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Litcamp17 | Mein Literaturcamp in Heidelberg

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Am 24. und 25. Juni 2017 fand das zweite Litcamp in Heidelberg statt. Ein Barcamp mit dem Schwerpunkt Literatur für alle Lese- und Schreibbegeisterten. Und dieses Jahr war ich dabei.

litcamp Toni Scott | little editionDer Weg ist das Ziel

Die Anreise vom gefühlt nördlichen Polarkreis durch die Republik gestaltet sich mit der Bahn unberechenbar. Dafür habe ich mich auf dem Boden im Zug sitzend (immerhin in der ersten Klasse) sehr nett mit einem Informatiker unterhalten, dem ich vom Litcamp und auch von der Entwicklung und Qualität des Selfpublishings erzählen konnte. Eine Begegnung, die unter normalen Reisebedingungen sicherlich so nicht stattgefunden hätte.

Dank der Empfehlungen auf der Seite des LitcampHD habe ich ein sehr schönes und wunderbar gelegenes Pensionszimmer in der Altstadt bekommen, was meinem Budget als armer Poet sehr entgegen kam. Vielen Dank an die Pension Jeske für die mentale Unstützung auf der elfstündigen Anreise …

Heidelberg ist umwerfend.

Wenn man sich für Architektur und Kultur interessiert, für schöne Ansichten und Ausblicke, dann ist man hier am richtigen Ort. Und ein Litcamp beinhaltet für mich auch ein Versprechen an Inspiration und Kultur, an literarischer Kontemplation. Ganz das early bird bin ich am Samstag  frisch geduscht um 7 Uhr los marschiert und habe die Alte Brücke überquert, den Heidelberger Liebesstein fotografiert und bin in einer frühmorgendlichen Sommerbrise am Neckar entlang zum Dezernat16 spaziert.

Das Litcamp – live dabei

Wie ich gelesen habe, über vierzig Sessions und neun Räume, das ist der Wahnsinn. Ich habe meine Sessions auch danach ausgewählt, wen ich aus meiner Twitterblase als Referent gerne näher kennenlernen möchte. Wegen der vielen parallel laufenden Sessions nicht immer möglich. Was das Treffen von Twitterbekannten angeht: manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht und muss sich via Twitter orten. Das Litcamp ist auch eine Begegnungsstätte und in diesem Sinne habe ich mich über viele kurze und längere Gespräche gefreut.

Nun zeichnen sich Buchmenschen häufig durch eine gewisse Scheu aus, die einem gerne mal im Weg steht. Mir zum Beispiel. Ich gehe davon aus, dass ich weitestgehend unerkannt durch diverse Timelines rausche und so wollte ich mich auch nicht bei Alexandra vom Bücherkaffee anbiedern. Jedesmal, wenn ich an ihr vorbeikam, habe ich nur freundlich gelächelt. Zuviel VIP-Blogger-Respekt?? Schön doof, denn schließlich sprach sie mich an und da war schon keine Zeit mehr für einen gemütlichen Kaffee.

Writing Buddies

Nine @antitrist ist in meiner NaNoWriMo-Liste und jetzt konnten wir uns endlich mal richtig unterhalten. Auch Tanja Hanika gehört nun definitiv zu meiner Autorenfreundeliste. Ich habe Nike Leonhard wiedergetroffen, ein Anker, denn ich hatte sie auf der Leipziger Buchmesse persönlich kennengelernt. Klug und unaufgeregt, wie ich sie auf Twitter und auf ihrem Blog kennengelernt habe.

Ich hatte gerade bei den Blogparaden von Babsi @blues1ren (HIER geht’s zu meinem Beitrag) und den Rechargers @variemaa (über Inspiration liest Du bei mir HIER) mitgemacht und konnte mich persönlich für die tolle Aktion bedanken. Das passt auch über so eine Blogparade hinaus.

Ganz gerührt war ich von der Widmung, die mir Dr. Jürgen Albers @dr._juergen in mein persönliches Exemplar „Crossroads“ geschrieben hat. Wir haben ein paar Sessions zusammen erlebt, ein wenig philosophiert und ich wurde sehr aufmerksam und lieb mit Kaffee versorgt.

Sessions |Multitasking | Marketing

Nein, auch wenn Jürgen von meiner angeblichen Multitaskingfähigkeit zum Zuhören und Twittern beeindruckt war, so wirklich klappt das nicht, denn ich habe praktisch keine Photos gemacht. Dafür habe ich Maggo @maggostopheles nach seiner Session gebeichtet, dass ich es war, die einen Lovestorm wegen seiner Stimme losgetreten hat. Seit meinem VHS-Kurs zum Thema Stimmtraining (den Beitrag dazu liest Du HIER) achte ich viel mehr auf Stimmen und deren Wirkung. Mir hat sein breites Wissen sehr imponiert und ich finde Marco darüber hinaus auch sehr sympathisch. Die Session hatte defintiv Mehrwert und wurde ja auch gestreamt (demnächst bei youtube verfügbar).

Er war einer der wenigen, die sich außergewöhnlich gut präsentiert haben und da kommt dann der Werbemensch in mir durch. Am Ende muss sich die Sache verkaufen, ob nun Vortrag oder Buch. Und das gelingt über Marketing und auch, wenn Suse recht provokativ „Fuck Marketing“ als Session angeboten hat, ist die Art und Weise der Präsentation (als Synonym für Marketing) entscheidend für die Wahrnehmung beim Kunden (Leser, Zuhörer …) und dessen Kaufentscheidung. „Das kaufe ich ihm ab“ ist ein Ausdruck, der die Glaubwürdigkeit bestätigt. Wenn jemand oder etwas glaubwürdig ist, dann werden wir ihm eher vertrauen. Wenn ich als Autor glaubwürdig bin, dann werden Leser eher mein Buch lesen, ein neues Buch ebenfalls kaufen, mir zuhören.

Marketing heißt nicht zwangsläufig, den Kunden zu verarschen. Marketing beinhaltet Strategien, ein Produkt (Dienstleistung) sichtbar, wahrnehmbar und interessant zu machen und den Nutzen für den Kunden herauszustellen, so dass dieser bereit ist, Zeit und/oder Geld zu investieren. Alle Autoren/Selfpublisher müssen sich mit Marketing in eigener Sache auseinandersetzen. Selbst das Litcamp muss das, um für Sponsoren interessant zu sein. Das ist weder verwerflich noch schlecht. Es ist die Art und Weise, wie genau das dann passiert, die über die Wahnehmung und den Erfolg des Marketing entscheidet. (Ein paar Gedanken über Inbound und Outbond Marketing liest Du HIER)

Inspiration, Musen und der innere Kritiker

Tanja Steinlechner vom Schreibhain aus Berlin, Eva und auch Nicole Neubauer haben sich in ihren Sessions mit diesen Themen auseinander gesetzt. Inspiration kommt auf vielen Wegen und ihr Todesurteil sind die inneren Stimmen, die uns Autoren sagen, dass wir nicht gut genug sind, dass uns eh keiner lesen wird, dass alle anderen besser, klüger, profilierter sind. Dazu gibt es viele inspirierende Bücher und man muss sie immer wieder zur Hand nehmen und lesen. Aber noch viel wichtiger ist der Austausch mit Autorenfreunden.

Ich habe es heute an Nika Sachs @bordsteinprosa getwittert und sage es noch einmal: „Wenn wir uns nicht fair und neidlos unterstützen, wer dann?!“ Wir müssen aus unserer Schreibisolation ausbrechen und uns gegenseitig stärken und bestärken. Denn wer versteht Schreibprozesse und das Leben mit dem Schreiben besser als wir Autoren selbst?

Unerwartete Begegnungen und Grüße an die Daheimgebliebenen

Auf einmal saß Sascha @whatawrite vor mir, mit dem ich zusammen mit Ricarda @schreibsuechtiQ auf der Autorenrunde der Leipziger Buchmesse sehr angeregt gesprochen habe. Ich bin ein echter Selfieversager, denn das Bild, mit dem wir Ricarda grüßten, gehört nun nicht gerade zu denen, die ich als gelungen bezeichnen würde. Der Wille zählt, oder?

Auf eben dieser Buchmesse habe ich von der Verlagschefin Antje Wolf vom blv-Verlag unter anderem einen Kugelschreiber von Ingrid Haag bekommen. Die Ingrid guckte auch recht verduzt, als ich sie hier auf dem Litcamp ganz selbstverständlich grüßte und auch noch genau diesen Kuli aus meiner Tasche zog. Die Wege des Kulis …

Die Seele des Dezernat16

… ist Dirk Welz, sagte die Kulturbeauftragte aus Heidelberg zu mir. Und das kann ich bestätigen. Ich hatte das Vergnügen, abends einen kleinen Schnack mit Dirk zu halten und ich glaube, er ist der Ruhepol und Gegensatz zu Susanne Kasper, die ein nimmermüde Motor ist, um Gespräche und Kontroversen anzustoßen. Und in diesem Sinne bewegt das Litcamp nicht nur uns als Teilnehmer, sondern bewegt auch generell.

Autortentasche little editionUnd natürlich frage ich mich, was so ein Litcamp mit mir macht, mit meinem Schreiben, mit meiner Wahrnehmung von mir als Autorin. Ich bin dazu mit der Bergbahn zum Schloss hochgefahren und durch den Schossgarten und die Gebäude spaziert. Ich habe all die Eindrücke vom Litcamp mitgenommen und all die Menschen, denen ich dort begegnet bin und habe das alles bedacht, überdacht und wirken lassen.

Auf dem Weg zur Weisheit

Am Morgen des Sonntags traf ich einen Pilger an der Buhaltestelle. Er erzählte von 27 Jahren Pilgerschaft und der Wandlung in seinem Leben und dem Glück, dass er dadurch erfahren hatte. Er trug mir sein Gedicht zur Einsamkeit vor. Eine Einsamkeit, die ihn antrieb, die kein schwarzer Dämon, sondern eine verheißungsvolle Leere war, die es zu füllen galt. Am Abend, nach einem langem Tag, traf ich ihn in der Altstadt wieder und er rezitierte sein Gedicht über den Himmel und wünschte mir ein gutes Leben und dass ich Glück auf meinem Weg finden möge. Und wieder war es der Gedanke, nicht allein zu sein, einen Sinn zu entdecken, wenn man nur zu sehen bereit ist, der hinter seinen Gedanken stand.

Und das ist es doch, was das Litcamp ausmacht. Wir sind nicht allein. Nicht in unserem Schreiben und nicht in unserem Autorenleben. Wir gestalten es gemeinsam. Wir können füreinander da sein, uns zuhören und ermutigen, wenn wir uns dafür entscheiden. Wir alle tragen dazu bei, das Litcamp, das Schreiben und die Literatur mit Leben zu füllen und so Spuren auf dem Weg zu hinterlassen.

 

 

 

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