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little edition by Toni Scott

Rezension „Crossroads, Ein Inspector Norcott Roman“

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little edition by Toni ScottEs gibt Geschichten, die verdienen eine besondere Leseumgebung. In diesem Fall geht es um den Krimi ‚Crossroads‘ von Jürgen Albers. Wir schreiben das Jahr 1940. Der britische Chief Detective Inspector Charles Norcott hadert mit dem Tod seiner Frau, was auch berufliche Spuren hinterlässt und so kann er wenig dagegen tun, auf einen Posten auf die Kanalinsel Jersey weggelobt zu werden.
Die Kanalinseln verbinden die gute englische Tradition mit französischem Flair, einer üppigen Bilderbuchvegetation, bedingt durch den warmen Golfstrom und die Nähe zu Frankreich. Fischerboote, die in der glitzernden See dümpeln, emsiges Treiben am Hafen, Touristen, Märkte. So idyllisch diese Aussicht, so schnell ist die Illusion vorbei.

Eine junge Frau wird auf der Nachbarinsel Guernsey ermordert, die Deutschen Truppen halten Frankreich besetzt und die kleine Inselgruppe wird zum Dreh- und Angelpunkt unterschiedlicher staatlicher Interessen. Die britische Armee zieht sich zurück, dafür kommen die Deutschen. Ein Großteil der Bevölkerung flieht, die Zurückgeblieben versuchen aus der völligen Isolation und Abgeschnittenheit das Beste zu machen. Norcott ermittelt nun auf Guernsey und wächst mit diesem neuen Team zusammen, findet Freunde und Unterstützung an Stellen, wo er es nicht vermutet hätte.

Ich denke, der Reiz der Kanalsinseln Guernsey besteht aus der Mischung eines friedlichen Fleckchenen Erdes mit mediterranem Klimabedingungen, weit weg vom Festland und den alltäglichen Unbillen, verbunden mit einer touristisch ausgerichteten romantischen Erwartungshaltung an das Leben dort. Nicht umsonst hat auch der französische Schriftsteller Victor Hugo Guernsey zu seinem Exil erkoren. Als Schauplatz für einen Kriminalroman, eingebettet in einen historischen Kontext, entsteht eine ganz natürliche Kammerspielatmosphäre, die für Spannung und Dichte sorgt.

»Aber es war eine trügerische Ferne und diese Illusion war das erste Opfer der deutschen Invasion gewesen.«(S.313)

Albers hangelt sich nicht einfach von Ereignis zu Ereignis, er zeichnet ein ganz lebendiges Bild der Zeit und der Menschen auf dieser Insel. Und wie in einem Kammerspiel liegt der Fokus auf der psychologischen Dramaturgie. Charles Norcott, der Hauptprotagonist, ist ebenso einfühlsam, wie getrieben in seiner Arbeit als Polizeiermittler. Vielleicht sogar ein Stück zu sehr bemüht, ein anständiger Kerl zu sein, wenngleich angedeutet wird, dass er in der Vergangenheit nicht sehr zimperlich mit seinen Mitmenschen umgegangen ist. Die politische Lage, die Bedrohung durch die deutsche Invasion spiegelt Norcotts Innenleben. Und ich gehe so weit zu sagen, dass die durch die äußerlichen Umstände hervorgerufene Gefühlslage Norcotts unterdrückten Gefühlen entspricht.

»Norcott stand wortlos a Fenster seines Büros und sog die bedrückende Stimmung in sich auf, ließ sich ganz auf sie ein. Er wollte Trauer und Hoffnungslosigkeit tief in seinem Fühlen verankern. Sie würden Verbündete sein gegen William Henley.« (S.126)

Seine Kollegen, ich sage mal salopp, ein Haufen eingeschworener Dorfpolizisten, laufen bei den Ermittlungen zu Höchstform auf und doch trägt jeder von ihnen ganz individuelle Züge und hat eine eigene Geschichte. Für frischen Wind sorgt die Künstlerin und Aushilfslehrerin Vicky Rhys-Lynch, die die Ermittlungen unterstützt, aber auch auf der privaten Ebene Norcott die Möglichkeit gibt, sich mit seiner Vergangenheit und seiner Zukunft auseinander zu setzen.

»Offen gesagt, Chief Inspector, ein Kaffee wäre mir lieber. Ich konnte mit Tee noch nie etwas anfangen. Sehr unbritisch, in der Tat.« (S.41)

little edition by Toni ScottDieses Zitat ist ebenso ein Beispiel, wie Albers britischen Sprachgebrauch einbindet, ohne dass es, wie an anderen Stellen, als Slang ins Auge fällt: die Bekräftigung „indeed“, „in der Tat“ am Ende eines Satzes ist in der Tat „very British“. Spannend die Fährten, die Albers rund um einen Mord auslegt, der nicht der einzige bleiben wird. Der Witwer des Mordopfers Nora Henley ist so glatt, so wenig berechenbar, dass wir als Leser nicht sicher sind, ob wir ihm alles zutrauen sollen oder sogar müssen. Einen Einblick in Henley bekommen wir erst spät in der Geschichte und im Zusammenhang mit der die Protagonisten nervenden Vermieterin der Henleys, Mrs. Dobbs, deren inszenierte Darstellung ihrer Selbst natürlich nicht nur Fragen bei Norcott und seinem Team aufwirft, sondern auch den Leser aufhorchen lässt.
Henley vergleicht Mrs. Dobbs und seine Beziehung zu ihr mit einer Qualle, deren giftige Tentakeln sich um ihn schlingen. Eine wunderbar unverbrauchte Metapher, die umso mehr Gewicht bekommt, da wir bis dahin praktisch keinen Einblick in das Gefühlsleben Henleys bekommen.

Sie war wie eine von den seltenen Riesenquallen, die in sehr heißen Sommern manchmal an den Strand gespült wurden – schwammig, weich … fast unsichtbar warfen sie ihre Nesselfäden um ihre Opfer. Henley hatte einmal so eine Qualle gesehen, in deren giftigen Fäden noch ein halbverdauter Fisch hing … ein ekelhafter Anblick war das gewesen.« (S.317)

Die Ermittlungen im Mordfall Henley dehnen sich bis nach Frankreich aus und hier verweben sich nun historische Geschichte, Figuren und Handlungsstränge. Die deutschen Besatzer sind nicht nur braune Masse, sondern sorgsam differenzierte Charaktere, die der Handlung ebenfalls zu mehr Tiefe verhelfen. In Kombination mit den französischen Kollegen, die wie der Zitronensaft auf der Auster für mehr Würze – und auch Humor – sorgen, ist das Ermittlungsteam losgelöst von politischen Interessen ausschließlich an der Lösung des Falls interessiert und kann sich doch nicht aus den Fängen der Kriegsereignisse und deren Konsequenzen lösen.

»Mit einem elegantem Schwung steckte sich Grignard die Serviette in seinen Uniformkragen und behielt sein stilles Lächeln. Er kostete ausgiebig die Suppe, dann legte er den Löffel beiseite. »Sie haben wieder recht, Chief Inspector.« Er nahm noch einen Löffel voll Suppe, als wenn er seine Meinung noch einmal überprüfen wollte und genoss die aufmerksamen Blicke seiner drei Kollegen.
»Was? Ach Sie wollen wissen …?«
Norcott hätte den Franzosen gern ein wenig geschüttelt, aber er behrschte sich.
»Jaaa!«

Auch die Nebenschauplätze, die kleinen alltäglichen und auch kriegsbedingten Probleme der Bewohner, der Alltag jenseits der Touristenidylle, die Realität hinter der schönen Fassade,  ergänzen nicht nur die Haupthandlung, sondern sorgen für eben dieses lebendige Bild und erzählerische Dichte. Darüber hinaus wartet der Roman mit einer Karte und einem Glossar auf, welches auf Bedarf wertvolle Ergänzungen und Erklärungen zum Verständnis liefert und einen kleinen Ausblick in die Zukunft.

Der Autor verabschiedet seine Leser mit einem italienischen Gruß „Vai a casa tranquillamente – la commedia è finita!“ und führt uns damit aus der Zeitreise und der Reise auf eine gar nicht so beschauliche kleine Insel vor den Küsten Frankreichs zurück in die Gegenwart.

little edition by Toni ScottMein Fazit: Crossroads ist ein grundsolide erarbeiteter Kriminalroman, welcher sich exzellent bei einer Tasse Tee genießen lässt.

Auf ein Wort … Tina Köpke hat ein ausnehmend gut gestaltetes Cover entworfen, welches der Geschichte einen würdigen Rahmen verleiht, damit noch einmal die Professionalität des Buches unterstreicht und den Qualitätsstandard im Selfpublishing demonstriert.

Ich bin nun sehr gespannt auf den Folgeroman »Erased« und freue mich auf ein neues Lesevergnügen. Natürlich bei einer Tasse Tee!


Albers, Jürgen: Crossroads, Ein Inspector Norcott-Roman. Selbstverlag. 616 Seiten. 2017
ISBN-13:978-1545357613
ISBN-10:1545357613

Erhältlich via amazon als Taschenbuch oder E-Book oder beim Autor z.B. via Twitter

 

 

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Litcamp17 | Mein Literaturcamp in Heidelberg

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Am 24. und 25. Juni 2017 fand das zweite Litcamp in Heidelberg statt. Ein Barcamp mit dem Schwerpunkt Literatur für alle Lese- und Schreibbegeisterten. Und dieses Jahr war ich dabei.

litcamp Toni Scott | little editionDer Weg ist das Ziel

Die Anreise vom gefühlt nördlichen Polarkreis durch die Republik gestaltet sich mit der Bahn unberechenbar. Dafür habe ich mich auf dem Boden im Zug sitzend (immerhin in der ersten Klasse) sehr nett mit einem Informatiker unterhalten, dem ich vom Litcamp und auch von der Entwicklung und Qualität des Selfpublishings erzählen konnte. Eine Begegnung, die unter normalen Reisebedingungen sicherlich so nicht stattgefunden hätte.

Dank der Empfehlungen auf der Seite des LitcampHD habe ich ein sehr schönes und wunderbar gelegenes Pensionszimmer in der Altstadt bekommen, was meinem Budget als armer Poet sehr entgegen kam. Vielen Dank an die Pension Jeske für die mentale Unstützung auf der elfstündigen Anreise …

Heidelberg ist umwerfend.

Wenn man sich für Architektur und Kultur interessiert, für schöne Ansichten und Ausblicke, dann ist man hier am richtigen Ort. Und ein Litcamp beinhaltet für mich auch ein Versprechen an Inspiration und Kultur, an literarischer Kontemplation. Ganz das early bird bin ich am Samstag  frisch geduscht um 7 Uhr los marschiert und habe die Alte Brücke überquert, den Heidelberger Liebesstein fotografiert und bin in einer frühmorgendlichen Sommerbrise am Neckar entlang zum Dezernat16 spaziert.

Das Litcamp – live dabei

Wie ich gelesen habe, über vierzig Sessions und neun Räume, das ist der Wahnsinn. Ich habe meine Sessions auch danach ausgewählt, wen ich aus meiner Twitterblase als Referent gerne näher kennenlernen möchte. Wegen der vielen parallel laufenden Sessions nicht immer möglich. Was das Treffen von Twitterbekannten angeht: manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht und muss sich via Twitter orten. Das Litcamp ist auch eine Begegnungsstätte und in diesem Sinne habe ich mich über viele kurze und längere Gespräche gefreut.

Nun zeichnen sich Buchmenschen häufig durch eine gewisse Scheu aus, die einem gerne mal im Weg steht. Mir zum Beispiel. Ich gehe davon aus, dass ich weitestgehend unerkannt durch diverse Timelines rausche und so wollte ich mich auch nicht bei Alexandra vom Bücherkaffee anbiedern. Jedesmal, wenn ich an ihr vorbeikam, habe ich nur freundlich gelächelt. Zuviel VIP-Blogger-Respekt?? Schön doof, denn schließlich sprach sie mich an und da war schon keine Zeit mehr für einen gemütlichen Kaffee.

Writing Buddies

Nine @antitrist ist in meiner NaNoWriMo-Liste und jetzt konnten wir uns endlich mal richtig unterhalten. Auch Tanja Hanika gehört nun definitiv zu meiner Autorenfreundeliste. Ich habe Nike Leonhard wiedergetroffen, ein Anker, denn ich hatte sie auf der Leipziger Buchmesse persönlich kennengelernt. Klug und unaufgeregt, wie ich sie auf Twitter und auf ihrem Blog kennengelernt habe.

Ich hatte gerade bei den Blogparaden von Babsi @blues1ren (HIER geht’s zu meinem Beitrag) und den Rechargers @variemaa (über Inspiration liest Du bei mir HIER) mitgemacht und konnte mich persönlich für die tolle Aktion bedanken. Das passt auch über so eine Blogparade hinaus.

Ganz gerührt war ich von der Widmung, die mir Dr. Jürgen Albers @dr._juergen in mein persönliches Exemplar „Crossroads“ geschrieben hat. Wir haben ein paar Sessions zusammen erlebt, ein wenig philosophiert und ich wurde sehr aufmerksam und lieb mit Kaffee versorgt.

Sessions |Multitasking | Marketing

Nein, auch wenn Jürgen von meiner angeblichen Multitaskingfähigkeit zum Zuhören und Twittern beeindruckt war, so wirklich klappt das nicht, denn ich habe praktisch keine Photos gemacht. Dafür habe ich Maggo @maggostopheles nach seiner Session gebeichtet, dass ich es war, die einen Lovestorm wegen seiner Stimme losgetreten hat. Seit meinem VHS-Kurs zum Thema Stimmtraining (den Beitrag dazu liest Du HIER) achte ich viel mehr auf Stimmen und deren Wirkung. Mir hat sein breites Wissen sehr imponiert und ich finde Marco darüber hinaus auch sehr sympathisch. Die Session hatte defintiv Mehrwert und wurde ja auch gestreamt (demnächst bei youtube verfügbar).

Er war einer der wenigen, die sich außergewöhnlich gut präsentiert haben und da kommt dann der Werbemensch in mir durch. Am Ende muss sich die Sache verkaufen, ob nun Vortrag oder Buch. Und das gelingt über Marketing und auch, wenn Suse recht provokativ „Fuck Marketing“ als Session angeboten hat, ist die Art und Weise der Präsentation (als Synonym für Marketing) entscheidend für die Wahrnehmung beim Kunden (Leser, Zuhörer …) und dessen Kaufentscheidung. „Das kaufe ich ihm ab“ ist ein Ausdruck, der die Glaubwürdigkeit bestätigt. Wenn jemand oder etwas glaubwürdig ist, dann werden wir ihm eher vertrauen. Wenn ich als Autor glaubwürdig bin, dann werden Leser eher mein Buch lesen, ein neues Buch ebenfalls kaufen, mir zuhören.

Marketing heißt nicht zwangsläufig, den Kunden zu verarschen. Marketing beinhaltet Strategien, ein Produkt (Dienstleistung) sichtbar, wahrnehmbar und interessant zu machen und den Nutzen für den Kunden herauszustellen, so dass dieser bereit ist, Zeit und/oder Geld zu investieren. Alle Autoren/Selfpublisher müssen sich mit Marketing in eigener Sache auseinandersetzen. Selbst das Litcamp muss das, um für Sponsoren interessant zu sein. Das ist weder verwerflich noch schlecht. Es ist die Art und Weise, wie genau das dann passiert, die über die Wahnehmung und den Erfolg des Marketing entscheidet. (Ein paar Gedanken über Inbound und Outbond Marketing liest Du HIER)

Inspiration, Musen und der innere Kritiker

Tanja Steinlechner vom Schreibhain aus Berlin, Eva und auch Nicole Neubauer haben sich in ihren Sessions mit diesen Themen auseinander gesetzt. Inspiration kommt auf vielen Wegen und ihr Todesurteil sind die inneren Stimmen, die uns Autoren sagen, dass wir nicht gut genug sind, dass uns eh keiner lesen wird, dass alle anderen besser, klüger, profilierter sind. Dazu gibt es viele inspirierende Bücher und man muss sie immer wieder zur Hand nehmen und lesen. Aber noch viel wichtiger ist der Austausch mit Autorenfreunden.

Ich habe es heute an Nika Sachs @bordsteinprosa getwittert und sage es noch einmal: „Wenn wir uns nicht fair und neidlos unterstützen, wer dann?!“ Wir müssen aus unserer Schreibisolation ausbrechen und uns gegenseitig stärken und bestärken. Denn wer versteht Schreibprozesse und das Leben mit dem Schreiben besser als wir Autoren selbst?

Unerwartete Begegnungen und Grüße an die Daheimgebliebenen

Auf einmal saß Sascha @whatawrite vor mir, mit dem ich zusammen mit Ricarda @schreibsuechtiQ auf der Autorenrunde der Leipziger Buchmesse sehr angeregt gesprochen habe. Ich bin ein echter Selfieversager, denn das Bild, mit dem wir Ricarda grüßten, gehört nun nicht gerade zu denen, die ich als gelungen bezeichnen würde. Der Wille zählt, oder?

Auf eben dieser Buchmesse habe ich von der Verlagschefin Antje Wolf vom blv-Verlag unter anderem einen Kugelschreiber von Ingrid Haag bekommen. Die Ingrid guckte auch recht verduzt, als ich sie hier auf dem Litcamp ganz selbstverständlich grüßte und auch noch genau diesen Kuli aus meiner Tasche zog. Die Wege des Kulis …

Die Seele des Dezernat16

… ist Dirk Welz, sagte die Kulturbeauftragte aus Heidelberg zu mir. Und das kann ich bestätigen. Ich hatte das Vergnügen, abends einen kleinen Schnack mit Dirk zu halten und ich glaube, er ist der Ruhepol und Gegensatz zu Susanne Kasper, die ein nimmermüde Motor ist, um Gespräche und Kontroversen anzustoßen. Und in diesem Sinne bewegt das Litcamp nicht nur uns als Teilnehmer, sondern bewegt auch generell.

Autortentasche little editionUnd natürlich frage ich mich, was so ein Litcamp mit mir macht, mit meinem Schreiben, mit meiner Wahrnehmung von mir als Autorin. Ich bin dazu mit der Bergbahn zum Schloss hochgefahren und durch den Schossgarten und die Gebäude spaziert. Ich habe all die Eindrücke vom Litcamp mitgenommen und all die Menschen, denen ich dort begegnet bin und habe das alles bedacht, überdacht und wirken lassen.

Auf dem Weg zur Weisheit

Am Morgen des Sonntags traf ich einen Pilger an der Buhaltestelle. Er erzählte von 27 Jahren Pilgerschaft und der Wandlung in seinem Leben und dem Glück, dass er dadurch erfahren hatte. Er trug mir sein Gedicht zur Einsamkeit vor. Eine Einsamkeit, die ihn antrieb, die kein schwarzer Dämon, sondern eine verheißungsvolle Leere war, die es zu füllen galt. Am Abend, nach einem langem Tag, traf ich ihn in der Altstadt wieder und er rezitierte sein Gedicht über den Himmel und wünschte mir ein gutes Leben und dass ich Glück auf meinem Weg finden möge. Und wieder war es der Gedanke, nicht allein zu sein, einen Sinn zu entdecken, wenn man nur zu sehen bereit ist, der hinter seinen Gedanken stand.

Und das ist es doch, was das Litcamp ausmacht. Wir sind nicht allein. Nicht in unserem Schreiben und nicht in unserem Autorenleben. Wir gestalten es gemeinsam. Wir können füreinander da sein, uns zuhören und ermutigen, wenn wir uns dafür entscheiden. Wir alle tragen dazu bei, das Litcamp, das Schreiben und die Literatur mit Leben zu füllen und so Spuren auf dem Weg zu hinterlassen.

 

 

 

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Blogparade Schreibzimmer – wo schreib ich?

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In diesem Beitrag geht es mal nicht um die Frage „Wie schreib ich’s?“, sondern wo. Das Schreibzimmer ist Thema der Blogparade von Ricarda von schreibsuechtig.de, die vom 16. Juni bis 31. Juli läuft.

Wie alles begann

Als Studentin spielte sich mein Leben und Schreiben auf 24 Quadratmetern ab. Das war meine Winzwohnung, die zugleich Küche, Wohnzimmer, Schlafzimmer, Arbeitszimmer war. Ein Kokon, aus dem ich nicht raus musste. Das gefällt mir. Eine Schreibblase.

Meine ersten offiziellen Texte habe ich in einem kleinen Büro geschrieben, die Tür stand auf und im Hintergrund wuselten Kollegen herum, kamen rein, kramten in Regalen und Ordnern, klingelte das Telefon. Das hat mich nicht weiter gestört. Ich habe auf den Bildschirm gestarrt, war ganz bei mir und meinem Text. Ein Schreibzimmer ist trotzdem etwas anderes.

Später habe ich in einer Agentur gearbeitet, die die Philosophie vertrat, wahre Kreativität käme nur durch Ausblenden aller, also wirklich aller Ablenkungen. Ein weißes Zimmer mit klinischen Möbeln, reduziert auf Tisch und Stuhl. So generell ist der Ansatz gut, denn zu viel Ablenkung lenkt wirklich ab. Das war dann ein Schreibzimmer oder Kreativzimmer. Aber zwischen den Extremen gibt es auch noch Leben.

Im Homeoffice

Das erste eigene Schreibzimmer war ein gemütliches Büro, gemütlich im Sinne von: angenehme Atmosphäre, aufgeräumt, übersichtlich. Ich konnte dort gut arbeiten. Generell kann ich meine Umgebung gut ausblenden. Deswegen schrieb ich Eve auch am Eßtisch mit der Familie, von wegen der Gesellschaft. So ganz im Schreibzimmer isoliert ist auf Dauer auch nicht gut.

Dann haben wir Zimmer getauscht und ich hatte kein Schreibzimmer mehr. Das hat mich jetzt auch nicht wirklich gestört. Ich habe in meiner Lieblingsecke auf dem Sofa geschrieben. Vor zwei Jahren haben wir wieder Zimmer umfunktioniert und ich konnte ein kleines Zimmer mit Dachschräge und Blick auf die Flensburger Förde zum Schreibzimmer umrenovieren. Ein kleiner Rückzugsort von dem ich erwarte, dass er tadellos aufgeräumt ist. Krempel und Kram kann ich weniger gut ausblenden.

Was ich nicht erwartet habe, dass es mir so gut gefällt. Dieser Raum bietet eine Option und Ruhe. Ich kann die Tür im wahrsten Sinne des Wortes hinter mir zumachen. Der entscheidende Punkt ist, ich habe die Wahl. Der große Eßtisch, die gemütliche Sofaecke oder totaler Rückzug. Und das empfinde ich als Luxus.

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Schreiben in Cafés

Natürlich habe ich Natalie Goldberg gelesen und wieder einmal muss ich meiner Seelenschwester Caroline für diese Inspiration danken, denn sie hat mir das Buch geschenkt. Ich habe es versucht, aber der Gedanke, von anderen, fremden Menschen beim Schreiben beobachtet zu werden, macht mich nervös. Der Lärm, die Bewegung, das alles macht mich rappelig und ich kann mich nicht konzentrieren. Ich bin lieber allein. Der Kokon …

Schreibzimmer Philosophie

Das Schreiben findet im Kopf statt. Und während ich über diesen Beitrag nachdenke, sitze ich im Garten und schaue auf weiße Hortensien. Es ist abend, die Sonne ist untergegangen, es ist warm und eine leichte Brise weht von der Förde herüber. Ich mag meinen Garten. Außer ein paar Vögeln ist nichts zu hören. Es ist so leise. Na gut, die Amsel ist ein renitent lauter Vogel. Zumindest die, die bei uns leben. Mein Blick stromert von den Hortensien zu den Hainbuchen, ich nehme den Duft der Kletterhortensien wahr, die Rosen, die gezackten Blätter der Fetthenne, das leise Plätschern des Quellsteins. Der Garten ist wie ein eigenes, grünes Zimmer und ich denke, dass man nicht nur und unbedingt Schreibzimmer braucht oder über sie nachdenken kann, sondern über Denkräume.

Mein Garten ist ein Denkraum.

Er ist ruhig und still, unbewegt. Es ist kein lauter Garten, im Gegenteil. (Über das leise Grün schrieb ich hier). Ich empfinde ihn als ablenkungsfrei. Er ist meditativ und bietet mir die Möglichkeit, meine Gedanken zu sortieren, in den Hirnwindungen zu spazieren und neue Ideen zu entwickeln. Ich sitze auf dem Gartensofa unter einem Sonnenschirm und empfinde Glück und meinen Garten als poetisch, als schöpferischen Quell. Das Ich verschmilzt mit dem Grün, der Garten und ich sind eins. Der Denkraum ist überall, in mir, um mich herum, ich bin weit und still und voller Möglichkeiten.

Mit dem Schreibzimmer ist das nicht ganz so. Mein Blick geht in die Ferne, die Förde, die in diesen Minuten in einem gewittrigen Grau verschwindet. Auch die Küste Dänemarks mit dem Wald und der Straße, die sich am Ufer nach Krusau entlang schlängelt, liegt verborgen hinter Nebel und Regen. Die Tropfen fallen pochend auf das Dachfenster. Ich brauche Weite, die Möglichkeit, den Blick wandern zu lassen, damit ich gleichzeitig den Raum in meinen Gedanken betreten kann.

Bei Schreibzimmer und Denkräumen war ich schon einmal. Eigentlich hieß die Aufgabe ‚Warum ich lese‚, aber irgendwie wollte es mehr ein ‚Warum ich schreibe‘ sein. Die Gedanken sind also nicht neu, aber durch die Frage nach dem Schreibzimmer, nach dem Wirken der Frage ‚Warum ich lese‘ verdichtet sich das Wissen darum, was mir wichtig ist, wie ich dazu stehe, wo ich mit dem Schreiben und den Gedanken hin will. Ich muss mir meine Position erarbeiten, den Gedanken schärfen, die Wahrnehmung durch unterschiedliche Perspektiven prüfen.

Denkraum versus Schreibraum

Ohne den Denkraum kann ich nicht schreiben. Der Schreibraum als realer Ort, das Schreibzimmer, ist für mich nicht ganz so entscheidend. Denkräume führen zu inneren Schreibräumen und ohne die gäbe es nicht einen einzigen Gedanken, der auf dem Papier gelandet wäre.

 

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Blogparade Buchmagie – mehr Magie geht nicht

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Was wäre die Welt ohne Magie? Was wäre meine Welt ohne Magie? Umso mehr freue ich mich, auf den letzten Drücker die magische Blogparade/Challenge # buchmagie von @blues1ren entdeckt zu haben, um etwas Magie wirken zu lassen.

Magie war immer da und das erklärte Ziel meiner Seelenschwester und mir seit der Schulzeit, die Magie in unserem Leben zu behalten. Das konnte schon ein einziger Sonnenstrahl sein, der Garten und die Vorstellung, dass es Fairies gibt. Genau die entzückenden Wesen, die Cicely Mary Barker in ihren Büchern gezeichnet hat. Und freche Kobolde, die über Nacht Unkraut wachsen und kleine Setzlinge eingehen lassen.

Aber nicht nur Gartenmagie, auch die eng verwandte Kräutermagie haben wir ausprobiert. Die Geister die ich rief … so ein magischer Basilikumszauber kann auch nach hinten losgehen und man sich auf einmal vor Verehrern nicht mehr retten. Ich weiß, wovon ich rede! Magie ist überall, wenn man bereit ist, sie zuzulassen. Magie kann eine ernste Angelegenheit sein und leicht und übermütig. Aber grau und trüb wäre das Leben ohne jede Spur von Magie, wie auch immer man Magie für sich definiert.

 

Hier ist nun meine Buchmagie:

 

1. Was ist dein Hogwarts-Haus? Alternativ: Würdest du eine Zauberschule besuchen oder lieber selbst lernen Magie anzuwenden und warum?

Bei Hogwarts wäre ich in Ravenclaw. Ich habe im Jahr 2000 mit Harry Potter angefangen und hatte ein dunkelrot gestrichenes Lesezimmer mit einer Chaiselonge mit einem Brokatstoff. Der ideale Ort.

2. Wer ist deine liebste Hexe/Magierin aus einem Buch und warum? (Für Autor*innen: Stell uns eine Magierin aus deinem Buch vor!)

Ich habe bisher über keine Hexen/Magierinnen geschrieben. Was mich in der juvenilen Findungsphase überwältigt hat, war ‚Die Nebel von Avalon‘. Die Herrin vom See, Morgaine … das ist bis heute für mich eine ganz besondere Geschichte.

3. Deine 3 liebsten magischen Bücher? (pro Reihe nur ein Buch 😉 )

M. Zimmer Bradley, Die Nebel von Avalon
Frater V.D., Schule der Hohen Magie
Felix Wolf, Der Magie des Lebens folgen

4. Was ist dein liebstes Fabelwesen?

Der Drache. Der war es bei schon immer. Der erste Drache, der mir als Kind begegnet ist, war Smaug aus dem Hobbit. Danach kam Grisu – oder war es ander herum? Egal. Ich mag Drachen. Sie können klug und weise sein, tollpatschig, gefährlich, Freund und Feind, groß und klein. Deswegen war es auch ein Drache, der in meiner Kurzgeschichte ‚Eve‚ eine magische Rolle spielt.

5. Zaubersprüche, Zauberstab oder eine innere Kraft? – Was für eine Magieform findest du am besten?

little edition by Toni Scott, ZauberstabOh-ha, das ist schwer. Zaubersprüche verbinde ich mit Ritualen, mit großer Dramatik und manchmal auch Theatralik. In der Verfilmung der Bücher von Lev Grossman , ‚The Magicians‘ wurden Zauberspüche mit einer wunderbaren Choreografie verbunden, die diese erst aktivierten. Die Gestik hat mir sehr gut gefallen, die Geschichte auch!
Ich habe einen Zauberstab von einer jungen Dame gebastelt bekommen. Eine andere Art von Magie … und ich glaube, die innere Kraft gefällt mir gut. Reduziert, auf den Punkt und ohne Chi-Chi. Und für den großen Auftritt könnte man sie ja dann doch noch mit großer Attitüde untermalen:)

6. Dein liebster Zauberer/Magier aus einem Buch und warum? (Für Autor*innen: Stell uns einen Magier aus deinem Buch vor!)

Na, kann es da einen anderen geben, als der Merlin aus der Disneyverfilmung ‚Die Hexe und der Zauberer‘? Er ist ein bisschen schusselig und vergesslich und vielleicht mit Mim auch nicht ganz auf Zack, aber am Ende wuppt er’s:)

7. Welche Magiedisziplin würdest du gerne beherrschen und was würdest du damit anstellen? (z.B. Alchemie, Hellsehen, Dinge schweben lassen, Telepathie, Kräuterkunde, Fliegen, Elemente beherrschen?)

Decisions, decisions! Fliegen wäre schön, das wollte ich schon als Kind gerne. Telepathie ist auch sehr praktisch. Die Elemente beherrschen, damit ließe sich schön Schabernack treiben. Keine Ahnung, wofür ich mich entscheiden würde, wenn es wirklich möglich wäre.

8. Welche Bücher mit Magie/Zaubern würdest du gerne noch lesen/befinden sich auf deinem SuB?

Der übersichtliche SUB ist ohne Magier, aber im Herbst kommt eine neue Geschichte mit Bölthorn von Lars Simon (Lennart Malmkvist und der ziemlich seltsame Mops des Buri Bolmen), darauf freue ich mich schon. Ach, nee, den Raymond Briggs habe ich noch nicht gelesen, auch magisch!

9. Welche Rune würdest du auswählen?

Ich habe 2001 ein Mandala geschenkt bekommen mit einem Runenrat, der aus fünf Runen besteht:

Thurisaz: Thor, Ort des Nichttuns
Kena/Kano: Feuer, Licht, Fackel
Laguz: Fließen, Wasser, das Treibende
Wunjo: Freude, Licht
Perth: Initiation, etwas Verborgenes, eine geheime Sache

Am besten gefallen mir Thurisaz und Perth, ein Thor und eine Initiation, sehr magisch und geheimnisvoll! Bei Perth muss ich auch sofort an meinen Beitrag zu ‚Inspiration‘ denken, denn ort gab es auch einen magischen und sehr geheimnisvollen und vor allem unheimlichen Moment.

10. Dein liebste/r BÖSE/R Zauberer/Hexe aus einem Buch?

Oma Wetterwachs, aber die ist ja gar nicht wirklich böse. Grandios die Eröffnungsszene aus Terry Pratchetts Macbest … »When shall we three …«

11. Was wäre dein Vertrauter bzw. dein Begleitwesen und warum? (z.B. Rabe, schwarze Katze, Kröte)

Öh, ich möchte gar kein Begleitwesen. Ich glaube, dann würde ich lieber mit Bäumen und Pflanzen reden können.

12. Welches Kinderbuch hat deine Vorliebe für magische Dinge beflügelt?

Das ist einfach. Anne mit einem »E«. Denn Anne hat Magie überall gefunden. Lucy Maud Montgomery, Anne of Green Gables.

13. Welche Tarotkarte würdest du wählen?

Ich hatte mal Tarotkarten und die einzige Karte, die ich behalten habe, ist ‚Die Hohepriesterin‘.

14. Welche Cover sind einfach nur zauberhaft?

little edition by Toni Scott, Buchcover Der Magie des Lebens folgen, BuchmagieUm bei den bisher erwähnten Büchern zu bleiben: Felix Wolf, Der Magie des Lebens folgen, J. Kamphausen Mediengruppe GmbH und Cicely Mary Barker, A Treasury of Flower Fairies, Frederick Warne (die sich leider jegliche Darstellung verbitten)

 

15. Wen wünscht du dir als deine/n Zauberlehrer*in?

Keine spezieller Charakter, der mit Magie und Zauberei verbunden ist. Mein Herz schlägt für Sean Connery, der für mich der Inbegriff des väterlichen Freundes, Tutors, Meisters und Lehrer ist. Der dürfte mir dann auch Magie beibringen.

16. Wenn du dich in eine Buchwelt zaubern könntest, welche würdest du besuchen wollen?

Mit diesen Buchwelten ist das so eine Sache, das konnte man in „Lost in Austen“ hautnah miterleben (grandiose Miniserie). Auch aus Büchern heraus und hinein hat so seine Tücken; Tintenherz, Cornelia Funke … relativ ungefährlich erscheint mir da Charlie Lovetts ‚The Lost Book Of The Grail‘ und einen Besuch wert ist in jedem Fall ‚Die Hüterin der Gewürze‘ von Chitra Banerjee Divakaruni.

 

17. Welchen Edelstein würdest du wählen?

Ich habe von meinem Mann einen Verlobungsring mit einem Opal geschenkt bekommen und zum ersten Hochzeitstag passende Ohrstecker. Da ich kein Schmuckfetischist bin und es gerne reduzierter habe, bin ich mit meinen Opalen sehr glücklich. Vor ein paar Wochen traf der Herzbeste die Antiquitätenhändlerin, bei der er den Ring vor 19 Jahren gekauft hatte, in einer Autowerkstatt. Mein Mann holte den Kassenzettel aus dem Portemonnaie, dann haben die beiden ein Selfie gemacht und Mrs. Cornwall war zu Tränen gerührt.

18. Welches Magie-Klischee in Büchern findest du wirklich schaurig-schrecklich?

Neulich kam ‚Maleficient‘ im Fernsehen und ich fand es doch mal gelungen, Dornröschen aus der Perspektive der „bösen“ Fee zu erleben!

19. Liest du lieber von guten oder von bösen Magier*innen?

Da habe ich keine Präferenz. Es muss ja beides geben (… und es kann nur einen geben)

20. Heilung, Kampfmagie oder Beschwörung? Womit würdest du/würde dein Charakter die Gruppe bei einem Abenteuer unterstützen und warum?

Ach, ich bin langweilig und nehme die Heilung. Eine Zeit lang habe ich mal WOW gespielt und selbst Hordlern geholfen (wenn sie sich haben helfen lassen) und freundlich gegrüßt.

21. Welches Hexengebräu trinkst du am liebsten beim Lesen/Schreiben? (schwarzen Bohnensaft, Kräuteraufgüsse, Quellwasser?)

Natürlich ein schauriger Kräuteraufguss! Gerade braue ich an einem Elderflowersyrup.

22. Welches Buch hat tolle Ideen für moderne/einzigartige Magie? Alternativ: Was für neue Ideen braucht Magie in Büchern?

Oh, so viel Fantasy lese ich dann doch nicht. Da fällt mir wieder ‚The Magicians‘ ein.

23. Gibt es Momente in deinem Alltag, die dich so richtig verzaubern können?

little edition by Toni Scott, Buchmagie, WetterhexeMein Garten, Bücher und die Geschichten darin.

24. Hast du schon ein Buch gelesen, das zwar Hexen/Zauberer behandelt, aber in dem keine Magie vorkommt? (z.B. Sachbuch, mittelalterlichen Roman zur Zeit der Inquisition)

Na, wer hat der ‚Der Name der Rose‘ nicht gelesen???

25. Welcher Charakter hat dir einen Liebestrank eingeflößt und dein Herz erobert?

Öh, äh, der Herzbeste? So ganz in echt und ohne Liebestrank, obwohl, wir haben einen Cocktail getrunken und der war quietschgrün … und hieß auch »Green Morning«. Aber ansonsten ist das ja doof, denn mit Liebestrank ist das ja gar nicht echt.

26. Zeige uns ein Zitat, das so voller Magie oder Weisheit steckt, dass es glatt ein Zauberspruch sein könnte!

»Quod est inferius, est sicut quod est superius, et quod est superius est sicut, quod est inferius, ad perpetranda miracula rei unius.«

(Was oben ist, ist gleich dem, was unten ist und was unten, ist gleich dem, was oben ist, vermögend, die Wunder des Einen zu vollbringen. Übersetzt von Frater V.D. aus Die Smaragdtafel des Hermes Trismegistos in Frater V.D.: Die Schule der Hohen Magie, Ansata Verlag, S.)

27. Hand aufs Herz! Glaubst du, dass es Magie wirklich gibt? Und wenn ja in welcher Form?

Ja, natürlich glaube ich an Magie. Alles ist möglich! (Also ehrlich, was für eine Frage:)

28. Zeig uns ein magisches Buch, das leider keine Funken bei dir sprühen ließ!

Momo und Die Unendliche Geschichte. Komisch, das hat mich als Kind nur sehr vage interessiert.

29. Welche zauberhafte Buchreihe sollte jeder gelesen haben?

Mit ‚jeder‘ bin ich vorsichtig. Was für mich unverzichtbar ist, muss nicht alle anderen auch anspringen … natürlich ist Anne of Green Gables (und alle weiteren Bände) entzückend und absolut unverzichtbar. Aus den Socken gehauen hat mich als Kind Tamora Pierce, Die Schwarze Stadt (und Folgebände) und ich mag beide Reihen auch als Erwachsener gerne lesen!

30. Welcher Autor (auch nicht-magisch) hat dein Herz auf ewig verzaubert?

Hm, ich denke, es gibt für jede Lebensphase einen Autor/in, die einen verzaubert. Im Moment ist es bei mir Charlie Lovett, The Bookman’s Tale und The lost Book of the Grail

 


 

Ein Dankeschön an Babsi: Ich wusste gleich, dass ich unglaublich viel Spaß beim Beantworten Deiner Challenge ‚Buchmagie‘ haben würde. Das war eine wirklich gute Idee!!! An dieser Stelle ganz herzliche und magische Grüße an Dich, Toni

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Blogparade Inspiration – „Über die Struktur ins Chaos“

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Auf Twitter bin ich dem Hinweis von Eva Obermann auf die Blogparade der Rechargers zum Thema #Inspirationsfeuer gefolgt und dachte gleich, die Aktion gefällt mir. Und da stehe ich nun und überlege, was ich zum Thema Inspiration beisteuern kann.

Was genau ist eigentlich Inspiration?

Wenn ich vom lateinischen Ursprung „spirare – inspiro“ ausgehe, dann bedeutet es Einatmen, Einhauchen. Ich atme etwas ein. Etwas weiter gedacht ist Inspiration etwas, was ich als Empfindung, Wahrnehmung in mich aufnehme. Dieser Eindruck löst dann eine Aktion, ein Gefühl, einen Gedanken, eine Idee aus. Inspiration wird so gesehen also von außen initiiert, aber erst in mir drin, in der Verarbeitung des Inspirierten, findet die Umsetzung statt.

Hm, das erinnert mich doch stark an den Prozess der Kreativität. Lässt sich Kreativität auf Knopfdruck produzieren? Ja und Nein. Ich kann mich bewusst in Situationen begeben, Eindrücken, Wahrnehmungen aussetzen, die Kreativität, einen Inspirationsprozess anstoßen können. Ob es dann in den Synapsen aber auch schnackselt? Ich kann keinen kreativen Output präzise vorherbestimmen, dann wäre er ja nicht mehr kreativ.

Kreativität impliziert, dass die Idee, der Gedanke, neu, unverbraucht, überraschend und ungewöhnlich ist.

Ich kann aber einen Nährboden für Inspiration und Kreativität schaffen, in dem ich mich regelmäßig einem kreativen Prozess öffne, diesen zulasse und wie bei regelmäßigen Sport mein Gehirn darauf trainiere, die bekannten und bewährten Denkwege zu verlassen.

Über die Struktur ins Chaos, um neue Odnung zu entwickeln.

Über Kreativität und wie ich kreatives Denken anstoßen kann, schrieb ich im Zusammenhang „Kreatives Schreiben“ im little blog.shop Schreibworkshop vor ein paar Jahren. (Liest Du HIER)

Buchcover The Writers Reader, Toni ScottBislang habe ich Gedanken über Inspiration und Kreativität beschrieben, das ist Inspiration auf der Meta-Ebene. Die nächste Frage wäre dann, durch welche Erlebnisse, mit welchen Techniken versetzen sich Autoren in einen kreativen Denkzustand? Wann fließen die Gedanken unzensiert? Bei einem Tee, am Strand, in einem Zenkloster, während der Loveparade, im Gespräch mit jemandem, auf dem Klo?

Es ist sicherlich schön, im Austausch mit anderen über die unterschiedlichen Erfahrungen und Möglichkeiten zum Thema Inspiration zu philosophieren. Ahh, der macht das, die macht es so… Ich möchte noch einmal zurück zum ursprünglichen Gedanken gehen. Inspiro = Einhauchen. Da schwingt der Gedanke mit, das Kreativität, das Kunst einen göttlichen Funken in sich trägt, der das Kunstwerk, den kreativen Output vom 08/15 Ergebnis unterscheidet und ihn darüber erhebt.

Und das passt auch zu dem Buch, welches ich gerade lese: The Writer’s Reader. Vocation, Preparation, Creation. [Edited by Robert Cohen and Jay Parini. Bloomsbury 2017]. Vocation bedeutet Berufung, Talent, Neigung. In dieser Essaysammlung beschreiben Autoren und Schriftsteller im ersten Teil, wie sie ihre Berufung fanden. Das hat auch was von Aufruf und ich bin gedanklich bei einem spirituellen Aufruf der Götter, der Muse (was auch immer jeder für sich einsetzen mag). Ein Aufruf durch die Götter … denn es ist wohl so, dass Berufung eine Kraft zu sein scheint, die sich ihren Weg bahnt, die nach draußen will, die ausgelebt werden will. Immer wieder liest man von Autoren den Satz „Ich muss schreiben“, als wäre es ein innerer Zwang, der sie treibt.

 

Musiker, Maler, Künstler, Wallstreet-Broker, wenn es die Berufung ist, dann gibt es kein Entkommen.

Und in diesem Sinne möchte ich eine kurze Geschichte erzählen, von Berufung, von göttlicher Intervention, vom Aufruf zur Berufung.

 

In den neunziger Jahren lebte ich in einer kleinen Stadt in Niedersachsen. In dem Haus in der schmalen Nebenstraße, in dem ich eine kleine Wohnung hatte, wohnte eine entzückende alte Dame. Wir grüßten uns immer sehr freundlich. Ich habe die alte Dame ein einziges mal besucht. Danach habe ich sie nie wieder gesehen. Den Besuch werde ich jedoch nie vergessen. Die Wohnung lag im zweiten Stock, vielleicht war es auch der dritte. Aber das spielt keine Rolle. Der Flur war schmal und das Wohnzimmer mit großen, dunklen Möbeln aus den sechziger Jahren vollgestellt. Wir nannten sowas früher Gelsenkirchener Barock.  Die vorherrschenden Farben waren Grün und ein dunkles Braun, wie polierter Mahagoni. Es war etwas düster und roch leicht muffig. So, wie man sich eben Wohnungen von alten Leuten vorstellt. Dabei war es blitzsauber, nicht, dass wir uns falsch verstehen.

Ich saß auf etwas abgewetzten Sofa und trank einen Tee mit der alten Dame. Sie muss etwa achtzig Jahre gewesen sein und ihr Gedächtnis war nicht mehr das Beste. Obwohl wir angeregt plauderten, wiederholte sich die gleiche Unterhaltung alle fünf Minuten. Ihr Blick verlor sich im Raum, fokussierte sich wieder und das Gespräch begann von vorne. Wir sprachen über den Wochenmarkt und das frische Gemüse, und sie zeigte mir voller Stolz ein Ölgemälde, welches Ihr Sohn gemalt hatte. Ich habe bestimmt dreimal aufs Neue erstaunt das Bild bewundert.

Beim vierten Mal standen wir auf, gingen zu dem Bild und sie erklärte mir, dass dieses Bild von ihrem Sohn sei und sie es oft anschauen würde. Ich lächelte und erwiderte, dass das ganz wundervoll sei und ihr Sohn sehr talentiert. Sie ergriff meinen Arm, schaute mich mit klarem Blick an und die Stimme, die vorher so weich und fast brüchig gewesen war, sprach nun klar, deutlich und artikuliert. Sie sagte zwei Sätze: „Sie haben die Gabe. Nutzen Sie sie!“ Der durchdringende Blick zog sich zurück, ihre Augen hatten wieder einen milchigen Schleier, suchten nach einem Fokus. Auch ihre gerade so klare Stimme war wieder weich, leise, etwas zittrig. Sie hielt einen Moment inne, als überlegte sie, wo sie aufgehört hatte zu sprechen. Es war der Wochenmarkt und das Gemüse und das Bild, welches ihr Sohn doch gemalt hat. Ich war zu erschrocken, zu irritiert von der Bemerkung, dass ich vergaß zu fragen, wie sie das gemeint hätte. Ich habe sie nie wieder getroffen. Weder im Flur, noch ergab sich eine Gelegenheit sie zu besuchen. Auf mein Klingeln reagierte niemand, obwohl sie da sein musste. Ihr Briefkasten, die Zeitung, all das wurde geleert. Dann bin ich in eine andere Stadt gezogen.

Ich frage mich, was aus der Dame geworden ist. Ob ihr Sohn sie besucht hat, ob sie irgendwann in ein Seniorenheim gezogen ist, was aus dem Bild geworden ist. Und ich verstehe bis heute nicht, was da eigentlich passiert ist.

Ich stelle mir vor, dass es Engel gibt und so ein Engel durch sie gesprochen hat. Ich stelle mir vor, dass sie, wie ein Medium in einer Trance, eine Botschaft von wo auch immer empfangen hat. So ein bisschen gruselig und mysteriös ist das ja schon. Wie auch immer, es ist wirklich so passiert und ich frage mich, was genau diese Gabe ist, ob ich sie bereits gefunden habe, ob es das Schreiben ist oder etwas anderes. Wie ich sie nutzen soll. Ich habe keine Ahnung. Wenn es das Schreiben ist, dann ist es da und ich erweise mich der Botschaft hoffentlich als würdig. Dann muss ich keine Angst haben.

Dann liegt der Weg vor mir, auch wenn das Schreiben jeden Tag neu, jeden Tag anders, jeden Tag verborgen vor mir liegt und die Geschichten, Worte und Sätze von mir entdeckt werden wollen.

 


 

Ihr seid neugierig, wer an der Bloggerparade teilnimmt und was es alles zum Thema Inspiration zu entdecken gibt? Dann folgt dem Link zu Eva:

Startschuss zum #Inspirationsfeuer – macht mit bei unserer Blogparade

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