Warum wir Psychopathen in Büchern brauchen

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Warum wir Psychopathen in Büchern brauchen

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Wo fängt Wahnsinn an? In Büchern dürfen Psychopathen Grenzen überschreiten, den Helden herausfordern, stellvertretend für unsere dunklen Seiten böse, unberechenbar und irrational handeln. Was motiviert sie? Rache, verletzte Gefühle, Zurückweisung… Wie eng liegen Genie und Wahnsinn beieinander? Wie gehen wir im realen Leben mit unseren inneren Dämonen um?

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In Büchern muß es Voldemorts, Bourbon Kids und Saurons geben, damit wir unsere eigene Dunkelheit besiegen lernen und mit dem Helden wachsen können.

p.s. John Nash war absolut kein Psychopath! Aber durch die Schizophrenie in eine innere Hölle gerissen. Was mich zu diesen Gedanken anregte.

 

Und was hat das jetzt mit diesem Buch zu tun?

In den wenigen Sätzen liegt zu viel Potential missverstanden zu werden. Die Grenzen zwischen psychisch normal (wer sagt, was normal ist?) und psychisch krank oder auffällig sind fließend. Der Neurologe Oliver Sacks hat auf unglaubliche Weise geforscht und seine Ergebnisse auf mitfühlende und auch humorvolle Art beschrieben. Ohne auf die Tränendüse zu drücken, geschweige denn Patienten ihre Würde zu nehmen.

Es ist unser Umgang mit psychischen Abweichungen, die diese Menschen ins Abseits stellt. Depressionen, psychische Erkrankungen sind nicht wie ein Beinbruch: Verband drum, ausgeheilt, zack, fertig. Sie sind unheimlich, unberechenbar und beängstigend, weil so schwer greifbar. Das gebrochene Bein sieht man. Die Hölle im Kopf nicht. Manchen Menschen macht das so sehr Angst, daß sie wütend werden. Weil sie selbst solche Gefühle kennen und/oder nicht zulassen können. Weil sie sich hilflos fühlen.

Figuren in Büchern können stellvertretend für uns alle Gefühle ausleben, die wir in uns nicht zulassen können, die wir ablehnen. Ob das nun Wut, Neid, Missgunst, Hass oder Güte, Liebe, Gelassenheit sein mögen. Wir können sie in diesem geschützten Raum der Geschichte miterleben und im Lesen ausleben. Das kann Trost bedeuten und ein Ventil sein.

John Nash wurde als Mathematiker bewundert. Das war der Joker, denn Menschen ohne respektable Errungenschaft landen sofort in der Psycho-Schublade, geistige Retardierung eingeschlossen. Und nein, weder Schizophrenie, noch eine bipolare Störung noch PTBS schlägt pauschal auf die Intelligenz. Das sind cerebrale Dysfunktionen, so wie andere Leute Rheuma oder Diabetes haben. Nur, daß das für mehr Verständnis sorgt.

Ob nun speziell Psychopathen oder einfach assoziatonsfrei Antagonisten, wir brauchen sie in Büchern, damit wir daraus lernen, uns selbst verstehen und vieleicht darüber auch Toleranz und Verständnis aufbringen. Und um auf die Psychopathen zurückzukommen. Auch die haben eine Geschichte, allerdings kann das keine Entschuldigung sein, andere Menschen zu quälen, zu erschießen oder in die Luft zu sprengen. Wie sehr können also Bücher und damit verbunden Bildung dazu beitragen, Ventile und Räume zu schaffen, die Menschen, die wir als psychopathisch bezeichnen, davon abhält, derart furchtbar zu handeln?

(Der kurze  Text erschien auf Instagram als mein Beitrag zu einer Challenge. Insta ist kein Ort für epische Ausführungen, deswegen hier mehr.)


 

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