Champagner

little edition by Toni Scott

Date:13 Jul, 2017

Client:Schiffner Media | Das Beste Genießen

Champagner

Die Perlen der Champagne

 

Sinnlich und verführerisch – was als Geschmeide jeden Blick fesselt, umwirbt als Champagner mit jedem Schluck mehr. Seine feinen Perlen sind nicht nur das Merkmal des Schaumweins, sondern auch ein Kriterium seiner Qualität. Waren die ersten Weine der Champagne, deren Weinkultur bis in das

  1. Jahrhundert zurückreicht, noch „Stille Weine“, ist seit dem 17. Jh. die Stadt Reims neben ihrer Funktion als Krönungsort der französischen Oberhäupter wie auch die gesamte Champagne untrennbar mit der besonderen Kunst der Schaumweinkelterei verbunden. Der Champagner aus der kleinen Region östlich von Paris ist nicht nur in Versailles, sondern über die Grenzen hinaus bekannt, berühmt und zum Synonym für höchsten Genuss und außergewöhnlichen Luxus auf der ganzen Welt geworden.

 

Die Landschaft im Norden Frankreichs teilt sich in die Gebiete Montagne de Reims, Valle de la Marne, Cole de Blancs und Aube auf. Dort werden auf 34.000 ha die für den Champagner benötigten Rebsorten Pinot Meunier, Pinot Noir und Chardonnay angebaut, deren Wurzeln tief durch den humus- und kalkreichen Boden wurzeln. Geschützt durch die Wälder entstehen so trotz des rauen Klimas ideale Bedingungen, in denen die Trauben zu höchster Vollendung reifen, um so dem Champagner seinen faszinierenden Geschmack und auch seinen Namen zu verleihen.

 

Ein Kunstwerk, das seines Gleichen sucht. Das Geheimnis liegt in der Komposition der Cuvées, bei der der Chef de Cache bis zu fünfzig Weine vermählt. Schon Dom Pierre Pérignon und auch Frère Jean Oudart, Kellermeister der Abtei Saint-Pierre aux Monts de Châlons, nutzten und perfektionierten diese Technik zur Verfeinerung der Weine. Den Ritterschlag erhält der fast fertig gereifte Champagner später mit der Dorsage. Durch Hinzufügen von erlesenen Weinen der Cuvée, alten Champagnern und Rohrzucker wird über die Geschmacksrichtung von Brut nature bis Semi und Doux entschieden.

 

Besonderes Augenmerk richtet jeder Champagnerhersteller nicht nur auf die Assemblage, sondern auch auf den Vorgang des Degorgierens. Durch die „Methodé champenoise“, der zweiten Gärung in der Flasche, müssen vor Auslieferung die Gärungsrückstände vorsichtig entfernt werden. Dazu benutzt man selbst in unseren modernen Zeiten noch Holzkonstruktionen, die auf die Erfindung von Mme. Veuve Cliquot zurückgehen. Die Flaschen werden in diesen speziellen Vorrichtungen gelagert und täglich leicht gedreht und angehoben. Nach etwa 40 Tagen haben sich die Aromen der Hefen mit dem Wein vermischt und der nun in den Flaschenhals gewanderte Hefepropf kann entnommen werden. Und auch, wenn dieser Vorgang maschinell nur eine Woche beansprucht, lassen es sich die Stammhäuser nicht nehmen, besondere Jahrgangschampagner von Hand zu rütteln.

 

Ein mit so viel Liebe, Hingabe und Akkuratesse entstandener Schaumwein verdient zu Recht seine Auszeichnung, als „Champagner“ betitelt zu werden. Den hohen Anspruch an die eigene Leistung bringt Victor Lanson so auf den Punkt: „Ich bereite Wein für mich selbst. Was ich nicht selbst trinken kann, verkaufe ich!“.  Das seit 1828 durch die Familie Lanson vergesellschaftete Traditionshaus ist eine der ersten Champagnerkeltereien, 1760 von François Delamotte in Reims gegründet und im 19. Jh. zum offiziellen Hoflieferanten des englischen, schwedischen und spanischen Königshauses avanciert. In der „Haute Cuisine“ ist es Alain Ducasse, der eine solche Empfehlung ausspricht.

 

Welchen Champagner man auch wählen mag, entscheidet letztlich der Gaumen. Und über Geschmack läßt sich bekanntlich nicht streiten – ob „Moët & Chandon“, „Roederer“, „Ruinart“ oder „Lanson“, jede der traditionellen Marken hat ihre eigene unverwechselbare Besonderheit, die den Genuss in jeder Situation zur Kunst erhebt.

 

Das kühle Prickeln der Champagnerperlen ist zu jeder Gelegenheit der passende Begleiter und sollte am besten gut gekühlt bei 8 °C  genossen werden. Die aufsteigenden Bläschen und die Kranzbildung im Glas entfalten sich ebenso wie leichte Bouquetnoten in hohen Flöten oder Tulpengläsern besonders eindrucksvoll. Über die Lagerung gibt es ganze Abhandlungen, dunkel, bei gleich bleibenden, kühlen Temperaturen sind Grundvoraussetzungen, damit das sensible Aroma erhalten bleibt.

Auch die Größe der Flasche spielt eine nicht unerhebliche Rolle. Die „Magnum“ mit 1,5 l Inhalt gilt als bevorzugte Wahl, während Flaschen mit den klangvollen Namen Methusalem (6l), Balthasar (12l), oder Nebukadnezar (15l) an prachtvolle, historische Empfänge erinnern, während die „Filette“ (0,35l) eher an einen romantischen Sonnuntergang am Strand denken lässt.

Das Besondere zu genießen, sich seiner Exklusivität bewusst zu sein, dadurch gewinnt der Augenblick an Bedeutung. Ob zum Empfang, für sinnliche Momente oder für ein exquisites Essen, auch wenn man mit einem „Brut“ nicht viel falsch machen kann, der Kenner weiß doch feine Unterschiede zu treffen.

So empfiehlt sich zum Apperetif ein Blanc de Blancs, dessen blumiges Bouquet zuweilen an Veilchen und Rosen erinnert. Schon die verwöhnten Gäste des „Maxims“ inspirierte dieser nur aus den Auslesen der weißen Trauben hergestellte Champagner, den Eugene-Aimé Salon erstmals vorstellte.

Mit schweren und herzhaften Gerichten verträgt sich ein Blanc de Noir, dessen fruchtiges Bouquet durch die ausschließliche Verwendung der Pinot-Trauben seinen gehaltvolleren Geschmack erhält.

Zum Dessert wählt der Gourmet einen Sec oder Demi-Sec aus, der mit seinem süßen Aroma den perfekten Ausklang bildet.

Und für ganz besondere Anlässe darf es gerne ein Millésimé sein.

 

Denn mit einem edlen Champagner befindet man sich immer in guter Gesellschaft. Halten wir es also frei nach Bette Davis in „Old Aquaintances“…

 

„Irgendwann kommt der Moment im Leben eines jeden, wo das Einzige, das hilft,
ein Glas Champagner ist.“