette Frau hinter der Theke, das ernste Gesicht hinter dem Schreibtisch, der Flirt vom Flughafen, der verständnisvolle …

little blog-shop | Adverbien, Freund oder Feind?

Die Adverbien … früher oder später kriegen sie Dich. Das heißt, wir kriegen es mit ihnen zu tun und müssen uns überlegen, auf welcher Seite wir stehen. Adverbien werden als Umstandswörter bezeichnet, die den Inhalt eines Satzes ergänzen, in dem sie Geschehnisse, Verhältnisse, Ereignisse näher beschreiben, also die Fragen Wo/Wann/Warum/Wie beantworten.Adverbien lassen sich in• Lokaladverbien (Wo/Wohin/Woher): hier, draußen, rechts, dort, vorn, irgendwo, neben, über, unter, hinter, diesseits, längsseits, jenseits …• Temporaladverbien (Wann): damals, nachher, später, morgen, übermorgen, gestern, bald, bisher, sofort, oft, manchmal, endlich, täglich, inzwischen, neulich…• Kausaladverbien (Wieso/Weshalb/Warum): nämlich, sonst, dennoch, deshalb, also, darum, trotzdem, sicherheitshalber, folglich, somit, weil…• Modaladverbien (Wie/Wie sehr/ Wie viel): vielleicht, gerne, leider, äußerst, hoffentlich, kaum, so, wirklich, anders, möglicherweise, ebenfalls, kaum …einteilen. Sie sind nicht flektierbar und einige wenige lassen sich steigern. Im Zusammenhang mit Adverbien muß man auch Adjektive betrachten. Ich habe noch „Adjektive = Wie-Wörter“ gelernt. Adjektive beschreiben, wie etwas ist. Man kann sie steigern (schön, schöner, am schönsten) und sie sind flektierbar (also passen sich dem Kasus an: Nominativ = Wer/Was, Genitiv = Wessen, Dativ = …

little blogshop | Themenhänger und Schreibblockade oder Wie entsteht Kreativität?

Unsere Leser sind hungrig. Was also tun, wenn uns partout nichts einfallen will? Keine Idee, kein Photo als Aufhänger, kein DIY. Oder die Idee ist da, aber gähnende Leere auf dem Bildschirm. Die Wörter wollen nicht zusammen finden, sich keine Sätze bilden. Alles hört sich doof an, nichts erscheint so richtig passig. Nicht immer tritt uns die Muse ins Kreuz, nicht immer sind wir voll von Inspirationen und Visionen. Aber wer mag sich schon durch einen Artikel quälen, wer will sich schon mühsam ein paar Gedanken abringen, die sich dann auch genauso bemüht lesen lassen. Nein, wir wollen unseren Lesern doch was bieten! Kreativität hat viele Gesichter und so wagen wir einen Ausflug in die Welt der magischen Buchstaben und verzauberten Worte. Die entstehen nämlich im Kopf. Gucken wir uns das mal genauer an. Das Sprachzentrum ist ein wenig auf das Gehirn verteilt. Gleich vorne hinter der Stirn finden wir das Broca-Areal. Hier werden Laute und Worte gebildet. Das Sprachverständnis hingegen, das Wernicke- Areal liegt am Hinterkopf (nach neuesten Forschungen jedoch VOR dem auditiven Areal, …

little blogshop | Individueller Stil und Kopie

Bloggen ist eine Abenteuerreise. Alles Bloggen fängt damit an, daß man etwas hat, was man anderen zeigen, mit anderen teilen möchte. Viele Blogger haben davor bereits fleißig Blogs gelesen und gedacht: das möchte ich auch machen. Und dann haben sie einfach angefangen.So ein Blog wächst und entwickelt sich im Laufe der Zeit und es gehört auch eine Portion Durchhaltevermögen dazu. Und viele Blogger machen die gleiche Erfahrung wie Autoren. Das Schreiben entwickelt sich weiter. Die ersten Posts möchte mancher verschämt löschen oder hofft, daß sie dann doch zugunsten der neuesten Ergüsse vergessen werden. Der eigene Stil hat sich im Laufe hunderter Posts, Monate und Jahre des Bloggens herauskristallisiert, entwickelt, etabliert. Ein Prozess, der weitestgehend unbemerkt und auch unbewußt abläuft. Und dann fragt sich der eine Blogger, ob er überhaupt einen eigenen Stil hat, andere suchen noch und dritte fragen sich, wie man dem überhaupt auf die Spur kommen soll. Eine typische Falle ist einfaches Kopieren des Stils, den man selber gut findet. Das rächt sich schnell, weil bloßes Abkupfern auf den Leser seltsam leer wirkt. …

little blogshop | Das Schreibexperiment

In diesem Kapitel geht es um ein Schreibexperiment der besonderen Art. Nach der harten Arbeit am Handwerk wird es Zeit für ein Schreibabenteuer, für eine schreibverändernde Erfahrung. Ich bin bei der Arbeit zu einem Gedicht auf die Idee gekommen und inspiriert hatte mich ein Artikel meines Kollegen Glenn Fisher (britischer Werbetexter). Er schreibt – ganz in meinem Sinne – darüber, daß Werbetexter für einen größtmöglichen kreativen Output zuerst für größtmöglichen breitgefächerten Input sorgen müssen. Also lesen, lesen, lesen. Aber auch sehen, erleben, erfahren. Jede Erfahrung, jede Wahrnehmung, jeder gelesene Satz wird unbewußt abgespeichert und führt unter Umständen zu exakt dem neuen, unverbrauchten kreativen Gedanken, der gebraucht wird. Das Prinzip ist nicht neu. Im Kapitel über Themenhänger und Schreibblockaden habe ich bereits über die Kreativitätspsychologie und die seltsamen Wege im Gehirn geschrieben. Und auch hier geht es um Abkürzungen, Umwege und neue Hirnpfade, die Informationen verknüpfen, die andere Hirne eben nicht in Beziehung setzen. Es geht darum, die Perspektive zu wechseln, wie ein Schauspieler in eine Rolle zu schlüpfen. Das Experiment ist nicht ganz ungefährlich, denn …

little blogshop | Das Media-Kit

Du hast Spaß an Deinem Blog und Du liest das, weil Du Dich und Dein Blog weiter entwickeln willst, weil Du etwas lernen möchtest. Vielleicht möchtest Du Geld mit Deinem Blog verdienen und dazu brauchst Du eine Übersicht mit Angeboten, wie potentielle Kunden mit Dir ins Geschäft kommen. Das können Anzeigen, bezahlte Posts oder Kooperationen sein. Eine Produktübersicht bietet das Media-Kit, zusammen mit Informationen über Dein Blog und dessen Reichweite, die Dich ja erst interessant machen. Man kann das ein wenig mit dm Schreiben eines Exposé vergleichen, welches Autoren anfertigen, um einen Verlag oder Literaturagenten vom Projekt zu überzeugen. Ein Exposé über dein Blog zu schreiben kann also  eine gute Übung sein, um zu prüfen, inwieweit das Konzept stimmt. Kurze Vorstellung des Blogthemas (Alles rund ums Angeln …) Aufbau Blog, Seiten, Informationen, (zweisprachig?) … Darstellung einzelner Kategorien (Der richtige Wurm für welchen Fisch, Schöne Angelplätze in Idar-Oberstein, …) Besondere Aktionen (Mitmachaktionen, Wettbewerbe, saisonale Aktionen) Innerhalb vom blogshop haben wir schon ganz viel vorgearbeitet. Die vielen Fragen zur Wahrnehmung, die ich gestellt habe, sollten dich dazu …

little blogshop | Blogtext-Crossover

Der Blogger an sich ist ja ein geselliges Tierchen. Und so tummelt er sich gerne, viel und häufig auf Veranstaltungen rum, um darüber zu berichten. Und in diesem Fall tatsächlich auch ich. Als offizielle Lehrbeauftragte vom little blog.shop bin ich für Euch dank einer exklusiven Einladung auf dem Salon Number One in Hamburg gewesen. Aus dem Bloggerleben für das Bloggerleben. Das 25hours Hotel Number One in Hamburg war Veranstalter eines „Blog Venture“: Blog meets Product. Blogger treten an Firmen heran, Firmen kontaktieren Blogger, das ganze System ist noch nicht aus den Kinderschuhen raus, weil neu und frisch und so etablieren sich erst Do’s and Don’ts.Der Antrieb hinter dem Blog Venture ist also die Frage, wie bringt man die richtigen Produkte mit den richtigen Bloggern zusammen, um Bloggen als Baustein viralen Marketings effizient zu nutzen. In einer sehr lockeren und entspannten Runde mit kreativitätsfördernden Rahmenbedingungen ergaben sich erfrischende Gespräche über Marketing, Branding und Werbestrategien. Am Ende aber ist es doch Business. Kosten-Nutzen-Überlegungen auf Firmen- wie Bloggerseite. Image und Marke färben gegenseitig aufeinander ab. Nehmen wir mal …

little blogshop | Textfluss – Melodie und Satzlänge

In diesem Kapitel beschäftigen wir uns genauer mit dem Schreibhandwerk. Zu Beginn haben wir mit Wahrnehmung angefangen: Texte bewußt wahrnehmen, den Inhalt, den Stil, die Aussage. Wir haben uns intensiv gefragt, was wir wem und warum eigentlich erzählen wollen. Das sind Überlegungen, die vor dem eigentlichen Schreiben stattfinden. Und so sind wir nun bei genau eben diesem „dem Schreiben“ angekommen. Und inzwischen habt Ihr ja auch schon ein paar Übungstexte, mit denen Ihr arbeiten könnt, die Ihr überprüfen könnt: Was davon habe ich intuitiv umgesetzt, was habe ich vergessen oder worauf kann ich noch mehr achten?! Schreiben ist nichts, was man einfach so kann. Das ist ein bißchen Talent. Aber die Technik, der persönliche Schreibstil, sind Dinge, die man üben muß, die sich weiterentwickeln. Autoren und Texter  sind wie der eingangs erwähnte Champagner, Whisky oder Käse: je älter, je besser. Das hat mit der praktischen Übung zu tun, mit vollen Schubladen und post-its, einfach mit einem größeren Schatz an Lebens- und Berufserfahrung, den man kreativ nutzen kann und auch mit einem größeren Wortschatz. Das bedeutet …

little blogshop | Der rote Faden

Der rote Faden … ist ein bißchen wie literarischer Sex mit dem Leser. Als Autoren fangt Ihr ein bißchen am Ohr an zu knabbern, dann schubbert ihr etwas an der Schulter, arbeitet Euch in Richtung Bauchnabel vor und dann passiert es! Während Eure Leser gebannt vor dem Bildschirm sitzen, gefesselt vom Text, mit zuckenden Schenkeln (also den literarisch metaphorischen, es sei denn, Ihr schreibt irgendwas Nebliges in Grau…) und mit allen Sinnen wach und bei Eurem Text, ungeduldig jede neue Zeile verschlingend, jedes Wort in sich aufsaugend … und dann fangt Ihr plötzlich wieder am Ohr an. Ja, dann ist die Stimmung dahin. Es geht in diesem Kapitel um den roten Faden, die Textstruktur. Und das hat beim Schreiben wenig mit Leidenschaft zu tun, sondern mit einem Plan und Kontrolle. Eine der Fragen, die sich uns heute stellen, ist die: “Was ist der Höhepunkt meiner Geschichte?“ Um diese Antwort zu finden, schauen wir auf unseren Text. Wir brauchen in unserem Text einen Anfang, einen Mittelteil und ein Ende. Also eine Drei-Akt-Struktur. Zu Beginn stellen wir …

Schreibworkshop | Wem die teutsche Sprache recht und teuer …

Alles fing mit dem Ärger in Babel an: großer Aufruhr, Ansage von ganz oben … dann hatten wir den Salat. Oder so ähnlich. Sprache ist lebendig, immer in Bewegung und ein wunderbares Mittel sich auszudrücken. Durch Worte Stimmungen, Gefühle, Atmosphäre, Witz, Originalität zum Ausdruck zu bringen ist ein Privileg der Menschen. Sprache unterscheidet sich. Es gibt die „Amtssprache“, eine Fremdsprache, die man leider noch nicht bei der VHS belegen kann. Es gibt wissenschaftliche Fachsprachen, Alltagssprachen, gesellschaftsgebundene Sprache, gehobene Sprache, Bettgeflüster, Babysprache, Akzente, Slang, Mundart, Dialekte und die ganz persönliche, individuelle Sprache. Das ist toll, aber spätestens beim Niederschreiben fangen die Probleme an. Wortentlehnungen aus anderen Sprachen schreiben sich anders, als sie ausgesprochen werden, manche Wörter schreiben sich mal so, mal so – und dann noch Satzzeichen. So ein Punkt ist was Feines. Er kommt immer am Ende und dann ist gut. Da kann man nicht so viel verkehrt machen, aber Kommata, urggss. Aber noch einmal von vorne. Und etwas ernster bitte schön. Das ist ein trockenes Thema, da wollen wir den Spaß doch gleich im …