Tag Archives: Textpfusch

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Die Geister, die ich rief – der Hashtag #

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little-editionDie kleine Reiseherde trottet ihm brav hinterher, dem feuerroten Regenschirm, den der Reiseleiter in die Höhe hält, damit alle ihn sehen können. Der Hashtag erfüllt die gleiche Funktion im web: hinter dem Symbol # folgt ein Schlagwort oder auch eine kreativ zusammengewürfelte Reihe an Wörtern, die ohne Leerzeichen angefügt werden.

Gebe ich zum Beispiel bei Twitter #lbm16 ein, finde ich alle Tweets und Verlinkungen innerhalb Twitter, die durch das #lbm16 markiert oder “denglish” getagged wurden. In diesem Fall alles zur Leipziger Buchmesse.

Je spezifischer so ein Hastag ist, umso eindeutiger die Ergebnisse. Bei #mode kann ich lange und ohne Gewähr suchen, bis ich vielleicht die Louboutins aus der Frühjahrskollektion von 2012 finde. Bei#louboutin12 könnte es sich vielleicht sogar um ein Gewinnspiel handeln, zu dem es ganz konkrete Beiträge zu diesem Ereignis gibt.

Ein Hashtag hilft, Informationen zu bestimmten Inhalten und Themen zu finden. Ist also überaus nützlich, wenn man auf eigene Beiträge verweisen und aufmerksam machen will. Ein Hashtag-Gewitter erschlägt mich eher, ist aber weit verbreitet. Die Streuung durch mehrere Hashtags ist definitiv breiter, aber ob sie dann auch relevante Adressaten anspricht?

Beispieltweet:

“Neuer Beitrag im blog: alles über Frühjahrsblüher #blume”

  • ist unspezifisch und ein bisschen mager, um nicht zu sagen blutleer

“Neuer Beitrag im blog: alles über Frühjahrsblüher #Tulpe #Frühjahr #Grün #Krokus #Sonne #Temperatur #kurzehosen #totehosen #März #Sonnenbrand #Fruehlingserwachen #Maulwurf #rosa #pinkdiamond #Sonne #Graswachsenhören #”

-eindeutig zuviel des Guten und ich frage mich auch, ob Fans der Toten Hosen per se gartenaffin sind, der Maulwurf den KGB auf den Plan ruft und sich Nagellackjunkies die Hände im Garten dreckig machen würden

“Neuer Beitrag im blog: alles über Frühjahrsblüher #fruehlingserwachen #tulpe #frittilaria meleagris”

  • aller guten Dinge sind drei und es macht Sinn, nach der relevanten Zielgruppe zu schielen: ist der Blog ein inhaltlich fundierter Gärtnerblog oder Lieschen Müller aus dem Schrebergarten? Welche Leser ich über den Hashtag erreichen will, gibt die Schlagworte vor.

Wie so ein Hashtag auch nach hinten losgehen kann, zeigt das (von mir anonymisierte) Beispiel eines Verlages.  Der Verlag “droelfzig” hatte ein Jugendbuch mit dem Titel “Diamond-Scrubber” (am. Slang für “Flittchen”) rausgebracht. Nun hatte der Verlag zu einem Gewinnspiel aufgerufen, unter dem #scrubber Photos zu posten, die den besonderen Juwelenmoment im Leben eines Teenagers zeigen sollten. Was ist passiert …

Neben ein paar anorektischen, überschminkten Teenagern sah man übergewichtige, farbige, tätowierte Damen in Netzschläuchen, die mit dem voluminösen Po vor der Kamera herum wackelten, die sich dann aber endlich umdrehten, nur um sich die ebenfalls voluminösen Brüste zu kneten.

Auf meine sehr freundliche Nachfrage antwortete der Verlag, daß “scrubber” nun mal der Titel des Buches sei und der Hashtag deswegen gewählt worden sei und für andere Inhalte zu diesem Hashtag sei man nicht verantwortlich.

Ich konnte es mir nicht verkneifen, nachdem ich mich artig für die Antwort bedankt habe, zu fragen, ob dann auch die tätowierte Dame, die breitbeinig auf einer Toilette sitzt, in der einen Hand eine Flasche Jägermeister, in der anderen eine Pistole, während ein ebenfalls überproportional tätowierter Herr zwischen ihren Beinen kniet, am Gewinnspiel teilnimmt. Denn ein Juwelenmoment ist das ja … irgendwie …

Die Social Media Abteilung hat schlicht versäumt, die Reichweite und Nutzung des Hashtags #scrubber vorher zu prüfen. Mit der einfachen Erweiterung auf #scrubbergewinnspiel oder #scrubberbuch wäre der Hashtag zwar nicht mehr kurz und knackig, aber dafür jugendfrei. Und gerade als Jugendbuchverlag ist das für mich aus Marketingsicht und einer generellen Verpflichtung (siehe Internet und Erziehungsauftrag) doch nun selbstredend.

Auch viele eigentlich harmlos anmutende Schlagwörter werden gerne missbraucht, um unangemessene Inhalte zu verbreiten, die gegen die Richtlinien derjenigen Plattform verstoßen. Insofern ist die Auseinandersetzung mit Hashtags auch für Blogger relevant. Ein Lifestyleblogger, der fröhlich von #myhomemycastle schreibt, möchte auch nicht mit pornografischen Inhalten in Verbindung gebracht werden, deren Konsumenten dann ja auch nicht die primäre Zielgruppe für den Blog sind.

Wie nutzt Ihr Hashtags und/oder Schlagwörter? Macht Ihr Unterschiede bei den Hashtags abhängig von der Social Media Plattform? Seid Ihr mehr #-Puristen oder nehmt Ihr jeden Hashtag, den Ihr kriegen könnt?

 

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little edition | Textpfusch – traumhafte Kommentare

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little editionHeute gibt es eine Art Kategorien-Crossover. In der Minnesang & WortMord habe ich gerade erst über Inbound als Marketingstrategie für Freiberufler geschrieben. (Liest Du hier …) Als Freiberufler ist man Produkt und Marke zugleich und das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Art und Weise, wie und wo man sich vermarktet. Im Textpfusch gucke ich mir Werbetexte an und erkläre anhand von Beispielen, warum an der Stelle Textpfusch herrscht und wie es besser geschrieben wird.

Im heutigen Textpfusch geht es ums Kommentieren. Social Media ist nicht nur ein Weg, sich ein Netzwerk an Kontakten aufzubauen, interessante Themen und Menschen kennenzulernen, sondern die eigenen Inhalte zu präsentieren. Dazu gehört auch das Kommentieren von Beiträgen anderer, was das soziale Miteinander auf den verschiedenen Kanälen lebendig macht und hält. Bei Lieschen Müller ist es eigentlich egal, ob da nun Stuss steht oder nicht. In dem Moment, wo ich aber komplett dienstlich, als semi- oder professioneller Blogger unterwegs bin, ist auch der Kommentar etwas Aufmerksamkeit wert.

 

Jeder Kommentar präsentiert mich als Person, repräsentiert mich als Produkt und formt über die Wahrnehmung des Lesers mein Profil als Marke.

 

So, wie ich mich im Kommentar darstelle, erzähle ich auf der Metaebene über mich als Person. Und repräsentiere damit mich als Marke.  Der Leser findet mich humorvoll, sympathisch, kritisch, interessant, kompetent, informativ … was auch immer. Und überträgt seinen Eindruck von mir auf mein Produkt, das Schreiben. Im positiven Fall lockt ihn der Kommentar auf meine eigene Seite und ich kann ihn zu einem Leser und Kunden machen. Im negativen Fall erwecke ich einen unprofessionellen, unsympathischen Eindruck und auch das spricht sich im sozialen Netz rum.

 

Bloß nicht mit Fremdwörtern importieren, die man vorher nicht zu 100% vertikutiert hat.

 

Es fällt unter die “Lieschen Müller”-Kategorie und amüsierte mich eher, als ich von einer Mutter las, die von den vielen von ihr ausgeübten Tätigkeiten an der Schule ihres Kindes berichtete und schrieb: “Ich bin halt eine viel arrangierte Frau!”

Auch Selbstreflexion ist eine Tugend, die sich in allen Schichten findet: “Glaubst Du, mir viel das leicht?”

Der Bereich Allgemeinwissen und Etymologie (Wortherkunft) ist schon was für Ausgefuchste. Denn, daß sich die Lespe ganz ringelnatzig auf Wespe reimt, ist unumstritten. Die Dame mit den gleichgeschlechtlichen Ambitionen hat jedoch weder inhaltlich, noch etymologisch etwas mit den stechgefährlichen Vespinae zu tun. Es war die griechische Dichterin Sappho, die um und bei 600 v.C. auf Lesbos (griechische Insel) lebte und deren Dichtung, der die Sapphiten und späteren Lesben ihre Bezeichnung verdanken. So wird es zumindest überliefert.

 

Die Jagd nach dem Tippfehler – Sisyphos läßt grüßen

 

Auf Twitter wurde innerhalb der schreibenden Zunft heftig diskutiert, ob man Rechtschreibfehler in Manuskripten, Blogbeiträgen und Tweets tolerieren könne. Mit Blick auf die intellektuelle Nahrungskette und den vorangegangenen Beispielen halte ich das für Klagen auf hohem Niveau. Es rutscht immer mal ein Vertipper durch, das passiert mir ja auch. Schon veröffentlicht und upssss – da ist ja doch noch einer. In einem Rohtext, also einem ersten Entwurf, stehen da plötzlich Wörter, bei denen ich mich frage, ob Deutsch wirklich meine Muttersprache ist. Und dann bringt mich die semantische Sättigung um den Verstand. Ich starre so lange auf ein Wort, bis dessen Bedeutung komplett verschwindet und auch das Gefühl für das Wort. Da könnte das “Gänseblümchen” nach 5 Minuten auch ein chinesischer Ausdruck für tiefste Abscheu sein.

Ich stimme jedoch zu, daß Artikel und Texte – und auch längere Kommentare – die ganz offensichtlich keiner einzigen Korrektur unterzogen wurden, einfach blöd sind. Das muß nicht sein, das hat auch was mit dem Respekt vor dem Leser zu tun. Aber päpstlicher als der Papst sein …  wenn ich einen Fehler finde, wie das “Renntier” in einem Weihnachtsblogbeitrag, dann schicke ich eine diskrete Nachricht mit einem freundlichen Hinweis und keine Ätschi-Bätsch-Belehrung. Da ist ein öffentlicher Kommentar meiner Meinung nach unangebracht.

 

Die superlative Begeisterung kennt nur zwei Ausdrücke.

 

Schönheit regt zum Kommentieren an. Ob ein gelungenes Photo, ein tiefsinniger Gedanke, ein intensives Gefühl, eine bewegende Geschichte. Nun lese ich überproportional viel “wunderschön” und “traumhaft”. Geht nur mir das so? Durch die Lesehäufigkeit verlieren die Wörter ihre Aussage und Qualität. Ich finde das sehr schade, denn manchmal ist “wunderschön” und “traumhaft” wirklich das passende Wort zum passenden Zeitpunkt. Für mich sind “traumhaft” und “wunderschön” mittlerweile indizierte Worte, die ich selbst meide wie der Teufel das Weihwasser, eben weil sie so abgenutzt sind (und bewußt auch noch nie benutzt habe, fällt mir gerade auf).

Auch die Kommentiermotivation wird mitgelesen und es fällt auf, ob jemand mit geringem inhaltlichen Aufwand maximal mögliche Aufmerksamkeit erregen will. Wenn ich mir Gedanken mache, was ich in einen Kommentar schreiben könnte, was auch nicht episch sein muß, dann zeige ich damit, daß ich mich mit den Inhalten auseinandersetze. Was wiederum auf den eingangs beschriebenen Gedanken über Marketing und die Metaebene verweist: Was sagt das über mich aus und überträgt sich auf mein Produkt, meine Marke, wenn ich ganz bewußt kommentiere, mich beteilige und Inhalt statt seelenloses Blabla beisteuere.

Womit ich nicht sagen will, daß auch mal ein Smiley eine passende spontane Reaktion sein kann. Bei mir ist die Klammer mit Doppelpunkt das höchste der Gefühle, ich verweigere mich jeglichen Emoticons. Das ist aber nun meine persönliche Haltung. Wenn ich nichts weiter zu sagen habe, klicke ich auf ein soziales “Herzchen” und habe damit ja schon gesagt: Find’ ich gut.

Der Kommentar als Marketinginstrument und aufschlussreiche Selbstdarstellung – wie seht Ihr das? Kommentiert Ihr viel, oft und häufig? Was kommentiert ihr? Wie geht Ihr mit Kommentaren Eurer Beiträge um?

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Hier bloggt ein Blogger!

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TextpfuschAuch große Firmen haben den werberischen Nutzen von Bloggern erkannt. Viele halten sich Blogger durch budgetfreundliche Goodies warm, manchen zahlen tatsächlich für Posts, abhängig von der Popularität des Bloggers. Blogger als Testimonial. Das hatten wir doch gerade erst. Manches Unternehmen gönnt sich auch Pseudoblogger und engagiert Texter, um mit dem trendigen Etikett “Blog” Kundennähe, Insider-Info und casual communicating zu suggerieren.

Wie das in meinem heutigen Fall von Textpfusch ist, kann ich nicht beurteilen. Der Textpfusch selbst hinterläßt allerdings ein Fragezeichen, zumindest auf meiner Stirn. Worum geht’s? Im Newsletter einer Supermarktkette wird auf den firmeneigenen Blog verwiesen. Dort gibt es Passendes zum Thema, also primär Rezepte und Basteltipps. Da wurde vorher die Zielgruppe recherchiert…

Das ist jetzt aber gar nicht der wunde Punkt. An sich ist der Newsletter gut aufgebaut und thematisch zielgruppen- und produktorientiert korrekt gefächert. Was mich tatsächlich richtig aufregt, ist die Bildbeschreibung. Die Überschrift lautet nämlich: “Neu im Blog”, darunter folgt das dynamische Photo einer jungen Frau und als Bildbeschreibung darunter steht: “Marie, Bloggerin”. Ja, was soll sie denn sonst sein? Vom Informationsgehalt her ist das doppelt gemoppelt, denn ich habe ja schon gelesen, daß es um Themen aus dem Blog geht. Das Photo impliziert, daß diese Person diejenige ist, die das Blog schreibt.

Die Bildbeschreibung “Marie, Bloggerin” führt bei mir zu folgenden Interpretationen:

  • der Newsletterbetreiber hält mich für so blöde, daß er mir erklären muss, daß ein Blogger im Blog bloggt
  • die Marketing-Abteilung hat ihre primäre Zielgruppe recherchiert, findet den Hype um Blogs cool und möchte mit dem Trend gehen. Dieser Blog wäre dann ein Fake-blog und hätte sich selbst entlarvt
  • derjenige mit der Blogidee wollte stolz vermitteln, daß hier ein ganz echter Blogger schreibt und nicht die Vetriebsleiterin, Vorstandsvorsitzende oder Verkäuferin des Monats

So, wie der Schreiber eines Artikels automatisch der Autor ist, ist der Schreiber eines Blogs ein Blogger, ob nun echt oder unecht. Davon geht jeder Leser aus, selbst der, der noch nie von Blogs gehört hat.

Warum ergänzt man den Namen (der doch so nett für einen persönlichen Beziehungsaufbau sorgt) nicht mit einer zum Blogthema passenden inhaltlichen Ergänzung? Denn auf dem Blog selbst erfahren wir bei “über mich”, wer Marie ist und was sie so macht. Auch da gefällt mir die Umsetzung mit der Verlinkung nicht, das ist aber eine andere Baustelle.

Mein Vorschlag könnte so aussehen:

Neu im Blog  [Photo] Marie, Kreativjunkie

oder

Neu im Blog  [Photo] Tipps, Rezepte und Bastelideen mit Marie

oder

Neu im Blog [Photo] Marie stellt vor… (das wäre dann mein Favorit)

Und falls Ihr Euch jetzt fragt, warum ich keine Produkte oder Firmen nenne, liegt das an folgendem Grund: Mir geht es um das Gespür für noch bessere Texte ohne jemanden vorzuführen. Beispiele aus dem wahren Leben als Übungsgrundlage, um die Wahrnehmung zu schulen: Was kann ich hier lernen? Wäre mir das aufgefallen? Kenne ich andere Beispiele? Das gehört zum Schreibhandwerk, zum schreibtechnischen Verständnis. Mit der Zeit und damit verbundenen Übung gehen Regeln, Do’s and Don’ts in Fleisch und Blut über. Wie das alte Sprichwort so ganz richtig sagt: Übung macht den Meister.

Textarbeit für weniger Textpfusch und mehr Wert.

 


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Kann man so machen, dann isses aber …

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little editionMehr Arbeit am Text hat Mehrwert. Denn das rechte Wort am rechten Ort kann Wunder bewirken. Deswegen lohnt sich immer ein Blick auf Synonyme, die Konnotation ist entscheidend. Welche Bilder, Gefühle und Assoziationen möchte ich beim Leser entstehen lassen? Manchmal scheitert es am Textrhythmus, manchmal ist es einfach das falsche Wort und irgendwas am Text kommt einem komisch vor. Irgendwie will er nicht so richtig wirken. Das richtige Medikament in der falschen Dosierung. Wie in diesem Fall einer Praxisvorstellung:

“… In unserer Praxis ist Ihnen genau dies gesichert. Außer einer intensiven und persönlichen Betreuung bieten wir Ihnen: eine kurzfristige Terminvergabe, kurze Wartezeiten in angenehmer Atmosphäre und eine gute Erreichbarkeit außerhalb der Sprechstunden.”

Das Pfusch-Wort ist “außer” im zweiten Satz. In dieser Konstellation wird “außer” als Präposition verwendet, welche eine Einschränkung ausdrückt. Eine Sache steht außerhalb oder in einer ausgeklammerten Position/Beziehung zu anderen  Sachverhalten, Personen, Gegebenheiten oder Situationen. (Das sagt der Duden). Inhaltlich drückt “außer” eine negative Bewertung aus.

Wie zum Beispiel: Außer Keksen gab es nichts zu essen. Keiner hatte das Klingeln gehört, außer Werner, der gleich neben der Tür stand. Außer Dir redet hier niemand. Ähnliches gilt für “abgesehen von”.

Der Autor wollte einen Mehrwert an Leistung demonstrieren, mit dem sich diese Praxis positiv vom Durchschnitt abhebt. Durch ein einfaches Ersetzen von “außer” durch “neben” läßt sich dies bereits lösen.

Auch hätte ich mich nicht für die “intensive” Betreuung im Zusammenhang mit einem normalen Praxisalltag, noch für kurzfristige Terminvergaben gefolgt von kurzen Wartezeiten entschieden. Der Autor möchte betonen, daß der Ablauf sich angenehm vom bekannten durchschnittlichen Praxisalltag abhebt. Der Praxisbesuch als emotionales Ereignis trifft den wunden Punkt, denn der Patient hat ja ein ihn selbst betreffendes medizinisches Anliegen. Beim Lesen sollen Gefühlszustände wie “angenommen sein”, “respektiert werden”, “behandelt werden” in den Vordergrund rücken. Aufmerksamkeit ist das Schlüsselwort als Erwartungshaltung des Patienten. “Intensiv” assoziiert hier eine intensiv-medizinische Behandlung, die mir für eine Praxis doch recht aufdringlich vorkommt.

“Kurzfristig” und “kurz” geht inhaltlich total in Ordnung, nur – zwei identische Wörter in einem Satz klingen nicht schön. Im zweiten Schritt geht es deswegen um das Schreibhandwerk. So, wie ein Maurer seine Steine versetzt anordnet, damit die Mauer stabil und belastbar ist, steht jeder Satz in direkter Beziehung zu seinen Satznachbarn. Konsequenterweise ergibt sich daraus die Bedingung, daß alle Sätze nahtlos zusammenpassen sollen. Je rhythmischer der Textfluss, umso leichter spricht der Inhalt an. In Kombination mit der intentionalen Wortwahl steigt die Akzeptanz des Lesers und führt so zu einem Kaufwunsch.

Wie ließe sich das nun umsetzen? Da ich zwei Sätze aus einem ganzen Textgefüge herausgenommen habe, und sich Sätze nicht beliebig wie in einem Baukastensystem kombinieren lassen, kann mein Vorschlag nur ein Denkanstoß sein. Konzeptionell müßte man dann schauen, wie sich die neu formulierten Sätze an ihre Nachbarn schmiegen oder reiben, je nachdem…

Mein Vorschlag (unter Einbeziehung der hier nicht zitierten Nachbarsätze):

“Damit Sie sich in unserer Praxis sicher und in guten Händen fühlen, gewährleisten wir eine zeitnahe Terminvergabe, kurze Wartezeiten sowie eine einfache Erreichbarkeit auch außerhalb der Sprechzeiten. Unsere fachkompetente, einfühlsame Betreuung durch ein hochspezialisiertes Team sorgt dabei für ein auf Sie, als Patienten, abgestimmtes Behandlungskonzept und ein vertrauensvolles Behandlungserleben.

Sollte ich hier auch noch mal auf die einzelnen Elemente eingehen?  Ich mach das mal in Stichpunkten:

Inhaltlicher Mehrwert durch …

Qualität: sicher und in guten Händen, gewährleisten, zeitnah, kurz, fachkompetent, hochspezialisier, Behandlungskonzept

Quantität (inhaltlich): und, sowie, ebenso wie, auch außerhalb

Emotion: sicher und in guten Händen, einfühlsam, Betreuung, vertrauensvoll, Behandlungserleben

Ich denke, daß es nicht immer DEN perfekten Satz gibt. Abhängig davon, wo der Autor die inhaltliche Betonung setzt, lassen individuelle Vorlieben und der persönliche Schreibstil Luft für Varianten. Bei einer Sache bin ich mir aber sicher: mehr Spaß beim Lesen durch Mehrarbeit am Text!

 


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