Wein, Winzer, Wunder

little edition by Toni Scott

Date:07 Mrz, 2008

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Wein, Winzer, Wunder

Wein, Winzer, Wunder und der Geist der Traube

 

Der Wein als Elementarteilchen einer Weltkultur hat im Laufe der Jahrhunderte die verschiedensten Wandlungen durchlaufen. Seinen Wert hat er jedoch nie eingebüßt. Und entgegen von Meinungen der letzten Jahre ist gerade der deutsche Wein vielseitig, überraschend und geschmacklich auf höchstem Niveau.

 

Seinen Anfang nahm der Wein jedoch im antiken Persien. Der Sage nach begann die Weinkultur unter der Herrschaft des legendären Königs Dschamschid, der rund 2.500 Jahre vor Christi lebte. Die in einem Keller lagernden Trauben vergoren und wurden erst als von bösen Geistern besessen und vergiftet erachtet. Die Königin nahm das durchaus wohlschmeckende Getränk, um durch Kopfschmerzen geplagt dem Leben zu entsagen. Zu ihrer Überraschung verschwanden die Schmerzen und sie erlebte einen glückseligen Rauschzustand, so dass von nun an Wein ausdrücklich empfohlen wurde.

 

Der Anbau und Genuss von Wein wurde so zu einer Besonderheit in seinem wie die gleichnamige Rebsorte heißenden Ursprungsort Shiraz, und erreichte schließlich in seinem Siegeszug Ägypten, Byzanz, das antike Griechenland und auch das römische Reich, von wo er auch Eingang in das heutige nördliche Europa fand.

 

Jedes Land hatte seine eigenen Regeln, wie der Wein zu trinken war und so war es in vielen Ländern nicht unüblich, das edle Getränk nur mit Wasser vermischt zu genießen oder es auch mit Kräutern zu würzen. Wein wurde aber nicht nur als Getränk, sondern auch als Heilmittel, ritueller und religiöser Bestandteil und als wichtige Unterstützung zur Entscheidungsfindung eingesetzt. Wenngleich die getroffenen Entscheidungen nach dem Rausch erneut bestätigt werden mussten.

 

Auch zu rein praktischen Zwecken wurde Wein konsumiert, als man die desinfizierende Wirkung des Weines, im Gegensatz zu dem meist unreinen Wasser entdeckte. Und so war der Wein auch gerade im Mittelalter, welches ja doch das ein oder andere Hygieneproblem quälte, als Getränk oder als reinigende Zugabe im Wasser Mittel der Wahl.

 

Weithin bekannt ist die Weinkultur der Klöster, für die Wein als liturgischer Bestandteil unverzichtbar war und die ihn auch zu Heilzwecken als höherprozentige Branntweinessenzen herstellten. Viele, der heute noch erhaltenen Abteien, verfügen über eigene Weinberge oder Weingute, die auch heute noch Erträge erwirtschaften.

Im heutigen Deutschland ist der Weinbau nach wie vor eng mit der Geschichte der Klöster verbunden. Bis ins 14. Jahrhundert waren die klimatischen Wärmebedingungen, man spricht hier auch von einer Mittelalterlichen Warmzeit, sehr günstig, so dass der Weinbau eine Blütezeit erlebte und sich im 16.Jh. auch bis in die östlichen Regionen verbreiterte.

Durch die enge Nähe der meisten Anbaugebiete zum Rhein wurde auch reger Handel betrieben und Skandinavien, England und Holland beliefert. Einige der wichtigsten Handelszentren waren zu dieser Zeit Speyer, Mainz, Frankfurt am Main, Straßburg, und allen voran Köln.

 

Auch wenn Deutschland jeher als Weißweinland bekannt ist, nimmt die Nachfrage nach deutschem Rotwein seit den 80ger Jahren stetig zu und damit auch die Anbaufläche roter Rebsorten. Weit über 100 verschiedene Trauben werden in Deutschland angebaut, zu denen klanghafte Namen wie Riesling und Müller-Thurgau gehören, die auch die größten Anteile für sich beanspruchen. Aber auch Sorten wie die Scheurebe oder der Gelber Muskateller stehen für einen exzellenten Weißwein. Bei den Rotweinen dominieren Spätburgunder und Dornfelder, aber auch hier sollte man sich Namen wie Cabernet Sauvignon und Regent merken.

 

Nun ist Wein nicht gleich Wein und schon früh haben sich Qualitätsauszeichnungen durchgesetzt, die den verschiedenen Ansprüchen Rechnung tragen. Die höchste Stufe, der Prädikatswein, unterteilt sich noch einmal in Kabinett, Spätlese, Auslese und Beeren- und Trockenbeerenauslese. Interessant an dieser Stelle ist sicherlich, dass das Prädikat Kabinett auf die Zeit um 1500 zurückgeht. Damals wurde im Kloster Eberbach die ehemalige Fraternei in einen Weinkeller umfunktioniert und beherbergte besonders wertvolle Weine. Diese Schatzkammer wurde als „Cabinet“ bezeichnet, von dem sich die heutige Auszeichnung ableitet.

 

Die Qualität eines Weines lässt sich auf verschiedene Weise nachvollziehen. Die Qualität der Trauben, der Reifeprozess, schließlich die Farbe und der Geschmack. Professionell tun dies Önologen und Sommeliere, die mit einem feinen Gespür für den richtigen Wein jedes Menu adeln. Erstere haben sich ganz offiziell mit der Wissenschaft der Kelterei auseinander gesetzt und entwickeln neue Standards für noch bessere Reifebedingungen und neue Techniken zur Kelterei. Am Ende steht immer der Wunsch nach dem besten Produkt.

 

Beste Weine für jeden Geschmack bietet das deutsche Angebot. Seine Vielfältigkeit rührt von den unterschiedlichen Anbaugebieten mit ganz individuellen klimatischen Bedingungen her. Eines der kleinsten und nordöstlichsten Weingebiete in ganz Europa liegt an der Elbe. Auf der 55km langen Weinstraße rund um Dresden werden seit über 800 Jahren in langer Tradition edle Weine gekeltert, die sich mit den kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten zu einem unvergesslichen Ganzen verbinden.

 

Neben Sorten wie dem anteilsmäßig dominanten Müller-Thurgau finden aber auch Sorten wie die Scheurebe und der Traminer Einzug und laden zu fruchtig aromatischen, leichten und bouquettreichen Genüssen ein. Ein für seinen Riesling bekanntes Anbaugebiet ist die Mosel, wo sich auf über 9000 ha die Weinberge an den Lauf des Flusses schmiegen. Trier als älteste Stadt ist dort ebenso zu finden, wie malerische Dörfer, die mit ihren familienbetriebenen Weinguten wie zum Beispiel in Cochem wahre Kleinode herstellen. Der für den Riesling so wertvolle Schieferboden zieht sich von der Untermosel über Bernkastel bis zur Saar und im Süden findet man Muschelkalkböden, die einen wunderbaren Elbling und Weißburgunder hervorbringen.

 

Ganz im Süden am Kaiserstuhl befindet sich mit Baden das drittgrößte und südlichste Weinbaugebiet Deutschlands. Auf rund 15.900 ha Rebfläche werden neben Grauburgunder und Müller-Thurgau auch rote Rebsorten wie Spätburgunder, Regent und Dornfelder angebaut. Als einziges Weingebiet in Deutschland ist es zusammen mit den französischen Gebieten um Elsass, Loire und der Champagne und Österreich der Weinbauzone B, einem von der EU eingeführten klimatischen Kriterium, zugeteilt.

 

Daraus ergeben sich die für wärmere Bereiche bestimmten Auflagen zum Mindestanteil an Alkohol, Säuerung oder Entsäuerung der Moste. Diese Kriterien stellen ein weiteres Qualitätsmerkmal dar, was es so nur in ähnlicher Form für kalifornische Weine gibt. So vielfältig die Lagen, so variationsreich der Geschmack. Leicht und frisch, süffig und süß, blumig-beschwingt oder erdig-würzig, nach Rosen duftende Bouquets und beerige Aromen. Das Geschmackserlebnis ist immer wieder neu und überraschend. Mit geschlossenen Augen den Duft einatmen und langsam die feinen Noten des Weines auf der Zunge ertasten. Man muss kein professioneller Weinkenner sein, einzig der Geschmack und der Wille zum Genuss führen in die geheimnisvolle Welt der Weine.

 

Und so ist mittlerweile erlaubt, was gefällt und schmeckt. Weißwein zu hellem Fleisch, Roter zu kräftigem Käse, werfen Sie alte Regeln über Bord und probieren sie selbst. Lassen Sie sich von den Bouquets leiten und erspüren sie neue Kompositionen und finden Sie selbst heraus, wie Sie Ihren Wein am liebsten genießen. Wichtig bleibt nur, dass der Wein genügend Zeit zum Atmen hat, um sein wahres Aroma zu entfalten.

 

Dazu das passende Glas, für Weißwein etwas schlankere Gläser, für Rotwein bauchigere oder gar hochgeschlossen, um den Duft zu betonen. Den Zusammenhang zwischen dem richtigen Glas und dem optimalen Geschmackserlebnis erkannte als erster der österreichische Glasdesigner Prof. Claus Josef Riedel (1925-2004) und setzte seine Erkenntnisse in der revolutionären Glasserie „Sommeliers“ um. Die unterschiedlichen Glasformen leiten den Wein auf die für die jeweilige Rebsorte richtige Geschmackszone der Zunge, wo der erste Geschmackseindruck entsteht, der den individuellen Charakter des Weines angibt. Einen besonderen Vorteil bieten Bleikristallgläser, die durch ihre offenporigere Materialbeschaffenheit dem Wein eine größere Benetzungsoberfläche bieten und den Wein stärker als bei Kristallgläsern an der Glaswand haften lassen. Durch die intensivere Verdampfung an der Glaswand wird die Wahrnehmung durch die Nase in den Vordergrund gerückt. Für Weinliebhaber ein nicht unerheblicher Genuss.

Die Temperatur des Glases sollte ähnlich der Weintemperatur sein. Für Weißweine gilt etwa 8 – 10 °C und für Rotweine 15 – 17°C. Ebenfalls sollte es nur halb befüllt werden, damit der Wein genügend Raum zum Atmen und beim Schwenken ausreichend Benetzungsfläche am Rand des Glases erhält. So entfaltet sich erst das Bouquet und die feinen Duftnoten umspielen die Sinne.

 

Lässt sich auch aus dem Keltern, der Wahl der richtigen Traube und der Präsentation eine Wissenschaft machen, der es auch bedarf, um einen besonderen Wein zu erhalten, so bleibt am Ende der Genuss eines guten Weines aber ganz unwissenschaftlich, dafür hingegen mit Leidenschaft, Hingabe und den Worten Friedrich Hebbels:

 

„Der Wein ist die edelste Verkörperung des Naturgeistes“