Tag Archives: Vom Lesefrust zum Schreibgenuss

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little blog.shop 12. Kapitel 15. September 2013

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Ein Jahr ist vergangen. Ein aufregendes und spannendes Jahr mit einem unglaublichen Experiment. Für mich war es ein Schreibabenteuer, von dem ich nicht wußte, wo es mich hinführen würde. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht, die Kapitel zu planen und zu schreiben, zu recherchieren und Eure Beiträge zu lesen.

Ich möchte den little blog.shop ganz entspannt ausklingen lassen. Also kein Kapitel im klassischen Sinne. Dieses Mal habe ich eine persönliche Bitte an alle Leser: ich wünsche mir ein Feedback von Euch. Dazu biete ich Euch folgende Fragen als Anregung an:

Was habe ich vom little blog.shop erwartet und wurden meine Erwartungen erfüllt?
Habe ich etwas dazugelernt?
Hat sich mein Schreiben verändert, hat sich meine Einstellung zum Bloggen verändert? Welche Kapitel haben mich besonders interessiert oder mir besonders viel Spaß gemacht?
Welche Themen fand ich nicht so wichtig oder relevant für mich?

Würde ich noch einmal an einem Workshop teilnehmen?

Was fällt Euch noch ein?

Ich würde mich auch sehr über eine Rückmeldung derjenigen freuen, die nur so mitgelesen oder die Aufgaben für sich selbst gelöst haben, ohne sie zu posten. Ihr könnt mir das Feedback als Mail schicken (wird nicht veröffentlicht) oder, wenn es öffentlich sein darf, als Kommentar unter dieses Kapitel setzen.

Hier noch einmal eine Übersicht der Kapitel:

1. Kapitel                            Champagner, Whisky – alles Käse? Texte müssen reifen

2. Kapitel                            Das Blogger-Ich und wer liest das dann überhaupt?

3. Kapitel                            Wem die teutsche Sprache recht und teuer …. Rechtschreibung, Grammatik und Satzzeichen

4. Kapitel                            Der rote Faden

5. Kapitel                            Schreibblockade und Themenhänger

6. Kapitel                            Textfluss, Textmelodie, Satzlängen

7. Kapitel                            Blogtext-Cross-Over / Produktvorstellung

8. Kapitel                            Adverbien / Adjektive – Freund oder Feind?

9. Kapitel                            Eigener Stil und Kopie     

10. Kapitel                          Das Schreibexperiment

11. Kapitel                          Media-Kit/Exposé

 

Und wer nochmal direkt in die Übungen einsteigen möchte, HIER sind alle Kapitel direkt in der Übersicht verlinkt.

Ich danke Euch allen, sende herzliche Grüße und verabschiede mich aus diesem Workshop.

 

 

 

 

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little blog.shop 11. Kapitel 15. August 2013

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 www.little-edition.deWie schreibe ich ein Media-Kit?

Das Wichtigste zuerst: auch Blogger, die kein Media-Kit auf ihrem Blog anbieten wollen, profitieren von diesem Kapitel und der ergänzenden Übung.

Das Media-Kit ist eine zusammengefasste Vorstellung des Blogs, ergänzt durch statistische Daten, die Aufschluss über die werberelevante Reichweite des Blog geben und natürlich Preise für zu buchende Werbefläche. Das Media-Kit dient dazu, potentiellen Sponsoren zu zeigen, wo sie ihr Geld lassen, warum sie das tun sollten und daß es sich für sie lohnt.

Blogger, die Werbung als Einnahmequelle nutzen, brauchen Informationen über ihr Blog, die sie potentiellen Werbekunden zur Verfügung stellen. Dies kann eine PDF sein, die man runterladen kann, ein gedruckter Flyer und auch einfach eine Seite oder Unterseite auf dem Blog, die als solche gekennzeichnet ist. Man kann diese zum Beispiel „Media-Daten“, „Werbung“ oder „Sponsoren“ nennen.

Für das Media-Kit gibt es keine formalen Richtwerte, um aber ernst genommen zu werden und einigermaßen professionell zu erscheinen, Punkte, die man beachten sollte. Bevor wir uns den Aufbau anschauen, gehe ich noch einmal aus einer anderen Perspektive an das Thema heran.

In der Literatur und Wissenschaft gibt es nämlich etwas ganz Ähnliches, allerdings ohne Preise: das Exposé. Auch das Exposé zeigt kurz und knackig auf, worum es geht, was die Kernpunkte sind und welcher Nutzen (Lesespaß) zu erwarten ist.

Der Aufbau des Exposés ist klar strukturiert und variiert nur abhängig davon, ob es um einen Roman oder ein Sachbuch/Projekt/wissenschaftliche Arbeit geht. Nehmen wir das Blog als Projekt. Dann können wir damit beginnen, daß wir die grundlegende Idee hinter dem Blog beschreiben. Darauf folgt eine Übersicht der angebotenen Inhalte und eine kurze Analyse der Zielgruppe/Leser. Auch beim Exposé gilt, es sollte sich leicht und angenehm lesen lassen. Im Gegensatz zum Krimi soll der Leser allerdings an jedem Punkt des Textes genau wissen, woran er ist. Also kein Geschwafel, keine prosaischen Ausführungen, keine Andeutungen … Fakten! Kurze, klar definierte Sätze dominieren den Text. Trotzdem soll Eure Begeisterung, Eure Liebe, Hingabe und Leidenschaft, die Ihr in das Blog steckt, für den Leser erkennbar sein. Denn das Blog ist immer noch eine sehr persönliche Sache. Wo die Grenze ist, das muß dann jeder für sich selber entscheiden.
Also, Text schreiben, liegen lassen, lesen lassen. Vielleicht von einem Kollegen oder jemandem, der sich traut, Euch zu kritisieren. Familie und enge Freunde sehen Euch verklärt und Honig ums Maul bringt uns keinen Schritt weiter. Natürlich sollte die Kritik sachbezogen sein. „Mit Deinem komischen Blog-Dings verdienst Du doch nie Geld!“ ist nichts, was uns hilft. Sätze wie „Der Teil war zu lang“, „Das habe ich nicht verstanden“, „Warum ist das wichtig?“ sind Rückfragen, die wir ernst nehmen und unseren Text daraufhin untersuchen sollten.

Jetzt wird es technisch: Google Analytics und Jetpack (für WordPress) bieten Statistiken an. Schwarz auf weiß kann man für jeden Tag/Woche/Monat ablesen, wie viele Besucher man hatte, welche Posts besonders oft gelesen wurden, wie lange die durchschnittliche Verweildauer des Besuchers war, die Absprungrate in Prozent …. Diese Zahlen kann man zu seinem Vorteil nutzen. Deswegen rate ich dazu, vor dem eigentlichen Online gehen mit dem Media-Kit, die Zahlen über einen längeren Zeitraum zu beobachten, Entwicklungen zu dokumentieren und dann zu überlegen, welche Werte nützlich sind. Dabei gilt wie in der beruflichen Bewerbung, den Fokus auf die Stärken zu setzen.
Dann kommt der Werbe-Teil. Welche Werbung biete ich an: Werbefläche, bezahlte Posts … verschiedene Größen, Rabatte, Zahlungsmodalitäten. Dann noch – ganz wichtig – Kontaktmöglichkeiten und eine Kurzbiografie.

Soweit die Fakten. Jetzt geht es um die grafische Gestaltung, denn das Auge liest mit. Und da kommt die Inspiration aus der klassischen Bewerbung. Im Internet und z. B. auf Pinterest findet man Lebensläufe, die das starre Tabellenmodell aufbrechen und Informationen grafisch ansprechend und übersichtlich präsentieren. Solche Lösungen muß man innerhalb einer Bewerbung natürlich an den Leser (Personaler) und die Berufssparte anpassen. Beim Media-Kit haben wir mehr Möglichkeiten. Einzige Voraussetzung: alle relevanten Informationen werden übersichtlich dargestellt. Natürlich kann man ein Media-Kit ganz schnörkellos gestalten, denn der Inhalt zählt. Auch die Media-Kits von anderen Blogs können eine wertvolle Hilfe sein, so man sie denn zu sehen bekommt.

Ergänzt wird das Media-Kit mit einem Screen-Shot und einem Beispielartikel und/oder Bildern. Es ist unwahrscheinlich, daß Werbekunden sind den ganzen Blog anschauen werden. Also picken wir uns ein paar Highlights raus, die unser Blog besonders gut repräsentieren.

Hört sich alles noch ganz gut an, bis … das Exposé sollte maximal 2 Seiten beinhalten und das gilt auch für den Text im Media-Kit. Und gemeint sind Normseiten. Normseiten werden für Manuskripte benutzt, weil sie einheitliche Zeichenwerte für den späteren Druck generieren.

Die klassische Normseite hat 60 Zeichen pro Zeile und 30 Zeilen. Geschrieben wird mit Courier New, 12p und 1,5 Zeilenabstand. Courier New übrigens, weil jeder Buchstabe die gleiche Breite einnimmt. Diese Angaben beziehen sich noch auf die gute alte Schreibmaschine (analoges Schreibgerät) und sind mit dem Computer nicht ganz genau zu wiederholen. Um die genannten Wert zu gewährleisten, muß man die Seitenränder in der Formatvorlage anpassen. Und wenn man schon dabei ist, „Absatzkontrolle“ und „Silbentrennung“ auch gleich deaktivieren (Format, Absatz, Häkchen entfernen bei Absatzkontrolle). Geschrieben wird als Fließtext und linksbündig.

Schreiben wir unsere Media-Texte und vielleicht auch gleich alle Blogtexte als Manuskript vor, haben wir sofort einen guten Überblick, wie groß die Textmenge ist und sehen schnell: es muß gekürzt werden! Erst dann und nach einer mehrfachen intensiven Korrektur auf Schreibfehler und Zeichensetzung wird der Text mit den grafischen Elementen verbunden und endgültig zusammengebaut. Dann in jedem Fall als PDF speichern und fertig.

Jetzt willst Du aber gar kein Media-Kit anbieten. Das ist völlig okay! Der Nutzen liegt in den Überlegungen. In der Literatur ist das Exposé der TÜV für den Roman. Immer dann, wenn die Beschreibungen schwammig werden, wenn gefaselt wird, verbergen sich Schwachstellen im Plot (Handlungsaufbau). Immer dann, wenn auch Show, don’t tell-Alarm im Exposé auftaucht, dann fehlt es an Struktur und Tiefe; sind Handlung, Konflikte und Figuren zu blass und nachlässig konstruiert.

Du hast Spaß an Deinem Blog uns Du liest das, weil Du Dich und Dein Blog weiter entwickeln willst, weil Du etwas lernen möchtest. Ein Exposé über dein Blog zu schreiben ist eine gute Übung um zu prüfen, inwieweit das Konzept stimmt. Innerhalb vom blogshop haben wir schon ganz viel vorgearbeitet. Die vielen Fragen zur Wahrnehmung, die ich gestellt habe, sollten dich dazu bringen, ziemlich genau zu wissen, was Du da eigentlich tust und warum. Und was für das komplette Blog gilt, gilt erst recht für einen Beitrag. Das Exposé fungiert wie ein Detektor für inhaltliche Brüche. Wenn du zum Beispiel Artikel planst, eine ganze Reihe zu einem bestimmten Thema, dann hilft Dir das Exposé, Dein Konzept zu entwickeln, zu überprüfen.

Die Sprache im Exposé, und damit auch im Media-Kit, weicht von der Sprache unserer Beiträge ab. Sie ist zuerst informativ und dann leicht lesbar. Sie ist NICHT verschnörkelt, sie ist NICHT gefühlsduselig und NICHT episch. Es geht hier tatsächlich ums Business. Das Media-Kit ist eine Behind-the-Scenes-Situation. Wie die Unterhaltung zwischen Regisseur und Team. Das Blog ist wie der fertige Film, die Theateraufführung für den Leser. Und genau das erwartet der Leser des Media-Kit. Dein potentieller Werbekunde.

Check-Liste Media-Kit:

I. Blogseite/Unterseite für Werbung einrichten
optional einen Link in die Sidebar setzen

II. Kurzer Einführungstext für Werbekunden
Inhalt: Hier finden Sie Informationen über mein Blog. Ich biete xy an. Ich freue mich auf Ihre Anfrage. Kontaktmöglichkeiten anbieten a) Telefonnummer, b) E-Mailadresse c) Kontaktformular oder Link dahin

III. Mediakit als Download (PDF)anbieten oder per Mail anfordern lassen
1. Blog Vorstellung
(Name des Blog, Themen, Inhalte, seit wann wird gebloggt)

2. Blog-Inhalte
(Besonderes wie Mit-Mach-Aktionen, regelmäßige Aktionen, Themen)

3. Zielgruppe
(wer liest Dein Blog)

4. Kurzbio
(Name, Alter, Beruf, Motivation zum Bloggen, Parallelen zu Beruf oder Hobby, optional Portraitphoto, KEINE Party- / Strandbilder)

5. Statistiken
(Sinnvolle Werte aus Google Analytics und Jetpack nutzen:
a) Gesamtzahl Leser insgesamt
b) Anzahl neuer Besuche in Prozent
c) Durchschnittliche Verweildauer (wie lange bleibt der Besucher auf dem Blog)
d) Bounce-Rate (wie schnell verlässt der Leser die Seite wieder, der durchschnittliche Wert liegt bei 68%, ist aber relativ, denn Leser, die alte Beiträge kennen und nur gezielt neue Beiträge lesen, verweilen kürzer, als neue Besucher, die durch das Blog stöbern)
e) Diagramm Entwicklung

6. Werbeangebote
Welche Werbemöglichkeiten bietest du an?
a) Werbebanner (Beispielgrafik)
b) Gesponsorte Artikel
c) Kooperationen mit Unternehmen

7. Preise
a) Was kostet welche Werbeaktion für welchen Zeitraum? (z. B. Werbebanner 35€/Monat)
b) Rabatte (z. B. Werbebanner 90€ pro gebuchtem Quartal)
c) Zahlungsmodalitäten (Vorauszahlung, per Überweisung, per Paypal)

8. Kontaktmöglichkeiten
a) Adressen
b) E-Mail Adresse

9. Screen-Shot der Startseite

10. Beispiel-Artikel
11. Beispielphotos
Übung: 1. Stelle ein Media-Kit für Dein Blog zusammen. 2. Schreibe ein Exposé über dein Blog (max. 2 Manuskript-Seiten)

Viel Erfolg!

Und für die Kapitelübersicht klickst Du HIER

 

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little blog.shop 10.Kapitel 15. Juli 2013

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In diesem Kapitel geht es um ein Schreibexperiment der besonderen Art. Nach der harten Arbeit am Handwerk wird es Zeit für ein Schreibabenteuer, für eine schreibverändernde Erfahrung.
Ich bin bei der Arbeit zu einem Gedicht auf die Idee gekommen und inspiriert hatte mich ein Artikel meines Kollegen Glenn Fisher (britischer Werbetexter). Er schreibt – ganz in meinem Sinne – darüber, daß Werbetexter für einen größtmöglichen kreativen Output zuerst für größtmöglichen breitgefächerten Input sorgen müssen.

Also lesen, lesen, lesen. Aber auch sehen, erleben, erfahren. Jede Erfahrung, jede Wahrnehmung, jeder gelesene Satz wird unbewußt abgespeichert und führt unter Umständen zu exakt dem neuen, unverbrauchten kreativen Gedanken, der gebraucht wird.
Das Prinzip ist nicht neu. Im Kapitel über Themenhänger und Schreibblockaden habe ich bereits über die Kreativitätspsychologie und die seltsamen Wege im Gehirn geschrieben. Und auch hier geht es um Abkürzungen, Umwege und neue Hirnpfade, die Informationen verknüpfen, die andere Hirne eben nicht in Beziehung setzen. Es geht darum, die Perspektive zu wechseln, wie ein Schauspieler in eine Rolle zu schlüpfen. Das Experiment ist nicht ganz ungefährlich, denn in das Leben eines anderen einzutauchen, nachzuempfinden und, wo es möglich ist, nachzuleben, birgt die Gefahr sich selbst zu verlieren.

Kann man wie Hemingway schreiben, auch wenn man nicht kettenrauchend säuft wie ein Fass ohne Boden? Kann man die Wörter finden, die Atmosphäre erschaffen, wenn man nicht wie Virginia Woolf mit einem begnadeten Verstand gegen das innere Grauen ankämpft – getrieben in der Produktivität und gelähmt in der Verzweiflung?
Ausgangspunkt meines persönlichen Schreibexperimentes war die Frage, welche Literatur mich inspiriert, welche Autoren mich interessieren. Und was ich daraus lernen könnte. Und ich stellte fest, daß mich zumeist weibliche Künstlerinnen und Autorinnen beeinflussen, die entgegen gesellschaftlichen Normen und Konventionen gegen jede Tradition aufbegehrten und ihr eigenes Ding durchzogen …
Brachial, leidenschaftlich und verzehrend die Lebensgeschichte von Camille Claudel, die mich 1992 in einen wahnsinnigen Strudel aus Schaffensdrang, Hingabe an die Kunst und das Leben und die völlige Zerstörung der Seele riß. Neben Biografien, die verschiedenen Erzählperspektiven einnahmen … halt dazu muß ich was schreiben: Es gibt einen literatursemiotischen Ansatz, der gleich von innen heraus erzählt. Gefühle, Motivationen der Hauptfigur sind plastisch, real, im Augenblick festgehalten. Der diskursanalytische Ansatz sieht die gleiche Handlung von außen, gleichsam distanziert und ohne das emotionale Innenleben. Das eine Leben von Camille Claudel aus beiden Perspektiven zu sehen, schafft ein viel lebendigeres Bild, zieht mich umso mehr in die Geschichte, in ihre Geschichte.
Neben verschiedenen Biografien und natürlich Bildbänden gibt es eine wunderbare Verfilmung mit Isabelle Adjani und Gerard Depardieu als ein fantastischer Auguste Rodin. Es entsteht meine persönliche Danaide.

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Schon kurz darauf folgt Marguerite Duras. „Der Liebhaber“ läuft im Kino. Es ist Sommer, in der realen Welt und in Sadec, Indochina in den zwanziger Jahren. Schwüle, feuchte Hitze. Glitzernde Schweißperlen und das träge Summen von Zikaden. Wolllust tropft aus jeder Pore und steigt mit dem Morgennebel auf, um sich wie eine Umarmung um das heiße Fleisch zu legen. Opiumgeschwängerte Tage im Schatten des Schicksals. Vermischt mit dem Duft der Liebe, der süße Duft der Verwesung, das unausweichliche Ende der pittoresken aventure d‘amoureuse ohne Liebe, konserviert in einer alkoholisierten Erinnerung in einem düsteren Pariser Zimmer, begraben unter Zigarettenqualm und Schmerz.
Ihre Biografie zu lesen ist unerträglich. Also lese ich ihr Buch „Schreiben“. Und ich schreibe über Schmerzen. Und über Sehnsucht. Und manchmal auch über die schmerzende Sehnsucht nach dem Verlangen. Ich finde den Schmerz im Schreiben wieder. Es ist mein Schmerz. Ich tauche sehr lange nicht wieder aus diesem Schmerz auf. Das Schreiben zerbricht.
Ich bewege mich auf eine andere Ebene: Jane Austen. Jane zu lesen ist sicher. Ebenso wie die Brontës. Es ist düster. Nebel über Englands torfigen Mooren. Verzweiflung, Intrigen, aber ich bin sicher. Meine Schreibseele ergötzt sich an der Exzentrik einer Mrs. Bennett. Das sind meine Wurzeln. Ein paar zumindest. Ein paar dunkle Elemente, wie der Schatten am Fenster von Wuthering Hights. Es kann nur einen geben. Was für Connor MacLeod gilt, und den von mir als halben Landsmann schwer verehrten Sean Connery, gilt auch für Colin Firth als Mr. Darcy. Wobei man der Ehre halber sagen muß, daß es absolut rein gar nichts gegen die Verfilmung mit Kira Kneithley und Donald Sutherland als Mr. Bennet zu sagen gibt.

Und wenn man schon dabei ist, einen Tag im Bett mit Tee und Keksen und Pride&Prejudice zu verbringen, dann kommt man oder besser frau nicht um „Lost in Austen“ herum. Und das ist eine allgemein anerkannte Wahrheit.
Ich beschäftige mich mit Coco Chanel, auch eine Verfilmung mit Audrey Tautou, mit Rosalind Franklin, deren Tragödie mir beim Lesen des Buches von James T. Watson 1991 in keinster Weise gedämmert ist. (Die auch offensichtlich nichts von Marie Curie gelernt hat, so rein technisch.) Wie sollte auch? Aus Watsons Sicht war die Geschichte mit der DNA doch super gelaufen. Und man kann nicht erwarten, daß er, wenn er über sich schreibt, profunde psychologische Analysen seiner Mitstreiter einflicht.
Ich lande bei Sylvia Plath. Mir gefällt Gwyneth Paltrow, die mir schon in „Besessen“ ausnehmend gut gefallen hat und dort auf Jennifer Ehle trifft, die in der BBC Reihe P&P die Eliza Bennett gibt. Also – „Besessen“ (von Antonia S. Byatt) gehört auch zu den Büchern, die ich unbedingt empfehle.

Sylvia Plath. Nach langer Zeit ein hemmungsloses Eintauchen ins Schreiben. Ich höre Elli Goulding (was die Sache nicht besser macht) und Tage, Nächte – Zeit verschwimmt zu einem Vakuum. Das stabile Konstrukt meiner Schreiberseele löst sich auf. Die Grenzen zwischen Innen und Außen, sorgsam gehütet, entgleiten mir.
Marguerite Duras schreibt: „Es gibt einen Schreibwahn in einem selbst, einen Schreibwahnsinn, aber deswegen ist man nicht wahnsinnig. Im Gegenteil.“* Sylvia Plath ist es. Oder auch nicht. Der Schmerz kommt zurück. Das Schreiben wird zum alles bestimmenden Herzschlag. Bei Hermann Hesse sind „Extreme nur die Pole, zwischen denen sich die zum Leben notwendige Energie erzeugt“. Gilt das auch für Manie und Depression? The writer’s disorder. Kann man erst dann die essentiellen Tiefen des Schreibens ausloten, wenn man in diesen Teilchenbeschleuniger der Gefühle gesogen wird? Wie soll Alltag funktionieren, wenn die Schreiberseele nach dem Wort lechzt, nach dem leeren Papier verlangt und Sätze, Gedanken wie eine Flutwelle aus jeder Pore strömen? Ich schreibe, manisch getrieben. Das äußere Leben verblasst und ich wundere mich, wenn ich in einem plötzlichen Erwachen das Haus, die Kinder, den Mann wahrnehme. Gehöre ich dazu? Muß ich jetzt was tun oder sagen? Bin ich ein Teil in diesem Außen?
Die Musik ist die Nabelschnur zur Realität. Das war sie schon immer. Der Rest Vernunft, wenn der Schmerz kommt. Wenn die Angst und der Zweifel alles verschlingt. Ich liebe das Geräusch des Stiftes, wie er beim Schreiben über das Papier kratzt. Die Melodie des Schreibens. Das ist poetisch. Schreiben – und der Stimme des Stiftes, der Stimme des Schreibens lauschen. Leise und meditativ. Beruhigend. Das Schreiben ist voller Bedeutung. Schicksal liegt in dem Geräusch. Hoffnung, Verheißung. Das Geräusch beim Schreiben ist Gefühl, Gedanke, Leben. Ich möchte lauschen, zuhören, verstehen und mich dabei verlieren. Ich liebe das Geräusch, die Stimme des Schreibens. Ich habe sie so vermisst. Ich bin einen kurzen Augenblick aus der Realität gerissen und glücklich, während meine Hand rastlos über das Papier eilt. Der Strom an Wörtern und Sätzen darf nicht enden und das beruhigende Gefühl, die Melodie des Schreibens. Das Schaben der Federspitze, das Kratzen gegen den Widerstand des Papiers. In diesem Gedanken, in dieser Melodie möchte ich verweilen. Meine Schrift wird immer abstrakter, die Gedanken fließen dahin, kaum zu lesen, kaum zu entziffern. Der Punkt, ein kleiner stupsender Ton dringt durch meine Gedanken. Wenn es doch nur immer so bleiben könnte, ich einfach in diesem Moment verharren würde. Das Schreiben auskosten bis ich satt bin. Satt sein. Ich bin hungrig. Ich bin hungrig nach Worten und Sätzen, nach dem Fließen der Gedanken in das Papier. Die Feder kratzt unaufhaltsam weiter, der Rhythmus der Bewegungen, das Transformieren in Melodie, in ein gleichmäßiges Schwingen von Schreiben und Pausen. Buchstaben, große, weiche Rundungen, kleine, zackige Kanten, neues Ansetzen. Innehalten. Einen Punkt setzen. Nichts könnte die Tiefe beim Schreiben ersetzen, die sich nur durch den Stift einstellt. Das Verschmelzen von Hand und Gedanke und Stift und Melodie. Schreiben, weiter schreiben, nur dem Geräusch verfallen, alles verschlingendes Berauschen am Schreiben und die tintenleere Stille, wenn die Wörter nicht mehr fließen wollen, wenn der Stift sich in das Papier bohrt. Ich schreibe weiter, getrieben, süchtig, verlangend nach dem nächsten Satz, dem kommenden Wort.
Ich muß in den Garten gehen. Ich nehme Vita Sackville-West mit. Wen sonst? Ob Sissinghurst ihre Nabelschnur war? Nein, sie war so pragmatisch, so im Leben. Sie brauchte keine Nabelschnur. Aber war sie es für Virginia Woolf? Der Briefwechsel der beiden reißt mich zurück Leben, mit einem heftigen Spatenstich, geerdet, geboren, mit erdverkrusteten Händen zurück im Sein. Die stille Poesie der Briefe finde ich in meinem Garten, in dem leisen Grün, das doch am Ende Naturgewalt ist. Wie das Schreiben.
——
Was bringt mir das Experiment? Schreiben ist Rausch und Droge und die Abwesendheit Entzug, Abspaltung eines Teils meines Wesens. Nicht jeder empfindet so. Nicht jeder mag sich dem Schreiben hingeben, wie einem zärtlichen Liebhaber, sich der rohen Gewalt der Wörter ausliefern. Bloggen kann eine Form des literarischen Erschaffens sein. Um herauszufinden, wie sehr man bereit ist, sich dem zu stellen, gilt es, sich dem Schreiben zu stellen, sich dem Schreiben zu öffnen. Ohne Ziel. Ohne Sinn. Ohne Erwartungsdruck oder Versagensangst.

Schreibe für den Augenblick!

Aufgabe: Suche Dir eine Künstlerin oder einen Künstler, eine Figur aus einem Buch oder Film und tauche schreiberisch in dieses Leben ein. Nutze Deine Möglichkeiten, ein Shoppingbummel als Carrie Bradshaw, ein Abend am Meer, Zigaretten, Wein als Hemingway, (nein, keine Drogen, keine Koksparties!!! Und ich möchte auch nicht, daß Du morgens in einer Ausnüchterungszelle aufwachst), Schokolade – vielleicht bist Du Vianne aus „Chocolat“ von Joanne Harris? Lies Bücher der Autorin, eine Biografie oder Bücher über die Figur, schau dir Filme dazu an (ich habe zum Beispiel eindeutig ein Bridget-Jones-Gen in Berlin gerade wieder unter Beweis gestellt … darüber hätte ich auch sehr viel und schön schreiben können) und schreibe unter der Überschrift

„Mein Sommer als …“.
Viel Vergnügen!

Und die Übersicht zu den einzelnen Kapiteln findest Du natürlich HIER
—————————————————–
*Schreiben. Suhrkamp 1994. S. 57

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little blog.shop 9. Kapitel 15. Juni 2013

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www.little-edition.deEigener Stil und Profil

Bloggen ist eine Abenteuerreise. Alles Bloggen fängt damit an, daß man etwas hat, was man anderen zeigen, mit anderen teilen möchte. Viele Blogger haben davor bereits fleißig Blogs gelesen und gedacht: das möchte ich auch machen. Und dann haben sie einfach angefangen.
So ein Blog wächst und entwickelt sich im Laufe der Zeit und es gehört auch eine Portion Durchhaltevermögen dazu. Und viele Blogger machen die gleiche Erfahrung wie Autoren. Das Schreiben entwickelt sich weiter. Die ersten Posts möchte mancher verschämt löschen oder hofft, daß sie dann doch zugunsten der neuesten Ergüsse vergessen werden.
Der eigene Stil hat sich im Laufe hunderter Posts, Monate und Jahre des Bloggens herauskristallisiert, entwickelt, etabliert. Ein Prozess, der weitestgehend unbemerkt und auch unbewußt abläuft. Und dann fragt sich der eine Blogger, ob er überhaupt einen eigenen Stil hat, andere suchen noch und dritte fragen sich, wie man dem überhaupt auf die Spur kommen soll.
Eine typische Falle ist einfaches Kopieren des Stils, den man selber gut findet. Das rächt sich schnell, weil bloßes Abkupfern auf den Leser seltsam leer wirkt. Individuelle Merkmale des Bloggers werden vom Leser nicht erkannt, weil sie nicht da sind. Und das hinterläßt dann einen schalen Geschmack. Kopieren ist Blog-Botox. Der Blog ist in seiner Präsentation beliebig, austauschbar, inhaltsleere Fassade ohne Persönlichkeit.
Formale Satzstrukturen, häufig verwendete Wörter, rhetorische Stilmittel sind Zutaten, aus denen das individuelle Profil zusammen gerührt wird.
Die formalen Satzstrukturen haben wir ein wenig in dem Kapitel über die Satzlängen kennengelernt. In der Tiefe der Satzlängen lauert allerdings schon wieder der unbeliebte Sprachwissenschaftler, der mit dem linguistischen Finger in der Wunde aus Relativsätzen, verbundenen Hauptsätzen oder nachgestellten Satzergänzungen bohrt. Wer seinen Schreibstil chirurgisch präzise sezieren will, der kommt nicht umhin, sich mit Satzbau zu beschäftigen. Das Wissen um Satzglieder befähigt uns, präzise Sätze zu bilden und lange Sätze zu kürzen. Durch geschickte Anordnung der Satzglieder werden Information gebündelt, strukturierter formuliert und inhaltliche Schwerpunkte gesetzt.
Das Auto, dessen Vergaser von Onkel Rudi eher semiprofessionell repariert wurde, fuhr mit einem lauten Knall am Haus vorbei, so daß Oma Louise vor Schreck die Teetasse herunter fiel.
Oma Louise fiel vor Schreck die Teetasse herunter, weil das von Onkel Rudi eher semiprofessionell am Vergaser reparierte Auto mit einem lauten Knall am Haus vorbei fuhr.
Onkel Rudi reparierte das Auto semiprofessionell an Vergaser, so daß das Auto mit einem lauten Knall am Haus vorbei fuhr und Oma Louise die Teetasse vor Schreck herunter fiel.
Der semiprofessionell von Onkel Rudi reparierte Vergaser ließ das Auto mit einem lauten Knall am Haus vorbeifahren und Oma Louise fiel vor Schreck die Teetasse herunter.
Dies sind einige Beispiele, wie man durch unterschiedliche Satzstellungen Inhalte verschieden gewichtet, und damit auch eine ganz differenzierte Atmosphäre schafft. Ganz abgesehen davon hören sie sich holperig und zu lang an, im wahrsten Sinne konstruiert. Also kürzen und/oder zwei Sätze bilden, abhängig davon, welche Geschichte ich erzählen will. Nach dem gleichen Prinzip funktionierte übrigens die Satzreihe mit Penelope aus dem Kapitel über Adjektive und Adverbien. Dort war es ein einziges Adverb, welches über seine Position im Satz über die Intention entschieden hat.
Häufig verwendete Wörter sind entweder Lieblingswörter des Autoren oder tauchen immer wieder mangels Alternativen auf. Alternativen nennt man Synonyme. Wörter mit ähnlicher oder gleicher Bedeutung, die jedoch auf den Kontext bezogen ganz unterschiedliche Wirkungen haben können.
Lieblingswörter können als Running-Gag SPARSAM eingesetzt werden und so zu einem erhöhten Wiedererkennungswert führen. In der Serie „How I met your mother“ sagt der Charakter Barney in schönster Regelmäßigkeit „legen- … warte, es kommt gleich … där“.
Synonyme kann man sich erarbeiten. Zum Beispiel selber Listen anlegen. Für externe Anregung gibt es Synonymwörterbücher von Duden oder den Dornseiff.
Bei der Verwendung von Synonymen gibt es zwei Ansätze.
1. Ich möchte das gleiche Wort nicht wieder benutzen.
2. Ich möchte durch den gezielten Gebrauch eines Synonyms die Geschichte voranbringen, eine bestimmte Atmosphäre erzeugen, eine ganz bestimmte Aussage machen, einen Aspekt betonen.
Beispiel: Gehen = laufen, rennen, hüpfen, schluren, tapsen, jagen, trodden, trödeln, trudeln, kriechen, trippeln, marschieren, schreiten, flanieren, spazieren, springen, hopsen, eilen, gleiten, schweben, …

Der Gebrauch von Adjektiven und Adverbien in ihrer Quantität und Qualität fällt ebenfalls unter diesen Punkt. Textaufbau, Spannungsbogen, auch das sind Dinge, die wir in den vorher gehenden Kapiteln schon kennengelernt haben.
Den Blog als Marke zu betrachten, führt zur nächsten Ebene. Unabhängig davon, ob er nun rein privat oder als Business daher kommt, verlangt er nach dem USP (Unique Selling Position), dem Alleinstellungsmerkmal. Was ist die persönliche Note, was unterscheidet diesen Blog von tausend anderen Blogs. Warum soll der Leser ausgerechnet hier lesen? Die Antwort lautet, weil der Blog dem Leser etwas bietet, was er woanders nicht bekommt. Das kann sein: Informationen, Unterhaltung, Motivation, Inspiration, Austausch/Kontakt.

Stichwort: Blog-Inzest. Irgendjemand entdeckt die total coole Häkeldecke in Neonfarben und schwupps, hat jeder dritte Blog Häkeldecken, Neonfarben oder etwas artverwandtes auf dem Blog. Oder ein Rezept für die Kiwi-Sahnetorte mit Wodka. Leser sind anspruchsvoll und verwöhnt. Eine neue Idee ist toll, wenn aber der siebzehnte Klodeckel mit Streublümchenmuster angepriesen wird, kommt der gelangweilte und übersättigte Leser so schnell nicht wieder. Geht ein Blog mangels Individualität in der Masse unter, wird knallhart selektiert. Persönlichkeit gewinnt.
Die gute Nachricht: was in der Evolution funktioniert, klappt auch beim Bloggen. Populationsnischen entdecken.

Diese Überlebensstrategie ist einfach, aber nicht leicht.
Denn dazu muß man erst einmal herausfinden, wo die eigene Nische sein könnte, was man selber besonders gut kann, was bei einem selber anders ist, als bei den anderen. Und das ist exakt der Weg, um das Alleinstellungsmerkmal zu bestimmen. Können wir dies benennen und dann im Blog durch unseren eigenen Stil umsetzen, dann können wir Leser aufmerksam machen, für unser Blog interessieren und auch als Leser halten.
Denn dann haben wir etwas gefunden, was der Leser eben nur bei uns findet.
Beginnen wir mit einer Bestandsaufnahme.
1. Wenn ich erst mit dem Bloggen anfangen möchte, ist dies natürlich auch die erste Frage: Worüber will/kann ich bloggen? Blogge ich bereits, wird die Frage umgestellt: Was sind meine Themen?
2. Im zweiten Schritt schaue ich mir meine Posts an. Was ist bei allen gleich, was verbindet sie? Was fällt auf, was fällt unter Umständen auch total aus der Reihe? Was gefällt mir noch nicht, wo sehe ich Potential, an dem ich noch arbeiten will. Gibt es Projekte, an die ich mich noch nicht heran getraut habe – und wenn ja, warum?
3. Im dritten Schritt richten wir den Blick nach außen: Welche Blogs gefallen mir, haben mich motiviert, selber zu bloggen. Was gefällt mir an diesen Blogs, was finde ich interessant, sympathisch, inspirierend. Was gefällt mir vielleicht auch nicht oder nicht mehr?
4. Ich gehe davon aus, daß Du jetzt mehrere Listen mit Antworten hast. In diesem Schritt vergleichst Du deine Listen. Was gefällt mir bei anderen, was davon taucht auch bei mir auf. Inwieweit unterscheidet sich mein Blog von meinen Vorbildern, was ist bei mir anders.
Ich denke, eine kleine Pause wäre nicht schlecht, es wird Zeit, ein bißchen Spaß zu haben! Und dazu gibt es ein paar Mit-Mach-Links. Das Grundprinzip dahinter ist folgendes: Du nimmst einen oder auch mehrere Deiner Blogtexte (nacheinander) und fügst sie mit Copy&Paste ein. Vielleicht ist es auch interessant, Deine Workshop-Texte mit alten Posts zu vergleichen, was meinst Du?!
Auf stilversprechend wird mittels einer Analyse der Satz- und Wortlängen sowie Kommata, Textlänge und Füllwörter (na, klingelt das was?) ein Fleschwert generiert, der eine grobe Übersicht gibt, wie banal oder komplex der Text strukturiert ist. Dieser Fleschwert kann durchaus eine Denkanregung sein, um seinen Text nötigenfalls noch einmal zu überarbeiten und seine Schreibe zu hinterfragen! Wie immer: die Mitte macht’s. (Anm.: Der Service wurde 2015 eingestellt. Eine Weiterleitung zu der im Link angegebenen Seite erfolgte.)
Lesbarkeits-Analyse Link: http://www.leichtlesbar.ch/html/

Ein ganz besonderer Spaß ist der folgende Link über die FAZ. Du gibst wieder Deinen Text ein und das Programm sagt Dir, wem der Stil ähnelt. Ich hatte von Charlotte Roche bis Goethe schon alles!
Ich schreibe wie – Link: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/ich-schreibe-wie/stiltest-ich-schreibe-wie-11480570.html

Gewollt provokant kommt das Blablameter daher und schert uns Texter alle über einen Kamm (na, danke schön!) Hier wieder eine recht schonungslose Analyse, wie viel Bla im Text versteckt ist.
Blablameter-Link: http://www.blablameter.de/

 

Es geht weiter.
Den eigenen Stil finden. Dazu braucht man überhaupt erst einmal eigenes Material, mit dem man sich auseinandersetzen kann. Als Bloganfänger bedeutet das, einfach mal fünf bis zehn Posts zu schreiben, ohne sie zu veröffentlichen. Also, mutig und unverdrossen ein paar Übungtexte schreiben, liegen lassen und dann, ein paar Tage später, neu lesen und auch – laut lesen! Eine gute Möglichkeit, einen Blick für den eigenen Stil zu bekommen, die wir sogar schon kennen.
5. Die eigenen Texte laut lesen. Denn dann erst offenbart sich die Sprachmelodie. Nimm Deine Posts und lies sie laut. Unterteile sie in Texte, von denen Du begeistert bist, Texte, die Du „so naja“ fandest und welche, die Du am liebsten löschen würdest. Lies sie laut und vergleiche die Unterschiede, die Du gehört hast. Du könntest sie auch zum Beispiel auf ein Diktiergerät oder Sprachmemo sprechen und ganz aktiv zu- und anhören. Ich schreibe übrigens bewußt sprechen und nicht diktieren! Und dann nimmst Du Beiträge Deiner Vorbilder, also von Blogs, die Du gut findest und liest auch die laut!

Bloggernutzen: Das eigene Profil erkennen und erarbeiten, denn das ist das Werkzeug, mit dem Inhalte transportiert werden und das Bloggerüberleben gesichert wird, so evolutionstechnisch.

Deine Aufgabe zu diesem Kapitel: Beantworte die Fragen und erstelle Listen zu den Punkten 1-4. Probiere die Links aus. Lies verschiedene eigene und fremde Blogposts laut (Punkt 5). Schreibe anschließend einen Beitrag zu dem, was Du herausgefunden hast.
Viel Spaß und spannende Erkenntnisse!!

Und die Übersicht über alle Kapitel findest Du HIER


Duden: Das Synonymwörterbuch: Ein Wörterbuch sinnverwandter Wörter: Band 8. Bibliographisches Institut, Mannheim; Auflage: 5., vollständig überarbeitete Auflage. (15. September 2010)
Dornseiff, Franz: Der deutsche Wortschatz nach Sachgruppen. Walter de Gruyter. Auflage: 8, völlig neu bearb. A. (4. März 2004)

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little blog.shop 8. Kapitel 15. Mai 2013

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www.little-edition.deAdverbien & Adjektive – Freund oder Feind?

Die Adverbien, früher oder später kriegen sie Dich. Das heißt, wir kriegen es mit ihnen zu tun und müssen uns überlegen, auf welcher Seite wir stehen. Adverbien werden als Umstandswörter bezeichnet, die den Inhalt eines Satzes ergänzen, in dem sie Geschehnisse, Verhältnisse, Ereignisse näher beschreiben, also die Fragen

Wo/Wann/Warum/Wie

beantworten.
Adverbien lassen sich in
• Lokaladverbien (Wo/Wohin/Woher): hier, draußen, rechts, dort, vorn, irgendwo, neben, über, unter, hinter, diesseits, längsseits, jenseits …

• Temporaladverbien (Wann): damals, nachher, später, morgen, übermorgen, gestern, bald, bisher, sofort, oft, manchmal, endlich, täglich, inzwischen, neulich…

• Kausaladverbien (Wieso/Weshalb/Warum): nämlich, sonst, dennoch, deshalb, also, darum, trotzdem, sicherheitshalber, folglich, somit, weil…

• Modaladverbien (Wie/Wie sehr/ Wie viel): vielleicht, gerne, leider, äußerst, hoffentlich, kaum, so, wirklich, anders, möglicherweise, ebenfalls, kaum …
einteilen.

Sie sind nicht flektierbar und einige wenige lassen sich steigern. Im Zusammenhang mit Adverbien muß man auch Adjektive betrachten. Ich habe noch „Adjektive = Wie-Wörter“ gelernt. Adjektive beschreiben, wie etwas ist. Man kann sie steigern (schön, schöner, am schönsten) und sie sind flektierbar (also passen sich dem Kasus an: Nominativ = Wer/Was, Genitiv = Wessen, Dativ = Wem, Akkusativ = Wer/Was → die schöne Welt, der schönen Welt, der schönen Welt, die schöne Welt).
Schön, weit, lang, einfach, schnell, grob, lustig, grün …
Feierlich, schmutzig, traumhaft, mühsam, blumig … – aus Substantiven gebildet.
Lösbar, schweigsam, fragend, ersehnend … – aus Verben gebildet.
Eine Abgrenzungsregel zu Adverbien ist folgende:

Adverbien stehen beim Verb, Adjektive beim Substantiv.

Leider haut das nicht immer hin und in dem unten aufgeführten Artikel* gibt es dafür auch ein schönes Beispiel. Hier kommt meins:
1. Das gute Bügeleisen gefiel.
2. Das Bügeleisen bügelt gut.
3. Das Bügeleisen ist gut.
Adjektive können als attributive Adjektive ganz stinknormal benutzt werden (Satz 1).

ABER eben auch als adverbiales Adjektiv (Satz 2) und da klappt es nicht mehr mit der Regel, weil das Adjektiv wie ein Adverb nun beim Verb steht.

Die dritte Möglichkeit ist das prädikative Adjektiv (mit „sein“ als Hilfsverb, Satz 3).
Soviel und auch nicht mehr zu den technischen Details und Tücken!
In der Literatur und im Kreativen Schreiben ist es nun so, daß Adverbien ganz, ganz böse sind. Umstandswort = umständlich. Sie dehnen den Satz und die Aussage wie Kaugummi. Und das führt dazu, daß die Spannung flöten geht, die Aufmerksamkeit des Lesers ermüdet und der rote Faden, der Handlungsstrang, der Spannungsbogen unter der Last der Adverbien zusammenbricht. In der Literatur, in einer Geschichte führt der Autor den Leser vom Beginn zum Ende. Der Leser soll natürlich bei der Stange bleiben und sich deswegen mit den Charakteren identifizieren, sie ablehnen, sie mögen, sich interessieren und in jedem Fall eine Beziehung zu ihnen aufbauen. Das hat immer dann besonders gut geklappt, wenn wir auf der letzten Seite ganz traurig sind, weil die Geschichte (das Buch) nun zu Ende ist. Adverbien und Adjektive können uns helfen, eine Situation näher zu erklären, die Handlung plastischer zu gestalten und die Umstände (!) zu erläutern. Sie können aber auch Offensichtliches wiedergeben und damit die Phantasie des Lesers im Keim ersticken und ihn langweilen.
Beispiel: Dampf trat stoßweise aus dem heißen Bügeleisen, als sie entschlossen den zerknitterten Hemdkragen auf dem Bügelbrett ausbreitete.
Wenn aus einem Bügeleisen Dampf austritt, ist anzunehmen, daß er heiß ist. Merke: „heiß“ ist böse – streichen! Bei normalen Bügeleisen tritt der Dampf stoßweise aus. Aber ist das für die Geschichte von Bedeutung?? Und wenn ja, warum??? Weg damit!
Bei dem „zerknitterten Hemdkragen“ sieht es schon anders aus. Der Hemdkragen sagt uns, daß es einem Träger, Komma männlich, gehört. Das könnte wichtig sein. Ist der Träger Teil der Geschichte? Ist es ein Hinweis auf die emotionale Verfassung der bügelnden Frau? Erzählt es uns etwas über die Beziehung zwischen den beiden? Das „zerknittert“ muß hinterfragt werden. Ist es für die Geschichte wichtig, daß es zerknittert ist? Ist es eine Metapher und steht in engem Zusammenhang mit der Geschichte? Oder ist es nur ein überflüssiges Detail, denn warum sonst sollte jemand einen Hemdkragen bügeln, wenn er nicht eben „zerknittert“ ist? Viel spannender wäre doch die Tatsache, einen tadellosen Kragen zu bügeln, weil wie uns dann fragen, WARUM?! Und was ist mit „entschlossen“? Geht diese Handlungsdynamik bereits aus der Situation hervor, dann kann man es getrost streichen. Ist es wichtig für den Spannungsbogen, für die Geschichte? Brauchen wir wirklich Entschlossenheit an dieser Stelle?
Merke: Der Gebrauch von Adverbien/Adjektiven will wohl überlegt sein.
Ganz wunderbare Beispiele habe ich in dem Buch von Susan Elisabeth Phillips, Küss mich, wenn Du kannst (ja, es war ein Geschenk) gefunden. Wir bekommen jedes Detail beschrieben, ob wir nun wollen oder nicht. Und die eigentliche Dramatik liegt darin, daß ich das Buch an willkürlichen Stellen aufgeschlagen habe und immer und sofort einen Satz gefunden habe, der als Beispiel taugt. „Er trug ein langärmeliges gelblich graues Seidenhemd und eine passende Hose aus diesen Mikrofasern, die sich bei jeder Bewegung an seine Beine schmiegten.“(S. 192) „… ein preiselbeerfarbenes Baumwoll-Twinset und Bermudas“ (S. 210), „…mit dem gelben Band ihrer Gänseblümchen-Swatch-Uhr.“(S. 212 ) „Die Baseballkappe saß so tief über den Ohren, dass nur die lockigen Enden der blonden Haare hervorlugten.“ (S.234)
Aber das eigentliche Problem, welches sich durch die ausschweifende Verwendung von Adjektiven äußert, ist ein anderes Gesetz: Show, don’t tell. „Sobald Ray seine dünnen, über den Oberkopf gekämmten Haare losgeworden war, hatte er auch sein Verhalten geändert und sich als wirklich netter Typ entpuppt.“ (S. 346).
Mal abgesehen davon, daß hier in epischer Breite über die Haare und ihre Kämmrichtung philosophiert wird, wird uns seine Charakterentwicklung auf dem Silbertablett serviert. Offensichtlich war er mal doof, jetzt ist er nett. Entweder ist dies die Zusammenfassung seiner Entwicklung in der Geschichte, dann wissen wir das bereits, denn als Leser waren wir ja dabei. Also total überflüssig, weil gähnend langweilig. Wenn wir aber nicht dabei waren, wenn wir das einfach so gesagt bekommen, dann frage ich mich, warum hat er sich geändert und wieso sind wir nicht dabei gewesen???

Hatte die Autorin keine Lust, diese Entwicklung in der Geschichte zu erzählen, war es nicht wichtig, warum dann überhaupt darüber schreiben oder hält sie uns, die Leser, für so blöd, daß uns so eine Entwicklung nicht aufgefallen wäre und wir sie nicht erkannt hätten?

Augenscheinlich bevorzugt Frau Phillips die Kaffeebecher-Methode¹ – nur für den Fall der Fälle!
Die Idee dahinter ist jedoch gut: Mit dem Wegfall der scheußlichen Haare verliert auch der Protagonist seine unsympathischen Charakterzüge.

Show, don’t tell bedeutet aber, dies zu zeigen: Also Wandlung in Handlung zu transferieren.

Durch die Dinge, die er in der Geschichte tut, die er sagt, Dialoge, Interaktion mit anderen Personen, Gegenständen. Das ist natürlich etwas mühsamer als: „Er war ja mal doof, jetzt isser prima“.
Show, don’t tell produziert aber auch in gewisser Weise ein Dilemma. Zeigen bedeutet, konkret und im Detail zu schreiben, Stimmungen und Gefühle zu transportieren, den Moment auszuschmücken, damit er für den Leser greifbar, bildlich und persönlich wird. Und das ermöglichen wiederum Adverbien und Adjektive.
Sie trug eine gelbe Jacke.
Penelope trug ausgerechnet die sonnenblumenfarbene Chanel-Jacke aus der Vorjahreskollektion.
Ausgerechnet Penelope trug die sonnenblumenfarbene Chanel-Jacke aus der Vorjahreskollektion.
Penelope trug die sonnenblumenfarbene Chanel-Jacke, ausgerechnet aus der Vorjahreskollektion.
Das richtige Adverb/Adjektiv zum richtigen Zeitpunkt zu schreiben, erfordert vom Autor Gespür für die Situation. Dieses Gespür zu entwickeln erfordert Übung. Übung entsteht durch … Lesen … und Schreiben.

Und dem Schreiben muß der Autor Zeit widmen. Deswegen lohnt sich auch das Liegenlassen und ein neuer, frischer Blick auf den Text.
Wir knüpfen an dieser Stelle nahtlos an das vorletzte Kapitel an. Langweilige und langatmige Sätze entstehen durch zu viel AA. Interessante, spannende Sätze brauchen a) kein AA, weil es aus dem Kontext bereits hervorgeht oder b) bekommen ein wirklich gewolltes AA zur Inhaltsverstärkung. In der Lyrik ist das übrigens genau das Gegenteil. Lyrische Texte, Gedichte, die einer ganz anderen Textzeit unterliegen, also wo es weniger um Spannung und „was passiert auf der nächsten Seite“ geht, haben die Zeit und Muße, mit AA Stimmungen und Atmosphären zu erzeugen, in die der Leser dann eintauchen kann und soll. Wobei auch dort ein Zuviel Stimmungskiller ist! Das war doch jetzt mal wirklich sehr metaphorisch, zwinker, zwinker.
Bloggernutzen: sparsame und effiziente Nutzung von AA macht den Text schlanker, erhöht die Leseaufmerksamkeit, regt die Phantasie des Lesers an und verhindert langatmiges Schwafeln.

Deine Aufgabe:
Wähle ein paar Fremdtexte aus (Werbeanzeige, Zeitschriftenartikel, Romanseite … was fällt Dir noch ein?) und unterstreiche alle Adverbien/Adjektive (z.B. Rot für Adverbien und Grün für Adjektive). Was fällt Dir auf, was gefällt Dir oder gefällt Dir nicht?
Beschreibe kurz Deinen Eindruck.
Nimm Deinen ersten Übungstext (Champagner, Whiskey, Käse) und markiere alle Adverbien/Adjektive. Welche würdest/könntest Du löschen? Speicher den bearbeiteten Text neu ab, damit die alte Version erhalten bleibt!
Was fällt Dir auf? Beschreibe kurz Deinen Eindruck. Wenn Du magst, poste die alte und neue Version zusammen.

 

Und die Übersicht aller Kapitel findest Du HIER
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* http://de.wikipedia.org/wiki/Adverb
¹ Warnung auf Kaffeebechern: Vorsicht, Getränk könnte heiß sein!
Duden. Grammatik. (Hier werden Adverbien und Adjektive und deren Bildung aus anderen Wörten dezidiert beschrieben)
Pahlow, Heike. Deutsche Grammatik. Einfach, kompetent und übersichtlich. Engelsdorfer Verlag. Leipzig 2010. (Basiswissen Grammatik, eigentlich für Schüler gedacht. Sehr schön übersichtlich und einfach erklärt!)
Phillips, Susan Elisabeth. Küss mich, wenn Du kannst. Blanvalet Verlag 2005.

 

 

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