Blogparade Inspiration – „Über die Struktur ins Chaos“

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Blogparade Inspiration – „Über die Struktur ins Chaos“

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Auf Twitter bin ich dem Hinweis von Eva Obermann auf die Blogparade der Rechargers zum Thema #Inspirationsfeuer gefolgt und dachte gleich, die Aktion gefällt mir. Und da stehe ich nun und überlege, was ich zum Thema Inspiration beisteuern kann.

Was genau ist eigentlich Inspiration?

Wenn ich vom lateinischen Ursprung „spirare – inspiro“ ausgehe, dann bedeutet es Einatmen, Einhauchen. Ich atme etwas ein. Etwas weiter gedacht ist Inspiration etwas, was ich als Empfindung, Wahrnehmung in mich aufnehme. Dieser Eindruck löst dann eine Aktion, ein Gefühl, einen Gedanken, eine Idee aus. Inspiration wird so gesehen also von außen initiiert, aber erst in mir drin, in der Verarbeitung des Inspirierten, findet die Umsetzung statt.

Hm, das erinnert mich doch stark an den Prozess der Kreativität. Lässt sich Kreativität auf Knopfdruck produzieren? Ja und Nein. Ich kann mich bewusst in Situationen begeben, Eindrücken, Wahrnehmungen aussetzen, die Kreativität, einen Inspirationsprozess anstoßen können. Ob es dann in den Synapsen aber auch schnackselt? Ich kann keinen kreativen Output präzise vorherbestimmen, dann wäre er ja nicht mehr kreativ.

Kreativität impliziert, dass die Idee, der Gedanke, neu, unverbraucht, überraschend und ungewöhnlich ist.

Ich kann aber einen Nährboden für Inspiration und Kreativität schaffen, in dem ich mich regelmäßig einem kreativen Prozess öffne, diesen zulasse und wie bei regelmäßigen Sport mein Gehirn darauf trainiere, die bekannten und bewährten Denkwege zu verlassen.

Über die Struktur ins Chaos, um neue Odnung zu entwickeln.

Über Kreativität und wie ich kreatives Denken anstoßen kann, schrieb ich im Zusammenhang „Kreatives Schreiben“ im little blog.shop Schreibworkshop vor ein paar Jahren. (Liest Du HIER)

Buchcover The Writers Reader, Toni ScottBislang habe ich Gedanken über Inspiration und Kreativität beschrieben, das ist Inspiration auf der Meta-Ebene. Die nächste Frage wäre dann, durch welche Erlebnisse, mit welchen Techniken versetzen sich Autoren in einen kreativen Denkzustand? Wann fließen die Gedanken unzensiert? Bei einem Tee, am Strand, in einem Zenkloster, während der Loveparade, im Gespräch mit jemandem, auf dem Klo?

Es ist sicherlich schön, im Austausch mit anderen über die unterschiedlichen Erfahrungen und Möglichkeiten zum Thema Inspiration zu philosophieren. Ahh, der macht das, die macht es so… Ich möchte noch einmal zurück zum ursprünglichen Gedanken gehen. Inspiro = Einhauchen. Da schwingt der Gedanke mit, das Kreativität, das Kunst einen göttlichen Funken in sich trägt, der das Kunstwerk, den kreativen Output vom 08/15 Ergebnis unterscheidet und ihn darüber erhebt.

Und das passt auch zu dem Buch, welches ich gerade lese: The Writer’s Reader. Vocation, Preparation, Creation. [Edited by Robert Cohen and Jay Parini. Bloomsbury 2017]. Vocation bedeutet Berufung, Talent, Neigung. In dieser Essaysammlung beschreiben Autoren und Schriftsteller im ersten Teil, wie sie ihre Berufung fanden. Das hat auch was von Aufruf und ich bin gedanklich bei einem spirituellen Aufruf der Götter, der Muse (was auch immer jeder für sich einsetzen mag). Ein Aufruf durch die Götter … denn es ist wohl so, dass Berufung eine Kraft zu sein scheint, die sich ihren Weg bahnt, die nach draußen will, die ausgelebt werden will. Immer wieder liest man von Autoren den Satz „Ich muss schreiben“, als wäre es ein innerer Zwang, der sie treibt.

 

Musiker, Maler, Künstler, Wallstreet-Broker, wenn es die Berufung ist, dann gibt es kein Entkommen.

Und in diesem Sinne möchte ich eine kurze Geschichte erzählen, von Berufung, von göttlicher Intervention, vom Aufruf zur Berufung.

 

In den neunziger Jahren lebte ich in einer kleinen Stadt in Niedersachsen. In dem Haus in der schmalen Nebenstraße, in dem ich eine kleine Wohnung hatte, wohnte eine entzückende alte Dame. Wir grüßten uns immer sehr freundlich. Ich habe die alte Dame ein einziges mal besucht. Danach habe ich sie nie wieder gesehen. Den Besuch werde ich jedoch nie vergessen. Die Wohnung lag im zweiten Stock, vielleicht war es auch der dritte. Aber das spielt keine Rolle. Der Flur war schmal und das Wohnzimmer mit großen, dunklen Möbeln aus den sechziger Jahren vollgestellt. Wir nannten sowas früher Gelsenkirchener Barock.  Die vorherrschenden Farben waren Grün und ein dunkles Braun, wie polierter Mahagoni. Es war etwas düster und roch leicht muffig. So, wie man sich eben Wohnungen von alten Leuten vorstellt. Dabei war es blitzsauber, nicht, dass wir uns falsch verstehen.

Ich saß auf etwas abgewetzten Sofa und trank einen Tee mit der alten Dame. Sie muss etwa achtzig Jahre gewesen sein und ihr Gedächtnis war nicht mehr das Beste. Obwohl wir angeregt plauderten, wiederholte sich die gleiche Unterhaltung alle fünf Minuten. Ihr Blick verlor sich im Raum, fokussierte sich wieder und das Gespräch begann von vorne. Wir sprachen über den Wochenmarkt und das frische Gemüse, und sie zeigte mir voller Stolz ein Ölgemälde, welches Ihr Sohn gemalt hatte. Ich habe bestimmt dreimal aufs Neue erstaunt das Bild bewundert.

Beim vierten Mal standen wir auf, gingen zu dem Bild und sie erklärte mir, dass dieses Bild von ihrem Sohn sei und sie es oft anschauen würde. Ich lächelte und erwiderte, dass das ganz wundervoll sei und ihr Sohn sehr talentiert. Sie ergriff meinen Arm, schaute mich mit klarem Blick an und die Stimme, die vorher so weich und fast brüchig gewesen war, sprach nun klar, deutlich und artikuliert. Sie sagte zwei Sätze: „Sie haben die Gabe. Nutzen Sie sie!“ Der durchdringende Blick zog sich zurück, ihre Augen hatten wieder einen milchigen Schleier, suchten nach einem Fokus. Auch ihre gerade so klare Stimme war wieder weich, leise, etwas zittrig. Sie hielt einen Moment inne, als überlegte sie, wo sie aufgehört hatte zu sprechen. Es war der Wochenmarkt und das Gemüse und das Bild, welches ihr Sohn doch gemalt hat. Ich war zu erschrocken, zu irritiert von der Bemerkung, dass ich vergaß zu fragen, wie sie das gemeint hätte. Ich habe sie nie wieder getroffen. Weder im Flur, noch ergab sich eine Gelegenheit sie zu besuchen. Auf mein Klingeln reagierte niemand, obwohl sie da sein musste. Ihr Briefkasten, die Zeitung, all das wurde geleert. Dann bin ich in eine andere Stadt gezogen.

Ich frage mich, was aus der Dame geworden ist. Ob ihr Sohn sie besucht hat, ob sie irgendwann in ein Seniorenheim gezogen ist, was aus dem Bild geworden ist. Und ich verstehe bis heute nicht, was da eigentlich passiert ist.

Ich stelle mir vor, dass es Engel gibt und so ein Engel durch sie gesprochen hat. Ich stelle mir vor, dass sie, wie ein Medium in einer Trance, eine Botschaft von wo auch immer empfangen hat. So ein bisschen gruselig und mysteriös ist das ja schon. Wie auch immer, es ist wirklich so passiert und ich frage mich, was genau diese Gabe ist, ob ich sie bereits gefunden habe, ob es das Schreiben ist oder etwas anderes. Wie ich sie nutzen soll. Ich habe keine Ahnung. Wenn es das Schreiben ist, dann ist es da und ich erweise mich der Botschaft hoffentlich als würdig. Dann muss ich keine Angst haben.

Dann liegt der Weg vor mir, auch wenn das Schreiben jeden Tag neu, jeden Tag anders, jeden Tag verborgen vor mir liegt und die Geschichten, Worte und Sätze von mir entdeckt werden wollen.

 


 

Ihr seid neugierig, wer an der Bloggerparade teilnimmt und was es alles zum Thema Inspiration zu entdecken gibt? Dann folgt dem Link zu Eva:

Startschuss zum #Inspirationsfeuer – macht mit bei unserer Blogparade

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2 Comments

Ricarda

Juni 16, 2017at 5:30 pm

Liebe Toni,

ich hatte gerade Gänsehaut! Der Satz der alten Dame ging mir ins Mark.
Ja, möchte ich Dir zurufen: Nutze Deine Gabe! Schreibe! Lass Dich nicht abbringen von Deinem Weg.

Zum Thema Inspiration fällt mir im Moment mein Schreibzimmer ein. Ich habe seit ein paar Wochen endlich einen Raum, in dem ich ungestört Schreiben kann. Für mich war das der Schlüssel, der mir noch gefehlt hat. Inspiration gibt es überall, mir fehlte bisher die Ruhe, daraus etwas zu machen.

Hast Du Lust, an meiner Blogparade zum Thema Schreibzimmer mitzumachen? Braucht Kreativität einen Raum?

Ganz liebe Grüße aus Berlin in den Norden! Ricarda

    Toni Scott

    Juni 16, 2017at 4:52 pm

    Moin und Ahoi nach Berlin! Blogparade … aber unbedingt!!!! Ich war die letzten Wochen mit dem neuen Theme und viel Garten beschäftigt, ich habe von der Welt nicht viel mitbekommen:) Ja, sich nicht beirren lassen und den eigenen Rhythmus finden und vor allem nicht verlieren und sich durch Social Media nicht kirre machen lassen. Hier wird geschrieben! Liebe Grüße zurück!!!

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