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little edition by Toni Scott

Der Medien-Knigge – Freebie für Eltern und Kinder

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In Teil I schrieb ich über Kommunikation und die eigene Haltung. Welche Werte trage ich und will ich auch unternehmerisch vermitteln? Wie kommuniziere ich diese Werte? Eine Empfehlung dazu ist die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg. Wer den ersten Artikel noch einmal lesen möchte klickt HIER. Mit dem Medien-Knigge (Download am Ende des Beitrages) stelle ich eine kleine Hilfestellung für Eltern und Kinder zur Verfügung, um einfacher und gezielter das Internet und Soziale Medien zu nutzen. Warum das so wichtig ist, erzähle ich in diesem Beitrag.

 

In Teil II geht es um unseren Erziehungsauftrag im Bezug auf den Umgang mit Medien und dem Internet. (+ Freebie)

 

Ich denke, für die meisten Menschen gilt, daß sie auch online, im Web, mit der gleichen Freundlichkeit, Höflichkeit und mit Respekt behandelt werden möchten, wie im normalen Leben. Daß wir unterschiedliche Ansichten darüber haben, was genau Freundlichkeit, Höflichkeit und Respekt ausmacht, liegt am individuellen Empfinden. Da gibt es Normvarianten in der Auslegung.

Als Eltern haben wir dabei eine Vorbildrolle und Verantwortung unseren Kindern gegenüber. Welche Werte vermittle ich als Eltern? Welche Regeln möchte ich aufstellen, um die Sicherheit meiner Kinder zu gewährleisten? Auf der einen Seite sollen Kinder ganz beiläufig mit Technik, Medien und den Möglichkeiten des Internet aufwachsen. Sie sollen ihrem Entwicklungsstand entsprechende Inhalte nutzen dürfen, sich mit Themen auseinandersetzen und spielerisch das Medium erkunden. Auf der anderen Seite gibt es sowohl eine Aufsichtspflicht, als auch einen Erziehungsauftrag. Und ein Leben jenseits des Internet.

Es gibt keinen „den einen richtigen Weg“, denn die Grenzen, die Eltern in ihrer Erziehung setzen (müssen), werden subjektiv wahrgenommen. Die einen sind liberaler, die anderen autoritärer, ganz anderen ist das völlig egal oder es scheitert an Ahnungslosigkeit. Das meine ich wertfrei. Grenzen sind wichtig sind und Kinder brauchen sie auch. Viele Eltern sind unsicher oder ohne Überblick, wenn es um digitale Grenzen geht. Das ist ein „auf ie Idee wäre ich gar nicht gekommen“-Moment,  weil Erwachsene und Kinder unterschiedliche Interessen und ein unterschiedliches Internetverhalten haben.

 

Eltern müssen sich mit digitalen Medien auseinandersetzen, selbst, wenn sie diese nicht selber nutzen.

 

Ich halte es für selbstverständlich, daß Eltern sich mit diesem Thema auseinandersetzen. Daß es überhaupt ein Bewußtsein für die Frage gibt, in welchem Umfang und mit welchen Inhalten (die eigenen) Kinder konfrontiert werden. Wie fange ich an? Um überhaupt eine Meinung haben zu können, um festzustellen, wo Grenzen gezogen werden müssen, helfen diese Fragen:

  • Welche Medien sind vorhanden?
  • Wie alt ist mein Kind?
  • Welche Medienformate erlaube ich meinem Kind in welchem Umfang zu nutzen, wie z.B. Fernseher Handy (was auf dem PC funktioniert, funktioniert grundsätzlich auch auf einem Smartphone… facebook, youtube…
  • Computer/Tablet PC-/Videospiele/ Wii / Playstation / X-box
  • Wieviel Zeit darf mein Kind mit einem oder den vorhandenen/erlaubten Geräten insgesamt verbringen?
  • Wann darf es Medien nicht oder eingeschränkt nutzen?
  • Welche Programme/Spiele darf es sehen, nutzen?
  • Darf mein Kind Medien ohne Aufsicht nutzen?

 

Zuerst muß ich mir als Mutter/ Vater/Erziehungsteam klar werden, was ich unter welchen Bedingungen erlauben will.

 

Grundsätzlich gilt, je kleiner das Kind, umso mehr Aufsicht im Sinne von Begleitung. Gemeinsam gucken, was in der Welt, im sozialen Austausch passiert. Gemeinsam Regeln erstellen und über Grenzen sprechen. Spätestens in der Pubertät verkriecht sich das ehemals kleine, süße Knuddelmonster mit seinen Pickeln und eigenartigen Ansichten in seinem Zimmer und kommt nur noch zum Essen, um Forderungen zu stellen oder sich generell zu beschweren heraus. „Teenager in the House. Brain under construction.“

Und dann ist es gut, wenn man als Eltern Regeln aus der Tasche ziehen kann und Grenzen setzt, die man dann allerdings auch bis aufs Blut verteidigen muß. Dein Kind findet das völlig bescheuert und alle anderen dürfen das und mieses Karma ist nichts gegen das Schicksal, Dich als Eltern ertragen zu müssen.

 

Neulich las ich auf Instagram von „der schönen, heilen Instawelt“. Die gibt es nicht.

 

Genausowenig, wie es eine heile Welt in der analogen Realität gibt, gibt es keine heile Webwelt. Das Internet, die sozialen Medien sind voll von friedlichen, kleinen Enklaven und das ist gut – aber auch schon alles. Jedes Medienformat wird auch von der dunklen Macht genutzt, benutzt und missbraucht. Was sich noch ganz lustig nach Star Wars und Jedi Rittern anhört, ist jedoch illegal, kriminell, juristisch verfolgbar und moralisch-ethisch so krank, daß einem schlecht wird.

Apps und soziale Dienste werden von Kindern genutzt, die mit nicht kindgerechten Inhalten konfrontiert werden und von Kindern auch nicht handlungsreif genutzt werden können. Zum Beispiel Instagram. Ich sehe in meiner Timeline und in den Vorschlägen bunte Blümchen, Bücher, hübsche Einrichtungen und nette Gegend. Da kann man – je nach Interessenlage –  nicht meckern.

Instagram läuft nach U.S. Amerikanischen Recht und hat auch Richtlinien, die pornographische, rassistische und Gewalt darstellende Inhalte ausschließen. Das klappt nur bedingt. Abgesehen von Spam wimmelt es von echten oder vorgetäuschten depressiven Teenagern, die Bilder von Selbstverletzungen posten, Beichtseiten, die das Dr. Sommer-Team aus der Bravo so harmlos wie eine Krabbelgruppe aus dem Kindergarten wirken lassen, Pornographie und Fake-Accounts von Pädophilen, die allesamt auch auf snapchat, youtube und sonstwo vertreten sind.

Ich bin verwundert ob dieser großen Masse Menschen/Jugendliche, die sich auf diesen themenspezifischen Accounts „austauscht“. Das verschließt sich mir. Stichwort „Hormone im Internet“ –  das munter pubertierende Jungvolk hat frei flottierend in den sozialen Kanälen nicht immer ein Gefühl für Grenzen. Bei der Recherche zu diesen Beiträgen bin ich über „Sexting“ gestoßen, von dem ich in meiner heilen und keimfreien Welt nicht einmal wußte, daß es das und dafür überhaupt einen Begriff gibt. Cybermobbing, Persönlichkeitsrechte …

 

Die Selbstdarstellungskultur über soziale Medien gleicht einer Gehirnwäsche, die Kinder und Jugendliche in eine digitale Abhängigkeit treibt, die von Followern und deren Aufmerksamkeitserwartung diktiert wird.

 

Die Botschaft ist: Sex sells. Aufmerksamkeit über extreme Zurschaustellung, Verletzung eigener Grenzen, nur um wahrgenommen zu werden, Followerzahlen als Droge. Wenn diese Kinder „groß“ sind, was werden das dann mal für Erwachsene und Eltern? Sex, Drugs & Rock’nRoll, Missbrauch und Gewalt, das alles hat es schon immer gegeben. Neu sind nur die Kanäle. Ausgesprochen erschreckend fand ich die Beiträge über die App „youknow“, die ich unten verlinkt habe. Kinder, die sich unter dem Druck der Aufmerksamkeitsgenerierung zu Handlungen manipulieren lassen, die ihrem gesunden Gefühl für Grenzen widersprechen oder offensichtlich nicht einmal ein Gefühl dafür haben. Wo sind deren Eltern?

Auch Dating-Apps wie lovoo stehen auf meiner persönlichen No-Go Liste für Kinder. Hier wird in der App dezent auf „schwach ausgeprägte erotische Inhalte“ hingewiesen und ein Alter „ab 17“ empfohlen. Die App ist jedoch ab 13+ ausgewiesen und die Richtlinien empfehlen eine durch Eltern moderierte Nutzung, da die App nicht für Kinder unter 13 konzipiert ist..

 

Umsichtig genutzt, über elterliche Begleitung oder in einem professionellen (dienstlichen) Umfeld, sind alle medialen Kanäle problemlos und vermutlich sogar gänzlich unbemerkt von allem Missbräuchlichen nutzbar.

 

Ich tummle mich nun rein dienstlich auf Twitter, Instagram und Pinterest, kann also keine Aussage über die Nutzung anderer Dienste treffen. Privat bin ich noch langweiliger. Snapchat ist bei mir assoziativ mit Inhalten verknüpft, die mich davon abhalten, diese App zu nutzen. Da muß ich dann damit leben, daß ich diese Möglichkeit der Vermarktung meiner keimfreien Dienstleistung als Texterin nicht nutzen kann.

Ein Weg, Kinder zu schützen, sind die Grenzen, die ich als Eltern setze. Kinder können weder den Umfang noch die Konsequenzen ihres Tuns einschätzen. Aber der Gebrauch digitaler Medien kann zu einem verantwortungsbewußten Lernprozess werden, wenn sich Eltern mit digitalen Medien, ihren Inhalten, ihren Möglichkeiten und auch ihren Gefahrenquellen auseinanderzusetzen. Und gemeinsam mit ihren Kindern einen Weg zu finden, der zwischen „Ferien auf Saltkrokan“ und „Darth Vader“ verläuft.

 

Wie kannst Du Grenzen/Regeln konkret umsetzen:

  • Zeitfenster für die Nutzung von Fernseher, PC, … definieren und diese mit Bedingungen verknüpfen: gemachte Hausaufgaben, Hilfe im Haushalt, Spielzeiten, Sport… z.B. zwischen 10 Uhr 20 Uhr
  • Medienzeit als Budget festlegen (PC, Fernseher…) und als Belohnung einsetzen oder als Konsequenz einschränken, z.B. 1h/Tag Alternativen anbieten: Familienleben ohne Medien und/oder gemeinsam als Familie Medien nutzen
  • Apps und Dienste auf ihre Tauglichkeit untersuchen, Richtlinien durchlesen
  • Regeln im Umgang mit sozialen Medien erstellen z.B. ein als „privat“ geschützter Account, Kontaktaufnahmen limitieren, keine Direct Messages mit Menschen, die man nicht aus dem privaten echten Umfeld kennt, Messenger-Dienste (whatsapp) nur mit Freunden, mit denen man sich tatsächlich von Auge zu Nase befreundet hat, keine Bilder posten, die nicht auch am Schwarzen Brett in der Schule hängen dürften positives und stabiles Vertrauensverhältnis haben oder aufbauen; Kinder, die sich ihren Eltern mit kleinen Nöten anvertrauen können und mögen, tun dies leichter auch bei großen Nöten, wenn es dann wirklich drauf ankommt Vorbild sein, hinterfragen, wie man selbst mit Internet & Co. umgeht

 

 

Technische Hilfen:

Welche Möglichkeiten die jeweilige Technik hergibt, kann ich nicht beurteilen, aber hilfreich finde ich schon, wenn man überhaupt weiß, daß …

  • Die Fritzbox (Modem mit Router) z.B. bietet Filter an, in denen sich white- (gut) und black-lists (böse) anlegen lassen. Dort kann man unerwünschte Seiten sperren.
  • Die Fritzbox bietet außerdem die Möglichkeit, Profile anzulegen, denen ich dann IP-Adressen zuordnen kann: Kind bekommt ein Profil, in dem ich für jeden Tag ein Zeitfenster für funktionierendes Wlan einstellen kann und mehrere Geräte (Handy und PC) sich optional dieses Wlan-Budget teilen können – auch Spielbesuch mit eigenem Handy kann so erfasst und einem kinderfreundlichen Profil zugeordnet werden
  • Windows bietet das Tool „Family Safety“, welches ebenfalls Internetbudget anbietet, ein Protokoll der Aktivitäten, blacklists und mit dem Windows Lumia Smartphone gekoppelt werden kann. Windows beschränkt die Nutzung von Family Safety allerdings auf Microsoft Edge, bei allen anderen Browsern funktioniert das nicht mehr…
  • Öffentliches Wlan/woanders = alle Wege offen….

 

Mir ist wichtig, ein Bewußtsein für einen verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien für unsere Kinder zu schaffen. Damit die kleine heile Welt ein wenig größer und sicherer wird.

 

Um eine Anregung und Hilfestellung zu geben, habe ich mich hingesetzt und einen Medien-Knigge für Eltern und ihre Kinder erstellt. Mein Medien-Knigge basiert auf keiner juristischen Grundlage, sondern schlicht auf gesundem Menschenverstand und meiner persönlichen Einschätzung. Der Medien-Knigge ist ein Freebie und steht kostenlos als PDF zum Download zur Verfügung. Über ein Feedback freue ich mich sehr!

little edition by Toni Scott

Download Medien-Knigge

 

Für interessierte Eltern und Leser habe ich eine kleine Leseliste mit Links zusammengestellt.

 

Informationsseiten für Eltern (und Kinder)

Informationsseiten für Eltern (und Kinder)

Schütz Dich.de, Informationsseite für Jugendliche

Projuvenute, Über Sexting

Netkids – Kinder sind tabu

Klicksafe, eine Initiative  der EU mit vielen Informationen, Broschüren (PDF Download), Adressen und Links

Klicksafe, speziell für Kinder

Netzgemüse, eine Informationsseite und Buch von Johnny und Tanja Häusler zu Aufzucht und Pflege der Generation Internet

 

 

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