Monthly Archives: Juni 2011

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Artikel und Lyrik

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Magazinartikel

Das Beste genießen (Hrsg. Schiffner Media)

2008, Ausg. 3/4, S. 11 „Edle Tischkultur oder Fines de Claires an Butterstulle“

2008, Ausg. 1/2 S. 30 „Wein, Winzer, Wunder und der Geist der Traube“

2008, Ausg.1/2 S.34 „Die Perlen der Champagne“

Die Artikel sind im Text-Portfolio enthalten.

 

Lyrik

Mit der Lyrik ist das so eine Sache. Ich habe bereits in der pubertären Selbstfindungsphase versucht mich durch Lyrik auszudrücken ‑ manchmal auch, um langweilige Mathestunden zu überleben. Auch die Lyrik anderer zu lesen gehörte dazu. So war die Autorin und Lyrikerin Kristiane Allert-Wybranietz sehr populär, traf schlicht den Zeitgeist und auch mein Seelenleben als Heranwachsende.

Entgegen der üblichen wissenschaftlichen Herangehensweise, die ich dann später an der Uni vertieft habe, meine ich, dass Lyrik in erste Linie die Sinne ansprechen sollte. Lyrik sollte intuitiv erfahrbar sein. Es mag durchaus seinen Reiz haben, Lyrik auf ihre handwerkliche Substanz hin zu sezieren. Auch das Verstehen der Motivation des Autors im Hinblick auf seine Biographie, das Heranziehen von Sekundärliteratur und die Berücksichtigung der Konzeptionsgeschichte geben verständnisfördernde, überraschende und relevante Informationen zur Interpretation des Werkes.

Dennoch halte ich das aber für eine einseitige Betrachtungsweise. Ich möchte mit meiner Lyrik den Leser über eine intuitive Verstehensweise ansprechen. Das kann auf sehr unterschiedliche Weise funktionieren, so zum Beispiel über das Klangbild, über die beim Leser evozierten Gefühle, Assoziationen, der Möglichkeit, sich mit dem Inhalt zu identifizieren. Denn Lyrik entfaltet ihre Schönheit ebenso über die Gefühlswelt und den Erfahrungsschatz des Lesers, seiner Biographie und somit zu dem immer wieder neuen, individuellen und subjektiven Erleben von Sprache.

Diese Erfahrungsweise einbezogen, stellt sich Lyrik als Kommunikation auf mehreren Ebenen dar: der zuerst angesprochenen Ich-Botschaft des Autors, des nun hinzu kommenden Ich-Erlebens des Lesers beim Lesen sowie eine Art Meta-Kommunikation zwischen Autor und Leser.

Für mich wirft das subjektive Ich-Erleben des Lesers spannende Fragen auf: Was fühlt und empfindet der Leser, was bewegt der Text in ihm, unabhängig meiner Konzeptionsgeschichte oder meiner Motivation? Eine Erfahrung, die sich dem Autor generell sehr selten oder nur oberflächlich mitteilt. Ganz anders zum als beim Werbetext: hier wird das Ich-Erlebnis des Lesers als potentieller Kunde so präzise wie möglich kalkuliert und forciert.

2008 und 2009 habe ich auf Twitter bei der Aktion „Twitter-Lyrik“ (Hrsg. von literaturcafé.de und BOD) mitgemacht. Es war großartig zu sehen, dass Lyrik auch auf Twitter funktioniert.

Seitdem ich hie und da meine Gedichte auf dieser Seite veröffentliche, wünschte mir, ich könnte an all dem Ich-Erleben meiner Leser teilhaben. Es wäre mit Sicherheit bereichernd!


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