Author Archives: Toni Scott

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Strandimpression little edition by Toni Scott

Buchpassion – Lieblingsautoren

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Auch dieses Jahr startet Janine auf ihrem Blog Kapri-ziös wieder die Aktion #Buchpassion. Vom 25. September 2017 bis 01. Oktober 2017 gibt es verschiedene Möglichkeiten sich zum Thema ‚Lieblingsautoren‘ mit Literatur, Büchern und buchigem Drumherum auseinanderzusetzen, unter anderem eine Twitterparty am 28. und eine Insta-Challenge vom 25. bis 29. Dabei ist die Vorgabe nur eine Richtung und Janine wünscht sich ausdrücklich eine freie und kreative Interpretation.

Ich habe letztes Jahr mit viel Spaß mitgemacht und  mich von Marguerite Duras inspirieren lassen (Liest Du HIER). So gesehen war es für mich bereits ein wenig zum Thema Lieblingsautoren. Ich möchte auch dieses Jahr wieder das eigene Schreiben mit einem literarischen Vorbild verschmelzen lassen. Mein Beitrag startete von Hand geschrieben am Strand von St. Peter-Ording unter dem Eindruck des Buches, welches ich mitgenommen hatte und nach einem 10km Marsch durch die Nordseewellen, die an den Strand rollten, meine Füße umspülten und deren Gischt an meinen Beinen hochsprühte.

Dünen
Strand
Dünen 2

 

Das Einzige, was Dir den Tag verderben konnte, waren Menschen, und wenn Du Verabredungen aus dem Weg gehen konntest, waren die Tage grenzenlos.
Ernest Hemingway

 

Ich war zum Schreiben gekommen und jetzt sind meine Beine sandig und ich kann das Notizheft nicht ablegen. Ich kann auch nicht schreiben, denn der Wind hat meine Finger kalt und steif gepustet. Ich sitze im Sand, der kühl und leicht feucht ist, in Erwartung der kommenden Flut. Das Rauschen der Wellen geht im Wind unter, vermischt sich zu einem Strom von Wasser und Wind, der überall ist, ohne Grenze, ohne Anfang, ohne Ende … ohne Bestimmung.

Also lese ich. Meine klammen Finger halten das Buch und der salzige Wind frisst sich in die Buchseiten. Ich könnte mir vorstellen, dass ein Herr, wohlgemerkt ein Gentleman, am Strand entlang spaziert. Er würde einen hellen Leinenanzug tragen und einen Hut und vielleicht würde der Gentleman sogar Phantasie und Wagemut zu seinen Charaktereigenschaften zählen, was er natürlich gut verstecken könnte, und wegen der Phantasie würde er seine Budapester ausziehen und mit nackten Füßen durch den Sand gehen.
Er würde grüßen, denn sowas tut ein Gentleman und sich höflich nach meiner Lektüre erkundigen. Ich könnte antworten:« Hemingway. Ich lese Hemingway.« Und damit wäre alles gesagt. Dann könnte ich gedankenverloren auf das Meer schauen und mich fragen, ob ich ein guter Schreiber bin. Ob ich Hemingway als Vorbild nacheifern sollte, ob das überhaupt möglich ist oder von vorne herein zum Scheitern verurteilt. Der Gentleman würde seinen Hut ziehen und mir noch einen schönen Tag wünschen und seinen Spaziergang fortsetzen und ich wäre wieder allein. Mit mir und dem Schreiben und dem Buch und Hemingway.

Es ist nur ein Gedanke. Alles ist Gedanke.

Ich sitze am Strand und ich will gar nicht, dass dieser Moment, dieses Sein im salzigen Strom aufhört. Mir ist absolut klar, dass ich später aufbrechen muss, zurück gehen, bevor mich die Flut verschluckt, bevor der Tag der Dunkelheit weicht. In diesem Moment ist das Sein aufgelöst und Teil des Meeres … der Luft. In diesem Moment bin ich und bin nicht. Es gibt keine Grenze zwischen den Gedanken und dem Schreiben, so wie es keine Grenze zwischen den Wassertropfen im Meer gibt und keine Grenze zwischen dem Meer und dem Horizont. Ich bin grenzenlos, im Sein … im Schreiben.

Ich weiß, dass ich zurück muss und das macht mich traurig. Die Traurigkeit zerstört das Sein und den Moment und das Eins. Und so weiß ich nicht, ob ich jetzt schon gehen soll, damit ich beim Gehen die Traurigkeit überwinde oder ob ich verweile. In diesem Augenblick bin ich traurig, weil der Abschied vom Strand naht und das hat das Glück über den Tag am Strand genommen. Warum also das Unglück noch länger hinauszögern und sich dem Unvermeidlichen fügen?

Ich könnte zurückgehen und einen Kaffee trinken. Das wäre ein neues Glück und da es auch ein alltägliches Glück ist, wäre ich nicht so traurig, wenn auch dieses Glück wieder endet. Alles Glück endet und verrinnt wie das Meer in den Furchen, die sich mit den Wellen in den Sand graben. Das Glück endet in dem kurzen Moment, im Innehalten und der Erkenntnis dessen Endlichkeit. Es ist wie ein kurzer Tod im größten Empfinden der Freude.

Man darf sich von der Traurigkeit aber auch nicht überrumpeln lassen, denn sonst dürfte man erst gar nicht an den Strand gehen und würde sich von vornherein des größten Glücks berauben. Man muss den Schmerz einkalkulieren und den richtigen Moment zum Abschied finden, bevor die Traurigkeit zu groß wird und das Glück verschlingt wie die Wellen den Sand mit den aufkommenen Gezeiten und man leblos und starr vor Traurigkeit liegen bleibt, unfähig, durch den Schmerz einem neuen Glück entgegenzugehen.

So ist das. Im Leben und am Strand.

 


Hemingway, Ernest: Paris, Ein Fest fürs Leben. 10. Auflg. Rowohlt Taschenbuch Verlag. Reinbeck bei Hamburg 2016. S. 41.

 


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Strickpullover by little edition

Jump into writing, der Schreibpullover

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Nein, er schreibt nicht von alleine. Der Schreibpullover ist auch keine Techno-Hose wie bei Wallace & Gromit. Der Schreibpullover ist einfach nur ein flauschiger Wollhaufen mit genügend Platz für Pizza, Kekse und Schokolade, damit man beim Schreiben nicht verhungert, die Speckröllchen nicht kneifen und mit ganz langen Ärmeln mit eingebauten Handwärmern gegen kalte Hände beim Tippen.

Es geht also weniger um Eleganz, denn um Gemütlichkeit. Zum Schreiben ist das Außen nicht wichtig. Es wird nur dann wichtig, wenn es stört, das Außen vom Schreiben ablenkt. Kalte Hände und steifgefrorene Finger sind einfach zu viel des Außen und machen das Schreiben unmöglich. Zumindest für mich mit meinem arktischen Blutdruck.

Ich hatte bereits kleine Strickprojekte wie Mützen und Handstulpen umgesetzt und so Pulswärmer sind echt eine gute Alternative. Aber ich wollte mehr. Und nachdem ich diesen Pullover gesehen hatte, fühlte ich mich bereit für eine neue Strickherausforderung.

 

Auf Pinterest  (wie immer) fündig geworden, habe ich ein Board mit meinen Strickinspirationen für Dich angelegt.

 

Auf ins Strickabenteuer: Anleitung auf ravelry gekauft „downgeloaded“ und ausgedruckt, Wolle in meinem Lieblingswollgeschäft ausgesucht, passende Stricknadeln (bezahlt …) und es konnte losgehen. Die Ausführung gestaltete sich schwieriger als erwartet, da meine Wolle deutlich dünner als die für die Maschenprobe angegebene war und ich den Pullover größer und weiter haben wollte. In Teilen war es experimentelles Stricken und ich musste diverse Male komplett neu anfangen, viele, viele Reihen aufribbeln, wieder neu ansetzen, umdenken und planen. Für den allerersten Pullover und die Nerven keine guten Voraussetzungen, aber Zähigkeit zahlt sich aus und nach tatsächlich neun Monaten inklusive einer Strickpause wegen der blöden Arthrosehände habe ich ihn fertig gestrickt.

Schreibpullover little edition 1
Schreibpullover little edition 6
Schreibpullover little edition 5
Schreibpullover little edition 3
Schreibpullover little edition 8
Schreibpullover little edition 2
Schreibpullover little edition 9
Schreibpullover little edition 7

Da isser. Weit, fluffig, mit extralangen Ärmeln und Daumenloch.

Wenn Dir der Pullover gefällt, dann findest Du auf Ravelry die Strickanleitung von Atelier Alfa  (die ich für mich abgewandelt habe) und auch Beispiele von anderen Strickbegeisterten, die dieses Modell gestrickt haben (wenn Du einen Account hast).

Wo ich nun so im Schwung war, habe ich aus den Resten eine Mütze gestrickt. Schnörkellos im Ringellook, das klappt in drei Tagen und Mützen mag ich auch sehr. Mein erste Mütze wurde nach einer schottischen Strickanleitung gefertigt, die ich ebenfalls auf Pinterest/Ravelry entdeckt hatte und ich habe sie in allen Varationen von Farben und Wollen. Und wo das mit der Mütze schon so gut geklappt hat, … ein Schauchschal ist dann auch keine Herausforderung mehr. Ich hab‘ es eben gerne warm und kuschelig!

Der Sommer war ja nun … irgendwie blöd, dafür kommt der Herbst so sicher wie das A … und vielleicht habt Ihr auch so kuscheligwarme Strickprojekte oder seid gerade frisch inspiriert?

Ich stricke jedenfalls als nächstes Projekt einen Schlauchschal mit keltischem Knotenmuster … der liegt hier schon in der Warteschleife.


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little edition by Toni Scott

Klein, Stark … Tödlich!

Category:Prosa | Kurzgeschichten | Lyrik Tags : 

little edition by Toni ScottAn der Mosel begann die Ostersaison bei schönstem Sonnenschein. Dr. Gernot Acker zerrte an seiner Krawatte, trank einen Schluck Wasser. Kein Wunder, dass er sich verkühlt hatte. In Daun regnete es seit Tagen, inklusive Nachtfrost. Er legte einen Arm um die junge Frau, lächelte in das Handy. Klick. Die nächste. Kalter Schweiß lief ihm den Rücken herunter. Gernot Acker setzte sich und begann aus seinem Buch »Kreativ mit Hypnose« zu lesen. Seine Brust schmerzte. Er hustete. Peinlich berührt sah er den blutigen Auswurf, der auf den aufgeschlagenen Seiten klebte. Bevor er den eitrigen Klumpen mit einem Taschentuch entsorgen oder in Erwägung ziehen konnte, die Lesung ganz abzubrechen, wurde ihm schwarz vor Augen.

„Kommst Du mit einen Döner holen? In der Kantine gibt es heute Prummewärmp.“
„Zuckersuppe? Wie sind die denn drauf! Klar komme ich mit.“
Uwe Glanz zog seine Jacke vom Stuhl, als das Telefon klingelte.
Er nahm das Gespräch an und grinste Hauptkommissarin Claudia Werner zu, die bereits an der Tür wartete. Dann grinste er nicht mehr.
»Die von der Seuche haben angerufen. Verdacht auf Lungenpest.«
»So’n Quatsch. Das ist Grippe. Meine Nachbarin ist auch krank, geht gerade im Kindergarten um.“
„Steck mich bloß nicht an, ob Pest oder Grippe, am Wochenende spielt Eintracht Trier.“
»Seh‘ ich aus, als ob ich die Pest … schon gut, ich kümmere mich.«
»Und immer schön Abstand halten!«

Krankenhäuser riechen alle gleich. Kommissarin Werner atmete flach. Sie war mit Dr. Dr. Dörte Messner verabredet, die die eilends eingerichtete Isolierstation betreute.
»Kripo Daun, Werner.« Sie zeigte ihren Dienstausweis.
Die Ärztin trug unter ihrem Kittel ein Batikshirt mit dem Aufdruck ‚Nerd goes viral‘. Neben ihr auf dem Schreibtisch dampfte ein Thermobecher Kaffee mit dem Werbeaufdruck einer lokalen Kaffeerösterei. Kommissarin Werner sog den Geruch frisch gemahlenen Kaffees ein.
»Wie sieht die Lage aus?«
»Ein Toter, elf Infizierte. Mit Yersinia pestis ist nicht zu spaßen. Drei Tage Inkubationszeit und wenn nicht innerhalb von 24 Stunden therapiert wird, war’s das.«
»Der Tote …?«
»Gernot Acker, 53 Jahre, Psychologe. Ist auf einer Lesung kollabiert.«
»Kreativ durch Hypnose.«
»Sie waren dort?«
»Nur kurz … ich hatte Rufbereitschaft … ich wusste nicht …«
Dr. Dr. Messner griff zum Telefon und nach einem kurzen Moment betrat ein Mann im Schutzanzug den Raum, der wie ein Astronaut wirkte.
»PCR, Blutbild und Thorax. Und ich brauche mehr Streptomycin.«
»Ich sterbe?«
»Frau Werner, versuchen Sie ruhig zu bleiben. Wir testen Sie jetzt und in 15 Minuten haben wir das Ergebnis. Mit dem Antibiotikum können wir das Virus gut therapieren.«
»Ich bin doch nur zu der Lesung gegangen, weil meine Nachbarin Grippe hat und mir die Karte geschenkt hat.«
»Wir haben hier soweit alles unter Kontrolle. Und Sie bleiben erst einmal auf der Quarantänestation unter Beobachtung.«

Kommissarin Werner fühlte Übelkeit in sich aufsteigen. Lungenpest. Sie sah die Masken aus düsteren Mittelalterfilmen vor sich, Ratten, Dreck und der Gestank nach Kot und Pisse. Ihr Mund war trocken. Dieser Gernot Acker hätte bei den Guldenburgs mitspielen können. Wie Sigmar Solbach, in den sie als kleines Mädchen unsterblich verliebt gewesen war. Dr. Acker hatte auch so schlanke Hände. Bestimmt war sie nicht die einzige, der das aufgefallen war. Wo hätte sich ein Mann, der offensichtlich zur Maniküre ging, mit dem schwarzen Tod anstecken sollen? Sie rieb sich die kaltschweißigen Hände an der Jeans.

In einem kleinen Aufenthaltsraum gab es Kaffee, der in einer Thermoskanne zusammen mit trockenen Keksen auf einem Servierwagen stand.
»Haben Sie nicht gestern neben mir gesessen?«, fragte Kommissarin Werner eine junge Frau.
»Ich weiß nicht … ich fühle mich wie in einem Alptraum. Wer kriegt denn heute noch die Pest?«
»Wird schon. Die Ärztin sah aus, als wenn sie alles im Griff hätte.«
»Und was, wenn das Antibiotikum nicht wirkt. Das hört man doch immer, dass die resistent sind und so.«
»Waren Sie eigentlich vorher schon mal auf einer Lesung von Dr. Acker?«
»Ja, ich habe auch ein Coaching gebucht. Erst dachte ich, Hypnose, das klappt doch eh nicht, aber dann war ich ganz tief weg. Das war unglaublich. Gernot hatte total recht mit dem Zustand der schöpferischen Fülle.“
„Sie haben sich geduzt?“
»Gernot ist sehr einfühlsam. Für ihn ist ein enger Kontakt zu seinen Patientinnen ganz wichtig, um den Zustand der schöpferischen Fülle zu erreichen.«

Das Robert-Koch-Institut hatte ein Team aus Frankfurt losgeschickt. Der lokale Seuchenschutz war alarmiert, die Kollegen unterstützten vor Ort. Kommissarin Werner trommelte mit den Fingern auf die Tischplatte. Ihr war übel, aber herum zu sitzen machte die Sache nur noch schlimmer. Und außerdem war Karfreitag. Sie war doch mit ihrer Schwester verabredet. Sie rieb sich die Stirn. Wie zur Hölle war Dr. Acker an die Pest gekommen? Und wieso hatte es überhaupt nicht nach Pest ausgesehen? Die hatten doch immer diese Eiterbeulen oder war das Lepra?

Sie stand auf und wanderte durch das kleine Krankenzimmer der Isolierstation. Madagaskar kämpfte mit Pestepidemien, der Kongo. Aber mitten in Deutschland? Da musste mehr dahinter stecken. Kommissarin Werner schaffte es, unbemerkt die Station zu verlassen und schlich weiter zum Labor. Auf dem Tisch standen Plastikröhrchen mit Blutproben in einer quadratischen Halterung. Daneben lagen mehrere Listen mit Namen. Das mussten Teilnehmer der Lesung sein. Sie überflog die Daten, blieb bei ihrem Namen hängen, las weiter, stutzte, überlegte kurz und nahm einen Schutzanzug aus Plastik, Einmalhandschuhe und einen Mundschutz, stopfte die Sachen in ihre Tasche. Auf dem Weg zum Parkplatz tippte sie eine Nachricht in ihr Handy, dann erbrach sie sich in einen Busch.

Kommissarin Werner parkte in einiger Entfernung des Bungalows von Dr. Acker, zog sich den weißen Overall und die Handschuhe an und stülpte sich den Mundschutz über.
»Kripo Gerolstein«, nuschelte sie auf den fragenden Blick eines Beamten hin und hielt den Dienstausweis so, dass er weder ihren Namen, noch ihr Foto richtig erkennen konnte. Das Haus war modern und teuer eingerichtet. Mit Hypnose ließ sich offensichtlich Geld verdienen. Sie öffnete eine Zimmertür und schaute sich überrascht um. Traumfänger, Zimmerbrunnen, eine Liege mit Kissen, Buddhastatuen. Nach so esoterischem Zeug hatte Dr. Acker gar nicht ausgesehen. Sie blätterte durch ein paar Bücher. Nichtssagende Fachliteratur. Dazwischen ein speckiger Lederfoliant. Neugierig schlug sie den Deckel auf. »Sch…, das darf nicht wahr sein!“ Kommissarin Werner starrte auf eine Tube Gleitcreme und K.O.-Tropfen, die in dem ausgehöhlten Buch versteckt lagen. Schöpferische Fülle … er war so einfühlsam, die Worte der jungen Frau klangen in ihr nach. Ob sie auch …? Sie tippte eine Nachricht an ihren Kollegen ins Handy.

»Was kann ich für Sie tun?“
Dr. Dr. Dörte Messner saß an ihrem Schreibtisch. Hinter ihr hing ein Diplom des Friedrich Loeffler-Instituts an der Wand.
»Ich wollte mehr über das Bakterium erfahren. Mmmh, das riecht aber gut.“
»Mein Lieblingskaffee. Möchten Sie eine Tasse?“
»Gerne. Der Krankenhauskaffee ist ungenießbar.« Kommissarin Werners Blick fiel auf eine Aquarellzeichnung auf dem Schreibtisch. »Sie malen?“
»Kreativer Ausgleich zur Arbeit.«
»Ist es richtig, dass die Pest via Tröpfcheninfektion übertragen wird?«
»Das kommt auf den Wirt an, meistens sind es Flöhe. In Amerika sind Fälle durch Hauskatzen dokumentiert.«
»Ich habe gelesen, dass es trotz Impfung zur Erkrankung kommen kann. Bei der abrasiven Pest ist das aber anders?«
»Die abortive Pest verläuft von den Symptomen ähnlich einer Grippe und hinterlässt durch Bildung von Antikörpern eine lebenslange Immunität.«
»Sie waren auch erst kürzlich wegen eines grippalen Infektes krank gemeldet, Frau Dr. Messner?«, Claudia nippte einen Schluck Kaffee, »Wow, der ist ja stark. Wie heißt noch mal die Sorte?«
Dr. Dr. Dörte Messner sah auf einmal müde aus.
»Schwarzer Tod.«


Wer keine Angst vor dem „Schwarzen Tod“ hat und auf den Geschmack kommen möchte, HIER geht’s zur Dauner Kaffeeröstrei. Ich habe den Kaffee dort während mehrerer privater Besuche kennengelernt. Zwischen der Kaffeerösterei und mir besteht keine kommerzielle Verbindung. Meine Kurzgeschichte war übrigens für das Krimifestival Eifel eingereicht, bei knapp vierhundert Einsendungen … hat es nicht geklappt, macht aber nix. Es geht um das Schreiben!

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little edition by Toni Scott

Rezension „Crossroads, Ein Inspector Norcott Roman“

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little edition by Toni ScottEs gibt Geschichten, die verdienen eine besondere Leseumgebung. In diesem Fall geht es um den Krimi ‚Crossroads‘ von Jürgen Albers. Wir schreiben das Jahr 1940. Der britische Chief Detective Inspector Charles Norcott hadert mit dem Tod seiner Frau, was auch berufliche Spuren hinterlässt und so kann er wenig dagegen tun, auf einen Posten auf die Kanalinsel Jersey weggelobt zu werden.
Die Kanalinseln verbinden die gute englische Tradition mit französischem Flair, einer üppigen Bilderbuchvegetation, bedingt durch den warmen Golfstrom und die Nähe zu Frankreich. Fischerboote, die in der glitzernden See dümpeln, emsiges Treiben am Hafen, Touristen, Märkte. So idyllisch diese Aussicht, so schnell ist die Illusion vorbei.

Eine junge Frau wird auf der Nachbarinsel Guernsey ermordert, die Deutschen Truppen halten Frankreich besetzt und die kleine Inselgruppe wird zum Dreh- und Angelpunkt unterschiedlicher staatlicher Interessen. Die britische Armee zieht sich zurück, dafür kommen die Deutschen. Ein Großteil der Bevölkerung flieht, die Zurückgeblieben versuchen aus der völligen Isolation und Abgeschnittenheit das Beste zu machen. Norcott ermittelt nun auf Guernsey und wächst mit diesem neuen Team zusammen, findet Freunde und Unterstützung an Stellen, wo er es nicht vermutet hätte.

Ich denke, der Reiz der Kanalsinseln besteht aus der Mischung eines friedlichen Fleckchens Erde mit mediterranen Klimabedingungen, weit weg vom Festland und den alltäglichen Unbillen, verbunden mit einer touristisch ausgerichteten romantischen Erwartungshaltung an das Leben dort. Nicht umsonst hat auch der französische Schriftsteller Victor Hugo Guernsey zu seinem Exil erkoren. Als Schauplatz für einen Kriminalroman, eingebettet in einen historischen Kontext, entsteht eine ganz natürliche Kammerspielatmosphäre, die für Spannung und Dichte sorgt.

»Aber es war eine trügerische Ferne und diese Illusion war das erste Opfer der deutschen Invasion gewesen.«(S.313)

Albers hangelt sich nicht einfach von Ereignis zu Ereignis, er zeichnet ein ganz lebendiges Bild der Zeit und der Menschen auf dieser Insel. Und wie in einem Kammerspiel liegt der Fokus auf der psychologischen Dramaturgie. Charles Norcott, der Hauptprotagonist, ist ebenso einfühlsam, wie getrieben in seiner Arbeit als Polizeiermittler. Vielleicht sogar ein Stück zu sehr bemüht, ein anständiger Kerl zu sein, wenngleich angedeutet wird, dass er in der Vergangenheit nicht sehr zimperlich mit seinen Mitmenschen umgegangen ist. Die politische Lage, die Bedrohung durch die deutsche Invasion spiegelt Norcotts Innenleben. Und ich gehe so weit zu sagen, dass die durch die äußerlichen Umstände hervorgerufene Gefühlslage Norcotts unterdrückten Gefühlen entspricht.

»Norcott stand wortlos a Fenster seines Büros und sog die bedrückende Stimmung in sich auf, ließ sich ganz auf sie ein. Er wollte Trauer und Hoffnungslosigkeit tief in seinem Fühlen verankern. Sie würden Verbündete sein gegen William Henley.« (S.126)

Seine Kollegen, ich sage mal salopp, ein Haufen eingeschworener Dorfpolizisten, laufen bei den Ermittlungen zu Höchstform auf und doch trägt jeder von ihnen ganz individuelle Züge und hat eine eigene Geschichte. Für frischen Wind sorgt die Künstlerin und Aushilfslehrerin Vicky Rhys-Lynch, die die Ermittlungen unterstützt, aber auch auf der privaten Ebene Norcott die Möglichkeit gibt, sich mit seiner Vergangenheit und seiner Zukunft auseinander zu setzen.

»Offen gesagt, Chief Inspector, ein Kaffee wäre mir lieber. Ich konnte mit Tee noch nie etwas anfangen. Sehr unbritisch, in der Tat.« (S.41)

little edition by Toni ScottDieses Zitat ist ebenso ein Beispiel, wie Albers britischen Sprachgebrauch einbindet, ohne dass es, wie an anderen Stellen, als Slang ins Auge fällt: die Bekräftigung „indeed“, „in der Tat“ am Ende eines Satzes ist in der Tat „very British“. Spannend die Fährten, die Albers rund um einen Mord auslegt, der nicht der einzige bleiben wird.

Der Witwer des Mordopfers Nora Henley ist so glatt, so wenig berechenbar, dass wir als Leser nicht sicher sind, ob wir ihm alles zutrauen sollen oder sogar müssen. Einen Einblick in Henley bekommen wir erst spät in der Geschichte und im Zusammenhang mit der die Protagonisten nervenden Vermieterin der Henleys, Mrs. Dobbs, deren inszenierte Darstellung ihrer Selbst natürlich nicht nur Fragen bei Norcott und seinem Team aufwirft, sondern auch den Leser aufhorchen lässt.

Henley vergleicht Mrs. Dobbs und seine Beziehung zu ihr mit einer Qualle, deren giftige Tentakeln sich um ihn schlingen. Eine wunderbar unverbrauchte Metapher, die umso mehr Gewicht bekommt, da wir bis dahin praktisch keinen Einblick in das Gefühlsleben Henleys bekommen.

Sie war wie eine von den seltenen Riesenquallen, die in sehr heißen Sommern manchmal an den Strand gespült wurden – schwammig, weich … fast unsichtbar warfen sie ihre Nesselfäden um ihre Opfer. Henley hatte einmal so eine Qualle gesehen, in deren giftigen Fäden noch ein halbverdauter Fisch hing … ein ekelhafter Anblick war das gewesen.« (S.317)

Die Ermittlungen im Mordfall Henley dehnen sich bis nach Frankreich aus und hier verweben sich nun historische Geschichte, Figuren und Handlungsstränge. Die deutschen Besatzer sind nicht nur braune Masse, sondern sorgsam differenzierte Charaktere, die der Handlung ebenfalls zu mehr Tiefe verhelfen. In Kombination mit den französischen Kollegen, die wie der Zitronensaft auf der Auster für mehr Würze – und auch Humor – sorgen, ist das Ermittlungsteam losgelöst von politischen Interessen ausschließlich an der Lösung des Falls interessiert und kann sich doch nicht aus den Fängen der Kriegsereignisse und deren Konsequenzen lösen.

»Mit einem elegantem Schwung steckte sich Grignard die Serviette in seinen Uniformkragen und behielt sein stilles Lächeln. Er kostete ausgiebig die Suppe, dann legte er den Löffel beiseite. »Sie haben wieder recht, Chief Inspector.« Er nahm noch einen Löffel voll Suppe, als wenn er seine Meinung noch einmal überprüfen wollte und genoss die aufmerksamen Blicke seiner drei Kollegen.
»Was? Ach Sie wollen wissen …?«
Norcott hätte den Franzosen gern ein wenig geschüttelt, aber er behrschte sich.
»Jaaa!«

Auch die Nebenschauplätze, die kleinen alltäglichen und auch kriegsbedingten Probleme der Bewohner, der Alltag jenseits der Touristenidylle, die Realität hinter der schönen Fassade,  ergänzen nicht nur die Haupthandlung, sondern sorgen für eben dieses lebendige Bild und erzählerische Dichte. Darüber hinaus wartet der Roman mit einer Karte und einem Glossar auf, welches auf Bedarf wertvolle Ergänzungen und Erklärungen zum Verständnis liefert und einen kleinen Ausblick in die Zukunft.

Der Autor verabschiedet seine Leser mit einem italienischen Gruß „Vai a casa tranquillamente – la commedia è finita!“ und führt uns damit aus der Zeitreise und der Reise auf eine gar nicht so beschauliche kleine Insel vor den Küsten Frankreichs zurück in die Gegenwart.

little edition by Toni ScottMein Fazit: Crossroads ist ein grundsolide erarbeiteter Kriminalroman, welcher sich exzellent bei einer Tasse Tee genießen lässt.

Auf ein Wort … Tina Köpke hat ein ausnehmend gut gestaltetes Cover entworfen, welches der Geschichte einen würdigen Rahmen verleiht, damit noch einmal die Professionalität des Buches unterstreicht und den Qualitätsstandard im Selfpublishing demonstriert.

Ich bin nun sehr gespannt auf den Folgeroman »Erased« und freue mich auf ein neues Lesevergnügen. Natürlich bei einer Tasse Tee!


Albers, Jürgen: Crossroads, Ein Inspector Norcott-Roman. Selbstverlag. 616 Seiten. 2017
ISBN-13:978-1545357613
ISBN-10:1545357613

Erhältlich via amazon als Taschenbuch oder E-Book oder beim Autor z.B. via Twitter

 

 

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little edition by Toni Scott

Litcamp17 | Mein Literaturcamp in Heidelberg

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Am 24. und 25. Juni 2017 fand das zweite Litcamp in Heidelberg statt. Ein Barcamp mit dem Schwerpunkt Literatur für alle Lese- und Schreibbegeisterten. Und dieses Jahr war ich dabei.

little edition by Toni ScottDer Weg ist das Ziel

Die Anreise vom gefühlt nördlichen Polarkreis durch die Republik gestaltet sich mit der Bahn unberechenbar. Dafür habe ich mich auf dem Boden im Zug sitzend (immerhin in der ersten Klasse) sehr nett mit einem Informatiker unterhalten, dem ich vom Litcamp und auch von der Entwicklung und Qualität des Selfpublishings erzählen konnte. Eine Begegnung, die unter normalen Reisebedingungen sicherlich so nicht stattgefunden hätte.

Dank der Empfehlungen auf der Seite des LitcampHD habe ich ein sehr schönes und wunderbar gelegenes Pensionszimmer in der Altstadt bekommen, was meinem Budget als armer Poet sehr entgegen kam. Vielen Dank an die Pension Jeske für die mentale Unstützung auf der elfstündigen Anreise …

Heidelberg ist umwerfend.

Wenn man sich für Architektur und Kultur interessiert, für schöne Ansichten und Ausblicke, dann ist man hier am richtigen Ort. Und ein Litcamp beinhaltet für mich auch ein Versprechen an Inspiration und Kultur, an literarischer Kontemplation. Ganz das early bird bin ich am Samstag  frisch geduscht um 7 Uhr los marschiert, habe die Alte Brücke überquert, den Heidelberger Liebesstein fotografiert und bin in einer frühmorgendlichen Sommerbrise am Neckar entlang zum Dezernat16 spaziert.

Das Litcamp – live dabei

Über vierzig Sessions und neun Räume, das ist der Wahnsinn. Ich habe meine Sessions auch danach ausgewählt, wen ich aus meiner Twitterblase als Referent gerne näher kennenlernen möchte. Wegen der vielen parallel laufenden Sessions nicht immer möglich und den ein oder anderen habe ich deswegen gänzlich verpasst, was ich sehr bedauere. Was das Treffen von Twitterbekannten angeht: manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht und muss sich via Twitter orten. Das Litcamp ist eine Begegnungsstätte und in diesem Sinne habe ich mich über viele kurze und längere Gespräche gefreut.

Nun zeichnen sich Buchmenschen häufig durch eine gewisse Scheu aus, die einem gerne mal im Weg steht. Mir zum Beispiel. Ich gehe davon aus, dass ich weitestgehend unerkannt durch diverse Timelines rausche und so wollte ich mich auch nicht bei Alexandra vom Bücherkaffee anbiedern. Jedesmal, wenn ich an ihr vorbeikam, habe ich nur freundlich gelächelt. Zuviel VIP-Blogger-Respekt?? Schön doof, denn schließlich sprach sie mich an und da war schon keine Zeit mehr für einen gemütlichen Kaffee.

Writing Buddies

Nine @lilywildfire ist in meiner NaNoWriMo-Budyliste und jetzt konnten wir uns endlich mal richtig unterhalten. Auch Tanja Hanika gehört nun definitiv zu meiner Autorenfreundeliste. Ich habe Nike Leonhard wiedergetroffen, ein Anker, denn ich hatte sie auf der Leipziger Buchmesse persönlich kennengelernt. Klug und unaufgeregt, wie ich sie auf Twitter und auf ihrem Blog kennengelernt habe.

Ich hatte gerade bei den Blogparaden von Babsi @blues1ren (HIER geht’s zu meinem Beitrag) und den Rechargers @variemaa (über Inspiration liest Du bei mir HIER) mitgemacht und konnte mich persönlich für die tolle Aktion bedanken. Das passt auch über so eine Blogparade hinaus.

Ganz gerührt war ich von der Widmung, die mir Dr. Jürgen Albers @dr._juergen in mein persönliches Exemplar „Crossroads“ geschrieben hat. Wir haben ein paar Sessions zusammen erlebt, ein wenig philosophiert und ich wurde sehr aufmerksam und lieb mit Kaffee versorgt.

Sessions |Multitasking | Marketing

Nein, auch wenn Jürgen von meiner angeblichen Multitaskingfähigkeit zum Zuhören und Twittern beeindruckt war, so wirklich klappt das nicht, denn ich habe praktisch keine Photos gemacht. Dafür habe ich Maggo @maggostopheles nach seiner Session gebeichtet, dass ich es war, die einen Lovestorm wegen seiner Stimme losgetreten hat. Seit meinem VHS-Kurs zum Thema Stimmtraining (den Beitrag dazu liest Du HIER) achte ich viel mehr auf Stimmen und deren Wirkung. Mir hat sein breites Wissen sehr imponiert und ich finde Marco darüber hinaus auch sehr sympathisch. Die Session hatte defintiv Mehrwert und wurde ja auch gestreamt (demnächst bei youtube verfügbar).

Er war einer der wenigen, die sich außergewöhnlich gut präsentiert haben und da kommt dann der Werbemensch in mir durch. Am Ende muss sich die Sache verkaufen, ob nun Vortrag oder Buch. Und das gelingt über Marketing und auch, wenn Suse recht provokativ „Fuck Marketing“ als Session angeboten hat, ist die Art und Weise der Präsentation (als Synonym für Marketing) entscheidend für die Wahrnehmung beim Kunden (Leser, Zuhörer …) und dessen Kaufentscheidung. „Das kaufe ich ihm ab“ ist ein Ausdruck, der die Glaubwürdigkeit bestätigt. Wenn jemand oder etwas glaubwürdig ist, dann werden wir ihm eher vertrauen. Wenn ich als Autor glaubwürdig bin, dann werden Leser eher mein Buch lesen, ein neues Buch ebenfalls kaufen, mir zuhören.

Marketing heißt nicht zwangsläufig, den Kunden zu verarschen. Marketing beinhaltet Strategien, ein Produkt (Dienstleistung) sichtbar, wahrnehmbar und interessant zu machen und den Nutzen für den Kunden herauszustellen, so dass dieser bereit ist, Zeit und/oder Geld zu investieren. Alle Autoren/Selfpublisher müssen sich mit Marketing in eigener Sache auseinandersetzen. Selbst das Litcamp muss das, um für Sponsoren interessant zu sein. Das ist weder verwerflich noch schlecht. Es ist die Art und Weise, wie genau das dann passiert, die über die Wahnehmung und den Erfolg des Marketing entscheidet. (Ein paar Gedanken über Inbound und Outbond Marketing liest Du HIER)

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Inspiration, Musen und der innere Kritiker

Tanja Steinlechner vom Schreibhain aus Berlin, Eva und auch Nicole Neubauer haben sich in ihren Sessions mit diesen Themen auseinander gesetzt. Inspiration kommt auf vielen Wegen und ihr Todesurteil sind die inneren Stimmen, die uns Autoren sagen, dass wir nicht gut genug sind, dass uns eh keiner lesen wird, dass alle anderen besser, klüger, profilierter sind. Dazu gibt es viele inspirierende Bücher und man muss sie immer wieder zur Hand nehmen und lesen. Aber noch viel wichtiger ist der Austausch mit Autorenfreunden.

Ich habe es heute an Nika Sachs @bordsteinprosa getwittert und sage es noch einmal: „Wenn wir uns nicht fair und neidlos unterstützen, wer dann?!“ Wir müssen aus unserer Schreibisolation ausbrechen und uns gegenseitig stärken und bestärken. Denn wer versteht Schreibprozesse und das Leben mit dem Schreiben besser als wir Autoren selbst?

Unerwartete Begegnungen und Grüße an die Daheimgebliebenen

Auf einmal saß Sascha @whatawrite vor mir, mit dem ich zusammen mit Ricarda @schreibsuechtiQ auf der Autorenrunde der Leipziger Buchmesse sehr angeregt gesprochen habe. Ich bin ein echter Selfieversager, denn das Bild, mit dem wir Ricarda grüßten, gehört nun nicht gerade zu denen, die ich als gelungen bezeichnen würde. Der Wille zählt, oder?

Auf eben dieser Buchmesse habe ich von der Verlagschefin Antje Wolf vom blv-Verlag unter anderem einen Kugelschreiber von Ingrid Haag bekommen. Die Ingrid guckte auch recht verduzt, als ich sie hier auf dem Litcamp ganz selbstverständlich grüßte und auch noch genau diesen Kuli aus meiner Tasche zog. Die Wege des Kulis …

Die Seele des Dezernat16

little edition by Toni Scott… ist Dirk Welz, sagte die Kulturbeauftragte aus Heidelberg zu mir. Und das kann ich bestätigen. Ich hatte das Vergnügen, abends einen kleinen Schnack mit Dirk zu halten und ich glaube, er ist der Ruhepol und Gegensatz zu Susanne Kasper, die ein nimmermüde Motor ist, um Gespräche und Kontroversen anzustoßen. Und in diesem Sinne bewegt das Litcamp nicht nur uns als Teilnehmer, sondern bewegt auch generell.

Und natürlich frage ich mich, was so ein Litcamp mit mir macht, mit meinem Schreiben, mit meiner Wahrnehmung von mir als Autorin. Ich bin dazu mit der Bergbahn zum Schloss hochgefahren und durch den Schlossgarten und die Gebäude spaziert. Ich habe all die Eindrücke vom Litcamp mitgenommen und all die Menschen, denen ich dort begegnet bin und habe das alles bedacht, überdacht und wirken lassen.

Auf dem Weg zur Weisheit

Am Morgen des Sonntags traf ich einen Pilger an der Buhaltestelle. Er erzählte von 27 Jahren Pilgerschaft und der Wandlung in seinem Leben und dem Glück, das er dadurch erfahren hatte. Er trug mir sein Gedicht zur Einsamkeit vor. Eine Einsamkeit, die ihn antrieb, die kein schwarzer Dämon, sondern eine verheißungsvolle Leere war, die es zu füllen galt. Am Abend, nach einem langem Tag, traf ich ihn in der Altstadt wieder und er rezitierte sein Gedicht über den Himmel und wünschte mir ein gutes Leben und dass ich Glück auf meinem Weg finden möge. Und wieder war es der Gedanke, nicht allein zu sein, einen Sinn zu entdecken, wenn man nur zu sehen bereit ist, der hinter seinen Gedanken stand.

Und das ist es doch, was das Litcamp ausmacht. Wir sind nicht allein. Nicht in unserem Schreiben und nicht in unserem Autorenleben. Wir gestalten es gemeinsam. Wir können füreinander da sein, uns zuhören und ermutigen, wenn wir uns dafür entscheiden. Wir alle tragen dazu bei, das Litcamp, das Schreiben und die Literatur mit Leben zu füllen und so Spuren auf dem Weg zu hinterlassen.

 

 

 

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