Women only... im September
Auf die Frage, ob ich Haustiere mag, musste ich zugeben, dass wir eine Katze besitzen. Tatsache ist aber auch, dass ich eine Katzenallergie habe und Pflanzen bevorzuge. Die kratzen nicht an der Tapete und man kann auch mit ihnen reden. So nämlich geschehen, nachdem wir aus dem Urlaub zurück gekehrt waren.
Als ob die Auslandserfahrung nicht schon Aufregung genug war. Denn Straßenverkehr ist etwas, was in Litauen sehr, SEHR frei interpretiert wird. Fußgängerampeln gibt es nur sehr selten, dafür aber großzügig gestaltete Zebrastreifen, besonders an mehrspurigen, vielbefahrenen Straßen.
Nur, da hält keiner.
Wir haben unsere Kinder an den Händen gepackt, hektisch nach links und rechts geguckt und sind dann um unser Leben rennend über die Straße gehechtet. Zur Verteidigung sei aber gesagt, es gibt auch lebensbejahende Autofahrer, die anhalten.
Also, an der allerersten Spur, so kommt man denn schon mal die ersten drei Meter sicher rüber, sollte dann aber doch lieber einen zweiten und dritten Blick riskieren, denn selbst aus der Entfernung heranrasende Autos, die den Vorgang erkannt und bewertet haben, halten nicht automatisch an und so findet man sich dann mitten auf der Straße wieder, von zügig den vierten Gang ausnutzenden Litauern, denn das haltende Auto hinter einem ist längst am Horizont verschwunden.
So weit, so gut.
Für den komfortablen Transport wurde uns der örtliche Busverkehr empfohlen, der neben Linienbussen auch, und das ist wirklich nachahmenswert, kleine Bustransporter beinhaltet, die an jeder beliebigen Stelle durch kurzes Winken zum Anhalten bewegt werden können. Nun ist so ein kleiner Bus in einem vorherigen Leben mal ein Transporter gewesen, der in liebevoller Handarbeit zum Beförderungsmittel umgebaut wurde, mit Haltestangen, Sitzen und manchmal auch Teppich mit Troddeln an der Windschutzscheibe, um dem Ganzen doch eine persönlichere Note zu verpassen.
Das die Karosserie bereits ihre Halbwertszeit deutlich überschritten hat und so ein Gefährt nicht einmal in die Nähe eines deutschen TÜV Sachverständigen kommen würde, stört dort eigentlich gar nicht und niemanden.
Funktioniert, fährt, alles wunderbar.
So steigen wir denn etwas umständlich über eine Beifahrertür ein und klettern nach hinten durch, nachdem wir freundlich "Labas", "Hallo" gesagt und einen undefinierbaren Haufen Münzen dem Fahrer in die Hand gedrückt haben.
Der fährt dann auch ganz beschwingt los, fängt - während der Fahrt - an, in seinem Tee rumzurühren, der sehr nach einer gesättigten Früchteteelösung aussieht und kramt in aller Entspanntheit nach seinem Handy, in das er dann auch wild gestikulierend einredet. Derweil wir auf einer zweispurigen Schnellstraße in das vier Kilometer entfernte Stadtzentrum fahren...
Als ob die Auslandserfahrung nicht schon Aufregung genug war. Denn Straßenverkehr ist etwas, was in Litauen sehr, SEHR frei interpretiert wird. Fußgängerampeln gibt es nur sehr selten, dafür aber großzügig gestaltete Zebrastreifen, besonders an mehrspurigen, vielbefahrenen Straßen.
Nur, da hält keiner.
Wir haben unsere Kinder an den Händen gepackt, hektisch nach links und rechts geguckt und sind dann um unser Leben rennend über die Straße gehechtet. Zur Verteidigung sei aber gesagt, es gibt auch lebensbejahende Autofahrer, die anhalten.
Also, an der allerersten Spur, so kommt man denn schon mal die ersten drei Meter sicher rüber, sollte dann aber doch lieber einen zweiten und dritten Blick riskieren, denn selbst aus der Entfernung heranrasende Autos, die den Vorgang erkannt und bewertet haben, halten nicht automatisch an und so findet man sich dann mitten auf der Straße wieder, von zügig den vierten Gang ausnutzenden Litauern, denn das haltende Auto hinter einem ist längst am Horizont verschwunden.
So weit, so gut.
Für den komfortablen Transport wurde uns der örtliche Busverkehr empfohlen, der neben Linienbussen auch, und das ist wirklich nachahmenswert, kleine Bustransporter beinhaltet, die an jeder beliebigen Stelle durch kurzes Winken zum Anhalten bewegt werden können. Nun ist so ein kleiner Bus in einem vorherigen Leben mal ein Transporter gewesen, der in liebevoller Handarbeit zum Beförderungsmittel umgebaut wurde, mit Haltestangen, Sitzen und manchmal auch Teppich mit Troddeln an der Windschutzscheibe, um dem Ganzen doch eine persönlichere Note zu verpassen.
Das die Karosserie bereits ihre Halbwertszeit deutlich überschritten hat und so ein Gefährt nicht einmal in die Nähe eines deutschen TÜV Sachverständigen kommen würde, stört dort eigentlich gar nicht und niemanden.
Funktioniert, fährt, alles wunderbar.
So steigen wir denn etwas umständlich über eine Beifahrertür ein und klettern nach hinten durch, nachdem wir freundlich "Labas", "Hallo" gesagt und einen undefinierbaren Haufen Münzen dem Fahrer in die Hand gedrückt haben.
Der fährt dann auch ganz beschwingt los, fängt - während der Fahrt - an, in seinem Tee rumzurühren, der sehr nach einer gesättigten Früchteteelösung aussieht und kramt in aller Entspanntheit nach seinem Handy, in das er dann auch wild gestikulierend einredet. Derweil wir auf einer zweispurigen Schnellstraße in das vier Kilometer entfernte Stadtzentrum fahren...
Es muss eine Schnellstraße sein, auch wenn Geschäfte und Wohnhäuser die Straße säumen, denn der Fahrer in Sporthose und Netzhemd reizt fröhlich das Getriebe aus und fährt mit etwa 80 Sachen weiter, nun weitchweifig auf litauisch am Handy parlierend, durch den Ort. Mit Interesse verfolgen wir einen Supermarkt der Kette "Iki" und eine rote Ampel direkt vor unser Nase, auf die der Bus noch eben mal schnell beschleunigend drauf zu hält, um dann fünf Meter vor der - immer noch – roten Ampel eine Vollbremsung zu vollführen.
Man kann wirklich nicht behaupten, dass der Bus seinem Ruf der unkomplizierten und schnellen Beförderung keine Ehre macht, denn währen der Anfahrt schert er völlig unvorhersehbar auf die linke Spur aus, was einen russischen Mercedes zu wildem Gehupe auffordert und beschleunigt nun auf etwa 70km/h, während wir nach einem Blick auf die Karte bereits in der Innenstadt sind - nun gut - und zieht plötzlich rechts rüber, um nach einer weiteren Vollbremsung und Ausbremsung eines Linienbusses quer auf dem rechten Streifen zu halten.
Zumindest Teile des Busses, denn einige Bereiche scheinen noch der Fliehkraft folgend in Bewegung zu sein. Habe ich schon erwähnt, dass sich meine Finger verkrampft um ein speckiges Polster klammern? Eigentlich könnten wir jetzt auch mal aussteigen. Also krabbeln wir wieder nach vorne zum Fahrer, dessen Windschutzscheibe weitläufige Risse an Stellen vorweist, die vermuten lassen, dass das Aufstehen während der Fahrt jemand anderem nicht sonderlich gut bekommen ist und zeigen auf eine etwa einen Kilometer voraus erkennbare Tankstelle, an der wir auszusteigen gedenken.
Der Fahrer, der übrigens Otto heißt, wie wir im Laufe der Fahrt erfahren haben, sieht kurz von seinem Handy auf, nickt verständnisvoll und entlässt uns mehrere hundert Meter vor der Tankstelle an einer roten Ampel nach einem erneuten kunstvollen Beschleunigungs-Vollbremsungsmanöver und sagt: „Da, Du hier raus!“ Ich meine, wo er doch schon mal hier hält?! Noch nie habe ich mit so viel Inbrunst und Hingabe „Aciu“ „Danke“ gesagt, als ich meine Kinder hektisch aus dem Auto schupsend, an Otto vorbei krieche. Bevor ich aber die Tür schließen kann, wechselt die Ampel auf Grün und Otto nimmt schwungvoll Anlauf, so dass die Tür von alleine zuschlägt, während der Fahrt und irgendwo auf der Kreuzung. Ich bin wirklich dankbar, die Fahrt überlebt und das litauische Geschoss heil und in einem Stück verlassen zu haben und ich bin fasziniert. Denn Otto ist nicht der einzige, der ganz offensichtlich dem Schumacher-Syndrom erlegen ist, aber irgendwie funktioniert es.
Und ich glaube, ich werde unserem deutschen Verkehrsminister einen Brief schreiben, solche Kamikaze-Busse brauchen wir nämlich dringend in Deutschland – für ein entspannteres Miteinander...
Man kann wirklich nicht behaupten, dass der Bus seinem Ruf der unkomplizierten und schnellen Beförderung keine Ehre macht, denn währen der Anfahrt schert er völlig unvorhersehbar auf die linke Spur aus, was einen russischen Mercedes zu wildem Gehupe auffordert und beschleunigt nun auf etwa 70km/h, während wir nach einem Blick auf die Karte bereits in der Innenstadt sind - nun gut - und zieht plötzlich rechts rüber, um nach einer weiteren Vollbremsung und Ausbremsung eines Linienbusses quer auf dem rechten Streifen zu halten.
Zumindest Teile des Busses, denn einige Bereiche scheinen noch der Fliehkraft folgend in Bewegung zu sein. Habe ich schon erwähnt, dass sich meine Finger verkrampft um ein speckiges Polster klammern? Eigentlich könnten wir jetzt auch mal aussteigen. Also krabbeln wir wieder nach vorne zum Fahrer, dessen Windschutzscheibe weitläufige Risse an Stellen vorweist, die vermuten lassen, dass das Aufstehen während der Fahrt jemand anderem nicht sonderlich gut bekommen ist und zeigen auf eine etwa einen Kilometer voraus erkennbare Tankstelle, an der wir auszusteigen gedenken.
Der Fahrer, der übrigens Otto heißt, wie wir im Laufe der Fahrt erfahren haben, sieht kurz von seinem Handy auf, nickt verständnisvoll und entlässt uns mehrere hundert Meter vor der Tankstelle an einer roten Ampel nach einem erneuten kunstvollen Beschleunigungs-Vollbremsungsmanöver und sagt: „Da, Du hier raus!“ Ich meine, wo er doch schon mal hier hält?! Noch nie habe ich mit so viel Inbrunst und Hingabe „Aciu“ „Danke“ gesagt, als ich meine Kinder hektisch aus dem Auto schupsend, an Otto vorbei krieche. Bevor ich aber die Tür schließen kann, wechselt die Ampel auf Grün und Otto nimmt schwungvoll Anlauf, so dass die Tür von alleine zuschlägt, während der Fahrt und irgendwo auf der Kreuzung. Ich bin wirklich dankbar, die Fahrt überlebt und das litauische Geschoss heil und in einem Stück verlassen zu haben und ich bin fasziniert. Denn Otto ist nicht der einzige, der ganz offensichtlich dem Schumacher-Syndrom erlegen ist, aber irgendwie funktioniert es.
Und ich glaube, ich werde unserem deutschen Verkehrsminister einen Brief schreiben, solche Kamikaze-Busse brauchen wir nämlich dringend in Deutschland – für ein entspannteres Miteinander...
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Women only... im September
"Das Schumacher-Syndrom"
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Gedicht "taomi"
erscheint in der Bibliothek Deutschsprachiger Gedichte Band XII !!!

