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Litcamp17 | Mein Literaturcamp in Heidelberg

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Am 24. und 25. Juni 2017 fand das zweite Litcamp in Heidelberg statt. Ein Barcamp mit dem Schwerpunkt Literatur für alle Lese- und Schreibbegeisterten. Und dieses Jahr war ich dabei.

litcamp Toni Scott | little editionDer Weg ist das Ziel

Die Anreise vom gefühlt nördlichen Polarkreis durch die Republik gestaltet sich mit der Bahn unberechenbar. Dafür habe ich mich auf dem Boden im Zug sitzend (immerhin in der ersten Klasse) sehr nett mit einem Informatiker unterhalten, dem ich vom Litcamp und auch von der Entwicklung und Qualität des Selfpublishings erzählen konnte. Eine Begegnung, die unter normalen Reisebedingungen sicherlich so nicht stattgefunden hätte.

Dank der Empfehlungen auf der Seite des LitcampHD habe ich ein sehr schönes und wunderbar gelegenes Pensionszimmer in der Altstadt bekommen, was meinem Budget als armer Poet sehr entgegen kam. Vielen Dank an die Pension Jeske für die mentale Unstützung auf der elfstündigen Anreise …

Heidelberg ist umwerfend.

Wenn man sich für Architektur und Kultur interessiert, für schöne Ansichten und Ausblicke, dann ist man hier am richtigen Ort. Und ein Litcamp beinhaltet für mich auch ein Versprechen an Inspiration und Kultur, an literarischer Kontemplation. Ganz das early bird bin ich am Samstag  frisch geduscht um 7 Uhr los marschiert und habe die Alte Brücke überquert, den Heidelberger Liebesstein fotografiert und bin in einer frühmorgendlichen Sommerbrise am Neckar entlang zum Dezernat16 spaziert.

Das Litcamp – live dabei

Wie ich gelesen habe, über vierzig Sessions und neun Räume, das ist der Wahnsinn. Ich habe meine Sessions auch danach ausgewählt, wen ich aus meiner Twitterblase als Referent gerne näher kennenlernen möchte. Wegen der vielen parallel laufenden Sessions nicht immer möglich. Was das Treffen von Twitterbekannten angeht: manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht und muss sich via Twitter orten. Das Litcamp ist auch eine Begegnungsstätte und in diesem Sinne habe ich mich über viele kurze und längere Gespräche gefreut.

Nun zeichnen sich Buchmenschen häufig durch eine gewisse Scheu aus, die einem gerne mal im Weg steht. Mir zum Beispiel. Ich gehe davon aus, dass ich weitestgehend unerkannt durch diverse Timelines rausche und so wollte ich mich auch nicht bei Alexandra vom Bücherkaffee anbiedern. Jedesmal, wenn ich an ihr vorbeikam, habe ich nur freundlich gelächelt. Zuviel VIP-Blogger-Respekt?? Schön doof, denn schließlich sprach sie mich an und da war schon keine Zeit mehr für einen gemütlichen Kaffee.

Writing Buddies

Nine @antitrist ist in meiner NaNoWriMo-Liste und jetzt konnten wir uns endlich mal richtig unterhalten. Auch Tanja Hanika gehört nun definitiv zu meiner Autorenfreundeliste. Ich habe Nike Leonhard wiedergetroffen, ein Anker, denn ich hatte sie auf der Leipziger Buchmesse persönlich kennengelernt. Klug und unaufgeregt, wie ich sie auf Twitter und auf ihrem Blog kennengelernt habe.

Ich hatte gerade bei den Blogparaden von Babsi @blues1ren (HIER geht’s zu meinem Beitrag) und den Rechargers @variemaa (über Inspiration liest Du bei mir HIER) mitgemacht und konnte mich persönlich für die tolle Aktion bedanken. Das passt auch über so eine Blogparade hinaus.

Ganz gerührt war ich von der Widmung, die mir Dr. Jürgen Albers @dr._juergen in mein persönliches Exemplar „Crossroads“ geschrieben hat. Wir haben ein paar Sessions zusammen erlebt, ein wenig philosophiert und ich wurde sehr aufmerksam und lieb mit Kaffee versorgt.

Sessions |Multitasking | Marketing

Nein, auch wenn Jürgen von meiner angeblichen Multitaskingfähigkeit zum Zuhören und Twittern beeindruckt war, so wirklich klappt das nicht, denn ich habe praktisch keine Photos gemacht. Dafür habe ich Maggo @maggostopheles nach seiner Session gebeichtet, dass ich es war, die einen Lovestorm wegen seiner Stimme losgetreten hat. Seit meinem VHS-Kurs zum Thema Stimmtraining (den Beitrag dazu liest Du HIER) achte ich viel mehr auf Stimmen und deren Wirkung. Mir hat sein breites Wissen sehr imponiert und ich finde Marco darüber hinaus auch sehr sympathisch. Die Session hatte defintiv Mehrwert und wurde ja auch gestreamt (demnächst bei youtube verfügbar).

Er war einer der wenigen, die sich außergewöhnlich gut präsentiert haben und da kommt dann der Werbemensch in mir durch. Am Ende muss sich die Sache verkaufen, ob nun Vortrag oder Buch. Und das gelingt über Marketing und auch, wenn Suse recht provokativ „Fuck Marketing“ als Session angeboten hat, ist die Art und Weise der Präsentation (als Synonym für Marketing) entscheidend für die Wahrnehmung beim Kunden (Leser, Zuhörer …) und dessen Kaufentscheidung. „Das kaufe ich ihm ab“ ist ein Ausdruck, der die Glaubwürdigkeit bestätigt. Wenn jemand oder etwas glaubwürdig ist, dann werden wir ihm eher vertrauen. Wenn ich als Autor glaubwürdig bin, dann werden Leser eher mein Buch lesen, ein neues Buch ebenfalls kaufen, mir zuhören.

Marketing heißt nicht zwangsläufig, den Kunden zu verarschen. Marketing beinhaltet Strategien, ein Produkt (Dienstleistung) sichtbar, wahrnehmbar und interessant zu machen und den Nutzen für den Kunden herauszustellen, so dass dieser bereit ist, Zeit und/oder Geld zu investieren. Alle Autoren/Selfpublisher müssen sich mit Marketing in eigener Sache auseinandersetzen. Selbst das Litcamp muss das, um für Sponsoren interessant zu sein. Das ist weder verwerflich noch schlecht. Es ist die Art und Weise, wie genau das dann passiert, die über die Wahnehmung und den Erfolg des Marketing entscheidet. (Ein paar Gedanken über Inbound und Outbond Marketing liest Du HIER)

Inspiration, Musen und der innere Kritiker

Tanja Steinlechner vom Schreibhain aus Berlin, Eva und auch Nicole Neubauer haben sich in ihren Sessions mit diesen Themen auseinander gesetzt. Inspiration kommt auf vielen Wegen und ihr Todesurteil sind die inneren Stimmen, die uns Autoren sagen, dass wir nicht gut genug sind, dass uns eh keiner lesen wird, dass alle anderen besser, klüger, profilierter sind. Dazu gibt es viele inspirierende Bücher und man muss sie immer wieder zur Hand nehmen und lesen. Aber noch viel wichtiger ist der Austausch mit Autorenfreunden.

Ich habe es heute an Nika Sachs @bordsteinprosa getwittert und sage es noch einmal: „Wenn wir uns nicht fair und neidlos unterstützen, wer dann?!“ Wir müssen aus unserer Schreibisolation ausbrechen und uns gegenseitig stärken und bestärken. Denn wer versteht Schreibprozesse und das Leben mit dem Schreiben besser als wir Autoren selbst?

Unerwartete Begegnungen und Grüße an die Daheimgebliebenen

Auf einmal saß Sascha @whatawrite vor mir, mit dem ich zusammen mit Ricarda @schreibsuechtiQ auf der Autorenrunde der Leipziger Buchmesse sehr angeregt gesprochen habe. Ich bin ein echter Selfieversager, denn das Bild, mit dem wir Ricarda grüßten, gehört nun nicht gerade zu denen, die ich als gelungen bezeichnen würde. Der Wille zählt, oder?

Auf eben dieser Buchmesse habe ich von der Verlagschefin Antje Wolf vom blv-Verlag unter anderem einen Kugelschreiber von Ingrid Haag bekommen. Die Ingrid guckte auch recht verduzt, als ich sie hier auf dem Litcamp ganz selbstverständlich grüßte und auch noch genau diesen Kuli aus meiner Tasche zog. Die Wege des Kulis …

Die Seele des Dezernat16

… ist Dirk Welz, sagte die Kulturbeauftragte aus Heidelberg zu mir. Und das kann ich bestätigen. Ich hatte das Vergnügen, abends einen kleinen Schnack mit Dirk zu halten und ich glaube, er ist der Ruhepol und Gegensatz zu Susanne Kasper, die ein nimmermüde Motor ist, um Gespräche und Kontroversen anzustoßen. Und in diesem Sinne bewegt das Litcamp nicht nur uns als Teilnehmer, sondern bewegt auch generell.

Autortentasche little editionUnd natürlich frage ich mich, was so ein Litcamp mit mir macht, mit meinem Schreiben, mit meiner Wahrnehmung von mir als Autorin. Ich bin dazu mit der Bergbahn zum Schloss hochgefahren und durch den Schossgarten und die Gebäude spaziert. Ich habe all die Eindrücke vom Litcamp mitgenommen und all die Menschen, denen ich dort begegnet bin und habe das alles bedacht, überdacht und wirken lassen.

Auf dem Weg zur Weisheit

Am Morgen des Sonntags traf ich einen Pilger an der Buhaltestelle. Er erzählte von 27 Jahren Pilgerschaft und der Wandlung in seinem Leben und dem Glück, dass er dadurch erfahren hatte. Er trug mir sein Gedicht zur Einsamkeit vor. Eine Einsamkeit, die ihn antrieb, die kein schwarzer Dämon, sondern eine verheißungsvolle Leere war, die es zu füllen galt. Am Abend, nach einem langem Tag, traf ich ihn in der Altstadt wieder und er rezitierte sein Gedicht über den Himmel und wünschte mir ein gutes Leben und dass ich Glück auf meinem Weg finden möge. Und wieder war es der Gedanke, nicht allein zu sein, einen Sinn zu entdecken, wenn man nur zu sehen bereit ist, der hinter seinen Gedanken stand.

Und das ist es doch, was das Litcamp ausmacht. Wir sind nicht allein. Nicht in unserem Schreiben und nicht in unserem Autorenleben. Wir gestalten es gemeinsam. Wir können füreinander da sein, uns zuhören und ermutigen, wenn wir uns dafür entscheiden. Wir alle tragen dazu bei, das Litcamp, das Schreiben und die Literatur mit Leben zu füllen und so Spuren auf dem Weg zu hinterlassen.

 

 

 

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Leipziger Buchmesse 2017 und Autorenrunde

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Meine persönliche Leipziger Buchmesse, der Tag danach … fühlt sich fremd an.

Freitag – nein, der Weg ist nicht das Ziel. Gestrandet in Berlin:(

Ich hatte nur den Freitagnachmittag und Samstag auf der Messe und im Nachhinein war das eindeutig zu wenig. Das hätte mir aber auch vorher klar sein müssen. Schuld war in Teilen die Bahn, weil ein Zug ausfiel, ich die komplette Strecke neu ausgeklüngelt habe und deswegen für Berlin-Leipzig keine Reservierung hatte. Wegen Überfüllung wurde dann das niedere Volk wieder rausgeschmissen. Ich stand ewig in der Schlange zum Reisezentrum und schlussendlich in einer Bahn nach Halle. Am Tag zuvor hatte ich erst erfahren (weil ich dort wegen der neuen Ankunftszeit angerufen habe!), dass mein Pensionszimmer überbucht war und man mir ein Zimmer in einem Gasthaus organisiert hätte.

Toni Scott

Der Freitag bot mir so nur 3 Stunden Messe, in denen ich das tat, was ich mir vorgenommen hatte: ein Abo für die Federwelt abschließen, den blv Verlag besuchen, der mich mit ganz tollem Kräutertee versorgt hat und schauen, wen ich aus der Twitter-/Insta-Autorenblase denn so alles treffe und erkenne. Und das war aufregend, schön und toll. Ich mag keine Menschenmengen, aber das hat mich in Leipzig überhaupt nicht gestört. Im Gegenteil, ich habe mich zuhause gefühlt, soweit man den Begriff auf eine Messe übertragen kann.

Kaffee geht immer!

Ich habe am BOD Stand mit dem Weltenwandler (@Lamar&Henry) und Nike Leonhard Kaffee getrunken und über meinen allerersten BOD-Buchversuch von 2008 resümiert, den wunderbaren Michael Behr (den ich sofort als großen Bruder adoptiert habe) kennengelernt und bin einfach durch die Messegänge gestromert. Mit Daniel Bleckmann ergaben sich tatsächlich mehr Worte, als nur ein Hallo:)

Das neue Pensionszimmer wartete mit asiatischer Satinbettwäsche auf, war dafür aber budgetfreundlich und sauber. Was will man mehr? Zugegeben, etwas erschossen war ich schon, da ich um 3 Uhr aufstehen musste, um 5 Uhr im Zug saß und mit Koffer quer durch Halle/Saale gelatscht bin. Wie ich dann so bin, beschlich mich der Verdacht, dass ich vor lauter Aufregung hie und da auch mal Stuss von mir gegeben habe und dadurch wenig souverän wirkte, was mich nicht einschlafen ließ. Grübeln kann ich.

Die Autorenrunde am Samstag von und mit Leander Wattig

Deutlich entspannter habe ich mich am Samstag auf den Weg gemacht. Die S5 fährt einmal stündlich von Halle/Hbf direkt bis zur Messe und das in nur bummelig 20 Minuten. In Halle ist man mit der Tram gut bedient (wenn man den Bogen raus hat …) und pünktlich um 9 Uhr stand ich auf dem Messegelände, wo noch nicht wirklich viel los war. Im Gegensatz zum wuseligen Tag davor – morgens in Berlin gestrandet und gedacht „ICH WILL AUF DIE MESSE!“ – hat mir das sehr gut gefallen, dieses Zeit haben.

Endlich konnte ich auch meinen Schreibbuddy Ricarda von @schreibsuechtiQ in die Arme schließen (hier geht es zum Erdbeerinterview mit ihr), das Sommerstrandschreibcamp zu planen haben wir nicht geschafft. Ich habe Carola Wolff begrüßen können, auf die ich mich gefreut habe und mit einer sehr netten Lektorin ein paar Worte gewechselt.

 

Toni ScottDie Autorenrunde begann mit einer ausführlichen Keynote von Sebastian Fitzek mit Anekdoten aus dem wirklich wahren Auorenleben. Ich habe auf Twitter kommentiert: „Der Mann gefällt mir.“ Das stimmt wirklich, denn ich fand ihn so live und in Farbe sehr angenehm, kurzweilig und sympathisch. Ein großer Moment war für mich, als ich Hans Peter Roentgen die Hand schütteln durfte. Dass ich Drei Seiten für ein Exposé gekauft habe, ist schon einige Jahre her. Ich habe viel gelernt und auch beim erneuten Reinlesen wieder Neues entdeckt, andere Blickwinkel auf Problematiken bekommen.

Diana Hillebrand hat mich mehr als überzeugt. Sie versprüht tollen Schreibspirit. Anders vermag ich das nicht auszudrücken. Neben den vielen Informationen, die ich aufgesogen habe, war ihre Tischrunde die erste, die mir neben dem Handwerklichen Lust aufs Schreiben gemacht hat. Das habe ich auch so gesagt – und trage jetzt doch recht stolz ihr Armband „Heute schon geschrieben“ am Handgelenk. Eine schöne Erinnerung.

Pause. Ich brauchte einen Moment für mich.  Dazu bin ich in eine der Messehallen gegangen und ließ mich im Strom treiben. Ein meditativer Moment in der Menge. Der Lärm war weg,  da waren nur Bücher und Geschichten und ich mittendrin. Das war besonders … vielleicht mein persönlicher Buchmessemoment.

Tischrunden – Speeddating für Autoren

Rund um die vielen Tischrunden, zwischen denen ich mich kaum entscheiden konnte, ist nur wenig Zeit, um mit allen ins Gespräch zu kommen. Ich habe Jasmin Zipperling mit Kinderschokoriegeln versorgt (wie angekündigt), mit Elyseo da Silva draußen in der Sonne (ich bin seltener Gelegenheits-ich-kann-nicht-mal-inhalieren-Nicht-aber-manchmal-dann-eben-doch-Raucher) eine Zigarette geraucht.  Von Julia K. Stein bekam ich via Twitter die Order: „Wenn Du mich siehst, grüß mich!“ Das hat geklappt:) Ich bin extra zum Meet&Greet der BartBroAuthors geflitzt, Andreas Hagemann erkannt, gedrückt und sofort gemocht und in Halle 2/C400 gesprintet, um ein Video der Schlange zur Signierstunde des Comiczeichners Ruthe zu machen und selbstredend ein Photo von ihm selbst. Auftrag eines Familienmitgliedes im Rahmen meiner Möglichkeiten erfüllt:)

In der Happy Hour habe ich Tanja Steinlechner vom Autorenhain verpasst, sie suchte mich, ich suchte sie, zack, wech. Dafür ergab sich ein Autorengespräch mit Ricarda und zwei schreibenden Brüdern.

Und dann war der Tag auch schon wieder rum. Ich habe mich so über die Begegnungen gefreut, auch wenn es nur ein schnelles „Hey, Du bist es!“ war und bedauert, wen ich alles verpasst habe. Meine Handykamera funktioniert nur eingeschränkt und so habe ich kaum Photos machen können und schon gar keine Selfies mit Schreibfreunden, Kollegen und Schreibprominenz:(

Toni Scott

„Meine“ Buchmesse in Zahlen:

43.396 Schritte

27,7 Kilometer

11 Stunden Schlaf

500ml Smoothie Antioxidant

500ml Green Smoothie

3 Latte Macciato

2l Apfel-Traubensaft

2 Chicken Teriyaki Subs (mit Chipotle South West Sauce, allem Gemüse außer den eingelegten Gurken und Vollkornbrot für die, die es genau wissen wollen)

1 1/4 belegte Brötchenhälften (Autorenrunde, hatte den Teller abgestellt, um in meiner Autorentasche zu kramen, als ich mich wieder umdrehte, war der Teller weg)

1l Wasser

1 Frühstück

1 Twix (ein Stick, ich weiß jetzt allerdings nicht, ob es der war, der mit Schokolade umhüllt ist oder der von Schokolade überzogene …)

1 Schokobon (von Fr. Zipperling)

0,5l Cola zero

0 physiologische Ausfälle (dank Memoryschaumsohlen!)

Playlist auf Spotify

Für einige mag das nichts Neues sein, ich probiere es gerade aus. Vielleicht hat der ein oder andere ja Lust, die Musik, die mich rund um die Buchmesse begleitet hat, zu hören. Ich habe eine öffentliche Playlist auf Spotify (Toni Scott) bereitgestellt:

 

Für das nächste Mal wünsche ich mir mehr Zeit, mehr Begegnungen und Gespräche und ein Wiedersehen mit all den lieben Menschen, die ich getroffen habe!

Am Ende bleibt die Freude. Danke Leipzig, danke Buchmesse!

 

 

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Auf der Suche nach der Autorenstimme

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Meine Autorenstimme, wortwörtlich. Wie finde ich sie und warum sollte ich sie suchen?

Im letzten Sommer habe ich die Kurzgeschichte „Eve“ veröffentlicht und da war der Gedanke: Ich könnte die Geschichte als Hörbuch anbieten. Selbstgelesen. Ein befreundeter Musiker attestierte mir eine jodelnde Stimme mit vielen Kieksern. Da war sie hin, meine zart keimende Podcasthoffnung. Mit der Stimme kann ich mich unmöglich unters Volk wagen. Vielleicht sollte ich generell über ein Stimmdouble nachdenken? Singen kann ich nämlich auch nicht.

Die Autorenstimme auf little edition.deAls ich – noch durchaus optimistisch – bei den Podcasthelden mit Gordon Schönwälder recherchiert habe, der außerordentlich profunde und unterhaltsame Informationen zum Thema zur Verfügung stellt, muss mich der Weihnachtsmann beobachtet haben. Denn unter meinen Geschenken war … ein Mikrofon.

Passend dazu schrieb Marcus Johanus von Lern- , Komfort- und Panikzonen. Fühlte ich mich vor einem Jahr noch kurz vor einer aufregenden Lernzone, so fully equipped ist das eindeutig die Panikzone. Ich? Reden? Laut? Vor Leuten?

Dazu eine kleine Anekdote:

Es war von der ersten Stunde Grundschuluntericht klar, dass Deutsch mein Ding ist. Und weil mein Lehrer so begeistert von meiner Vortragskunst war, fiel die Wahl auf mich, um bei einem Spendenkonzert von Ivan Rebroff die Blumen und ein paar Dankesworte zu überreichen.

Das Konzert war grandios. Ich werde Ivan Rebroff immer als Tevje (Anatevka) in Erinnerung behalten. Ich war aufgeregt. Erklomm die Stufen zur Bühne und stand vor einem Schrank von Menschen in einem pelzbesetzten Mantel. Ein Hühne mit Rauschbart und ich dachte: „Text … Text … lass Dir was einfallen … improvisiere … sag was!“

Ich habe improvisiert, den riesigen, mich kleine Person überragenden Blumenstrauß überreicht und wurde von Ivan Rebroff geknuddelt, bis ich keine Luft mehr bekam. Geschafft.

„Das war so toll, dass sagst Du noch mal ins Mikrofon, damit die 3000 Gäste das auch alle hören können.“

Ich wurde an den vorderen Rand der Bühne geschoben, stand vor einem Mikrofon. 3000 Menschen blickten mich erwartungsvoll an. Ich starrte zurück.

„Fiep!“

Am nächsten Tag besuchte meine Klasse Herrn Rebroff in seinem Hotelzimmer.Er saß auf einem samtbezogenen Stuhl und unser Chor, mit mir in der zweiten Reihe, sang ihm zu Ehren „Ein Jäger aus Kurpfalz“. Wieso war ich eigentlich im Chor? („Du hast so eine schöne, klare Stimme“). Egal. Ivan Rebroff war sehr tapfer, ich saß anschließend auf seinem Schoß, bekam ein Autogramm mit Herzen und einer persönlichen Widmung und ich habe mich geschämt. Für mein Versagen, für den Jäger aus Kurpfalz.

 

Seitdem kriege ich Schnappatmung, wenn ich vor mehr als drei Leuten reden muß.

Dieses Reden-Dings ist für mich eine große Sache. Im Sinne des Navigierens (wo fließt das Leben, wo geht es leicht, wo öffnen sich Türen) startete im Januar ein exklusiver Podcastworkshop mit wöchentlichen Beiträgen von Gordon. Check: angemeldet. Unsere Flensburger VHS hatte einen Platz im Kurs „Finde Deinen Ton“ von der Stimmtherapeutin Tanja Rossis frei. Check: angemeldet.

Ich habe mich als Toni vorgestellt. Method writing … ich will ja herausfinden, wer diese Toni ist, wie sie schreibt, welche Autorenstimme sie hat. Ich will meine Stimme wiederfinden.

Ich will mich auf dieses Abenteuer einlassen.

Aber von vorne. Unsere Sprache ist an unsere Anatomie und Physionomie gekoppelt. Ohne Atem, ohne Stimmbänder, Kehlkopf, Lippen, Zunge, Zähne, Zwerchfell geht gar nichts.

Linguisten untersuchen Sprache als System in unterschiedlichen Fachdiszplinen, die der Sprachwissenschaft untergeordnet sind. Spracherkennung (Siri, Cortana …) ist zum Beispiel so ein Anwendungsgebiet. Tolkien war Sprachwissenschaftler und so wundert es auch in keinster Weise, dass er nicht nur Sprachen erforschte, sondern auch eigene Sprachen entwickelte. Wobei ihn die Faszination für Sprache zur Wissenschaft führte, nicht anders herum.

Die Disziplin dahinter ist die Phonetik.

Sprache besteht aus Lauten – kleinen Lauteinheiten – die Phon/Phone genannt werden. In dem Moment, wo das Phon eine Lautbedeutung bekommt, wird es zum Phonem. Innerhalb einer Sprache sind die kleinsten Sinneinheiten wiederum Morphe, Morpheme mit eindeutiger grammatikalischer Bedeutung. Geschrieben und damit visualisiert werden diese Einheiten zu Graph und Graphem.

Wieder zurück zur Anatomie. Phone werden an unterschiedlicher Stellen gebildet. Es gibt Labiale, also Laute, die mit den Lippen gebildet werden, wie zum Beispiel der bilabiale Laut ‚b‘, aber auch Gutturale, die hinten in der Kehle gebildet werden, wie das ‚r‘ und ganz viele Laute dazwischen. Ich nutze meine Gesichtsmuskulatur, um die Luft so auströmen zu lassen, dass sie einen von mir gewollten Ton erzeugt.

 

In dem kleinen Schnupperkurs von Tanja Rossis habe ich mich mit meinem eigenen Klang auseinander gesetzt.

Erst einmal den eigenen Atemrhythmus, das Einatmen und Ausatmen bewusst spüren. Hebt sich der Brustkorb, dehnen sich die Rippen, kann ich meinen Atem bis in den Bauch spüren? Danach wurden „F’s“ geatmet. Das „F“ ist ein dentaler Laut, wird mit den Zähnen gebildet. Sanfte, zarte fffffffffs und schnippische, zackige FFFFs. Meine FFFs hörten sich trotz intensiver Bemühungen etwas schlapp auf der Brust an. Soll ja auch aus dem Bauch kommen:) Ich habe über das „F“ „Ws“ gleiten lassen, die auf dem Atemstrom schwammen, bin zum „O“ übergegangen, habe sauber artikuliert, unterschiedliche Stimmhöhen und -tiefen ausprobiert, habe die Atmung mit Bewegungen kombiniert und die Unterschiede wahrgenommen.

Und was bringt mir das nun?

Je sauberer ich artikuliere, je präziser ich meine Phone bilde, je exakter ich  meine Stimmwerkzeuge gebrauche, umso besser versteht man mich.

Meine Stimme wird als deutlich und klar wahrgenommen. Das hat als Nebeneffekt auch Bedeutung für meine Gesamtwahrnehmung als Mensch. Die Artikulation ist die Sprachverpackung. Es macht einen Unterschied, ob ich nuschele oder deutlich spreche. Und dieser Nebeneffekt wird Hauptthema, wenn ich mich über Sprache verkaufen muß. Wenn meine Stimme das Marketinginstrument ist.

Ein sehr schöner Satz von Tanja war: „Wir können nur das aussprechen, was wir vorher inspiriert, also eingeatmet haben.“

In dieses Sprechen kann ich nicht nur Sprachbedeutung als reine Information legen. Durch die Art, wie ich spreche, kann ich von meinem Gefühlszustand, von der Situation, von meinem Gegenüber erzählen, ich kann Kontext vermitteln und durch Emotionen anreichern.

Wenn Rufus Beck Harry Potter liest, dann leiert er die Sätze nicht einfach runter. Er gibt in Dialogen jeder Figur ein eigenes Sprachprofil, er betont Satzteile oder Wörter, macht Pausen und „zaubert“ dadurch ein Hörerlebnis, welches uns die Geschichte erleben und mitfühlen lässt.

Ich erinnere mich, auf youtube ein Video gesehen zu haben, in dem Meryl Streep gebeten wurde, total langweilige Informationstexte mit einem anderen Sprachkontext zu lesen … es war die Ellen De Generes Show, hier der Link: https://youtu.be/A8TSBw5JiWE

Als Autor komme ich vielleicht in die Verlegenheit, eine Lesung zu halten, vor Publikum zu sprechen oder ein Hörbuch einzusprechen. Und da will ich mich gut verkaufen. Mein Verkaufswerkzeug ist meine Stimme und die kann man wie alles andere auch trainieren.

Ich möchte mich weiter mit dem Thema Stimme auseinander setzen. Auf youtube stoße ich auf Vorträge von Dr. Monika Hein, die ausgebildete Specherin und promovierte Phonetikerin ist. Und ich verfolge Dr. Monika Matschnig, Psychologin und Expertin für Körpersprache. Beide halten nicht nur Vorträge, Coachings und Seminare, sondern haben auch Bücher geschrieben, in denen sie ihr Wissen vermitteln. Natürlich gibt es noch unendlich viele Videos zum Thema, männliche Stimmtrainer, die genannten Damen sind (m)eine spontane und willkürliche Auswahl.

Meine Atmung, meine Körperhaltung, meine Stimme greifen wie Zahnräder ineinander. Ich kann nicht gekrümmt wie ein Schluck Wasser in der Rechtskurve auf dem Stuhl hängen und dabei euphorisch „Ja, ich will!“ brüllen. Klappt nicht. Ich kann eine Haltung einnehmen wie ein angriffslustiger Stier vor dem Torero mit den Hufen scharrend, die Nüstern schnaubend in den Sand gesenkt und dabei zum Beispiel sagen: „Wie lieblich die Nachtigall mir will scheinen.“ Was löst allein das Bild beim Lesen aus?

Mit ein bisschen „Mi-Mi-Miiii“ ist es nicht getan.

Die Mischung aus Atmung, Körper-/Haltung und Sprachintention macht es. Dafür habe ich mir das Buch „Die Macht der Stimme“ von Ingrid Amon besorgt. Die Österreichische Sprecherin und Stimmtrainerin verbindet die einzelnem Zahnräder zu einem komplexen Übungsbuch und  ich erfahre sehr viel über die Stimme an sich, über das Training der Stimm- und Atemmuskulatur, wie ich meine Stimmwerkzeuge nutze, worauf ich achten muss, aber auch, wie ich meine Stimme pflege und wie ich sie gezielt nutzen kann. Dazu enthält das Buch eine Audio-CD mit Sprechübungen. Monika Hein bietet, ergänzend zu ihrem Buch „Sprechen wie der Profi“, eine App für das Iphone mit Übungen. Gibt es etwas, was es nicht gibt? Ich werde fündig und sehe, es gibt sogar Sprechtraining-Apps.

Ich werde damit kein professioneller Sprecher, dafür gibt es Ausbildungen. Aber die folgenden Punkte beeinflussen alle meine Stimme und wie ich sie nutzen kann. Und so werde ich mit den Materialien, die ich zusammen getragen habe, an meiner Autorenstimme arbeiten und die einzelnen Elemente genauer anschauen.

  • Körperhaltung
  • Atmung
  • Artikulation
  • Sprechrhythmus (Betonung, Pausen, Geschwindigkeit)
  • Sprechsituation (Vortrag, Lesung, Dialog)
  • Sprechmedium (Mikrofon, Studio)
  • Sprechabsicht (Verkaufsgespräch, Vorstellung, Erläuterung, Lesung)
  • Stimmpflege (Stimme aufwärmen, vorbereiten, trainieren, pflegen)
  • Psychologische Komponente, meine eigene  Stimme als Ausdruck meiner Persönlichkeit
  • Stimmspaß, Singen, Artikulieren, mit Sprache spielen

 

Ich glaube, meine Taktik hat sich bewährt. Bei youtube reinschnuppern, Literatur vergleichen, lokale Angebote (VHS) nutzen und dann da vertiefen und gegebenfalls mit Apps ergänzen, wo man mehr lernen möchte. Ich habe jetzt schon mehr gelernt, als ich zu Beginn vermutet hatte. Meine Stimme finde ich nach wie vor so naja. Ich habe auch noch keinen Extremtest vor Menschen gemacht. Ich geh die Sache langsam an. Mein nächster Schritt ist eine individuelle Trainingsstunde mit einer Gestalttherapeutin, die sich auf Stimmgestaltung spezialisiert hat. Und natürlich werde ich weiter mit dem Buch arbeiten.

Stimm- und Sprechtraining, die eigene Autorenstimme finden ist ein Prozess, der unbewusste Konflikte an die Oberfläche bringen kann, der im besten Sinne eine Abenteuerreise zum eigenen Ich ist, der am Ende nicht nur Stimmbildung, sondern auch Persönlichkeitsentwicklung ist.

Wenn man den Mut hat, der eigenen Autorenstimme zu folgen.

 

 

Links


Stimmwerkstatt Tanja Rossis  www.diestimmwerkstatt.de

Dr. Monika Hein www.monikahein.de

Dr. Monika Matschnig www.matschnig.com

Ingrid Amon www.iamon.at

Die Podcasthelden www.podcast-helden.de

Marcus Johanus www.marcusjohanus.wordpress.com (Link führt zum oben erwähnten Artikel)

 

 

 

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Der Werbetölt – 24/7 online

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Werbetölt? Was soll das denn sein? Beim Tölt handelt es sich um eine Gangart des Pferdes. Diese kommt ohne Schwebephase aus und variiert in der Geschwindigkeit zwischen Schritt und Galopp. Das Pferd ist ein hohes Tier, welches ich aufgrund meiner Höhenangst nur aus der Ferne und mit gering ausgeprägtem Interesse in meine Wahrnehmung einbeziehe. Anders verhält es sich mit dem Tölt.

Der Tölt als Gangart begegnete mir beim Hören der NDR Comedy „Wir sind die Freeses“. Jede Folge beginnt mit dem Satz „Leg doch mal das Handy wech!“ und endet mit „Können wir nich‘ einmal wie eine normale Familie sein?“ Meistens hören wir ein paar Folgen am Stück als podcast und amüsieren uns ganz außerordentlich. Also, wir liegen vor Lachen wiehernd unterm Tisch, um jetzt mal im Bild zu bleiben.

In der Folge vom 02.11.2015 ging es nun um den Tölt als Bewegungsform, wenn man zum Beispiel den letzten Platz auf einer Parkbank entdeckt, jemand anderes offensichtlich auch und man fängt ganz unauffällig an seinen Schritt zu beschleunigen, damit man diesen Platz erwischt. Darf aber keiner merken, das mit dem Beschleunigen.

Was hat der Tölt nun mit Werbung zu tun?

Werbung, Marketing und das liebe Internet leben von total neuen Ideen, innovativen Werbestrategien und die passende Floskel dazu heißt: aufmerksamkeitsstark. In der Masse an Werbung, in der noch größeren Masse an Informationen –  und wenn man sich das Internet und da speziell das Social Media anschaut –  diese Kakophonie aus Informationsschnipseln, Links und Statusmeldungen produziert ein ohrenbetäubendes Gebrüll, Gelaber und Gekreische, daß man sein eigenes Wort nicht mehr versteht. Wie also in diesem Social Lärm auffallen, wie überhaupt irgendwem zuhören können und wollen?

Grundsätzlich geht es um Aufmerksamkeit. Für jedes Anliegen, Interesse und Produkt gibt es Informationen im Netz. Mal mehr unterhaltend, mal mehr informativ, im besten Falle beides. Als Konsument suche ich nach für mich relevanten Informationen, die mein individuelles Bedürfnis befriedigen. Als Produzent biete ich Inhalte, welche die unterschiedlichen Bedürfnisse des Konsumenten ansprechen und befriedigen sollen.

Der Autor als Marke

Als Autor vermarkte ich mein Produkt, das Buch mit der Marke „Ich, der Autor“ über das Verbreiten von Informationen über Produkt und Marke (Über Selbstvermarktung liest Du HIER). Leseproben, Rezensionen, Bloggen, Kommunizieren als Marketingstrategie. Gleichzeitig bin ich aber auch Konsument und suche nach Inhalten, wie ich mich selbst effektiv, budgetfreundlich und effizient vermarkten kann. Ich suche also Inhalte, die mit meinem Bedürfnis nach Information, Lernmöglichkeiten, Kontakten korrespondieren.

Die Schnellebigkeit im Internet

Bei Twitter, als Beispiel, rasen Informationen durch die Timeline, die ich zwar in Listen sortieren kann, aber trotzdem nach persönlicher Relevanz filtern muß. Vlogs und Podcasts bieten How-To und DIY- Beiträge, die die gleichen Inhalte bedienen, die ich vielleicht auch selbst anbiete. Und da ist er, der „Werbetölt“. Der Werbetölt ist ein psychologisches Phänomen. Ganz unbewußt baut sich Druck auf, der von der Konkurrenz und den Mitbewerbern um die Aufmerksamkeit des Konsumenten mitgetragen wird. Mal aktiv, mal unabsichtlich passiv.

Beispiel Autor: ich schreibe einen Artikel über Eigen- und Fremdwahrnehmung im Marketing. Gleichzeitig erscheint ein Beitrag in einer Zeitung, es gibt einen Vortrag von irgendwem, der beworben wird; es gibt drei Links in der Twittertimeline zu ähnlichen Inhalten, ein ganz neues Webinar von Firma xy und drei entfernte Bekannte diskutieren das in ihren vlogs. Örggssss, was, wenn mein Link auf Twitter zur falschen Zeit durch die Timeline von potentiellen Lesern dümpelt? Was, wenn die schon einen anderen Beitrag gelesen, gesehen und gehört haben und nun kein Interesse daran haben, zu vergleichen, ob ich besser oder informativer geschrieben habe? Was, wenn schon siebzehn andere auf fünf andere Beiträge zum gleichen Thema verlinkt haben? Was, wenn ich den Beitrag erst geplant habe und sehe, daß die soziale Gemeinheit bereits eifrig vorhandene Beiträge diskutiert? “ Hallo, ich hab da auch was geschrieben!“ „Hallo???“ „Haaaalooooooooooooo!“

Abgehängt im Werbetölt

Ich bin mir sicher, daß sich alle schon einmal diesem Werbetölt ausgesetzt gefühlt haben. Den Druck im Nacken hatten, schneller, besser und omnipräsenter zu liefern, damit just dann, wenn mal eine Millisekunde Ruhe im medialen Bau herrscht, alle hergucken. Manchmal erschlägt einen schier die Flut an Input und gefühlter und/oder echter Konkurrenz.

Was also tun?

Durchatmen. Ganz tief durchatmen. Konzentriert Euch auf Eure Inhalte. Macht sie zu den besten Inhalten, die Ihr produzieren könnt. Kommuniziert sie in Eurem Tempo auf den Kanälen, in denen Ihr Euch wohlfühlt und authentisch sein könnt. Ein Social Media Hans-Dampf-in-allen-Gassen wird Euch früher oder später in ein ganz reales Burnout treiben. Und das nimmt Euch den Spaß am Schreiben, am Vermarkten und den Glauben, daß es auch für Euch einen Platz in diesem ganzen Gesumme und Gebrumme gibt. Die anderen kochen auch nur mit Hühnerbrühe.

Probiert alles aus, alle Marketingstrategien, alle Kommunikationswege – aber mistet auch wieder aus. Fokussiert Euch auf das, was für Euch funktioniert.

Mit der Erfahrung profiliert sich Euer Vemarktungsweg, Ihr als Marke. Die Ecken und Kanten stoßen sich ab, was übrig bleibt, ist sauber geschliffen. Das nennt man dann ausgereift. Und das schafft wieder mehr Aufmerksamkeit Aber Probieren, Scheitern, Modifizieren, Lernen und auch einfach mal erfolgreich durchrauschen ist ein Weg und kein Harry-Potter-mäßiges Apparieren von Null auf Hundert.

Die Selbstvermarktung besteht nicht nur aus dem Umsetzen vieler Marketingstrategien und Werbemaßnahmen, sondern auch um einen achtsamen Umgang mit sich selbst, der professionellen Markenpersönlichkeit. Selbstdisziplin bedeutet nicht, sich abzuschuften, sondern ganz im Gegenteil die eigenen Ressourcen, körperlich, geistig und damit auch die kreativen wertzuschätzen und pfleglich zu behandeln.

Erfolg ja und gerne, aber vergesst das Atmen nicht.

Das einen Schritt zurück treten und auch Euren Weg zum Erfolg zu genießen. Werbetölt in Schrittgeschwindigkeit.

 

P.S. Und wer sich den Tölt gerne von den Freeses erklären lassen möchte, der findet ihn hier:
NDR – Wir sind die Freeses – Tölt

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