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Die Geister, die ich rief – der Hashtag #

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little-editionDie kleine Reiseherde trottet ihm brav hinterher, dem feuerroten Regenschirm, den der Reiseleiter in die Höhe hält, damit alle ihn sehen können. Der Hashtag erfüllt die gleiche Funktion im web: hinter dem Symbol # folgt ein Schlagwort oder auch eine kreativ zusammengewürfelte Reihe an Wörtern, die ohne Leerzeichen angefügt werden.

Gebe ich zum Beispiel bei Twitter #lbm16 ein, finde ich alle Tweets und Verlinkungen innerhalb Twitter, die durch das #lbm16 markiert oder “denglish” getagged wurden. In diesem Fall alles zur Leipziger Buchmesse.

Je spezifischer so ein Hastag ist, umso eindeutiger die Ergebnisse. Bei #mode kann ich lange und ohne Gewähr suchen, bis ich vielleicht die Louboutins aus der Frühjahrskollektion von 2012 finde. Bei#louboutin12 könnte es sich vielleicht sogar um ein Gewinnspiel handeln, zu dem es ganz konkrete Beiträge zu diesem Ereignis gibt.

Ein Hashtag hilft, Informationen zu bestimmten Inhalten und Themen zu finden. Ist also überaus nützlich, wenn man auf eigene Beiträge verweisen und aufmerksam machen will. Ein Hashtag-Gewitter erschlägt mich eher, ist aber weit verbreitet. Die Streuung durch mehrere Hashtags ist definitiv breiter, aber ob sie dann auch relevante Adressaten anspricht?

Beispieltweet:

“Neuer Beitrag im blog: alles über Frühjahrsblüher #blume”

  • ist unspezifisch und ein bisschen mager, um nicht zu sagen blutleer

“Neuer Beitrag im blog: alles über Frühjahrsblüher #Tulpe #Frühjahr #Grün #Krokus #Sonne #Temperatur #kurzehosen #totehosen #März #Sonnenbrand #Fruehlingserwachen #Maulwurf #rosa #pinkdiamond #Sonne #Graswachsenhören #”

-eindeutig zuviel des Guten und ich frage mich auch, ob Fans der Toten Hosen per se gartenaffin sind, der Maulwurf den KGB auf den Plan ruft und sich Nagellackjunkies die Hände im Garten dreckig machen würden

“Neuer Beitrag im blog: alles über Frühjahrsblüher #fruehlingserwachen #tulpe #frittilaria meleagris”

  • aller guten Dinge sind drei und es macht Sinn, nach der relevanten Zielgruppe zu schielen: ist der Blog ein inhaltlich fundierter Gärtnerblog oder Lieschen Müller aus dem Schrebergarten? Welche Leser ich über den Hashtag erreichen will, gibt die Schlagworte vor.

Wie so ein Hashtag auch nach hinten losgehen kann, zeigt das (von mir anonymisierte) Beispiel eines Verlages.  Der Verlag “droelfzig” hatte ein Jugendbuch mit dem Titel “Diamond-Scrubber” (am. Slang für “Flittchen”) rausgebracht. Nun hatte der Verlag zu einem Gewinnspiel aufgerufen, unter dem #scrubber Photos zu posten, die den besonderen Juwelenmoment im Leben eines Teenagers zeigen sollten. Was ist passiert …

Neben ein paar anorektischen, überschminkten Teenagern sah man übergewichtige, farbige, tätowierte Damen in Netzschläuchen, die mit dem voluminösen Po vor der Kamera herum wackelten, die sich dann aber endlich umdrehten, nur um sich die ebenfalls voluminösen Brüste zu kneten.

Auf meine sehr freundliche Nachfrage antwortete der Verlag, daß “scrubber” nun mal der Titel des Buches sei und der Hashtag deswegen gewählt worden sei und für andere Inhalte zu diesem Hashtag sei man nicht verantwortlich.

Ich konnte es mir nicht verkneifen, nachdem ich mich artig für die Antwort bedankt habe, zu fragen, ob dann auch die tätowierte Dame, die breitbeinig auf einer Toilette sitzt, in der einen Hand eine Flasche Jägermeister, in der anderen eine Pistole, während ein ebenfalls überproportional tätowierter Herr zwischen ihren Beinen kniet, am Gewinnspiel teilnimmt. Denn ein Juwelenmoment ist das ja … irgendwie …

Die Social Media Abteilung hat schlicht versäumt, die Reichweite und Nutzung des Hashtags #scrubber vorher zu prüfen. Mit der einfachen Erweiterung auf #scrubbergewinnspiel oder #scrubberbuch wäre der Hashtag zwar nicht mehr kurz und knackig, aber dafür jugendfrei. Und gerade als Jugendbuchverlag ist das für mich aus Marketingsicht und einer generellen Verpflichtung (siehe Internet und Erziehungsauftrag) doch nun selbstredend.

Auch viele eigentlich harmlos anmutende Schlagwörter werden gerne missbraucht, um unangemessene Inhalte zu verbreiten, die gegen die Richtlinien derjenigen Plattform verstoßen. Insofern ist die Auseinandersetzung mit Hashtags auch für Blogger relevant. Ein Lifestyleblogger, der fröhlich von #myhomemycastle schreibt, möchte auch nicht mit pornografischen Inhalten in Verbindung gebracht werden, deren Konsumenten dann ja auch nicht die primäre Zielgruppe für den Blog sind.

Wie nutzt Ihr Hashtags und/oder Schlagwörter? Macht Ihr Unterschiede bei den Hashtags abhängig von der Social Media Plattform? Seid Ihr mehr #-Puristen oder nehmt Ihr jeden Hashtag, den Ihr kriegen könnt?

 

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little edition

Gut geplant ist halb geschrieben

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little editionWie fast immer ist Pinterest eine unerschöpfliche Quelle der Inspiration. Auf der Suche nach Ordnung und Struktur für die Zettelwirtschaft, Post und Unterlagen landete ich zwangsläufig beim Command Centre, wie die englischen oder amerikanischen Variationen heißen. Das Schöne ist, jede der Kommandozentralen, die ich gefunden habe, wurde an die Bedürfnisse und die Platzverhältnisse angepasst. Es gab eine irre Bandbreite an Möglichkeiten, Ideen und praktischen Umsetzungen.

 

So eine Kommandozentrale brauche ich auch!

Die Wohn- und Arbeitssituation ist räumlich überschaubar. Kein Loft, kein “industrial look”, keine atmosphärische Weite. Wie und vor allem wo Raum schaffen? So feng-shui-technisch und ganz praktisch gedacht wäre ein zentraler Ort sinnvoll. Alles im Blick und man kommt immer dran vorbei. Ich habe also überlegt, welche Information wie und in welcher Darreichungsform gesammelt und organisiert werden sollen. Post, Notizen, Termine, to-do-Listen, Übersichten.

Dann habe ich gemessen, welche Fläche all diese Dinge einnehmen, und die einzelnen Elemente solange auf dem Papier neu angeordnet, bis mir der Plan gefiel. Ich habe die zukünftige Kommandozentrale aus einer künstlerisch-architektonischen Perspektive betrachtet: Blickführung, ausgewogene Komposition, praktische Erwägungen.

 

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Die Grundlage für meine Kommandozentrale bildet ein Anstrich mit Tafelfarbe auf der gesamten Wandbreite im Treppenhaus. Ich renne hundert Mal am Tag rauf und runter, komme also immer an meiner Kommandozentrale vorbei. Im Treppenhaus ist genügend Platz und auf der Mitte ist sie gut und schnell erreichbar. Den unteren Rand bildet eine Ablage, die Ribba Bilderleiste von Ikea, die mir mein Haus&Hof-Tischler passgenau zugesägt hat. Die 11cm in der Tiefe nehmen kaum Platz weg, stören also nicht und bieten genügend Platz für Stifte, Klebenotizen, Marker und Kreidestifte.

Oben habe ich, weil es dann doch etwas düster ist, zwei Strahler montiert, deren Strom derzeit noch mittels Verlängerungskabel über Land verlegt ist. Das soll aber mal schicker… Die Mitte bildet ein fünfspaltiger Familienplaner, der von einer Magnetwand und einem Zeitungshalter eingerahmt wird. Rechts und links daneben oben ein Bilderrahmen, darunter jeweils zwei Klemmbretter und unter jedem Klemmbrett ein Metallkorb. To-do-Listen, Unterlagen, Zettelwirtschaft, alles an einem Ort und ordentlich sortiert. Soweit so gut.

 

Die Planungsebene: Projekte, Texte, Beiträge, Ideen

Auf der nächsten Ebene fehlte mir noch ein übersichtlicher Plan für Beiträge, Projekte und potentielle Themen oder Gedanken. Für Blogger gibt es zum Beispiel Blogplaner, die sehr liebevoll von anderen Bloggern entwickelt und zum Download angeboten werden. Bei mir war’s das irgendwie nicht. Und ich sträube mich ja auch vehement gegen das Etikett Blogger.

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Für Notizen und Listen nutze ich OneNote, mit dem ich gut klarkomme.  Evernote sprang mich nicht an. Für die Projektkoordination nutze ichTrello. Bei den meisten Cloud-Diensten und Organisationsapps (wie bei Trello, OneNote, Dropbox…) können weitere Nutzer eingeladen oder Teams gebildet werden. Inhalte werden gemeinsam bearbeitet und gepflegt, unnötige und umständliche Kommunikationswege sind passé. Generell mag ich handschriftliche Notizen und Pläne lieber und war richtig glücklich, als ich im Writersworkshop von Richard Norden auf ein Freebie mit einem Monatsplan stieß. Wahlweise mit Ausfüllfunktion am PC oder rein manuell. Großes Danke, denn der Produktivplan ist exakt das, was ich brauche und nutze.

 

Die digitale Stempelkarte: Timetracking per APP

Warum ist das sinnvoll, seine Arbeits- und Schreibzeiten zu protokollieren? Weil es einem helfen kann, sich zu disziplinieren und nicht nebenbei schnell mal die Mail zu schreiben, bei Pinterest zu gucken oder ein paar Bücher zu bestellen. Auf der anderen Seite zeigt es einem auch, wie arbeitintensiv ein Beitrag, die Arbeit am Manuskript sein kann. Und rein dienstlich stellt sich die Frage gar nicht. Ich muß doch schließlich wissen, wie lange ich für einen Kunden geschrieben habe.

Zu Beginn habe ich noch Terminplaner benutzt und dort Arbeitszeiten für einzelne Aufträge und Projekte notiert. Inzwischen nutze ich dafür eine App: ich hab’s gerne übersichtlich und teste deswegen sowohl Toggl, als auch TimeTrack. Toggl funktioniert in der Basisversion auf dem Desktop/Browser und als App auf dem Smartphone (Android und Iphone) und bietet ein übersichtliches Trackingtool. TimeTrack hat ebenfalls eine kostenlose Basisversion mit der Möglichkeit, Rechnungen, Datentabellen und Diagramme zu erstellen. Clouding ist jedoch nur kostenpflichtig in der Pro-Version möglich. Caudia Kauscheder empfiehlt in Ihrem Homeoffice-Artikel die App Rescuetime. Auch hier gibt es eine kostenlose Basis- und eine kostenpflichtige Proversion. Die Leistungen dürften bei allen ähnlich bis identisch sein. Auf t3n (hier geht’s zum Artikel) gibt es einen ganz informativen Bericht über verschiedene Zeiterfassungsanwendungen. Je nachdem, welches Design man bevorzugt und mit welcher App man besser klarkommt, entscheidet dann nur noch das Budget über die Funktionsbreite.

 

Schreibtools – auf die Tasten, fertig, los

Auch wenn es um das Schreiben selber geht, gibt es Hilfsmittel und Programme, die je nach Anspruch und Erwartung das Passende zu bieten haben. Ich habe über den writerworkshop von Richard Norden (Ihr seht, der Mann taugt!) vor ein paar Jahren Scrivener entdeckt. Das Schreibprogramm aus Cornwall läuft für Mac/Windows und bietet eine kostenlose Trial-Version. Eine gute Struktur nebst Pinnwand und netten, kleinen Funktionen, die für eine übersichtliche Organisation sorgen, räumen mit dem Schreibdurcheinander auf. Ich bin mir sicher, daß ich auch noch nicht das volle Potential ausgeschöpft habe.

Das deutsche Pendant ist das Programm Papyrus Autor, welches mit einem integrierten Duden Korrektor punktet. In der Anschaffung teurer als Scrivener, dafür wieder mit anderen Zusatzangeboten. Papyrus bietet eine Demo-Version zum Ausprobieren an. Ein Versuch lohnt immer.

So ganz analog schreibe ich mit einem Lamy oder dem, was gerade so rumliegt: Bleistifte Kugelschreiber, Kalligraphiefüller. Bei Zetteln bin ich völlig unprätentiös und bevorzuge den guten alten Collegeblock ohne Tamtam und Gedöns. Sachbücher werden mit Post-it’s gepflastert und mit Textmarkern veredelt.

Wie auch immer, was auch immer jeder zum Arbeiten braucht oder bevorzugt, es schadet nicht, unterschiedliche Methoden und Hilfsmittel auszuprobieren. Denn eine gut geplante Arbeitsstruktur erleichtert nicht nur den Arbeitsalltag, sondern macht auch das Schreiben einfacher, übersichtlicher und organisierter. Mehr Freude am Schreiben, mehr Produktivität und mehr Zeit für das Leben drumherum.

Habt Ihr einen guten Tipp oder Erfahrungen mit Apps und Schreibprogrammen? Dann schreibt mir doch, für kreativen Input bin ich immer zu haben!

 

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Würde ich verkaufen wollen, wäre ich Vertreter geworden

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little editionNeulich stolperte ich über mehrere Artikel, in denen es um Selbstvermarktung ging und um Inbound als die Zukunftsstrategie und Contentstrategien. Ich hatte bereits die Idee im Kopf, die Eigenwahrnehmung bezogen auf Selbstvermarktungsdruck und -notwendigkeit aus meiner Perspektive zu erzählen. Also, wenn nicht jetzt, wann dann? Im Marketing beschreibt Inbound den Weg, durch Inhalte zu überzeugen und so aus Besuchern Kunden und Fans zu machen, frei nach dem Motto “gefunden, für gut erachtet und weiterempfohlen”. Outbound ist die gute alte One-Way-Werbeansprache an den Kunden mittels Anzeigen, Spots … also “wenn ich mich dem Kunden in den Weg schmeiße, muß er mich auch sehen”. Das ist jetzt so grob, worum es dabei geht.

 

Ob nun als Fotograf, Autor oder Steuerberater, ich bin Unternehmen und Produkt in einer Person.

 

Als Texter und Freiberufler vermarkte ich mich selbst. Weder als Texterin, noch als Autorin betreibe ich Outbound, ich schmeiße mich dem potentiellen Kunden also nicht an den Hals. Im Gegenteil, ich sitze wie eine Spinne geduldig am Rande meines Netzes und spinne meine Fäden. Ja … die Assoziationskette funktioniert bei Euch in Nanosekunden. Ich schreibe weiter, wenn Ihr ausgelacht habt… Das Bild mit dem Spinnennetz ist in der Tat eine ganz brauchbare Metapher, viel besser als die Schnecke, die eine Schleimspur hinterläßt! Igitt.

So ein Spinnennetz wächst ganz organisch und ist ebenso natürlich in seine Umwelt eingebettet. Das Netz sind die Inhalte, die ich bereitstelle, um potentiellen Kunden mein Angebot und den damit verbundenen Nutzen zu vermitteln. Und nein, ich bin keine Schwarze Witwe, die heimtückisch auf der Lauer sitzt, bis sich ein wehrloser Kunde in meinem Netz verfängt. Ich spinne auch niemanden als Abendessen ein. Mein Netz ist nicht klebrig und man kann sich nur dann darin verfangen, wenn man über der Faszination des Lesens (ich schreibe ganz tolle Texte!) die Zeit vergessen hat. Wäre ich ein Outbounder, käme ich als Säbelzahntiger daher, der keck hinter einem schönen Gebüsch hervorspringt und dann mit Gebrüll vor dem schlotternden Kunden hin und her schleicht. Auwei. Dann doch lieber eine mythologisch-griechische Sirene, deren verlockender Stimme niemand widerstehen kann. Ihr seht, anregende Assoziationen gibt es en masse.

Ich möchte den Gedanken mit dem Spinnennetz noch einmal aufgreifen. Um Erfolg zu haben, also mit meiner Dienstleistung “Schreiben” wahrgenommen zu werden, muß ich mich vermarkten. Was ich dabei als Erfolg definiere, entscheidet über die Vermarktungsstrategie. Will ich den Literaturnobelpreis? Will ich monatliche finanzielle Umsätze, die mir ermöglichen, Miete, Friseur und Brötchen zu bezahlen? Will ich mal ins Dschungelcamp oder per Du mit Stephen King sein?

 

Für einen langfristigen und dauerhaften Erfolg brauche ich ein systematisch aufgebautes Konzept, welches mein Erfolgsziel in einen Erfolgsweg übersetzt.

 

Und dafür brauch ich den USP (Unique Selling Proposition) oder in schönem Deutsch: das Alleinstellungsmerkmal. Was unterscheidet mich von tausend anderen Autoren und/oder Textern? Was macht mich kauf- und empfehlungswürdig? Was macht mich interessant und erinnerbar – merkwürdig im Sinne von würdig, in Erinnerung behalten zu werden?

Ich habe keine Marke, ich bin die Marke. Ich selbst bin das Produkt. Und wie könnte ich mich besser vermarkten, als mit dem Schreiben durch das Schreiben. Das Schreiben als Produkt ist gleichzeitig das Instrument, die Kommunikations- und Marketingstrategie. Schreiben über das Schreiben, sowohl thematisch als auch funktionell. Das ist Schreiben auf mehreren Ebenen. Oder denken. Oder beides.

Ich suche mir also Kanäle, in denen ich schreibend Inhalte schaffe, die sowohl Nähr- als auch Mehrwert bieten. Je nach Tagesform und Kommunikationskanal steht meine multiple Schreibpersönlichkeit der Sache kritisch gegenüber. Der Texter fordert Effizienz, der Autor möchte Qualität. Die Schreibtherapeutin möchte das ganz gruppendynamisch nochmal durchdiskutieren. Am Ende sitzen wir alle zusammen (also die Schreibpersönlichkeitsanteile) und brüten 17 Minuten über einem Tweet, den maximal drei Leute lesen und der in 2 Minuten kalter Kaffee ist. Der Texter will provozieren, will Kopfdiskussionen in Gang bringen, der Lyriker lehnt eine derartig unverfrorene Taktik kategorisch ab. Der Poet schwelgt in Bildern, verliert sich in der Sprache, der Werber rollt die Augen. Der Literat will Tee, der Schreiber Kaffee, Schokolade geht immer – spiel mit dem Klischee, johlt der Marketer.

Ganz beschwungen von dem Gedanken – jetzt haltet doch mal alle die Klappe, wir gehen das professionell an – fahre ich zur Bahnhofsbuchhandlung und erwerbe eine Ausgabe des “der selfpublisher”. Marketing für Autoren und für mich Selbstvermarktung von einem anderen Blickwinkel aus. Da hilft der Werbehintergrund. Sich immer wieder neu auf Themen, Inhalte einlassen: Als Texter bin ich extrem neugierig, wissbegierig, lerne gerne. Wie jemand, der an einem Buffet vom allem ein Häppchen probiert, anstatt sich den Teller turmhoch nur mit einem Gericht zu beladen. Auf dem Hinweg höre ich David Bowie, “Black Tie White Noise”. Das ist lässig und sophisticated zugleich. Auf dem Rückweg bin ich dann aber doch aufgeregt: intellektuelles Befruchten, was werde ich gleich herausfinden, was davon bringt mich weiter, was auf neue Gedanken? Es läuft P.O.D. “Here comes the Boom”. Tschakka.

Ich finde Bestätigung für das, was bei mir unter gesundem Menschenverstand, einfache Logik und beginnende Altersweitsicht läuft. Authentizität bei gleichzeitiger zielgerichteter Markenpersönlicheit. Macht ja auch Sinn.

 

Niemand erwartet von Stephen King eine romantische Schnulze ” Shining II – Liebesschwüre im Sonnenuntergang” oder einen intergalaktischen Erotikthriller “Fifty Shades of Dark Matter” von Stephen Hawking.

 

Das bedeutet für mich, Schreiben können andere auch, sich vermarkten, Ahnung verbreiten, aber diese meine multiple Schreibpersönlichkeit, die bringe nur ich mit. Schubladen brauche ich nicht. Ich lese Francis Crick und Sophie Kinsella, ich liebe Sissinghurst und Jamie Oliver, ich tapeziere selber und ich besitze einen Nagellack, irgendwo, glaube ich. Ich würde über Wimpertusche schreiben – für Geld – und ich rede privat nicht über das Schreiben, das ist mir heilig. Ich philosophiere über Schreibprozesse und bin auf Veranstaltungen die, in der letzen Reihe am Ausgang und die, die sich traut, wenn keiner den Mund aufkriegt.

Identifikationspotential vorhanden? Ist das jetzt Marketing oder authentisch? Der Werber ist berufsfrustriert von dem ganzen Butterfahrtkaffeerheumadeckenwerbeschrott. Der Lyriker sieht sein Seelenleben brutal der Öffentlichkeit ausgebreitet. Irgendwo zwischen Marke, Werbeverantwortlichem und Privatmensch liegen die Grenzen. Ein Pseudonym reicht da nicht, schon eher eine Pseudopersönlichkeit. Aber das will keiner kaufen. Authentisch, echt – nur wo Autor drauf steht, ist auch Autor drin?

Um sich selbst zu vermarkten, hilft es, zuerst und ganz für sich selbst Grenzen zu definieren. Wie präsentiere ich mich öffentlich. Wenn ich also eine Marke bin, was macht die Marke aus, was ist ihr Profil? Welche Schritte muß ich gehen, um meine Ziele zu erreichen? Frei nach Oprah Winfrey:

Schreib, was Du schreiben must, bis Du schreiben kannst, was Du schreiben willst!”

Inbound ist in der Selbstvermarktung eine wirksame Strategie. Über die Selbstdarstellung baue ich eine Beziehung zum potentiellen Kunden auf. Und genau das ist der springende Punkt. Kunden wollen kein anonymes Produkt, sie wollen einen Erlebniswert, ein Gefühl der Verbundenheit über die Marke besitzen.

 

Die Wahrnehmung von mir als Mensch überträgt sich auf die Erwartungshaltung auf mich als Produkt. Wenn ich mich gut verkaufe, verkaufe ich mich auch als Produkt. Der Trick ist, nicht verkaufen zu wollen.

 

Also sich nicht marktschreierisch jedem in den Weg zu schmeißen, krampfhaft Aufmerksamkeit erzwingen zu wollen. Schreiben über das Schreiben. Konsequent und ausdauernd. So wächst die Marke organisch, es bleibt Zeit um kleinere Korrekturen vorzunehmen, die Strategie anzupassen. Und es bietet einen Raum für Experimente. Davor sollte man keine Angst haben. Kleine Ausflüge in unbekanntes Terrain – Scheiterrisiko inklusive – schulen, härten ab, bieten Übungsfläche. Mit der Zeit und den Projekten entwickelt man  sich weiter, schärft das Profil und bekommt auch einen erfahrungsreicheren Blick auf sich selbst. Mir und meiner Persönlichkeitsstruktur kommt das entgegen. Denn wenn ich verkaufen würde wollen, dann wäre ich Vertreter geworden.

 

 

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Kommunikation – GFK auch im Web?

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Ich stehe in Husum beim Bäcker in der Schlange. Eine ältere Dame – aus der Generation, die so viel auf sich hält und es deswegen besser wissen müßte – bestellt grußlos und in pampigem Ton: “Einmal Pflaume, ein Käse-Sahne!” Die pädagogischen Bemühungen der Bäckereifachangestellten enden fruchtlos.

Fremdschämen ist angesagt. Und im Netz geht das noch schneller als an der Käsetheke um die Ecke. Im scheinbar anonymen Internet sind die Auswüchse fragwürdigen Gebahrens ebenso grenzenlos, wie die Möglichkeiten sich daneben zu benehmen. Cybermobbing ist Thema an jeder Schule, öffentliche Profile werden zur Einschätzung von Jobbewerbern akribisch analysiert und ausgewertet.

Gutes Benehmen ist ein Zeichen von Intelligenz.

Das habe ich meinen Kindern immer gepredigt. Es zeugt von Reflektionsvermögen und Respekt dem anderen gegenüber. Seinen Mitmenschen wertschätzend und höflich zu begegnen sollte selbstverständlich sein. Selbst, wenn man total aus der Haut fahren möchte, weil etwas überhaupt nicht klappt. Man kann trotzdem soviel Anstand wahren, den Gegenüber nicht in Grund und Boden zu brüllen, zu demütigen oder anderweitig verbale Gewalt zu verbreiten.

Man kann nicht nicht kommunizieren.
Paul Watzlawick

Aber wie kommuniziert man denn dann? Ein Grundgerüst gesellschaftlicher Umgangsformen, die Kommunikation einschließt, kann via Erziehung von Eltern zu Kindern weitergegeben werden. Dort wird die Basis definiert und der Nährboden, auf dem sich Charakter und Persönlichkeit entwickeln können; abhängig von Normen und Konventionen in einem kulturhistorischen Kontext und dem gern zitierten sozialen Umfeld. Auf der Grundlage einer psychologischen Betrachtungsweise ist die Art, wie ich kommuniziere, wie ich Botschaften und Inhalte sende, ein Spiegel meines Inneren.

Wie bringe ich das Innen nach Außen?

Ich fange bei mir selbst an: Privat wie dienstlich möchte ich höflich, freundlich, wertschätzend, respektvoll und der Situation angemessen mit meinem Gegenüber kommunizieren. Und ich erwarte das im besten Fall auch vom anderen. Manchmal posaune ich auch was raus, wo ich hinterher doch gerne einen Delete-Button drücken können würde. Dafür bin ich Mensch. Ich habe aber gelernt, Verantwortung zu übernehmen: für mich, mein Handeln und was ich unter Umständen eben so verbal verbocke.

Ich kann jedoch nicht für meinen Kommunikationspartner sprechen. Ich weiß nicht, wie seine Gefühlslage ist, welche Bedürfnisse er gerade hat oder welche Gefühle meine Worte in ihm auslösen. Und dann kommt es ja auch immer auf den Kontext, die Situation an. Deswegen sagt die Art, wie ich kommuniziere, auch mehr über mich aus und seine Reaktion sagt etwas über ihn aus. Können wir diese Erkenntnis in unsere Kommunikation einbinden? Und wenn ja, wie?

Ein Aha-Erlebnis hatte ich vor gut und gerne zehn Jahren, als ich auf die Gewaltfreie Kommunikation (GFK) aufmerksam wurde. Entwickelt wurde sie von dem U.S. amerikanischen Psychologen Marshall B. Rosenberg, PhD. (1935 – 2015), im Englischen übrigens Nonviolent Communication, NVC. Seine Ausführungen lesen sich schlüssig, das Prinzip ist einfach und logisch. Die GFK besteht aus vier Schritten. Das Ziel: Achtsame und einfühlsame Kommunikation als Mittel verstanden zu werden und zu verstehen, für ein friedliches Miteinander.

Die Schritte:

  1. Wert- und urteilsfreie Beobachtung (Keine Interpretation!)
  2. Bestimmen des vorherrschenden Gefühls
  3. Erkennen des dahinter stehenden Bedürfnisses
  4. Bitte um Erfüllung und Dank.

Wenn ich a sehe, dann fühle ich b, weil ich c brauche.
Deshalb möchte ich jetzt gerne d.
M. Rosenberg

Rosenberg vermittelt seine Technik mittels der Giraffensprache im Dialog mit einem Wolf (steht für gewaltbereite Sprache). Mangels Giraffe und Wolfspuppe habe ich das mit meinen Kindern mit einem Zauberraben und Socke geübt. Und Socke war wirklich wenig einfühlsam! Die GFK ist ein Konzept, welches über die Übung zu einer Haltung wird. In den oben beschriebenen Schritten zu sprechen ist ein künstlicher Prozess. Die Trennung von Beobachtung und Be/Verurteilung und Interpretation ist eine hartnäckige Herausforderung. Und es ist erstaunlich, wie sehr man doch ins Stocken kommt, unabhängig davon, für wie reflektiert und eloquent man sich bisher eigentlich gehalten hat. Erst wenn die GFK automatisch in unsere Alltagskommunikation eingeflossen ist, wirkt sie als das, was sie ist: eine verbindende Sprache. Damit wir uns nicht missverstehen, es geht hier nicht um ein zen-mäßiges über allen Dingen stehen. Rosenberg erkannte selber Grenzen in der GFK und war durchaus dafür, auch mal wie Rumpelstilzchen aus der Haut zu fahren.

Kritiker unterstellen der GFK eine manipulative Intention. Das würde die Absicht Rosenbergs ins Gegenteil verkehren und einen Missbrauch seiner Idee bedeuten. Ich meine, Konflikte erst gar nicht eskalieren zu lassen, wertschätzend und ehrlich zu sprechen und so einen Raum schaffen, in dem es friedlich zugeht, weil jeder gehört wird, was kann an dieser Grundhaltung verkehrt sein? War es nicht auch Immanuel Kant, der gesagt hat

Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des anderen beginnt.

Und da, wo eine Überschneidung von Freiheit stattfindet, da muß ich eben ausbalancierte Kompromisse eingehen oder neue Wege und Lösungen finden, die aus einer Überschneidung eine gemeinsame Schnittmenge machen.

 

Gewaltfreie Kommunikation auch online möglich.

Was beim Bäcker oder dienstlich im Umgang mit Kunden gilt, gilt auch für das Internet. Ich bin auch dort der gleiche Mensch. Und warum sollten dort andere Regeln gelten, als im analogen Leben? Die GFK als Philosophie hilft zu erkennen, daß @Bärli85, @retro und @cockroach-publishing (alle Namen sind frei erfunden, ich habe das aber nicht gegen gecheckt) reale Menschen sind. Menschen mit einer Geschichte.

Und was hat das jetzt mit dem Erziehungsauftrag zu tun?

Kommunikation als Thema läßt sich aus so vielen Perspektiven betrachten, auf Teilbereiche fokussiert untersuchen, in interdisziplinären Kontexten diskutieren. Unter dem Einfluss der Erfahrungen auf dem ersten Barcamp in Flensburg kommt neuer Input in den Suppentopf “Kommunikation”. Das Barcamp als Mitmachparty à la bring your own brain – #byob – könnte doch auch für das Internet gelten. Schalte Dein Gehirn an. Contribute, also bring Dich ein. Verteidige Werte und setze selber Standards. Denn eigentlich wollen wir doch alle etwas Gutes, Schönes und Wertvolles erschaffen!

Darum geht es im zweiten Teil in einer Woche. Weil wir nicht nur dienstliche Nutzer sind, sondern auch Menschen, haben wir alle einen Erziehungsauftrag. Wie können wir als Vorbild agieren. Erziehungsauftrag, Internet und Social Media – wie vermitteln wir als Eltern unseren Kindern einen gesunden Umgang und gute Umgangsformen. Das liest Du hier:

Social Media – Schluss mit der Disskusion und ein Freebie (Medienknigge)

 

Wer mehr über die Gewaltfreie Kommunikation und Marshall B. Rosenberg erfahren möchte:

Das NVC Center in Albuquerque

GFK bei Wikipedia

GFK-Monat

Auch bei youtube gibt es viele Videomitschnitte, in denen Marshall B. Rosenberg die Giraffensprache anschaulich vorführt.

Standardwerk:

GFK

Copyright Junfermann Verlag

 

Rosenberg, Marshall B.; Gewaltfreie Kommunikation. Eine Sprache des Lebens. 12. Aufl. (2010) Junfermann.

ISBN-10: 3-87387-454-7
ISBN-13: 978-3-87387-454-1

 

 

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Kreative Arbeitsbedingungen

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little editionUnter welchen Bedingungen arbeiten Menschen kreativ? Und was wird als Ablenkung empfunden? Ist Ablenkung hinderlich oder manchmal auch praktisch? Was genau ist Ablenkung? Und wann?

Ich habe mal in einer Agentur gearbeitet, die weiße, leere Zimmer mit einem Stuhl, einem Tisch und einem PC als Basis kreativen Schaffens erachteten. Keine Ablenkung von außen schafft Raum für das kreative Innen. Wer es mag …

Natürlich gibt es Momente, da prokrastiniert man so fröhlich vor sich hin und ein wenig Selbstbeherrschung täte nicht schaden. Da muß man dann ablenkende Faktoren ausschalten. Das empfindet jeder unterschiedlich. Ich mag beim Schreiben grundsätzlich keine Musik oder Geräusche überhaupt im Hintergrund, wenn ich aber ein oder zwei nach Stimmung ausgesuchte Lieder wie ein Mantra in der Endlosschleife höre, kann ich prima nachdenken.

Kreatives Denken erfordert ein entspanntes Durchstöbern der Hirnwindungen auf interessantes Wissen, das wiederum kreative Ideen generiert. Interessantes Wissen beschränkt sich nicht auf fachspezifische Informationen. Alles, was sich irgendwann irgendwie einmal im Kopf niedergelassen hat, könnte der Keim zu einem wunderbaren Gedanken werden.

Das Gehirn muß also gefüttert werden. Dazu hat ein Kollege einen sehr netten Artikel geschrieben: Glenn Fisher über The one thing you must do to make sure you have new ideas.

Und was mache ich jetzt mit all diesem Wissen? Um es zu nutzen, muß der Kopf frei sein. Heißt, das Bewußtsein stromert wie zufällig hin und her, dümpelt herum, hüpft von Schnürring zu Schnürring und navigiert scheinbar ziellos durch die zerebrale Endlosigkeit. Was dabei hilft: nicht denken, sondern tun. Sich mit etwas ganz anderem beschäftigen, den Körper in Aktion halten, damit das Gehirn in Ruhe arbeiten kann.

Zumindest geht es mir so. Ich kann ganz besonders gut denken, wenn ich etwas möglichst Einfaches oder Langweiliges tue. Langweilig im Sinne von “kaum Hirnmasse beanspruchend”. Beim Umräumen klärt sich der Kopf,  Wände streichend kann ich strukturelle Ideen entwickeln …

Will ich für “Ruhe im Bau” sorgen, dann empfiehlt sich eine so anspruchsvolle Tätigkeit, die jedes Denken darüber hinaus im Ansatz erstickt.

Wie geht es Euch? Wie könnt Ihr kreativ arbeiten und unter welchen Bedingungen?

Ich für meinen Teil schnappe mir jetzt einen Spaten und gehe in den Garten – ich muß nämlich denken!


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