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Auf der Suche nach der Autorenstimme

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Meine Autorenstimme, wortwörtlich. Wie finde ich sie und warum sollte ich sie suchen?

Im letzten Sommer habe ich die Kurzgeschichte „Eve“ veröffentlicht und da war der Gedanke: Ich könnte die Geschichte als Hörbuch anbieten. Selbstgelesen. Ein befreundeter Musiker attestierte mir eine jodelnde Stimme mit vielen Kieksern. Da war sie hin, meine zart keimende Podcasthoffnung. Mit der Stimme kann ich mich unmöglich unters Volk wagen. Vielleicht sollte ich generell über ein Stimmdouble nachdenken? Singen kann ich nämlich auch nicht.

Die Autorenstimme auf little edition.deAls ich – noch durchaus optimistisch – bei den Podcasthelden mit Gordon Schönwälder recherchiert habe, der außerordentlich profunde und unterhaltsame Informationen zum Thema zur Verfügung stellt, muss mich der Weihnachtsmann beobachtet haben. Denn unter meinen Geschenken war … ein Mikrofon.

Passend dazu schrieb Marcus Johanus von Lern- , Komfort- und Panikzonen. Fühlte ich mich vor einem Jahr noch kurz vor einer aufregenden Lernzone, so fully equipped ist das eindeutig die Panikzone. Ich? Reden? Laut? Vor Leuten?

Dazu eine kleine Anekdote:

Es war von der ersten Stunde Grundschuluntericht klar, dass Deutsch mein Ding ist. Und weil mein Lehrer so begeistert von meiner Vortragskunst war, fiel die Wahl auf mich, um bei einem Spendenkonzert von Ivan Rebroff die Blumen und ein paar Dankesworte zu überreichen.

Das Konzert war grandios. Ich werde Ivan Rebroff immer als Tevje (Anatevka) in Erinnerung behalten. Ich war aufgeregt. Erklomm die Stufen zur Bühne und stand vor einem Schrank von Menschen in einem pelzbesetzten Mantel. Ein Hühne mit Rauschbart und ich dachte: „Text … Text … lass Dir was einfallen … improvisiere … sag was!“

Ich habe improvisiert, den riesigen, mich kleine Person überragenden Blumenstrauß überreicht und wurde von Ivan Rebroff geknuddelt, bis ich keine Luft mehr bekam. Geschafft.

„Das war so toll, dass sagst Du noch mal ins Mikrofon, damit die 3000 Gäste das auch alle hören können.“

Ich wurde an den vorderen Rand der Bühne geschoben, stand vor einem Mikrofon. 3000 Menschen blickten mich erwartungsvoll an. Ich starrte zurück.

„Fiep!“

Am nächsten Tag besuchte meine Klasse Herrn Rebroff in seinem Hotelzimmer.Er saß auf einem samtbezogenen Stuhl und unser Chor, mit mir in der zweiten Reihe, sang ihm zu Ehren „Ein Jäger aus Kurpfalz“. Wieso war ich eigentlich im Chor? („Du hast so eine schöne, klare Stimme“). Egal. Ivan Rebroff war sehr tapfer, ich saß anschließend auf seinem Schoß, bekam ein Autogramm mit Herzen und einer persönlichen Widmung und ich habe mich geschämt. Für mein Versagen, für den Jäger aus Kurpfalz.

 

Seitdem kriege ich Schnappatmung, wenn ich vor mehr als drei Leuten reden muß.

Dieses Reden-Dings ist für mich eine große Sache. Im Sinne des Navigierens (wo fließt das Leben, wo geht es leicht, wo öffnen sich Türen) startete im Januar ein exklusiver Podcastworkshop mit wöchentlichen Beiträgen von Gordon. Check: angemeldet. Unsere Flensburger VHS hatte einen Platz im Kurs „Finde Deinen Ton“ von der Stimmtherapeutin Tanja Rossis frei. Check: angemeldet.

Ich habe mich als Toni vorgestellt. Method writing … ich will ja herausfinden, wer diese Toni ist, wie sie schreibt, welche Autorenstimme sie hat. Ich will meine Stimme wiederfinden.

Ich will mich auf dieses Abenteuer einlassen.

Aber von vorne. Unsere Sprache ist an unsere Anatomie und Physionomie gekoppelt. Ohne Atem, ohne Stimmbänder, Kehlkopf, Lippen, Zunge, Zähne, Zwerchfell geht gar nichts.

Linguisten untersuchen Sprache als System in unterschiedlichen Fachdiszplinen, die der Sprachwissenschaft untergeordnet sind. Spracherkennung (Siri, Cortana …) ist zum Beispiel so ein Anwendungsgebiet. Tolkien war Sprachwissenschaftler und so wundert es auch in keinster Weise, dass er nicht nur Sprachen erforschte, sondern auch eigene Sprachen entwickelte. Wobei ihn die Faszination für Sprache zur Wissenschaft führte, nicht anders herum.

Die Disziplin dahinter ist die Phonetik.

Sprache besteht aus Lauten – kleinen Lauteinheiten – die Phon/Phone genannt werden. In dem Moment, wo das Phon eine Lautbedeutung bekommt, wird es zum Phonem. Innerhalb einer Sprache sind die kleinsten Sinneinheiten wiederum Morphe, Morpheme mit eindeutiger grammatikalischer Bedeutung. Geschrieben und damit visualisiert werden diese Einheiten zu Graph und Graphem.

Wieder zurück zur Anatomie. Phone werden an unterschiedlicher Stellen gebildet. Es gibt Labiale, also Laute, die mit den Lippen gebildet werden, wie zum Beispiel der bilabiale Laut ‚b‘, aber auch Gutturale, die hinten in der Kehle gebildet werden, wie das ‚r‘ und ganz viele Laute dazwischen. Ich nutze meine Gesichtsmuskulatur, um die Luft so auströmen zu lassen, dass sie einen von mir gewollten Ton erzeugt.

 

In dem kleinen Schnupperkurs von Tanja Rossis habe ich mich mit meinem eigenen Klang auseinander gesetzt.

Erst einmal den eigenen Atemrhythmus, das Einatmen und Ausatmen bewusst spüren. Hebt sich der Brustkorb, dehnen sich die Rippen, kann ich meinen Atem bis in den Bauch spüren? Danach wurden „F’s“ geatmet. Das „F“ ist ein dentaler Laut, wird mit den Zähnen gebildet. Sanfte, zarte fffffffffs und schnippische, zackige FFFFs. Meine FFFs hörten sich trotz intensiver Bemühungen etwas schlapp auf der Brust an. Soll ja auch aus dem Bauch kommen:) Ich habe über das „F“ „Ws“ gleiten lassen, die auf dem Atemstrom schwammen, bin zum „O“ übergegangen, habe sauber artikuliert, unterschiedliche Stimmhöhen und -tiefen ausprobiert, habe die Atmung mit Bewegungen kombiniert und die Unterschiede wahrgenommen.

Und was bringt mir das nun?

Je sauberer ich artikuliere, je präziser ich meine Phone bilde, je exakter ich  meine Stimmwerkzeuge gebrauche, umso besser versteht man mich.

Meine Stimme wird als deutlich und klar wahrgenommen. Das hat als Nebeneffekt auch Bedeutung für meine Gesamtwahrnehmung als Mensch. Die Artikulation ist die Sprachverpackung. Es macht einen Unterschied, ob ich nuschele oder deutlich spreche. Und dieser Nebeneffekt wird Hauptthema, wenn ich mich über Sprache verkaufen muß. Wenn meine Stimme das Marketinginstrument ist.

Ein sehr schöner Satz von Tanja war: „Wir können nur das aussprechen, was wir vorher inspiriert, also eingeatmet haben.“

In dieses Sprechen kann ich nicht nur Sprachbedeutung als reine Information legen. Durch die Art, wie ich spreche, kann ich von meinem Gefühlszustand, von der Situation, von meinem Gegenüber erzählen, ich kann Kontext vermitteln und durch Emotionen anreichern.

Wenn Rufus Beck Harry Potter liest, dann leiert er die Sätze nicht einfach runter. Er gibt in Dialogen jeder Figur ein eigenes Sprachprofil, er betont Satzteile oder Wörter, macht Pausen und „zaubert“ dadurch ein Hörerlebnis, welches uns die Geschichte erleben und mitfühlen lässt.

Ich erinnere mich, auf youtube ein Video gesehen zu haben, in dem Meryl Streep gebeten wurde, total langweilige Informationstexte mit einem anderen Sprachkontext zu lesen … es war die Ellen De Generes Show, hier der Link: https://youtu.be/A8TSBw5JiWE

Als Autor komme ich vielleicht in die Verlegenheit, eine Lesung zu halten, vor Publikum zu sprechen oder ein Hörbuch einzusprechen. Und da will ich mich gut verkaufen. Mein Verkaufswerkzeug ist meine Stimme und die kann man wie alles andere auch trainieren.

Ich möchte mich weiter mit dem Thema Stimme auseinander setzen. Auf youtube stoße ich auf Vorträge von Dr. Monika Hein, die ausgebildete Specherin und promovierte Phonetikerin ist. Und ich verfolge Dr. Monika Matschnig, Psychologin und Expertin für Körpersprache. Beide halten nicht nur Vorträge, Coachings und Seminare, sondern haben auch Bücher geschrieben, in denen sie ihr Wissen vermitteln. Natürlich gibt es noch unendlich viele Videos zum Thema, männliche Stimmtrainer, die genannten Damen sind (m)eine spontane und willkürliche Auswahl.

Meine Atmung, meine Körperhaltung, meine Stimme greifen wie Zahnräder ineinander. Ich kann nicht gekrümmt wie ein Schluck Wasser in der Rechtskurve auf dem Stuhl hängen und dabei euphorisch „Ja, ich will!“ brüllen. Klappt nicht. Ich kann eine Haltung einnehmen wie ein angriffslustiger Stier vor dem Torero mit den Hufen scharrend, die Nüstern schnaubend in den Sand gesenkt und dabei zum Beispiel sagen: „Wie lieblich die Nachtigall mir will scheinen.“ Was löst allein das Bild beim Lesen aus?

Mit ein bisschen „Mi-Mi-Miiii“ ist es nicht getan.

Die Mischung aus Atmung, Körper-/Haltung und Sprachintention macht es. Dafür habe ich mir das Buch „Die Macht der Stimme“ von Ingrid Amon besorgt. Die Österreichische Sprecherin und Stimmtrainerin verbindet die einzelnem Zahnräder zu einem komplexen Übungsbuch und  ich erfahre sehr viel über die Stimme an sich, über das Training der Stimm- und Atemmuskulatur, wie ich meine Stimmwerkzeuge nutze, worauf ich achten muss, aber auch, wie ich meine Stimme pflege und wie ich sie gezielt nutzen kann. Dazu enthält das Buch eine Audio-CD mit Sprechübungen. Monika Hein bietet, ergänzend zu ihrem Buch „Sprechen wie der Profi“, eine App für das Iphone mit Übungen. Gibt es etwas, was es nicht gibt? Ich werde fündig und sehe, es gibt sogar Sprechtraining-Apps.

Ich werde damit kein professioneller Sprecher, dafür gibt es Ausbildungen. Aber die folgenden Punkte beeinflussen alle meine Stimme und wie ich sie nutzen kann. Und so werde ich mit den Materialien, die ich zusammen getragen habe, an meiner Autorenstimme arbeiten und die einzelnen Elemente genauer anschauen.

  • Körperhaltung
  • Atmung
  • Artikulation
  • Sprechrhythmus (Betonung, Pausen, Geschwindigkeit)
  • Sprechsituation (Vortrag, Lesung, Dialog)
  • Sprechmedium (Mikrofon, Studio)
  • Sprechabsicht (Verkaufsgespräch, Vorstellung, Erläuterung, Lesung)
  • Stimmpflege (Stimme aufwärmen, vorbereiten, trainieren, pflegen)
  • Psychologische Komponente, meine eigene  Stimme als Ausdruck meiner Persönlichkeit
  • Stimmspaß, Singen, Artikulieren, mit Sprache spielen

 

Ich glaube, meine Taktik hat sich bewährt. Bei youtube reinschnuppern, Literatur vergleichen, lokale Angebote (VHS) nutzen und dann da vertiefen und gegebenfalls mit Apps ergänzen, wo man mehr lernen möchte. Ich habe jetzt schon mehr gelernt, als ich zu Beginn vermutet hatte. Meine Stimme finde ich nach wie vor so naja. Ich habe auch noch keinen Extremtest vor Menschen gemacht. Ich geh die Sache langsam an. Mein nächster Schritt ist eine individuelle Trainingsstunde mit einer Gestalttherapeutin, die sich auf Stimmgestaltung spezialisiert hat. Und natürlich werde ich weiter mit dem Buch arbeiten.

Stimm- und Sprechtraining, die eigene Autorenstimme finden ist ein Prozess, der unbewusste Konflikte an die Oberfläche bringen kann, der im besten Sinne eine Abenteuerreise zum eigenen Ich ist, der am Ende nicht nur Stimmbildung, sondern auch Persönlichkeitsentwicklung ist.

Wenn man den Mut hat, der eigenen Autorenstimme zu folgen.

 

 

Links


Stimmwerkstatt Tanja Rossis  www.diestimmwerkstatt.de

Dr. Monika Hein www.monikahein.de

Dr. Monika Matschnig www.matschnig.com

Ingrid Amon www.iamon.at

Die Podcasthelden www.podcast-helden.de

Marcus Johanus www.marcusjohanus.wordpress.com (Link führt zum oben erwähnten Artikel)

 

 

 

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Kommunikation – GFK auch im Web?

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Ich stehe in Husum beim Bäcker in der Schlange. Eine ältere Dame – aus der Generation, die so viel auf sich hält und es deswegen besser wissen müßte – bestellt grußlos und in pampigem Ton: „Einmal Pflaume, ein Käse-Sahne!“ Die pädagogischen Bemühungen der Bäckereifachangestellten enden fruchtlos.

Fremdschämen ist angesagt. Und im Netz geht das noch schneller als an der Käsetheke um die Ecke. Im scheinbar anonymen Internet sind die Auswüchse fragwürdigen Gebahrens ebenso grenzenlos, wie die Möglichkeiten sich daneben zu benehmen. Cybermobbing ist Thema an jeder Schule, öffentliche Profile werden zur Einschätzung von Jobbewerbern akribisch analysiert und ausgewertet.

Gutes Benehmen ist ein Zeichen von Intelligenz.

Das habe ich meinen Kindern immer gepredigt. Es zeugt von Reflektionsvermögen und Respekt dem anderen gegenüber. Seinen Mitmenschen wertschätzend und höflich zu begegnen sollte selbstverständlich sein. Selbst, wenn man total aus der Haut fahren möchte, weil etwas überhaupt nicht klappt. Man kann trotzdem soviel Anstand wahren, den Gegenüber nicht in Grund und Boden zu brüllen, zu demütigen oder anderweitig verbale Gewalt zu verbreiten.

Man kann nicht nicht kommunizieren.
Paul Watzlawick

Aber wie kommuniziert man denn dann? Ein Grundgerüst gesellschaftlicher Umgangsformen, die Kommunikation einschließt, kann via Erziehung von Eltern zu Kindern weitergegeben werden. Dort wird die Basis definiert und der Nährboden, auf dem sich Charakter und Persönlichkeit entwickeln können; abhängig von Normen und Konventionen in einem kulturhistorischen Kontext und dem gern zitierten sozialen Umfeld. Auf der Grundlage einer psychologischen Betrachtungsweise ist die Art, wie ich kommuniziere, wie ich Botschaften und Inhalte sende, ein Spiegel meines Inneren.

Wie bringe ich das Innen nach Außen?

Ich fange bei mir selbst an: Privat wie dienstlich möchte ich höflich, freundlich, wertschätzend, respektvoll und der Situation angemessen mit meinem Gegenüber kommunizieren. Und ich erwarte das im besten Fall auch vom anderen. Manchmal posaune ich auch was raus, wo ich hinterher doch gerne einen Delete-Button drücken können würde. Dafür bin ich Mensch. Ich habe aber gelernt, Verantwortung zu übernehmen: für mich, mein Handeln und was ich unter Umständen eben so verbal verbocke.

Ich kann jedoch nicht für meinen Kommunikationspartner sprechen. Ich weiß nicht, wie seine Gefühlslage ist, welche Bedürfnisse er gerade hat oder welche Gefühle meine Worte in ihm auslösen. Und dann kommt es ja auch immer auf den Kontext, die Situation an. Deswegen sagt die Art, wie ich kommuniziere, auch mehr über mich aus und seine Reaktion sagt etwas über ihn aus. Können wir diese Erkenntnis in unsere Kommunikation einbinden? Und wenn ja, wie?

Ein Aha-Erlebnis hatte ich vor gut und gerne zehn Jahren, als ich auf die Gewaltfreie Kommunikation (GFK) aufmerksam wurde. Entwickelt wurde sie von dem U.S. amerikanischen Psychologen Marshall B. Rosenberg, PhD. (1935 – 2015), im Englischen übrigens Nonviolent Communication, NVC. Seine Ausführungen lesen sich schlüssig, das Prinzip ist einfach und logisch. Die GFK besteht aus vier Schritten. Das Ziel: Achtsame und einfühlsame Kommunikation als Mittel verstanden zu werden und zu verstehen, für ein friedliches Miteinander.

Die Schritte:

  1. Wert- und urteilsfreie Beobachtung (Keine Interpretation!)
  2. Bestimmen des vorherrschenden Gefühls
  3. Erkennen des dahinter stehenden Bedürfnisses
  4. Bitte um Erfüllung und Dank.

Wenn ich a sehe, dann fühle ich b, weil ich c brauche.
Deshalb möchte ich jetzt gerne d.
M. Rosenberg

Rosenberg vermittelt seine Technik mittels der Giraffensprache im Dialog mit einem Wolf (steht für gewaltbereite Sprache). Mangels Giraffe und Wolfspuppe habe ich das mit meinen Kindern mit einem Zauberraben und Socke geübt. Und Socke war wirklich wenig einfühlsam! Die GFK ist ein Konzept, welches über die Übung zu einer Haltung wird. In den oben beschriebenen Schritten zu sprechen ist ein künstlicher Prozess. Die Trennung von Beobachtung und Be/Verurteilung und Interpretation ist eine hartnäckige Herausforderung. Und es ist erstaunlich, wie sehr man doch ins Stocken kommt, unabhängig davon, für wie reflektiert und eloquent man sich bisher eigentlich gehalten hat. Erst wenn die GFK automatisch in unsere Alltagskommunikation eingeflossen ist, wirkt sie als das, was sie ist: eine verbindende Sprache. Damit wir uns nicht missverstehen, es geht hier nicht um ein zen-mäßiges über allen Dingen stehen. Rosenberg erkannte selber Grenzen in der GFK und war durchaus dafür, auch mal wie Rumpelstilzchen aus der Haut zu fahren.

Kritiker unterstellen der GFK eine manipulative Intention. Das würde die Absicht Rosenbergs ins Gegenteil verkehren und einen Missbrauch seiner Idee bedeuten. Ich meine, Konflikte erst gar nicht eskalieren zu lassen, wertschätzend und ehrlich zu sprechen und so einen Raum schaffen, in dem es friedlich zugeht, weil jeder gehört wird, was kann an dieser Grundhaltung verkehrt sein? War es nicht auch Immanuel Kant, der gesagt hat

Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des anderen beginnt.

Und da, wo eine Überschneidung von Freiheit stattfindet, da muß ich eben ausbalancierte Kompromisse eingehen oder neue Wege und Lösungen finden, die aus einer Überschneidung eine gemeinsame Schnittmenge machen.

 

Gewaltfreie Kommunikation auch online möglich.

Was beim Bäcker oder dienstlich im Umgang mit Kunden gilt, gilt auch für das Internet. Ich bin auch dort der gleiche Mensch. Und warum sollten dort andere Regeln gelten, als im analogen Leben? Die GFK als Philosophie hilft zu erkennen, daß @Bärli85, @retro und @cockroach-publishing (alle Namen sind frei erfunden, ich habe das aber nicht gegen gecheckt) reale Menschen sind. Menschen mit einer Geschichte.

Und was hat das jetzt mit dem Erziehungsauftrag zu tun?

Kommunikation als Thema läßt sich aus so vielen Perspektiven betrachten, auf Teilbereiche fokussiert untersuchen, in interdisziplinären Kontexten diskutieren. Unter dem Einfluss der Erfahrungen auf dem ersten Barcamp in Flensburg kommt neuer Input in den Suppentopf „Kommunikation“. Das Barcamp als Mitmachparty à la bring your own brain – #byob – könnte doch auch für das Internet gelten. Schalte Dein Gehirn an. Contribute, also bring Dich ein. Verteidige Werte und setze selber Standards. Denn eigentlich wollen wir doch alle etwas Gutes, Schönes und Wertvolles erschaffen!

Darum geht es im zweiten Teil in einer Woche. Weil wir nicht nur dienstliche Nutzer sind, sondern auch Menschen, haben wir alle einen Erziehungsauftrag. Wie können wir als Vorbild agieren. Erziehungsauftrag, Internet und Social Media – wie vermitteln wir als Eltern unseren Kindern einen gesunden Umgang und gute Umgangsformen. Das liest Du hier:

Social Media – Schluss mit der Disskusion und ein Freebie (Medienknigge)

 

Wer mehr über die Gewaltfreie Kommunikation und Marshall B. Rosenberg erfahren möchte:

Das NVC Center in Albuquerque

GFK bei Wikipedia

GFK-Monat

Auch bei youtube gibt es viele Videomitschnitte, in denen Marshall B. Rosenberg die Giraffensprache anschaulich vorführt.

Standardwerk:

GFK

Copyright Junfermann Verlag

 

Rosenberg, Marshall B.; Gewaltfreie Kommunikation. Eine Sprache des Lebens. 12. Aufl. (2010) Junfermann.

ISBN-10: 3-87387-454-7
ISBN-13: 978-3-87387-454-1

 

 

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