Tag Archives: WortKunst

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WortKunst

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little edition WortKunstIch mag Wörter. Ich mag ihren Rhythmus, ihre Dynamik, ihre Architektur, ihre mannigfaltige Bedeutung. Ich lese gerne. Geschichten, Gedanken, Tiefsinniges und Triviales. All das verschmilzt zu einem Nervendünger, der in meinem Kopf Kreativität möglich macht.

Ich mag Philosophie. Mich selbst, mein Sein und Tun hinterfragen. Der künstlerische Ausdruck ist auch immer philosophisch motiviert. Was will ich sagen? Wie drücke ich meine Individualität in meinem kreativen Schaffen aus? Welche Geschichte kann ich, habe ich zu erzählen?

Ich nenne es Gute-Nacht-Philosophie. Der Sprüche-Kalender mit Zitaten von Menschen, die nachgedacht haben. Die etwas zu sagen hatten. Ich schaue darauf, lese, lasse die Wörter, die Sätze auf mich wirken. Ich lasse Stimmungen zu, Launen, Atmosphären, die vom Gefühl der Botschaft getragen werden. Was hat das mit mir zu tun? Was macht diese Aussage mit mir? Gehört dieser Denkanstoß zu meinem Tag heute?

Ich denke, es ist eine Form der Meditation. Das Innehalten am Ende des Tages. Die Achtsamkeit gegenüber den quirligen kleinen Denkeinheiten, die den ganzen Tag ohne Unterlass ihre Pflicht erfüllt haben. Das Loslassen. Die Befreiung des Denkens durch ihre Zähmung. Ist das Wu wei? Ist das Denken im Nichtdenken?

Ich finde Entspannung im Wort. Der visuelle Reiz ist ein sanftes Streicheln. Wortkunst. Das Spielen mit Buchstaben und Formen. Ich habe das schon einmal versucht. Früher, sehr viel früher. Zu Beginn des Schreibens. Das Verschmelzen von Lyrik und Malerei zu einem gemeinsamen Wirken. Symbiotisch und ausschließlich.

Ich bin im Schreiben. In einem grenzenlosen, metaphysischen Schreibkosmos ohne Schwerkraft, ohne Richtung, ohne Weg. Ich schreibe. Ich bin. Die äußeren Grenzen lösen sich auf, das Hier und Jetzt ein unendlicher Raum voller Wörter, voller Möglichkeiten. Gibt es den Satz noch, der noch nicht geschrieben wurde? Die Geschichte, die noch nicht erzählt wurde? Die Masse an schon gedachten Gedanken ist einschüchternd. Gibt es einen Gedanken, den ich teilen könnte? Kann ich mit meinen Wörtern überhaupt noch jemanden berühren? Das ist meine Suche. Das ist mein Weg. Die Geschichte finden, die nur ich erzählen kann.

Das weltliche Leben, der weltliche Austausch ist voller Überraschungen. Ich tummle mich auf Twitter rum. Ich finde Menschen, die sich irgendwie im gleichen Raum befinden. Ich bin neugierig. Ich will lernen. Ich will die kleinen, quirligen Denkeinheiten füttern. Ich lese. Zum Beispiel bei Marcus Johanus. Ich ertappe mich, wie meine Aufmerksamkeit anstelle bei seinem Blogbeitrag zuerst bei dem kleinen Typo-Art verweilt. Podcast-Erinnerung, er mag vielleicht nicht der Programmiernerd sein, aber er liebt diese neckischen kleinen Programme, die das Spielen mit Sprache ein bißchen komfortabler, ansehnlicher oder origineller machen. Ich lächle – ja. Darin finde ich mich auch wieder.

Dieses spezielle Typo-Art Gadget ist eine App, Notegraphy. Ganz einfach: Text reinhämmen, Style auswählen, going social /publizieren. Ein Horsd‘ œuvre um in Lesestimmung zu kommen. Ich probiere es aus und sofort bin ich gedanklich bei all dem, was ich zu Beginn geschrieben habe. Notegraphy gibt mir die Möglichkeit, meine eigene Gute-Nacht-Philosophie zu basteln.

Spaß mit Worten. Ich habe ein ausgeprägtes ästhetisches Empfinden. Ich besitze ein kleines, gemütliches graphisches Talent. Aber ich bin kein Graphik-Designer. Photoshop und ich – wir lassen uns im gegenseitigen Respekt in Ruhe. Nein, graphisch bin ich auf Menschen angewiesen, die das eindeutig besser können.

Ich beginne hier mein eigenes, neues WortKunst-Experiment. Mein Spaß mit Worten. Mal sehen, was sich daraus entwickelt. Wu wei.

 

Acknowledgement:

Wer Marcus Johanus gerne auf seiner Seite besuchen möchte, findet sie Hier.
Den von ihm und Axel Hollmann geführten Podcast, Die Schreibdilettanten gibt es Hier.
Axel Hollmann findet Ihr Hier.
Und zu Notegraphy geht es Hier.

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Texthure oder Auftragskunst

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Sich mit der eigenen Kunst prostituieren …  für Geld schreibe ich alles?

Ich schreibe. Das ist meine Kompetenz mit dem Ausrufezeichen dahinter. Angefangen hat das offizielle Schreiben, also die Auftragskunst, gefühlt 1873 (lies: 1993) bei der Jovel News in Münster. Zu dem Zeitpunkt war das Schreiben bereits so selbstverständlich wie das Atmen. Ich habe geschrieben und das fühlte sich richtig an.

Tee, Berufsbekleidung und Verblendziegel. Sich in eine völlig unbekannte Thematik einarbeiten, den Kern herausarbeiten und daraus überzeugende Werbung machen: eine neue spannende Erfahrung. Noch ein bisschen später wurde es dann wieder redaktionell und kleine Ausflüge in die gehobene Herrenbekleidung nebst informativen und unterhaltenden Artikeln aus einer kulturhistorischen Perspektive waren die Highlights. Ja, das mochte ich. Und ich habe viel gelernt. Über das Schreiben, über unterschiedliche (Werbe-)Medien und noch mehr über Menschen.

Werbetexter schreiben im Auftrag anderer für andere über anderes.

In den meisten Fällen weiß der Kunde, daß er ein Werbeteam braucht, um seine Sache richtig zu verkaufen. Werbetexter sind Dienstleister. Sie liefern Konzepte, Ideen und Text. Manchmal ist der Projektdialog zwischen Werber und Kunde aber auch durch eine sehr vage Vorstellung oder Tunnelwahrnehmung vom Leistungsspektrum eines Werbetexters limitiert. Dazu fällt mir folgender köstliche Dialog ein:

Ich: „Schauen Sie sich doch mal diesen Artikel an, der ist von mir.“
Kunde: „Sie meinen, Sie haben den korrigiert!“
Ich: „Nein, den habe ich schon selber geschrieben.“
Kunde: „Sie können auch schreiben?“

Offensichtlich wurde mein Kompetenzprofil im Vorfeld nicht ausreichend recherchiert, wie auch in diesem Telefonat:

Kunde: Ich habe Ihre Nummer aus den Gelben Seiten. Wir wollen unseren Wohnwagen verkaufen. Können Sie da so ein Schild zum Hinstellen schreiben und das auch so mit Plastik machen?“

Solche doch recht erheiterlichen Missverständnisse zeigen aber auch die Diskrepanz zwischen dem, was der Auftraggeber glaubt zu bekommen und dem, was der Beauftragte leisten könnte. Lassen sich Kreative überhaupt an die Leine legen? Nicht immer finden gute Ideen Anklang beim Publikum, manche Idee ist eine Schnapsidee und sollte es auch bleiben. Ist das vom Kunden vorgegebene Korsett zu eng, kriegt der Texter keine kreative Luft. Und der Kunde bringt sich selbst um die Chance, effektivere Werbemaßnahmen zu durchdenken, ausgetretene Werbepfade zu verlassen und sich selbst als Marke aus einer neuen Perspektive zu verstehen.

Ist Werbung Auftragskunst?

Goya, Vermeer, da Vinci, Michelangelo… lebten von Auftragskunst. Das ist Segen und Fluch zugleich. Francisco de Goya malte zunehmend sozialkritischer, politischer und seine Persönlichkeit schien durch seine Auftragsarbeit durch, was ihm Kritik, Häme und den Ausschluss aus einigen konservativen Kreisen bescherte. Kunst als der vom Auftraggeber vorgegebene Käfig, in dem sich die künstlerische Muse entfalten darf und dadurch künstlich wird. In diesem Kontext erscheint die Auftragskunst wie ein negativ assoziierter Brotjob: wie der Schauspieler, der in einem B-Movie mit miesem Plot und schlechten Dialogen spielt, um seine Miete zu bezahlen, von der Künstlersozialkasse mal ganz abgesehen. Hat er eine Wahl?

Im positiven Sinne verstanden ist Auftragskunst das mit Freude zur Verfügung gestellte Talent. Dann macht die Arbeit Spaß. Dann ist der Spaß die Arbeit: wenn ich mich als Werbetexter mit dem Produkt und den Menschen dahinter identifizieren kann. Werbung ist aber ebenso Kommunikation. Zu Beginn noch einseitig vom Produkt zum Endverbraucher/Konsumkunde, ist spätestens seit dem Internet und Social Media durch den Rückweg vom Endverbraucher zum Produkt der Dialog entstanden, der neue Marketing-Strategien ermöglichte und erforderte.  Der Werberaum, in dem sich Werbekunde/Produkt und Werber bewegen, ist größer geworden, birgt Gefahren sich zu verzetteln sowie neue Werbewege und Chancen. Innerhalb dieser Strukturen ist auch die Beziehung zwischen Auftraggeber(Werbekunde) und Auftragskünstler (Werber) nicht so weit entfernt von der Beziehung zwischen Marke und Testimonial. Eine Win-Win-Situation durch gegenseitiges Aufmerksamkeitsbefruchten. Masse oder Klasse entscheidet also über den Status Texthure oder Auftragskünstler.

Früher nannte man das schlicht Klinken putzen.

Am Ende wollen alle verkaufen. Der Kunde sein Produkt, der Werber seine Dienstleistung, der Endverbraucher sich selbst. Social Media als instrumentalisierte Aufmerksamkeitsdefizit-Therapie.

Das ist provokativ. Das sind überhaupt ganz viele Gedanken und angerissene Diskussionsthemen. Kann man das so stehen lassen?  Das ist mein persönliches Qualitätsmanagement: die kritisch hinterfragende Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle, mit dem eigenen Können. Abgrenzung, um sich wieder annähern zu können. Ich freue mich und bin stolz, wenn meine Arbeit dazu beiträgt, daß ein Produkt, ein Kunde durch meine Arbeit gut ankommt. Wenn meine (Auftrags-)Kunst genau das leistet, was sie soll und ich dabei meinem eigenen Anspruch gerecht werde, gute Arbeit zu leisten. Denn das ist ja auch das, was sich der Kunde von mir wünscht und erwartet. Und deswegen nehme ich mir das Recht und die Zeit zu prüfen, ob Produkt/Kunde und ich zusammenpassen.

Schreiben für Geld, aber nicht um jeden Preis.

 

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